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Oregon: 1974 (Review)

Artist:

Oregon

Oregon: 1974
Album:

1974

Medium: Do-CD
Stil:

Jazz, Weltmusik, Fusion

Label: MIG music/Moosicus Records
Spieldauer: 103:40
Erschienen: 30.07.2021
Website: [Link]

Erneuter Raritäten-Alarm aus dem Hause MIG music, die mit „1974“ von OREGON nicht nur alle Freunde von weltmusikalischer Jazz-Musik glücklich machen werden, sondern auch allen Fans des begnadeten amerikanischen Jazz-Gitarristen RALPH TOWNER ein Riesengeschenk bereiten.

Als eins der Gründungsmitglieder von OREGON hatte Towner, der damals auch intensiv mit WEATHER REPORT zusammenarbeitete, 1972 das Jazz-Quartett mit deutlichem Hang zur indischen Weltmusik, besonders auch durch das Tabla- und Sitar-Spiel von Collin Walcott, aus der Taufe gehoben, um mit seiner nach dem westlichen Bundesstaat der Vereinigten Staaten benannten Band, in der auch die Universität steht, an der er ab 1958 sein Kompositionsstudium absolvierte, die Jazz-Szene zu bereichern. Dabei sind von CHICK COREA bis hin zu WEATHER REPORT und TRILOK GURTU viele musikalische Einflüsse unüberhörbar, wobei OREGON streng darauf bedacht war, ihre eigene Jazz-Duftmarke zu hinterlassen, die deutlich mehr zu bieten hatte, als 'nur' traditionellen Jazz.

Ein hervorragendes Beispiel für die spannungsgeladene Vielfältigkeit ihrer Musik ist die Doppel-CD „1974“, die von MIG music tief aus den Radio-Bremen-Archiven gehoben wurde und in ausgezeichneter Klangqualität vorliegt.

Am 14. März 1974 lud Radio Bremen in ihren Sendesaal ein und die Zuhörer durften bei freiem Eintritt dieses Konzert von OREGON genießen. Das amerikanische Jazz-Quartett konzentriert sich dabei ausschließlich auf die akustischen Instrumente, da sie speziell aus Towners Sicht so deutlich ausdrucksstärker klingen. Was er damit meint, ist unüberhörbar, denn man nimmt so jedes Instrument deutlich und für sich heraus wahr. Was gerade in Bezug auf das komplexe Towner-Gitarrespiel an der 12-saitigen und der klassischen Gitarre sehr wirkungsvoll ist und auf das er in dem achtseitigen Booklet der schön gestalteten, dreiflügeligen Digipak-Doppel-CD eingeht: „Bei der klassischen Gitarre benötigt man alle Finger der rechten Hand zum Zupfen, was bedeutet, dass man zwei bis fünf Töne in exaktem Unisono erklingen lassen kann.“

Fast noch faszinierender aber ist das Sitar-Spiel von Collin Walcott, das der gesamten, insgesamt sehr ruhigen und melodiösen Jazz-Musik ihren weltmusikalischen Charakter verleiht, während die Blasinstrumente von Paul McCandless weitere eindrucksvolle Musik-Farbtupfer setzen und oft die Möglichkeit zu ausgiebigen Improvisationen erhalten.

Alle Stücke stammen vom ersten OREGON-Album „Music Of Another Present Era“ (1972) sowie Towners Solo-Album „Diary“ (1973) und sind aus RALPH TOWNERs Feder, der hier tatsächlich sein grandioses Kompositionstalent beweist.

Zehn Jahre später sollte ein tragisches Ereignis OREGON erschüttern, wie man ebenfalls im Booklet zur Doppel-CD nachlesen kann. Während einer Tournee durch die DDR, die im Grunde schon immer weltweit eine Jazz-Hochburg war, so stiefmütterlich sie auch die Rockmusik behandelte, wurde während einer Nebelfahrt in der Nähe von Magdeburg COLLIN WALCOTT gemeinsam mit seinem Fahrer (und Manager) JO HAERTING bei einem Autounfall getötet. OREGON entschieden sich trotz dieses großen Verlusts nach einer kurzen Zeit der Trauer weiterzumachen und holten sich als Ersatz keinen Geringeren als TRILOK GURTU in die Band.

FAZIT: Ein wahres weltmusikalisches Jazz-Highlight, das es endlich als Doppel-CD zu erstehen gibt. Das amerikanische Quartett OREGON mit RALPH TOWNER an der Gitarre spielte auf Einladung von Radio Bremen am 14. März 1974 ein über hundertminütiges Konzert im Sendestudio, das in hervorragender Sound-Qualität und mit einem begeisterten Publikum mitgeschnitten und nun unter dem schlichten Titel „1974“ von MIG music veröffentlicht wird. Doch umso schlichter der Titel, umso großartiger die atemberaubende Musik. Oder um es mit den letzten Worten, die im dazugehörigen Booklet zu finden sind, auszudrücken: „Das Album erinnert an eine Band, die Musik machte, welche man so noch nie zuvor gehört hatte und sich kaum vorzustellen wagte. Ein Stück trägt den Titel 'Brujo', die spanische Bezeichnung für 'Zauberer'. Wahrlich, Towner, McCandless, Moore und Walcott waren musikalische Zauberer, deren Spiel immer noch die Kraft hat, ihre Hörer zu verzaubern.“

Thoralf Koß - Chefredakteur (Info) (Review 801x gelesen, veröffentlicht am )

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Tracklist:
  • CD 1 (49:28):
  • Brujo
  • Ghost Beads
  • Dark Spirit
  • Ogden Road
  • CD 2 (54:12):
  • Distant Hills
  • Embarking
  • Raven's Wood
  • Canyon Song
  • The Silence Of A Candle

Besetzung:

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