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Pendragon: Love Over Fear - Deluxe Edition (Review)

Artist:

Pendragon

Pendragon: Love Over Fear - Deluxe Edition
Album:

Love Over Fear - Deluxe Edition

Medium: CD/Buch/Do-LP/Deluxe/Limitiert/3-CD-Box
Stil:

Progressive Rock

Label: Toff Records/Just For Kicks
Spieldauer: 192:21
Erschienen: 14.02.2020
Website: [Link]

Bei CLIVE NOLAN und PENDRAGON stellt man sich als Marillion- und/oder Pink-Floyd-verliebter Prog-Head oftmals auf gepflegte neoprogressive Gewohnheiten, die auch schnell mal in Langeweile abrutschen können, ein. So ist es nicht wirklich ein echtes Ereignis, wenn PENDRAGON mal wieder mit einem neuen Album aufwarten.
Außer natürlich…
...die vier Herren um Mastermind NICK BARRETT überraschen einen mit solch außergewöhnlich ambitionierten und deutlich auf die GENESIS-Wurzeln zurückgreifendes Album, das in seiner Deluxe-Variante, bestehend aus drei CD's und einem 10“-LP-großen Hardcover-Buch, nicht nur aus musikalischer, sondern auch künstlerischer und natürlich haptischer Sammler-Sicht für Begeisterung sorgt.

Im Grunde bleibt auf dem nunmehr 11. PENDRAGON-Album „Love Over Fear“ nur der typische Barrett-Gesang und sein floydianisches Gitarrespiel beim Alten, doch statt der oftmals MARILLION-inspirierten Klangwelten der letzten Jahre begeben sich PENDRAGON zu ihren breit ausladenden neoprogressiven Wurzeln der frühen 90er-Jahre zurück, als sie mit echten Neo-Prog-Referenzwerken wie „The Window Of Life“ oder „The Masquerade Overture“ aufschlugen. Natürlich setzen sie hierbei auch vielmehr auf Schönklang und Melodie als auf Komplexes oder Verschachteltes, wobei zugleich eine deutliche Hinwendung zu vielfältigen akustischen Teilen unüberhörbar ist. Gerade diese verleihen dem 2020er-Album einen besonderen Reiz, der sich genau in der Stimmung des wunderschönen Wasserwelt-Covers widerspiegelt und die faszinierenden Bilder im Inneren des Buchs noch stärker untermalt.

Dass dieses Buch noch dazu eine CD mit der rein akustisch ausgerichteten Aufnahme des kompletten Albums, also viel Akustik-Gitarre, aber trotzdem zugleich jede Menge Keyboard, sowie eine weitere mit der rein instrumentalen, die glattweg als ein gelungener OLDFIELD-Output mit GENESIS-Attitüde durchgehen würde, enthält, katapultiert „Love Over Fear“ im Grunde auf den ersten Platz ihrer bisher elf Alben. Ein Gesamtkunstwerk, nicht hingeschludert, sondern akribisch durchdacht und umgesetzt. Chapeau!

Insgesamt fällt „Love Over Fear“ musikalisch genauso besinnlich, verträumt und farbenfroh – mit deutlich nächtlich-blauer, manchmal gar todtrauriger Orientierung, wie bei der Ballade „Starfish And The Moon“ – aus wie das dazugehörige Buch, in dem jeder Song durch ein ganzseitiges Aquarell-Bild illustriert wird (Besonders beeindruckend das Schlangenmotiv zu „Truth And Lies“ sowie das Himmelsauge zu dem folkigen „360 Degrees“!) und am Ende liebevolle Naturfotos die Aussageabsicht des Albums untermauern: Achtet auf und bewahrt die Natur und deren ganze Schönheit zu Land, zu Luft und zu Wasser. Unter diesem Aspekt tritt musikalisch das gewohnt Floydianische oder auch Härteres zugunsten von Alt-GENESIS-Affinem in den Hintergrund, wobei auch viele folkloristischen Elemente oder die Einbeziehung eines „Barjazz“-Saxofons auf der Klavier-Streicher-Akustik-Ballade „Whirlwind“ den PENDRAGONschen Musik-Horizont erweitern. Erinnerungen an BIG BIG TRAIN und GALAHAD kommen unweigerlich auf.

