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Manic Street Preachers: Know Your Enemy (Review)

Artist:

Manic Street Preachers

Manic Street Preachers: Know Your Enemy
Album:

Know Your Enemy

Medium: Download/Do-LP/Do-CD/3 CDs/Limit. Box
Stil:

Indie- und Alternative-Rock

Label: Sony Music
Spieldauer: 88:44
Erschienen: 09.09.2022
Website: [Link]

Ach ja, die MANIC STREET PREACHERS sind und/oder waren so eine Waliser Alternative-Rock-Band, welche ein sehr geheimnisvolles, beispielsweise auch politisch unberechenbares, Flair umgab und die sich anscheinend in einem ewigen Wettstreit um die Indie-Rock-Krone mit THE SUEDE und PULP – alle drei galten neben den unangefochtenen OASIS als die Wegbereiter des Brit-Pop – befanden.
Mit ihrem 1998er-Album „This Is My Truth Tell Me Yours“ gewannen sie diesen und landeten an der Spitze der britischen Album-Charts. Nicht unbedingt zur Freude ihrer früheren Fans, welche die verstärkte Soul-Ausrichtung, statt des oft aggressiv wirkenden Alternative-Rocks der vier vorherigen Alben, verurteilten, obwohl der Erfolg den manischen Straßenpredigern recht gab.

Das drei Jahre später veröffentlichte „Know Your Enemy“ war der so gesehen besonders schwere Nachfolger, dem zwar in England die Spitzenposition verwehrt blieb, aber dafür trotzdem auf dem 2. Platz landete. Allerdings wendeten sich die Waliser hier wieder deutlich den alternativ rockigeren und provokanteren Klängen zu. Und aus heutiger Sicht besitzt es eine so erschreckende Aktualität, dass es schon beängstigend erscheint, denn zur Veröffentlichung stellte der Schlagzeuger Nicky Wire fest: „'Know Your Enemy' war eins unserer politischsten Alben überhaupt. Unglücklicherweise war es dies bereits vier Jahre bevor sich jeder andere damit beschäftigte. Die brauchten erst einen Krieg, um sich damit auseinanderzusetzen.“

21 Jahre später dürfen wir dieses Album, das es bisher nur als CD zu erstehen gab, neu abgemischt als Doppel-LP und in veränderter, so wie ursprünglich geplanter, Song-Anordnung sowie mit 5 Bonus-Stücken versehen, bei dem das deutlich an RADIOHEAD erinnernde „Door To The River“ unangefochtenes Highlight ist, auf unserem Plattenteller kreisen lassen. Außerdem wird alle Freunde psychedelischer Klänge – mit leicht floydianischem Einschlag – „Rosebud“, ebenfalls ein Bonus, verzücken.

Allerdings ist das Doppel-Vinyl nicht die einzige Variante, in der man „Know Your Enemy“ erstehen kann, sondern auch als 3-CD-Bookset oder Doppel-CD. Wie heutzutage gängige Tradition hat mal wieder der Musikfreund die Wahl der Qual.
Für Vinyl-Freunde gilt dies jedenfalls nicht, denn die greifen zu dieser Doppel-LP im Gatefold-Cover, auf der zudem noch bisher unveröffentlichte Songs und hellblau-schwarz-bedruckte Innenhüllen voller bisher unveröffentlichter Fotos zu finden sind.
Leider fehlt eine Textbeilage, obwohl die MANIC STREET PREACHERS, deren Bandname ja schon die pure Provokation ist, für ihre bissigen, oft provokanten Texte bekannt waren.

So wird „Know Your Enemy“ im Jahr 2001 zu einem musikalisch wie textlich deutlich wütenderen Album, das aber auch eine Vielzahl besinnlicher, ruhiger und trauriger Elemente in sich trägt.
„Ocean Spray“ beispielsweise, einer der bewegendsten Songs des Albums, mit überraschend auftauchender und eine CALEXICO-Atmosphäre verbreitender Trompete, war vom Sänger der Band als eine Ode an seine verstorbene Mutter geschrieben. Außerdem mausert sich dieses Stück insgeheim zu einem der absoluten Album-Highlights.

