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Ash Ra Tempel: Gin Rosé (Review)

Artist:

Ash Ra Tempel

Ash Ra Tempel: Gin Rosé
Album:

Gin Rosé

Medium: CD+DVD/LP+DVD
Stil:

Elektronische Klangreise zweier in Freundschaft vereinter musikalischer Berliner-Schule-Legenden

Label: MG.ART
Spieldauer: CD - 69:57 / DVD - 63:18
Erschienen: 27.11.2020
Website: [Link]

In der Kraut- und Berliner-Schule-Szene sowie um das Julian-Cope-Krautrock-Buch herum ist dieses Konzert legendär und hält zugleich einen einmaligen, unwiederbringlichen Moment fest. Denn zum letzten Mal spielen hier, in der Royal Festival Hall auf Einladung von JULIAN COPE im April 2000 die Gründungsväter von ASH RA TEMPEL zusammen: Gitarrist und Soundtüftler MANUEL GÖTTSCHING sowie Keyboarder und Soundtüftler KLAUS SCHULZE.

Der Grund hinter diesem Konzert war genauso ungewöhnlich wie das Konzert selber. JULIAN COPE, ehemaliger Musiker der britischen Neo-Psyche-New-Wave-Band TEARDROP EXPLODES, Buchautor und leidenschaftlicher Krautrock-Fan, hatte Göttsching und Schulze im Jahr 2000 zu seinem Cornucopea Festival nach London eingeladen. Während der Vorbereitung auf dieses Konzert entstand zudem auch noch das faszinierende Berliner-Schule-Referenz-Album „Friendship“, das wir mit dem Fazit versahen: „So also klingt die wahre musikalische Freundschaft zweier zur Legende gewordener Krautrocker der Berliner Schule. Keyboards, die sich zwischen schwebendem Ambient bis hin zu dynamischem Techno bewegen, während die Gitarren, akustisch und elektrisch, nicht nur rocken, sondern auch richtig träumen können, während zarte Percussion- und Akustik-Tupfer der neuzeitlichen Elektronik sogar ein natürlich-weltmusikalisches Flair verleihen.“

So also klangen die beiden damals im Studio – und gänzlich ähnlich, wie im Fazit dargestellt, klingen die beiden nun auch live in London!

Beide Aufnahmen, sowohl das Studio-Album „Friendship“, das während der Vorbereitungen auf das „Gin Rosé“-Konzert in der Royal Albert Hall entstand, als auch der Londoner Konzertmitschnitt unter dem Titel „Gin Rosé“ erschienen damals, also vor gut 20 Jahren, in kleinen, sehr schnell vergriffenen, CD-Auflagen. Doch die Nachfrage war weiterhin riesig, sodass das Studio-Album bereits 2014 als CD wiederveröffentlicht wurde und nun also das Live-Album erstmals überhaupt als Vinyl-Variante und als CD+DVD-Ausgabe, die gerade durch die Bonus-DVD mit einem Großteil der Konzertaufnahmen und vom Soundcheck (ca. 10 Minuten) höchst empfehlenswert ist, erscheint. Egal, ob die Bildqualität eben als nichtprofessioneller, sondern persönlicher Mitschnitt daherkommt.

Der Titel des Albums basiert auf den Lieblingsgetränken der Musiker, die sie gerne hinter der Bühne genossen. Eine kluge Wahl, denn auch die Musik auf „Gin Rosé“ ist echt berauschend und eine ganz große Werbung für die elektronische Musik, nicht nur der Berliner Schule, sondern der Electronics schlechthin, die nicht etwa durch KLAUS SCHULZE, der ja in Deutschland fast wie ein Electronic-Guru verehrt wird, sondern speziell MANUEL GÖTTSCHING ihre wahre Stärke und Vielfalt entwickeln.

Der Titeltrack bewegt sich stark in Richtung WAHNFRIED – ist also deutlich Schulze-lastig ausgeprägt, auch wenn Göttsching, wie man auf der beigelegten DVD sehen kann, einen erheblichen Anteil daran hat. Zu wahrer ASH RA TEMPEL-Atmosphäre mit deutlicher Göttsching-Dominanz aber entwickelt sich das beinahe halbstündige zweite Stück „Eine pikante Variante“. Wirklich pikant ist hierbei bereits das ausgiebige Gitarrenspiel, das bestechend und zugleich tempel-typisch ist, wenn es sich mit den Electronics vereint und hypnotische Klangstrukturen entfaltet. Kein Wunder, dass gerade hier die Cornusupea-Festival-Besucher andächtig lauschen und dann euphorisch am Ende des Konzerts ihrer Begeisterung freien Lauf lassen. ASH RA TEMPEL at its best und zugleich die federführenden Urgesteine krautrockiger Berliner Schule, was man dank der beigefügten Bonus-DVD nicht nur hören, sondern endlich auch sehen kann. Noch dazu enthält das dreifaltige Digipak aktuelle (englischsprachige) Kommentare zu besagtem Konzert, wobei Schulze feststellt, dass er sich fragt, wie schnell doch die 20 Jahre seitdem vergingen und dass gerade die Aufnahmen der DVD die Atmosphäre wieder intensiv in Erinnerungen rufen – sein Fazit dazu: „It was a real pleasure for me to join in and play with my friend Manuel on that famous stage of the Royal Festival Hall...“
Wohingegen Göttsching mit etwas Distanz, aber gerade dadurch von der großen Intensität des Konzerts spricht: „From 1970 to 2000 – a mere 30 years have passed, and also Klaus and me went quite different ways, you can still hear the energy, power and joy which made ASH RA TEMPEL such a special group in their early days of 1970.“

Leider blieb dieser Auftritt der 1970 gegründeten ASH RA TEMPEL, deren wichtigster Kopf offensichtlich der Gitarrist und soundtüftelnde Keyboarder MANUEL GÖTTSCHING ist, aus dem Jahr 2000 nur ein Mini-Intermezzo gemeinsam mit KLAUS SCHULZE, das dank Mr. Cope zustande kam, aber in dieser Form keine Fortsetzung mehr fand, weswegen „Gin Rosé“ zugleich zu einem historischen Musikdokument für die Ewigkeit wurde, das in dieser 2020er-Variante ein deutliche Aufwertung (erstmals als Vinyl und mit Bonus-DVD) erhält…

...Braucht's da noch ein FAZIT? Ein wahrhaftes Live-Highlight des elektronischen Musik-Krauts aus der Berliner Schule!

Thoralf Koß - Chefredakteur (Info) (Review 706x gelesen, veröffentlicht am )

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Tracklist:
  • CD (69:57):
  • Gin Rosé
  • Eine pikante Variante
  • Bonus-DVD (63:18):
  • Soundcheck - Behind The Scenes
  • Gin Rosé
  • Eine pikante Variante

Besetzung:

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