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Errorr: Self Destruct (Review)

Artist:

Errorr

Errorr: Self Destruct
Album:

Self Destruct

Medium: LP/Download
Stil:

Rock, Indie, Alternative

Label: Anomic Records
Spieldauer: 38:59
Erschienen: 03.03.2023
Website: [Link]

Es kann ja nur gemutmaßt werden, was sich der schwedische Wahlberliner LEONARD KAAGE gedacht haben könnte, als er sich überlegte, wie er sein Psychedelia-Noise-Rock-Projekt denn wohl nennen könnte – auf jeden Fall sorgt ein solcher Name für viel Heiterkeit beim Googeln.
Zur Sache: Kaage ist fest verwurzelt in der Berliner Indie-Rock-Szene: Als Gitarrist und Produzent von THE UNDERGROUND YOUTH und als Session Musiker für u.a. THE BRIAN JONESTOWN MASSACRE, HOLY MOTORS, TESS PARKS und THE BLUE ANGEL LOUNGE hat er reichlich Erfahrungen auf dem Indie-Rock-Sektor gesammelt, in seinen von OLGA KARATZIOTI-B. (ART BRUT) gestalteten Videos treten (sofern man etwas erkennen kann) Mitstreiter wie der Schriftsteller HENRYK GERICKE oder Songwriter-Kollegin GLORIA DE OLIVEIRA als Schauspieler auf und in seinem Projekt ERRORR beschäftigt er ANDRE LÉO (MEDICINE BOY) und NICK MANGIONE (PERILYMPH) als Gitarristen bzw. Bassisten und seit neuestem (aber erst nach den Aufnahmen des Debüt-Albums) Drummer ADRIANO REDOGLIA.

Dabei begann Kaage das Projekt sozusagen im Krebsgang: Zunächst einmal arbeitete er alleine, bis er jene Art von übersteuertem Breitwand-Grunge-Sound fand, die ihn selbst zum Lachen brachte, weil das Feedback so laut war. Erst dann machte er sich daran, die Sache mit Bass, Drums und Overdubs in Songformate zu bringen. Das Ergebnis war zunächst die EP „Servant“ mit der er seinen Anspruch als nächstes großes Ding in Sachen Noise-Pop mit dem Projektnamen ERRORR anmeldete. Wobei der Begriff 'Pop' schon damals von den in einem Kellerstudio eingespielten, damals noch alleine von ihm konstruierten Soundwänden weggeblasen wurde.

Nachdem Kaage nunmehr die Grundlagenarbeit geleistet hatte, arbeiteten ERRORR auf dem Debüt-Album erstmals im Trio-Format – und bauten das Sounddesign weiter aus (von 'Verfeinern' möchte man da lieber nicht sprechen).

Der Titel des Albums ist dabei Programm: Nach Kaages Theorie muss man wohl erst etwas zerstören, bevor man etwas aufbauen kann. Das erklärt auch den abrasiven Soundmix, der alle ERRORR-Tracks – bis auf den akustischen Album-Closer „I Don't Feel Like Talking“ - zu wahren Grunge-Noise-Monstern macht und klassische, altvordere psychedelische Krachmacher wie MY BLOODY VALENTINE vergleichsweise blass erscheinen lässt, was daran liegt, dass er es als Songwriter nicht beim Krach-Machen belässt, sondern griffige Gitarrenriffs, Hooklines, Grooves und sogar catchy Refrains und Melodien zulässt – NIRVANA lässt da als Referenz grüßen.

Inspiriert wurde Kaage dabei der Legende nach vom Mainstream-Radio, wobei er beschloss, selber auch mal Pop-Musik machen zu wollen – nur besser als die Songs aus dem Radio. Nun ja. Angereichert wird das Ganze mit Psychedelia, Shoegaze-Elementen und sogar Punk-Attitüde („Just Another“).
Feedback, Overdrive und Reverb sind dabei natürlich keine bloßen ornamentalen Zutaten, sondern integraler Bestandteil.

FAZIT: Musikalisch macht LEONARD KAAGE mit seinem Projekt ERRORR keine Gefangenen. Umso bemerkenswerter, dass sich der Mann als Texter geradezu philosophische Gedanken macht. In dem Song „Innocent“ etwa zitiert er Bibelzitate und bricht eine Lanze für die Religion, dann sucht er jemanden, der seine „Paranoia“ behandeln könnte, in „Heroine“ kocht er sich beim Warten auf seine Heldin etwas Gutes um sein eigenes Reality-TV zu machen und „SIXXX“ ist Kaages Version eines Anti-Trump-Songs. Lustig – aber natürlich auch erfreulich - dass so Inhalt und Form von „Self Destruct“ ausgerechnet bei einem solchen Projekt zu einem schlüssigen Ganzen zusammenfinden.

Ullrich Maurer (Info) (Review 1772x gelesen, veröffentlicht am )

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Wertung: 13 von 15 Punkten [?]
13 Punkte
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Tracklist:
  • Innocent
  • Sixxx
  • Just Another
  • Deep Blue
  • Paranoia
  • 8 Hours 5 Days
  • Heroine (Got To Let Go)
  • Not Even Bored
  • Something
  • Makeshift Happy
  • With Love From The Grave
  • Procrastinating

Besetzung:

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