Musikreviews.de bei Facebook Musikreviews.de bei Twitter

Partner

Statistiken

Portmonee: 404 (Review)

Artist:

Portmonee

Portmonee: 404
Album:

404

Medium: CD/LP/Download
Stil:

Deutscher Alternative-Rock und Indie-Pop

Label: Popup Records
Spieldauer: 50:17
Erschienen: 10.07.2020
Website: [Link]

„Wirf dein Kleingeld weg und nimm’s staubige Kreuz von der Wand, der neue Messiahs hat jetzt sechs Köpfe, heißt PORTMONEE und kommt aus Berlin-Moabit.“ (PORTMONEE unter ihrer fb-Seite)

Willkommen in der Hamburger Schule, auch wenn diese nach BLUMFELD, TOCOTRONIC oder DIE STERNE mit einer Geldbörse aus Berlin fortgesetzt wird, die auch viel von KRAFTKLUB und BILDERBUCH hat und ihr Debüt-Album noch dazu nach einer Fehlermeldung, wenn man im Netz auf einen Dead Link trifft, nennt: „404“.

Was nur reitet eine junge Berliner Band, wenn sie sich den Namen PORTMONEE verpasst und ihrem Album eine Fehlermeldung? Im www. jedenfalls tun sie sich damit absolut keinen Gefallen. Doch hier geht’s um Musik und nicht die Schwierigkeiten bei einer Internet-Recherche zu Album und Band. Die Musik des Berliner Sextetts jedenfalls sollte auf dem breit gefächerten deutschen Musikmarkt so einige Aufmerksamkeit verdienen, so schwer sie auch zwischen ANNENMAYKANTEREIT und VON WEGEN LISBETH zu entdecken ist, doch irgendwie gehört sie genau dorthin, selbst wenn sie sich mit viel Ironie und schwarzem Humor nach „Rio“ sehnt.

Um den Befindlichkeiten in ihren deutschen Texten, die sich oftmals darum drehen, dass man es in der Zone – also Ex-DDR – oftmals deutlich schwerer und gegen sinnlose Vorurteile zu kämpfen hat, Ausdruck zu verleihen, wählen PORTMONEE die unterschiedlichsten Musik-Stile, die neben Alternative-Rock und Indie-Pop auch Funk und Punk sowie etwas Techno aufweisen. Viel Kritik und verhaltener Optimismus, aber ein gezielter Blick auf das soziale Umfeld, machen ihre vertonten Kurzgeschichten aus, aus denen aber auch immer ein fast rotziger Stolz spricht, wie ein erhobener verbaler Stinkefinger gegen all diejenigen, die den Scheiß, der hier noch viel zu oft verzapft wird, auch noch schönreden. Und wenn beispielsweise „Wild Wild East“ die DDR-Jugend und das, was daraus geworden ist, bissig beschreibt, dann weiß man in welche Richtung dieser Biss geht…
...denn außerdem ist „Zu viel Love“ sowieso nicht gut!

PORTMONEE wollen offensichtlich nicht Allerwelts Liebling sein, sondern gerne auch mal provozieren und sich für die Schwachen einsetzen, die, ohne etwas dafür zu können, wie abgehängte Einbeinige auf einer lobbyträchtigen Arschtreterparty landen. Sie sind die musikalische Prothese, die treffsicherer als jeder zweibeinige Wichtigtuer-Eierkopp Mister Arschlochs Popans erwischt und stellen dabei auch noch „Heilig“ die Frage: „Wer bin ich? Gott oder Diktator?“

Energetischer Deutschrock mit moderner Attitüde und deutschen Texten, denen man unbedingt zuhören sollte. Dann entdeckt man beispielsweise darin auch die Empfehlung, dass Radio auszumachen, wenn darin Helene auftaucht, wogegen „Mick Jagger“ einen fetten Zuschlag und eine Geige erhält: „Du hast immer gesagt, wir brauchen keinen Jesus an der Wand – nur Mick Jagger, der für uns singt.“

Rundum scharf wie „Chili“ kommt vieles auf „404“ rüber – und ähnlich frech wie es die RED HOT CHILI PEPPERS in ihren Anfangstagen waren. Garantiert eine Band, die sich auf den favorisierten Playlists der PORTMONEE-Bandmitglieder befindet.

FAZIT: „404“ sollte nicht als musikalische Fehlermeldung, sondern ein Indie-Deutsch-Rock-Ereignis mit dem die Berliner Band PORTMONEE überzeugend debütiert, empfunden werden. Die Stärke sind neben dem Indie-Rock mit Pop-Appeal, der sich viel auch mit ostdeutschen Befindlichkeiten beschäftigt, zugleich die aussagekräftigen Texte, sodass gut und gerne auch Vergleiche zu zwei der besten Ost-Bands greifen: ROCKHAUS und PANKOW – und die Westsozialisierten suchen sich ihre Vergleiche im Rahmen der sog. Hamburger Schule.

Thoralf Koß - Chefredakteur (Info) (Review 659x gelesen, veröffentlicht am )

Unser Wertungssystem:
  • 1-3 Punkte: Grottenschlecht - Finger weg
  • 4-6 Punkte: Streckenweise anhörbar, Kaufempfehlung nur für eingefleischte Fans
  • 7-9 Punkte: Einige Lichtblicke, eher überdurchschnittlich, das gewisse Etwas fehlt
  • 10-12 Punkte: Wirklich gutes Album, es gibt keine großen Kritikpunkte
  • 13-14 Punkte: Einmalig gutes Album mit Zeug zum Klassiker, ragt deutlich aus der Masse
  • 15 Punkte: Absolutes Meisterwerk - so was gibt´s höchstens einmal im Jahr
[Schliessen]
Wertung: 11 von 15 Punkten [?]
11 Punkte
Kommentar schreiben
Tracklist:
  • Error/404
  • Wild Wild East
  • Rio
  • Karma
  • Très Jolie
  • Zu viel Love
  • Heilig
  • Sonnenallee
  • Nightrider
  • Chili
  • Mick Jagger
  • Hin & Her
  • Unter Wasser

Besetzung:

Alle Reviews dieser Band:

  • 404 (2020) - 11/15 Punkten
Interviews:
  • keine Interviews
(-1 bedeutet, ich gebe keine Wertung ab)
Benachrichtige mich per Mail bei weiteren Kommentaren zu diesem Album.
Deine Mailadresse
(optional)

Hinweis: Diese Adresse wird nur für Benachrichtigungen bei neuen Kommentaren zu diesem Album benutzt. Sie wird nicht an Dritte weitergegeben und nicht veröffentlicht. Dieser Service ist jederzeit abbestellbar.

Captcha-Frage Vervollständige: Wer anderen eine ___ gräbt, fällt selbst hinein.

Grob persönlich beleidigende Kommentare werden gelöscht!