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Young Fast Running Man: Young Bird (Review)

Artist:

Young Fast Running Man

Young Fast Running Man: Young Bird
Album:

Young Bird

Medium: CD/LP/Download/Limitiert
Stil:

Folk, Blues, Liebe und Leidenschaft

Label: Slash Zero Records
Spieldauer: 42:32
Erschienen: 02.11.2018
Website: [Link]

Er ist ein junger Mann, der verdammt schnell laufen kann und junge Vögel liebt – so viel verrät uns schonmal vorab der (vermeintliche) Bandname YOUNG FAST RUNNING MAN und der Albumtitel Young Bird. Doch dieser Name steht nicht vorrangig für eine Band, sondern in erster Linie für einen Musiker aus München, dessen offensichtliche Leidenschaft der Folk und der Blues, besonders unter Einbeziehung von akustischen Gitarren, ist. Sein Name FABIAN HERTRICH, seine offensichtlichen Vorbilder TIM BUCKLEY, NICK DRAKE und MARK LANEGAN im Songwriter-Bereich, beim Blues ERIC CLAPTON, BOB DYLAN und PETER GREEN – die auch herrlich bei dem von der Mundharmonika dominierten Instrumental „Red Kite“ durchklingen.
Natürlich sind zugleich modernere Einflüsse unüberhörbar, wie I AM KLOOT und BLACK REBEL MOTORCYCLE CLUB. Selbst die Weltmusik lässt ihn offensichtlich nicht kalt, wofür auch dieser „Young Bird“ und seine indianische Gestaltung, der den Namen seines Albums und das Cover illustriert, stehen. Doch im Grunde ist die dieser YOUNG FAST RUNNING MAN trotz aller Vergleiche ein herrlich eigenständiger, kompositorisch extrem einfallsreicher Musiker, der noch dazu in der Lage ist, Texte wie ein anspruchsvoller Liedermacher zu verfassen, auch wenn es bis zu dem dylanischen Nobelpreis noch ein weiter Weg ist und die Hoffnung besteht, dass Fabian Hertrich nicht ein ähnlich seltsamer Zeitgenosse wie der introvertierte Dylan wird.

Noch dazu ist Hertrich neben dem Musiker, auch ein Künstler, der seine nicht nur richtig gut klingende, sondern auch beeindruckend aussehende, streng auf 200 Exemplare limitierte LP selbst gestaltet hat. Jedes Teil einzeln handgefertigt – das Artwork genauso wie das im Linoleum-Druck gefertigte Cover. Doch das ist noch immer nicht alles. Öffnet man die LP, so entdeckt man einen LP-großen, beidseitig wiederum im gleichen Druckverfahren wie das Cover gefertigt, Einleger mit einem Fisch und den Angaben zum Album auf der einen und einem Blick auf einen Baumstumpf und seine Jahresringe – ebenso wie auf dem LP-Label des Vinyls – auf der anderen Seite. Auch ein Aufkleber mit dem Covermotiv und ein zweiter mit dem Bandsymbol fallen uns noch entgegen. Hier steckt mal wieder unglaublich viel Liebe im Detail. Aber dass auch FABIAN HERTRICH und die ihn auf „Young Bird“ unterstützenden Musiker allesamt große Könner sind, das ist die beste Nachricht zu einem Album, das dem Folk und Blues samt guten englischen Texten huldigt, ohne wie ein Aufguss aus der Musik ihrer Vorbilder zu klingen. Der „Young Bird“ und seine Begleiter fliegen und flattern mal in Formation, dann wieder im wilden Durcheinander zwischen unseren Boxen hin und her, dass es eine wahre Freude ist. Angetrieben werden sie dabei neben dem klassischen Rockinstrumentarium und akustischen Gitarren oder Bässen auch von Violinen, Posaunen, Tuba, Trompeten und sogar einer Sitar.

Der in Landshut geborene Musiker nähert sich in seinen Songs intensiv allem Natürlichen und auch Traditionellen an. Es ist ihm in seiner Musik – dem Folk und Blues, genauso wie den eindringlichen Texten – wichtig, dass man sich einerseits seiner Herkunft und andererseits seiner Bestimmung, die besonders im Schutz und (leider längst auch) der Rettung der Natur liegt, besinnt, sich dieser stellt, statt ständig abzuducken und seinen bequem gewordenen Luxus-Arsch in den nächsten SUV zwängt, um auf vier Rädern sein Selbstbewusstsein zu vergrößern, das man im Grunde ohne den großen rollenden und die Umwelt verpestenden Käfig um sich, gar nicht hat. Die jedenfalls sollten unbedingt einmal „Rod And Line“ hören.

Fabian Hertrich, der über eine sehr warme, den Hörer mitunter zart umschmeichelnde Stimme verfügt, kommt oft auf seine niederbayerischen Wurzeln zurück, wie der kleine „verwurzelte“ Vogel, der sein Plattencover in indianischem Stil und seinen Song auf der LP-B-Seite ziert und der, so hoch er auch fliegt, seine Wurzeln nie aus dem Blick verliert, selbst wenn er in Liedermacher-Art über „Erich“ und „Catch 22“ singt.
Oder der „Hoochie Coochie Man“, der zum Blues wie der Dorn zur Rose gehört, und im verträumten „Bina Valley Blues“ als zärtlich besungene Erinnerung auftaucht, dann wieder mit „Electrified“ in bester Blues-Rock-Manier seine Wurzeln krachend rocken lässt.
„Rising Sun“, der die LP abschließende Song, ist dann etwas ganz Besonderes, da er sogar psychedelische Elemente und indische Weltmusik samt Sitar- und Tabla-Spiel in sich vereint und bei dem GEORGE HARRISON an der Himmelspforte sicher Beifall klatschen wird. Ganz großes Gefühlskino für die Ohren!

Übrigens hat im Juni 2018 YOUNG FAST RUNNING MAN einen OLLI SCHULZ supportet, aber wer dieses Album vom jungen Vogel hört, der stellt fest, dass es eigentlich umgekehrt sein müsste, denn das, was FABIAN HERTRICH und seine musikalischen Begleiter sangesmäßig wie auch unter musikalischem Aspekt auf „Young Bird“ präsentiert, sticht im Grunde alle Alben des besonders als Radiomoderator mit Böhmermann bekanntgewordenen Liedermachers aus. Jetzt jedenfalls sind YOUNG FAST RUNNING MAN gerade mit WUCAN unterwegs – eine wirklich feine Mixtur.

FAZIT: „Young Bird“ von YOUNG FAST RUNNING MAN ist eine leider noch immer im Verborgenen blühende wunderschöne Folk-Blues-Rock-Blume, die nicht nur beeindruckend klingt, sondern in der auf 200 LP‘s limitierten, von Hand gestalteten Kunstdruck-Hülle durch all die künstlerische Leidenschaft zugleich begeistert!

Thoralf Koß - Chefredakteur (Info) (Review 639x gelesen, veröffentlicht am )

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Tracklist:
  • Seite A (20:51):
  • Free (1:21)
  • Electrified (5:32)
  • Rod And Line (3:32)
  • Canola Sea (3:05)
  • Bina Valley Blues (3:46)
  • Love Bird (3:35)
  • Seite B (21:41):
  • Red Kite (2:17)
  • Catch 22 (3:42)
  • Encrimed By The Thieves (4:09)
  • Erich (3:38)
  • Young Bird (4:16)
  • Rising Sun (3:39)

Besetzung:

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