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Pat Metheny: Side-Eye NYC – V1.IV (Review)

Artist:

Pat Metheny

Pat Metheny: Side-Eye NYC – V1.IV
Album:

Side-Eye NYC – V1.IV

Medium: CD/Download/Do-LP
Stil:

Jazz-Rock, Fusion

Label: BMG/Modern Recordings
Spieldauer: 62:51
Erschienen: 10.09.2021
Website: [Link]

„Mein Gefühl sagte mir, dass ich mich gerade jetzt auf einen spezifischen Ort konzentrieren sollte – daher der Fokus auf jüngere Talente aus New York City, die mich zuletzt fasziniert haben, und wo scheinbar momentan eine neue Community entsteht. Mir scheint es, als würde so alle 10, 12 Jahre eine neue Generation von Musikern auf den Plan treten, die exakt auf derselben Wellenlänge sind wie mein Sound, bzw. was sie nun mal gerade darin erkennen. […] Ich gebe einfach alles dafür, die bestmöglichen Kompositionen für die bestmögliche Kombination von Leuten zu finden, um auf diese Art genau das zu definieren und zu präsentieren, was mich in der jeweiligen Schaffensphase gerade bewegt und interessiert.“ (Pat Metheny)

PAT METHENY ist ein absolutes musikalisches Multi-Talent.
Warum?
Ganz einfach: dieser begnadete Jazz-Rock-Gitarrist, Komponist und Produzent räumte bis dato glattweg 20 Grammys ab – und zwar in 12 verschiedenen Kategorien. Das soll ihm erst einmal einer nachmachen.
Und trotzdem ist Metheny nach wie vor eins mit Musiker-Leib und -Seele: ein ideenreicher Jazz-Rock-Gitarrist allererster Coloeur.

Den erneuten Beweis hierfür erbringt er nunmehr auf dem Doppel-Album „Side-Eye NYC – V1.IV“ voller Souveränität und Leidenschaft. Denn was wir von dem Trio Metheny (Gitarren und Bässe) + James Francies (Orgel, Piano, Synthesizer) + Marcus Gilmore (Schlagzeug) auf dieser Gatefold-Doppel-LP geboten bekommen, ist schlicht die Königsklasse modernen Jazz-Rocks, der stark an die 1981er-Zusammenarbeit des Gitarristen mit dem Keyboarder LYLE MAS auf „As Falls Wichita, So Falls Wichita Falls“ erinnert, bei dem sie den verheerenden Tornado vom 10. April 1979 in Wichita Falls, der über 50 Menschen tötete, vertonten.

Auch „Side-Eye NYC – V1.IV“ kommt einem Tornado – natürlich nur der musikalischen Art – gleich, selbst wenn die Aufnahmen nicht wild wüten, sondern sehr entspannt klingen.
Allerdings wurde „Side-Eye NYC – V1.IV“ noch – geht man einmal von der derzeit 'neuartigen' Zeitrechnung aus – vor Corona-Zeiten im Jahr 2019 aufgenommen und klingt vielleicht auch deswegen völlig unbeschwert und nicht mit diesem oftmals immer stärker melancholisch angehauchten Unterton vieler neuerer Aufnahmen aus virusverseuchten Zeiten. Darum sind wohl selbst Methenys Statements zu diesem Album sehr unterhaltsam und 'unvorbelastet' sowie natürlich ohne jegliche Bezüge zu pandemischen Isolationen.

Insgesamt enthält das aktuelle Album eine kluge Mischung aus Altem („Bright Size Life“, „Better Days Ahead“) und Neuem. Gut 30 Minuten, also eine komplette LP lang, sind brandneues Musikmaterial aus dem Hause Metheny, die verbleibende Zeit stützt sich auf Stücke des Metheny-Backkatalogs. Und mit „Turnaround“ gibt es gleich noch eine Komposition der Jazz-Bläser-Ikone ORNETTE COLEMAN (1930 – 2015) zu hören.

Warum das Album einen so seltsamen, eher an PRINCE erinnernden, Titel trägt (Auch weil das Auge auf dem Cover in typischem PRINCE-Style gestaltet ist!), erklärt der Meister dann zu Sicherheit selber: „Ich wollte mit 'Side-Eye' eine Plattform erschaffen: Ein Format, in dessen Rahmen ich ab sofort mit all den spannenden jungen Leuten zusammenarbeiten kann, die ich nach und nach für mich entdeckt habe. Seit meinen Anfängen in Kansas City habe ich selbst immer wieder davon profitiert, dass mich ältere Musiker an ihre Seite geholt haben, was mir die Chance gab, mich im Spektrum ihres jeweiligen Erfahrungsschatzes weiterzuentwickeln, weil ich mich natürlich den Herausforderungen stellen musste, die ihre Musik jeweils mit sich brachte.“

Nun also dreht Metheny den Spieß um und lädt junge Musiker, die maßgeblich von Methenys Musik beeinflusst worden sind und noch immer werden, zu sich ein, jammt mit ihnen, wobei dieses Mal er deren großes Vorbild ist. Damit befeuern und beeinflussen sich beide Musikparteien – die Jungen und der Alte so gesehen – gegenseitig und es kommt ganz Neues im 'alten Stil' dabei heraus.