Wenn das Rundum-Kunstwerk mit „Afraid Of Everything“ und der Carpe-Diem-Botschaft: „Lass die Vergangenheit hinter dir, lebe den Moment, als wäre er dein letzter!“, endet, um dann noch einen Bezug zu der unerforschten Natur herzustellen: „Vielleicht werden wir eines Tages 10.000 Fuß tief tauchen, ohne Angst vor dem zu haben, was wir dort begegnen“, dann haben PENDRAGON endgültig den Beweis dafür erbracht, dass ihnen mit „Love Over Fear“ das beste Album ihrer 35jährigen Karriere gelungen ist. Gerade aus diesem Grund sollte man unbedingt auf die kunstvoll gestaltete 3-CD-Deluxe-Version im Hardcover-Buch zurückgreifen.

FAZIT: Mit „Love Over Fear“ vollbringen PENDRAGON das kleine, für viele sicher unerwartete Wunder, das beste Album ihrer über 35jährigen Bandlaufbahn vorzulegen, das musikalisch und gestalterisch durch eine intensive Liebe zu jedem noch so kleinen Detail besticht und außerdem, gerade der akustischen Album-Variante wegen, ohne ein schlechtes Gewissen dabei haben zu müssen, in einem Atemzug mit den frühen GENESIS-Alben genannt werden kann.

Thoralf Koß - Chefredakteur (Info) (Review 1851x gelesen, veröffentlicht am )

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  • 1-3 Punkte: Grottenschlecht - Finger weg
  • 4-6 Punkte: Streckenweise anhörbar, Kaufempfehlung nur für eingefleischte Fans
  • 7-9 Punkte: Einige Lichtblicke, eher überdurchschnittlich, das gewisse Etwas fehlt
  • 10-12 Punkte: Wirklich gutes Album, es gibt keine großen Kritikpunkte
  • 13-14 Punkte: Einmalig gutes Album mit Zeug zum Klassiker, ragt deutlich aus der Masse
  • 15 Punkte: Absolutes Meisterwerk - so was gibt´s höchstens einmal im Jahr
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Wertung: 12 von 15 Punkten [?]
12 Punkte
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Tracklist:
  • CD 1 = Love Over Fear = (64:08):
  • Everything
  • Starfish And The Moon
  • Truth And Lies
  • 360 Degrees
  • Soul And The Sea
  • Eternal Light
  • Water
  • Whirlwind
  • Who Really Are We?
  • Afraid Of Everything
  • CD 2 = Love Over Fear – Acoustic = (64:05):
  • Quae Tamen Omnia (Everything But Everything)
  • Truth And Lies
  • 360 Degrees
  • Starfish And The Moon
  • Soul And The Sea
  • Eternal Light
  • Water
  • Whirlwind
  • Who Really Are We?
  • Afraid Of Everything
  • CD 3 = Love Over Fear – Instrumental = (64:08):
  • Everything
  • Starfish And The Moon
  • Truth And Lies
  • 360 Degrees
  • Soul And The Sea
  • Eternal Light
  • Water
  • Whirlwind
  • Who Really Are We?
  • Afraid Of Everything

Besetzung:

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  • keine Interviews
Kommentare
roadrunner158
gepostet am: 13.03.2020

User-Wertung:
12 Punkte

Ich finde "Love Over Gold" ja auch klasse, aber das Album hier heißt "Love Over Fear" :-)

Review kann ich ansonsten so unterschreiben.
evilknievel
gepostet am: 13.03.2020

User-Wertung:
11 Punkte

Der erste Song hätte mir das Album fast verleidet. Eine uptempo Songidee aus der man nichts machen wollte oder konnte wird vor den eigentlichen Song gestellt. Der Übergang ist grausam.
Ein zusätzlicher Punkt Abzug für die instrumentale und die Acoustic Version, weil beides überflüssig ist.
Pendragon back to the roots, was viele alte Fans freuen wird. Mir hat die moderne Soundausrichtung auf Alben wie Passion oder Pure trotzdem sehr gut geschmeckt und halte diese Alben für unterbewertet.
Thoralf Koß
gepostet am: 13.03.2020

@roadrunner158
Ach ja, da waren tatsächlich insgesamt zwei "freudsche Verschreiber" in meiner Review, die ich natürlich sofort behoben habe. Aber für mich ist "Love Over Gold" tatsächlich das beste DIRE STRAITS-Album. Und das gilt im Falle von PENDRAGON ebenso!
Thomas
gepostet am: 15.03.2020

Dann muss ich PENDRAGON mal wiede rwagen: bislang scheiterten all meine Versuche am Gesang
(-1 bedeutet, ich gebe keine Wertung ab)
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