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Klaus Doldinger: The First 50 Years Of Passport (Review)

Artist:

Klaus Doldinger

Klaus Doldinger: The First 50 Years Of Passport
Album:

The First 50 Years Of Passport

Medium: Do-LP/Do-CD
Stil:

Jazz Rock, Fusion, Kult

Label: Warner Music
Spieldauer: 75:11
Erschienen: 07.05.2021
Website: [Link]

„Hey Klaus, mein Freund und Maestro! Du warst mein erster großer Mentor auf meinem Weg ins verschärfte Musikerleben, die ganzen Zaubertricks im Studio, beim Plattenmachen hab' ich von dir gelernt – und jetzt gründen wir beide den Club der Hundertjährigen, yaeh!! Der 'Greis' ist heiß – alte Männer sind gefährlich – Alter steht für Meisterschaft und Radikalität. Wish u all the best, my jazz hero!! Dein 4 ever Freund und Buddy an der Bass Drum.“ (Udo Lindenberg im Inneren des Gatefold-Covers der Doppel-LP von „The First 50 Years Of Passport“)

Auch wenn man dieses Wort nicht, wie es viel zu viele immer wieder tun, inflationär in den Mund und unter den Schreibgriffel nehmen sollte, so trifft es für diesen Jazz-Musiker uneingeschränkt zu, besonders weil er nicht nur vor musikalischen und kompositorischen Ideen übersprudelt, sondern speziell mit seinem Saxophonspiel ein Erkennungsmerkmal geschaffen hat, das einzigartig ist. Und mit seiner Band PASSPORT setzt er noch heute höchste Maßstäbe im Rahmen modernen Jazz-Rocks. KLAUS DOLDINGER ist eine Legende! Punkt! Ausrufezeichen! Aus!

Aus Anlass seines 85. Geburtstag erscheint nun mit „The First 50 Years Of Passport“ eine Sonderedition als Doppel-Vinyl und/oder Doppel-CD, die Doldingers großartige Jazz-Rock-Phase seit 1970 – übrigens beginnend mit der „Tatort“-Serien-Musik, die natürlich ganz Deutschland kennt – beleuchtet.

Hört man den Namen KLAUS DOLDINGER, dann denkt man an einen der außergewöhnlichsten und zugleich weltweit bekanntesten Jazz-Saxophonisten, dessen Kreativität ungebremst und überbordend die Jazz-Welt Jahr für Jahr – und das nunmehr schon seit mehr als 70 Jahren (beginnend mit THE FEETWARMERS Anfang der 1950er-Jahre) – bereichert.
Hört man aber den Namen PASSPORT wiederum, so weiß man, dass diese sich ständig evolutionär erneuernde Band eine der revolutionärsten Jazz-Rock-Bands aus Deutschland ist, die man in einem Atemzug mit WEATHER REPORT, CHICK COREA, MILES DAVIS, HERBIE HANCOCK oder dem MAHAVISHNU ORCHESTRA aussprechen darf. Noch dazu waren PASSPORT, 1971 mit einem UDO LINDENBERG am Schlagzeug gegründet, bereits mit ihrem ersten Album „Cross-Collateral“ (1975) auch in den USA sehr erfolgreich und wurden dort lauthals als die deutsche Antwort auf WEATHER REPORT angepriesen.

Ach, und wusste eigentlich wer, dass AC/DC in den 70er-Jahren, als deren Bekanntheitsgrad noch nicht ganz so hoch war, während der Doldinger-Australien-Tournee die Vorband von PASSPORT waren?

Doch PASSPORT sind viel mehr.
Nehmen wir's also wörtlich: Sie sind der musikalische Reisepass in ein Klanguniversum progressiven Jazz-Rocks der allerersten Güteklasse mit dem außergewöhnlichen und zugleich einmaligen, unverkennbaren Saxophonisten KLAUS DOLDINGER als Reiseleiter, der selber in der Innenseite des Gatefold-Vinyl-Covers klarstellt: „Ich habe viele Bands und Jazz-Ensembles aus der Ferne beobachtet, in denen es in menschlicher Hinsicht selten bis nie funktionierte. Bei PASSPORT hingegen stand immer das harmonische Miteinander im Vordergrund, wovon unsere Musik, meinem Dafürhalten nach, stark geprägt war. […] Die Liebe ist vermutlich der Ausgangspunkt all der Musik, die jetzt auf diesem Doppelalbum gebündelt vorliegt.“

The First 50 Years Of Passport“ beleuchtet als 2021-Remaster also diese Zeit, in der übrigens fast 30 Alben und mehr als 350 Stücke entstanden, mit all ihren Einflüssen aus Progressive Rock, Weltmusik, Soul, Funk, Filmmusik, Klassik, Fusion usw., welche sich auf der Jazz-Grundlage breitmachten wie die vielfarbigen Blumen auf einer saftig grünen Wiese.

