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In Flames: Foregone (Review)

Artist:

In Flames

In Flames: Foregone
Album:

Foregone

Medium: CD/LP/Download
Stil:

Modern Metal

Label: Nuclear Blast / Believe
Spieldauer: 46:50
Erschienen: 10.02.2023
Website: [Link]

Als der Vorverkauf zum neuen IN FLAMES-Album startete, war ständig die Rede von einer vermeintlichen Rückkehr der Band zu ihren Melodic-Death-Metal-Wurzeln, doch hört man die Platte jetzt, muss man konstatieren, dass dies allenthalben an der Oberfläche passiert ist. Die Mitbegründer des Göteborg-Sounds (von damals ist wohlgemerkt kein Mitglied mehr übrig) emulieren ebendiesen kreuzbrav - entweder mit alles andere als geistreichen Selbstzitaten oder durch plumpes Abkupfern bei anderen - und kommen trotzdem nicht aus jener schlüpfrig glatten "Alternative"- beziehungsweise "Modern"-Metal.Haut, die ihnen im Laufe der Zeit beim Schielen auf den nordamerikanischen Markt gewachsen ist.

Unterdessen psalmodiert Sprachrohr Anders Fridén von der Menschheit am Abgrund und bleibt eine bedauernswert nichtssagende Gestalt ohne auffallende Gesangstalente, auch wenn er mit den Jahren zumindest gelernt hat, wie man aggressiv statt jämmerlich kreischt; sein innerer Jonathan Davis scheint jedenfalls mit den Korn-Rastazöpfen verschwunden zu sein, derweil sich nun die Frage aufdrängt, ob seine klare Stimme ohne Effekte oder weitere unterlegte Gesangsspuren (der vorwiegend aus US-Studios bekannte Produktions-Lack halt) überhaupt erträglich wäre.

Wie dem auch sei, "Foregone" beginnt nach einem Akustikgitarren-Cello-Intro gleich mit dem denkbar dreisteten Klau bei einem fürs Genre ikonischen Opener: ´State of Slow Decay´ ist in den Strophen eine ziemlich offensichtliche Kopie von At the Gates´ ´Blinded By Fear´ und macht schnell deutlich, dass der jüngste Neuzugang Chris Broderick (der als mit allen Wassern gewaschene Gitarren-Heuschrecke gerne von einer renommierten Band zur nächsten hopst) ein erstklassiger wie gesichtsloser Handwerker ist.

Das gilt im Übrigen auch für die seit 2018 zur Band gehörende Rhythmusgruppe, die bisher in diversen amerikanischen Indie- und Core-Kapellen tätig war. Falls es also jemand noch nicht wusste: IN FLAMES sind heuer mehr denn je die Two-Men-Show von Fridén und Gitarrist Björn Gelotte, der sich während des treibenden Headbangers ´The Great Deceiver´ in seinem Element fühlen dürfte. Von allen "Foregone"-Stücken kommt dieses den "klassischen" IN FLAMES ("Whoracle" bis "Clayman") am nächsten, wozu neben den Iron-Maiden-Klampfen (Gelotte outet sich ja regelmäßig als beinharter Fan der Briten) auch die Tatsache beiträgt, dass Fridén den ansonsten oft überbordenden cleanen Gesang sein lässt.

Beispielhaft dafür steht das schleppende ´In the Dark´ mit einigen Synthesizer-Schnörkeln, akustischen Einsprengsel und dem melodischen Lala des Frontmanns, der im walzenden ´Meet Your Maker´ (komplett mit klischeehaftem "macht jetzt einen Circle Pit"-Metalcore-Moment) außerordentlich schleimig singt. Der leicht durchschaubare Stampfer ´A Dialogue in b Flat Minor´ geht wiederum ein bisschen in die Richtung von "Reroute to Remain" und "Soundtrack to Your Escape" kurz nach der Jahrtausendwende - ein weiterer Lichtblick also.

Das kann man allerdings weder von ´Bleeding Out´ (mit austauschbarem Nu-Rock-Refrain für die US-Radiostationen) noch dem zweiteiligen Titeltrack behaupten, dessen minimalistisch arrangierte, mit befremdlichen Drum-Samples versehene hintere Hälfte Fridéns Schwächen besonders empfindlich offenlegt - in gleichem Maße wie die pathetische Power-Ballade ´Pure Light Of Mind´, deren Lyrics sich wie jene eines abgeschmackten Liebeslieds lesen, während die Leadstimme die etwas luftigere musikalische Substanz einfach nicht trägt.

