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Deer Anna: Sometimes I'm Dizzy When I Scream (Review)

Artist:

Deer Anna

Deer Anna: Sometimes I'm Dizzy When I Scream
Album:

Sometimes I'm Dizzy When I Scream

Medium: CD/LP/Download
Stil:

Art-, Dream-, Indie-Pop, Singer/Songwriter

Label: DanCan Music/The Orchard
Spieldauer: 42:20
Erschienen: 01.09.2023
Website: [Link]

Schon wenn einen der Titel eines Albums auf die falsche Fährte führt, ist entweder Vorsicht oder Neugier geboten. Im Falle des 'Schrei'-Albums „Sometimes I'm Dizzy When I Scream“ (Manchmal fühle ich mich schwindlig, wenn ich schreie) von DEER ANNA ist auf jeden Fall Neugier angesagt, denn hier wird nicht ein einziges Mal geschrien, wenn dann geweint, wie auf „Crying At A Concert“, und ganz oft geträumt. Denn das Debüt der Hamburger Indie-Popmusikerin ist (größtenteils traurig klingender) Dream-Pop der Extraklasse mit bewegenden, häufig sehr bedrückenden und nachdenklichen Texten.
Das alles vorgetragen mit einer charismatischen Stimme, die einem sofort ins Ohr geht und sich dort festsetzt, ja gar Erinnerungen an eine andere, ebenso großartige Anna aus Schweden weckt: ANNA TERNHEIM.

Vieles auf „Sometimes I'm Dizzy When I Scream“ verbreitet eine deutlich skandinavische Atmosphäre, die solche grandiosen Bands wie SIGUR RÓS oder EFTERKLANG in ihrer hypnotischen Aura ausleben, der man sich einfach nicht entziehen kann.
Hierfür hat DEER ANNA eine eindeutige Erklärung, wenn sie feststellt: „Ich bin ein sehr visueller Mensch. Wenn ich Songs höre oder selbst schreibe und arrangiere, sehe ich Bilder.“

Die Kunst des Hörers besteht nunmehr darin, diese Bilder auch zu sehen, wenn wir das Album hören oder dessen Gestaltung, welche die Musikerin, die eigentlich nach der Schule ein Kunststudium beginnen wollte, ebenfalls selber gestaltete. Wer sich intensiv darauf einlässt, dem sollte dies gelingen oder es sollten wenigstens völlig neue Bilder bei/in ihm entstehen. DEER ANNA malt mit Noten ein Kunstwerk, das uns anschreit, so lange, bis auch wir es verstehen, ohne dass da irgendwer mit erhobenem Lehrerzeigefinger daherkommt und einem was von blödsinniger Interpretiererei – die man sowieso in der Schule schon immer so gehasst hat – erzählt.
Diese Musik hinter „Sometimes I'm Dizzy When I Scream“ weckt Bilder und Gefühle, aber keine Strukturen, die andere pragmatisch analysieren und einem erklären wollen. Man ist in gewisser Weise beim Hören dieses Album intim mit der Stimme verbunden und den Klangwelten von DEER ANNA verfallen.

Dieses Debüt-Album ist so intim, dass es manchmal gar verunsichert oder schmerzt. Der letzte Song „In Silence Standing Still“ zieht sich im Grunde wie ein roter Faden durch die gut 40 bewegenden Musikminuten von „Sometimes I'm Dizzy When I Scream“.
Hier geht es um die Irrungen und Wirrungen der Seele und damit verbundene Angstzustände, weil man so oft gezwungen ist, Masken zu tragen, sein eigenes Ich dahinter zu verstecken oder da stark zu sein, wo man viel lieber schwach sein würde. Diese Stimmungen entdeckt man zudem auch in den Videos zu einigen ihrer Songs. Auch hier greift die Hamburgerin massiv ein, gestaltet riesige Masken oder Köpfe aus Pappe und Malerkrepp, um den Hörer und Betrachter wie Alice im Wunderland in ihre eigene geheimnisvolle und melancholische Welt zu entführen.

FAZIT: Was für eine Stimme! Was für eine (melancholische) Stimmung! Genau das sind die ersten Gedanken, die einen bewegen, wenn man „Sometimes I'm Dizzy When I Scream“ der Hamburger Art-, Dream- und Indi-Pop-Musikerin DEER ANNA hört. Diese Atmosphäre und diese intime Gefühlswelt! Manchmal klingt DEER ANNA wie die weibliche Ausgabe von Kurt Wagners LAMBCHOP, dann wieder, wenn Trompeten und Flügelhorn erklingen, wie eine ruhig Ausgabe von CALEXICO, während in der traurigen Natürlichkeit der Musik das typisch skandinavische Musik-Lebensgefühl mitschwingt. Ein umwerfendes Debüt, das einen mitunter, wenn man sich den Themen der Texte rund um Einsamkeit, Depressionen, Angststörungen oder Panikattacken widmet, die alle in dem 12-seitigen CD-Booklet nachzulesen sind, voller Trauer zurücklässt, die aber von dem Glück, ein dermaßen gutes Album gehört zu haben, sofort wieder beiseite geschoben wird.

Thoralf Koß - Chefredakteur (Info) (Review 2153x gelesen, veröffentlicht am )

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Wertung: 13 von 15 Punkten [?]
13 Punkte
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Tracklist:
  • Sidwis
  • But I'll Go
  • Flowers On Your Floor
  • Never Awake
  • Same Way Home
  • Dory
  • Interlude
  • Ctying At A Concert
  • Isolation
  • In The clouds
  • In Silence Standing Still

Besetzung:

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