Eröffnet wird das Doppel-Album mit dem in Deutschland bekanntesten Doldinger-Stück, eine Serienmusik: „Tatort“. Allerdings spielt auf der remasterten Tatort-Version UDO LINDENBERG nicht mehr das Schlagzeug (sondern Willy Ketzer), was vielleicht einige alteingesessene Lindenberg-Fans bedauern werden. Dafür aber dürfen sie ihn auf der LP-A-Seite bei „Uranus“ und „Hexensabbat“ hinter den Fellen hören.

Bei der Zusammenstellung der insgesamt 15 Titel für die Doppel-LP griff Doldinger aber nicht auf eine chronologische Anordnung zurück, sondern unterteilte sie nach vier unterschiedlichen Themenbereichen, pro LP-Seite jeweils einer: A-Seite: Die Geburt von PASSPORT / B-Seite: Das Abenteuer PASSPORT / C-Seite: PASSPORT rund um die Welt / D-Seite: PASSPORT Live und Zugaben.

Ab dann folgt die pure Faszination für jeden Jazz-Rock-Fan, die nach der „Tatort“-Erkennungsmelodie volles Programm mit „Uranus“ loslegt und einem den Eindruck vermittelt, als würden WEATHER REPORT und COLOSSEUM gleichzeitig um die Wette spielen.

Auf der zweiten LP-Seite erwartet einen sogar ein mit Hang zur elektronischen Musik ausgerichtetes „Loco-Motive“-Stück, welches noch dazu mit einer fast hypnotischen Melodie-Hookline bezaubert.

Im Grunde aber kann kein Stück hervorgehoben werden oder man müsste jedes für sich in dessen einzigartiger Faszination beschreiben, wobei natürlich besonders die letzte LP-Seite, welche die unbändige Live-Spielfreude von PASSPORT wiedergibt, noch einmal gesondert hervorsticht, welche neben dem bei der 'Echo'-Verleihung gespielten „Seven To Four“, der zugleich das Doppel-Vinyl anschließt, auch das unbeschreiblich dynamische „Handmade“ enthält, auf dem auch VOLKER KRIEGEL, BRIAN AUGER, PETE YORK sowie JOHN GRIFFIN als zweiter Saxophonist mit zum Einsatz kommen.

FAZIT: Modern Jazz vom PASSPORT-Olymp mit einem Saxophon-Gott namens KLAUS DOLDINGER am Musik-Firmament. Dieser Gott, der gerade seinen 85. Geburtstag feierte, und sich sowie seine musikalischen Freunde mit „The First 50 Years Of Passport“ beschenkt, ist zwar von seiner menschlichen Hülle her genauso sterblich wie es am Ende Der Kleine Prinz war. Mit seiner Musik aber ist er unsterblich, genauso wie das kleine Männchen, das sich aus Liebe zu seiner Blume (in Doldingers Falle ist es vielmehr die Liebe zu seinem Saxophon) Hilfe auf der Erde suchte und dort mehr hinterließ, als es am Ende zurückbekam. Doldinger lives forever! Happy birthday!

PS: Und wenn jemand noch Zeit und Muße hat, dann sollte er sich unbedingt diese anderthalbstündige WDR-Doku im Rahmen von Rockpalast zu Doldingers 70. Geburtstag ansehen:

Thoralf Koß - Chefredakteur (Info) (Review 1570x gelesen, veröffentlicht am )

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  • 15 Punkte: Absolutes Meisterwerk - so was gibt´s höchstens einmal im Jahr
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Tracklist:
  • Seite A =Passport Is Born = (20:06):
  • Tatort (3:20)
  • Uranus (6:40)
  • Hexensabbat (2:41)
  • Abracadabra (7:25)
  • Seite B = Passport On Adventures = (16:02):
  • Ataraxia 1 (2:55)
  • Dawn (1:54)
  • Jadoo (3:11)
  • Loco-Motive (4:17)
  • Allegory (3:45)
  • Seite C = Passport Around The World = (18:59):
  • Bahia Do Sol (5:54)
  • Blue Tattoo (4:08)
  • Sahara Sketches (8:57)
  • Seite D = Passport Live & Encore = (20:04):
  • Shirokko (6:36)
  • Handmade (5:51)
  • Seven To Four (7:37)

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