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Thunder: Dopamine (Review)

Artist:

Thunder

Thunder: Dopamine
Album:

Dopamine

Medium: CD/Download/Do-LP
Stil:

Hardrock

Label: BMG
Spieldauer: 70:20
Erschienen: 29.04.2022
Website: [Link]

„Wir hatten nicht vor, ein Doppelalbum zu machen, aber im Laufe des Schreib- und Aufnahmeprozesses sind wir in einige interessante Bereiche vorgedrungen, und dann ging es um die Frage, ob wir uns es leisten können, davon etwas wegzulassen. Am Ende haben wir es von 20 auf 16 Titel reduziert, aber es war keine leichte Entscheidung.“ (Luke Morley – Gitarrist, Songwriter und Mitbegründer von THUNDER)

Oh!? Neuerdings sollte man ein wenig medizinisches Fachwissen besitzen, wenn man sich auf das neue Album von THUNDER einlässt, das da mit einer kurz- und einer langhaarigen Schönheit auf dem Album-Cover daherkommt, deren einzige Leidenschaft im „Ich mach von mir eine Selfie“-Wahn besteht. Klappt man das Gatefoldcover von „Dopamine“ auf, sieht man zwar einen anderen Hintergrund (am Meer im Sonnenschein) und zwei prächtige Bikini-Damen, aber auch sie sind demselben Wahn verfallen. Tatsächlich wird bei diesem wahnhaften Selfie-Rausch Dopamin ausgeschüttet – ein Mittel, welches die Erregung als 'Neurotransmitter' direkt im zentralen Nervensystem auslöst und nunmehr auch als „Dopamine“ den Titel des aktuellen THUNDER-Albums ausmacht. Die Jungs, die im Grunde schon alte Hasen und längst nicht mehr grün hinter den Ohren sind, legen also mal wieder den Finger in die weit offene Wunde aus Selbstdarstellungs- und Selbstoptimierungsgeilheit, die einen heutzutage aus allen medialen Bereichen wie ein Tsunami überflutet. Zwar nennt man das Dopamin auch 'den Botenstoff des Glücks', oder den 'Adrenalin-Kick', aber wer daran glaubt, dass man den mit Oberflächlichkeit und Äußerlichkeiten dauerhaft ausprägt, der irrt. Obwohl beim Hören von „Dopamine“ der musikalischen Donner-Götter durchaus dieser Botenstoff ordentlich angefeuert werden kann. Denn – und das ist wissenschaftlich längst bewiesen – gerade Musik trägt dazu bei, seinen Dopamin-Haushalt ordentlich aufzubessern. Ganz im Gegensatz zu dumpfbackigen Selfies… - wie es LUKE MORLEY auf den Punkt bringt: „Wir machen immer mehr Selfies in der Hoffnung auf mehr und mehr Bestätigung, und das Album-Cover spiegelt genau das wider. Die Menschen sind von erstaunlichen Dingen umgeben, die sie verpassen, weil sie so selbstbesessen sind.“

Damit wäre der medizinische Teil zum neuen THUNDER-Album „Dopamine“ schonmal abgeschlossen – kommen wir nun zum viel spannenderen, der Musik und den Texten.
Doch zuvor für alle Vinyl-Affinos ein fettes: Achtung! Achtung! Achtung!
Alle, die sich für die Anschaffung der Supi-Dupi-Vinyl-Doppel-LP im Gatefoldcover entscheiden, sollten keinen Schreck bekommen, wenn sie die beiden THUNDER-LP's aus ihren braun bedruckten und mit allen Lyrics versehenen Hüllen klauben, denn die erste LP ist karamell-farben und die zweite schoko-braun. Doch trotz dieser wortwörtlich zuckersüßen Überraschung ist „Dopamine“ keinesfalls zuckersüß und leichtverträglich ausgefallen, sondern genau so wie wir es von diesen herrlich hardrockenden Briten erwarten, auch wenn die uns gerne mal angeregt im Sonnenschein tanzen lassen sowie wir die wie ein großer Schokoladen-Taler aussehende zweite LP auflegen, die deutlich ruhiger ausgefallen ist als die erste Karamell-LP-Wumme.

„Dancing In The Sunshine“ ist genau die Single, welche es braucht, um THUNDER wieder als das dastehen zu lassen, was die Jungs lieben: Melodische Hardrocker mit einem Hang zu DEEP PURPLE und deren Ableger WHITESNAKE sowie RAINBOW, die es schaffen, durch ein hohes hitverdächtiges Melodie-Potenzial Hardrock-Hymnen für die Ewigkeit zu schreiben: „On a day like today we should be dancing in the sunshine.“ Und das erstmals sogar nicht nur eine, sondern gleich zwei LP's lang.
Dopamine“ ist das erste offizielle Studio-Doppel-Album der THUNDER-Geschichte – und das ist definitiv amtlich bei dieser Band mit ihrer bereits 33-jährigen Geschichte. Dieses gut 70 Minuten lange Doppel-Album langweilt nicht oder wiederholt sich in aufgesetzten Lückenfüllern, sondern haut die gesamte Laufzeit lang alle Qualitätsmerkmale von THUNDER raus.