Unter diesen Bedingungen also kam es dann auch zu dem Zusammentreffen mit dem aus Metheny-Sicht unfassbar begabten Schlagzeuger MARCUS GILMORE, der ein 'einzigartiges Talent' besitzt. Der Dritte im Bunde von „Side-Eye NYC – V1.IV“ sollte der 'Enkel seines größten Helden Roy Haynes' sein: der Keyboarder JAMES FRANCIES.

PAT METHENY stellt so auch seine ganz eigenen musikalischen Bezüge zu der Musik – speziell den neuen Stücken – auf „Side-Eye NYC – V1.IV“ her: „In gewisser Hinsicht ist dieses Album mit meinen früheren Longplayer 'Travels' (1983 – T.K.) vergleichbar, weil es ebenfalls live aufgenommen wurde, es aber zugleich auch vollkommen neue Musik, ganz neue Konzepte beinhaltet.“

Schon der knapp viertelstündige Album-Start mit „It Starts When We Disappear“ folgt einem klassischen Jazz-Rock-Stil der methenyschen Prägung, der sich allerdings zusätzlich durch eine hohe, sehr verspielte Komplexität auszeichnet, die von ausgiebigen Soli umrahmt wird. Auch hierzu gibt’s Interessantes vom Meister selbst zu erfahren, wenn er in Hochachtung zu seinem Keyboarder feststellt: „Im Grunde genommen haben wir es hier mit einem 'Orgeltrio' zu tun – allerdings ganz klar einem für's 21. Jahrhundert. James kann mit seiner linken Hand Basslines spielen, die echt an die von JACK McDUFF heranreichen, und der ist gewissermaßen mein 'Lieblingsbassist' unter den Organisten. Und dazu kommt, dass ich auf der Gitarre auch Bassparts einstreuen kann. Ich wollte die Idee eines Keyboard/Gitarre/Schlagzeug-Trios einfach noch ein bisschen weiter treiben, weil ich sehen wollte, was passiert, wenn ich noch ein paar von meinen 'orchestrionischen Instrumenten' ins Spiel bringe, einen ganz anderen Faktor also, der wieder ganz andere Herausforderungen mit sich bringt. Diese Instrumente sind jetzt ganz am Anfang und am Ende des Albums zu hören.“

Ganz genau – ein echtes Hörerlebnis, gerade diese beiden Stücke, die es immerhin auf eine Gesamtlaufzeit von gut 25 Minuten bringen.
Das 7-minütige „Timeline“ dagegen wurde ursprünglich für ein Album von MICHAEL BRECKER komponiert, wobei sich für Metheny mit dieser Trio-Besetzung das Aufgreifen gerade dieses Stücks ideal anbot.
„Lodger“ kommt dann als pure Jazz-Rock-Nummer rüber, die deutlich zum Rock tendiert.

Es wird einem viel geboten auf dieser Doppel-LP, die eigentlich den nächsten Grammy abräumen sollte. Und selbst wenn nicht, ist das völlig egal, denn Rote Teppiche und irgendwelche Show-Veranstaltungen werden solche begnadeten Musikern wie dieses Trio unter Federführung von PAT METHENY sicherlich ziemlich Ritze sein. Das einzige, was wirklich zählt, ist die Musik – und die ist auf „Side-Eye NYC – V1.IV“ großartig.

FAZIT: Gerne wiederhole ich mich in dieser Beziehung zu PAT METHENYs „Side-Eye NYC – V1.IV“… Was wir von dem Trio Metheny (Gitarren und Bässe) + James Francies (Orgel, Piano, Synthesizer) + Marcus Gilmore (Schlagzeug) auf dieser Gatefold-Doppel-LP geboten bekommen, ist schlicht die Königsklasse modernen Jazz-Rocks!

Thoralf Koß - Chefredakteur (Info) (Review 742x gelesen, veröffentlicht am )

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Tracklist:
  • Seite A (19:13):
  • It Starts When We Disappear (13:47)
  • Better Days Ahead (5:26)
  • Seite B (12:46):
  • Timeline (7:12)
  • Bright Size Life (5:34)
  • Seite C (11:23):
  • Lodger (6:16)
  • Sirabhorn (5:07)
  • Seite D (19:29):
  • Turnaround (7:42)
  • Zenith Blue (11:37)

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