Auch das von einem Bassriff geprägte ´Cynosure´ hat wenig Frisches zu bieten und stellt einen völlig belanglosen Refrain zur Diskussion. Wer zudem irgendwo Folk-Einflüsse hört, muss zu viel Met gesoffen oder einen starken Drang zum Wunschdenken haben… womit wir wieder bei den "back to the roots"-Floskeln wären, also bleiben wir lieber bei den O-Tönen der Band selbst: "Nothing makes sense and no one is listening", heißt es im abschließenden Reißbrett-Ohrwurm ´End the Transmission´. Ersteres stimmt irgendwie, letzeres nicht, denn IN FLAMES werden mit dieser angeblichen Rückbesinnung auf alte Tugenden zu Unrecht für längere Zeit in aller Munde bleiben und entsprechende kommerzielle Erfolge feiern.

Und stattgegeben: Wenn man sagt, was die Platte alles nicht ist, sollte man fairerweise auch beschreiben, was sie ist, also…

FAZIT: Das 14. IN FLAMES-Studioalbum ist das bislang offensichtlichste Zugeständnis des seit gut 20 Jahren stilistisch unentschlossenen Quintetts an seine alten Fans und wäre ein achtbares Werk für eine beliebige Alternative-Metal-Combo, während es die einstigen Genre-Pioniere als Schatten ihres früheren Selbst zeigt. Darüber hinaus ist "Foregone" fraglos abwechslungsreicher, als es das schablonenhaft anbiedernde Debüt der ehemaligen Bandmitglieder The Halo Effect vor ein paar Monaten war, und um diese masturbatorische Reflexion auf etwas, das eigentlich gar nicht so wichtig ist, mit Worten aus dem Fazit zum Vorgänger "I, The Mask" abzuschließen:

»Von einem relevanten Szene-Album möchte man […] auch diesmal nicht sprechen.« "Foregone" »bietet eine Reihe eingängiger Setzkasten-Songs nach von der Band gewohnten Mustern ohne jegliche Überraschungen, nicht mehr und nicht weniger.«

Andreas Schiffmann (Info) (Review 1979x gelesen, veröffentlicht am )

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Wertung: 9 von 15 Punkten [?]
9 Punkte
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Tracklist:
  • 01] The Beginning of All Things That Will End
  • 02] State of Slow Decay
  • 03] Meet Your Maker
  • 04] Bleeding Out
  • 05] Foregone Pt. 1
  • 06] Foregone Pt. 2
  • 07] Pure Light Of Mind
  • 08] The Great Deceiver
  • 09] In the Dark
  • 10] A Dialogue in b Flat Minor
  • 11] Cynosure
  • 12] End the Transmission

Besetzung:

Alle Reviews dieser Band:

Interviews:
Kommentare
hendrik
gepostet am: 02.02.2023

Auf den Punkt, von vorn bis hinten.
Andreas Schiffmann
gepostet am: 10.02.2023

Arntor
gepostet am: 10.02.2023

User-Wertung:
9 Punkte

In Flames haben die mit Abstand besten Trax schon Monate vorher veröffentlicht. Geschickt, denn Deceiver, State und Foregone 1 sind tatsächlich ein wenig retro und auch richtig gut. Dann aber kamen schon die neuerdings offenherzig zur Schau getragenen Klaus Meine-Vox, die übermelodische, mit Lachgas angereicherte Luft, bei der einem Hören und Sehen vergeht. Und das gekappte Riffing, das ja inzwischen ihr Markenzeichen ist, kein Geschiebe, sondern rudimentär, nicht zu Ende gedacht und geführt. Man kann es hören, es belastet nicht, es ergreift aber auch nicht, zu synthetisch, zu blaupausenhaft wirkt das Gedöns. Von mir aus hätten sie nur Deceiver-Trax draufballern können: Das wäre zwar auch Selbstzitat, aber auf die 12 und ohne Still-Loving-Youuuuuu-Schlenker gut hörbar, z.B. im Autochen. Ein Klassiker wär es auch nicht, vermutlich.

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