Aber natürlich können THUNDER noch viel mehr, als nur durch den Sonnenschein zu tanzen und wirklich richtig feurig losdonnern und anklagend ihre laute Stimme samt bretternder Gitarren und treibendem Schlagzeug plus fetten Bässen erheben, wenn sie in „Across The Nation“ feststellen: „And we'll drown in a wave of joy across the nation / We'll be living it up, living it up.“

„All The Way“ bekommt dann ein herrliches Gitarren-Solo verpasst und lässt ein ziemliches Gallagher-Feeling aufkommen, besonders wenn es zum Duell gegen eine zweite Gitarre antritt, welche sich in der linken und rechten Box ein Saiten-Fegefeuer liefern. Ein mehr als gelungener Abschluss der ersten 'Karamell'-LP.

Melodisch rockend sausen wir dann tanzend dem bereits erwähnten „Dancing In The Sunshine“ entgegen, um uns sofort danach unterm „Big Pink Supermoon“ im besten Blues-Feeling niederzulassen.
Egal, in welche Richtung sich THUNDER auch bewegen, sie hinterlassen nie einen schalen Eindruck und mit ihrer Single „The Western Sky“ beweisen sie zudem, was sie nach wie vor am besten beherrschen: Eingängigen Hardrock mit fetten Bässen, treibenden Drums und Gitarren-Soli der allerersten Güteklasse.

Aber die Jungs können auch Balladen.
Und die gehören schließlich bei guten Hardrock-Scheiben einfach mit dazu.
Bitte keinen Widerspruch!
Denn „Just A Grifter“ lächelt einen im akustischen Gewand an und wirft uns im Folk-Style samt Streichern und Akkordeon kleine Kusshändchen für unsere Ohren zu. Da springt selbst die romantisch angehauchte Freundin ohne Weiteres drauf an. Und Schmalz klingt anders. Wenn dann auch noch im Rahmen einer Piano-Ballade mit zurückhaltender Geigen-Unterstützung gefragt wird „Is Anybody Out There?“, ist das schon verdammt traurig und irgendwie für alle, die sich gerne mal in ruhigen Klängen fallenlassen, auch wunderschön, selbst wenn man vielleicht die im Text herbeigesehnte zärtliche Stimme nicht findet, welche die Dunkelheit vertreibt und einfach nur feststellt: „Das ist okay, was du hier machst...“

Zum Ende des Albums laufen THUNDER noch mit „No Smoke Without Fire“ zum großen donnernden Finale samt Gospel-Chor und Blues-Gitarren-Solo auf, das wiederum ruhig beginnt, aber nur um noch lauter ausbrechen zu können. Wenn DEEP PURPLE in den Siebzigern ihren Rauch über das Wasser treiben ließen, dann haben THUNDER mit diesem feurigen Rauch-Song ein richtig gutes 50 Jahre jüngeres Pendant dazu abgeliefert. Eine Hardrock-Hymne allererster Güteklasse.

FAZIT: Es ist Pandemie und die Menschen jagen ihren Glückshormonen hinterher, indem sie sich in die Selfie-Welt der sozialen Medien zurückziehen und dort wortwörtlich einen 'abwichsen', um sich den nächsten Dopamin-Schub zu verpassen. Grund genug für THUNDER, die britischen Hardrocker mit Hang zu Hymnen und Ohrwurm-Melodien, dieses Selbstoptimierungs- und Selbstdarsteller-Gehabe auf- sowie anzugreifen und gleich ein ganzes Doppel-Album, das erste in der 33-jährigen Bandgeschichte, daraus entstehen zu lassen, in dem sie knallhart und mit viel Sinn für Ironie diese fehlgeleitete Jagd auf das Glückshormon verurteilen. „Dopamine“ ist die musikalische THUNDER-Abrechnung mit den sozialen Medien, die einen immer erfolgreicher – besonders durch die Pandemie angefeuert – krankhaft dopaminsüchtig zu machen versuchen und dabei immer kaltblütiger vorgehen.

Thoralf Koß - Chefredakteur (Info) (Review 845x gelesen, veröffentlicht am )

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Wertung: 12 von 15 Punkten [?]
12 Punkte
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Tracklist:
  • Seite A (18:43):
  • The Western Sky (3:51)
  • One Day We'll Be Free Again (5:04)
  • Even If It Takes A Lifetime (4:38)
  • Black (5:10)
  • Seite B (16:05):
  • Unraveling (3:51)
  • The Dead City (4:07)
  • Last Orders (4:26)
  • All The Way (3:51)
  • Seite C (17:28):
  • Dancing In The Sunshine (3:34)
  • Big Pink Supermoon (6:16)
  • Across The Nation (4:13)
  • Just A Grifter (3:25)
  • Seite D (18:04):
  • I Don't Believe The World (4:26)
  • Disconnected (4:25)
  • Is Anybody Out There? (4:20)
  • No Smoke Without Fire (4:53)

Besetzung:

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