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Klaus Schulze: Richard Wahnfried's Megatone (Review)

Artist:

Klaus Schulze

Klaus Schulze: Richard Wahnfried's Megatone
Album:

Richard Wahnfried's Megatone

Medium: CD
Stil:

Progressive- und Kraut-Rock, Electronics

Label: MIG Music
Spieldauer: 43:04
Erschienen: 30.07.2021
Website: [Link]

Unverhofft kommt oft!
Und manchmal lässt es auch die schönsten musikalischen Blüten entstehen, so wie im Falle dieses ungewöhnlichen Albums, das für alle, denen das GO-Projekt von STOMU YAMASHTA am Herzen liegt, ein wahres Freudenfest wird. Auch wenn hier ganz groß der Name KLAUS SCHULZE bzw. dessen in Anlehnung an Richard Wagners Haus benannten Synonym RICHARD WAHNFRIED auf der Musik-Verpackung steht. Denn KLAUS SCHULZEs „Richard Wahnfried's Megatone“ ist nicht die schwebende Berliner Elektronik Musikschule typischer Schulze-Art, sondern ein rockendes Projekt der Extraklasse aus dem Jahr 1984, bei dem unter dem Namen RICHARD WAHNFRIED, neben besagtem Schulze an den Keyboards, auch MICHAEL SHRIEVE und ULLI SCHOBER am Schlagzeug, HARALD KATZSCH an der Gitarre, AXEL-GLENN MUELLER am Saxophon sowie MICHAEL GARVENS und der OLDAUER MÄDCHENCHOR (auf „Angry Young Boys“) als Sänger agieren.

Bereits wie auf dem 1981er-RICHARD-WAHNFRIED-Album „Tonwelle“ sind erneut Shrieve und Garvens dabei, doch gerade die zusätzliche Gitarre und das Saxophon bereichern die für Schulze völlig ungewohnt dynamische Musik auf „Richard Wahnfried's Megatone“ ungemein und vermitteln eben jenes GO-Projekt-Gefühl, das in enger Verbindung mit dem japanischen Multiinstrumetalisten STOMU YAMASHTA steht, an dem ja neben Schulze und Shrieve auch STEVE WINWOOD, AL DI MEOLA und andere mitwirkten. Nur dass dort kein Saxophon zum Einsatz kam.
Andere, die auf der Suche nach Vergleichen für dieses wohl ungewöhnlichste KLAUS SCHULZE- aka RICHARD WAHNFRIED-Album sind, werden vielleicht auch bei der progressiven Phase eines KITARO, als der auch wild auf den unterschiedlichsten Drum-Kits rumhämmerte, fündig werden oder bei den frühen Aufnahmen von ASHRA TEMPEL und vielleicht sogar bei EBERHARD SCHOENER. Das sind alles großartige Adressen, bei denen sich im Falle von „Megatone“ RICHARD WAHNFRIED als musikalischer Untermieter einnistet.

„Angry Boys“ erinnert, besonders auch der wilden Gesänge wegen, an TANGERINE DREAMs „Rising Runner Missed By Endless Sender“ von „Cyclone“ und/oder die ARTHUR BROWN-Sanges-Beiträge von „Shadows Of Ignorance“ auf Schulzes „Dune“. Verfeinert wird die extrem rockige Nummer noch dazu von wilden, fast ekstatischen Saxophon-Beilagen sowie einem extrem verrückten Schlagzeug-Solo, wodurch „Angry Young Boys“ garantiert alle gediegenen Schulze-Fans zur Verzweiflung bringt, aber alle Freunde progressiver Space-Musik und krautrockiger Kult-Klänge vor Begeisterung sicher immer wieder nachschauen lässt, ob dieses gigantomanische, 14 Minuten lange Stück tatsächlich aus der Feder des Electronic-Gurus KLAUS SCHULZE stammt.

Aber auch die beiden noch folgenden Stücke bringen all die Qualitäten der bösen junge Burschen mit, welche das Album eröffneten, nur dass in diesem Falle beim gut achtminütigen „Agamemory“ genauso wie beim satten Zwanzigminüter „Rich Meets Max“ der Gesang fehlt, was nach dem rasanten vokalen Einstieg in das Album fast ein wenig schade ist, denn die Stimme von MICHAEL GARVENS hat es eben ähnlich wie die eines ARTHUR BROWN gehörig in sich. Instrumental aber feuern Gitarre wie Saxophon und Schlagzeug wieder gehörig rein, wobei natürlich auch Schulze sein Bestes an den Tasten gibt.

Ein Album, das man einem KLAUS SCHULZE wirklich in dieser Intensität und Dynamik kaum zugetraut hätte und welches garantiert als Referenzwerk für die Berliner (Elektronik-)Schule durchfallen würde. Doch wie drückte es bereits der gute Berliner Ex-Regent und Polit-Schleimer sowie (ganz im Gegenteil zum Flughafen) abgehobene Party-Löwe Wowereit aus: „Und das ist auch gut so!“

Recht lieblos gestaltet ist leider die Verpackung dieses ansonsten rundum beachtlichen Albums. Ein einfaches, aufklappbares Digipak ohne jegliche Zusatzinformationen, geschweige denn ein Booklet. Da ist man von MIG eigentlich deutlich Besseres gewohnt. Nun gut, wer nur die Musik für sich sprechen bzw. klingen lassen will, dem wird das nicht viel ausmachen, alle anderen werden nach dem Öffnen des Albums – genauso wie der Kritiker – ziemlich enttäuscht sein.

FAZIT: Rockig, dynamisch, beinahe brachial mit Gitarre, Saxophon sowie Schlagzeug – und sogar Gesang, der noch dazu richtig gut ist. Wer hätte das jemals von einem Album erwartet, über dem in großen Lettern der Name KLAUS SCHULZE prangt, auch wenn der diese Ausgeburt dynamischen Space- und Krautrocks bereits im Jahre 1984 unter dem (längst bekannten) Synonym RICHARD WAHNFRIED veröffentlichte. „Richard Wahnfried's Megatone“ ist nicht für die Berliner Schule sondern den progressiven Freigeist gedacht. Ein Hammer-Album, das richtig reinhaut und die Freunde der 'typischen' Schulze-Musik nicht nur verblüffen, sondern auch ein wenig verunsichern wird. Ein weiterer Glücksgriff von dem feinen Musik-Händchen aus dem MIG-music-Hause.

Thoralf Koß - Chefredakteur (Info) (Review 724x gelesen, veröffentlicht am )

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Wertung: 12 von 15 Punkten [?]
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Tracklist:
  • Angry Young Boys
  • Agamemory
  • Rich Meets Max

Besetzung:

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