Die deutlich in der Überzahl vorhandene raue Seite der MANIC STREET PREACHERS entlädt sich dagegen in solchen Songs wie im Album-Opener „The Year Of Purification“ oder „Lost My Soul“.

Aber auch die insgesamt recht antiamerikanische Grundhaltung der Band, kommt auf diesem Album überdeutlich zum Ausdruck, wenn sie auf „Baby Elián“ Amerika als 'den Spielplatz des Teufels' brandmarken und sich mit „Let Robeson Sing“ auf die Seite des amerikanischen Bürgerrechtlers Paul Robeson schlagen. Besonders beeindruckend ist in diesem Sinne dann „Freedom Of Speech Won't Feed My Children“, in dem die Band offen den Hang des angeblich so freien Westens kritisiert, der allen anderen Staaten seine Ideale aufzuzwingen versucht – ohne dabei deren Freiheiten oder auch völlig anders gearteten Kulturen zu berücksichtigen.

Gerade wegen solcher Einstellungen gelang es den MANIC STREET PREACHERS wohl sogar als erste westliche Rock-Band im Beisein von Fidel Castro ein Konzert in der kubanischen Hauptstadt Havanna zu geben, das natürlich einen riesigen Zulauf hatte.

Grandios und gleichermaßen überraschend ist das Ende des Albums, denn mit „Miss Europa Disco Dancer“ betreten die Waliser tatsächlich im besten 'Saturday Night Fever' das Tanzparkett und hauen eine knackige Disko-Nummer raus.
Wer hätte das gedacht?

Know Your Enemy“ von den MANIC STREET PREACHERS wird so aus FAZIT-Sicht zu einer breit gefächerten Scheibe, die vom Indie Pop über den Alternative Rock sowie Post Punk und Disco samt deutlich Singer/Songwriter-orienterter Texte bis hin zu angriffslustigen Protest-Songs, welche nicht nur ihre Kraft kennen, sondern auch mobilisieren und mitunter wild um sich feuern, zu einem der besten Alben rund um die Band. Dass diese Musik aus dem Jahr 2001 nunmehr mit so einigen Bonustiteln erstmals auf einer Doppel-LP untergebracht wurde, kann man nicht nur als Besitzer eines Plattenspielers von ganzem Herzen und mit weit offenen Ohren sowie heiß laufenden Synapsen begrüßen, auch weil sie zudem stark überarbeitet wurde, wie man es im Rahmen der Neuauflage nachlesen kann: „Diese Veröffentlichung ist der Director's Cut von 'Know Your Enemy'. Sie wurde mühsam restauriert, gesäubert, aufgehellt. Man zielt nicht darauf ab, das Original zu ersetzen, verbessert es aber definitiv.“

Thoralf Koß - Chefredakteur (Info) (Review 471x gelesen, veröffentlicht am )

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  • 13-14 Punkte: Einmalig gutes Album mit Zeug zum Klassiker, ragt deutlich aus der Masse
  • 15 Punkte: Absolutes Meisterwerk - so was gibt´s höchstens einmal im Jahr
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Tracklist:
  • LP 1 – Door To The River (40:33):
  • Seite A (20:32):
  • The Year Of Purification (3:39)
  • Ocean Spray (4:11)
  • So Why So Sad (Avalanches Sean Penn Mix) (4:02)
  • Door To The River (4:40)
  • Rosebud (4:00)
  • Seite B (20:01):
  • Just A Kid (3:33)
  • His Last Painting (3:16)
  • Let Robeson Sing (3:46)
  • Groundhog Days (3:50)
  • Epicentre (6:26)
  • LP 2 – Solidarity (48:11):
  • Seite C (24:59):
  • Intravenous Agnostic (4:02)
  • Found That Soul (3:05)
  • We Are All Bourgeois Now (5:32)
  • Freedom Of Speech Won't Feed My Children (2:59)
  • The Convalescent (5:54)
  • Baby Elián (3:37)
  • Seite D (23:12):
  • Masses Against The Classes (3.23)
  • My Guernica (4:56)
  • Studies In Paralysis (3:19)
  • Dead Martyrs (3:23)
  • Wattsville Blues (4:29)
  • Miss Europa Disco Dancer (3:52)

Besetzung:

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