Musikreviews.de bei Facebook Musikreviews.de bei Twitter

Partner

Statistiken

John Mellencamp: Orpheus Descending (Review)

Artist:

John Mellencamp

John Mellencamp: Orpheus Descending
Album:

Orpheus Descending

Medium: CD/LP/Download
Stil:

Folk, Singer-Songwriter, Roots-Rock, Gitarrenrock, Americana

Label: Republic Records/Universal Music
Spieldauer: 49:05
Erschienen: 30.06.2023
Website: [Link]

JOHN MELLENCAMP nimmt schon lange kein Blatt mehr vor den Mund - auch nicht gegenüber dem (für religiöse Menschen) Allmächtigen: "Hey God if You’re still there/would You please come down/hey God if You’re still there/would You please come down/we can’t take it no more", verlangt der US-Singer-Songwriter mit dem großen Herzen und dem unermüdlichen sozialen Engagement im Opener seines neuen Albums "Orpheus Descending". 

Dass der Herrgott sich den Schlamassel auf dieser seiner Erde ("This is not the Garden of Eden for sure", stellt Mellencamp klar) gefälligst mal anschauen und den Menschen da heraushelfen sollte - so eine forsche Forderung dürfte in der Heimat des mittlerweile 71-Jährigen manche evangelikalen Christenmenschen auf die Fundamentalisten-Palme bringen. Aber für die (erst recht, wenn sie wie so oft Donald-Trump-Wähler sind) singt der einstige Popstar Johnny Cougar ohnehin nicht. Genauso wenig wie sein alter Buddy Bruce Springsteen, der JOHN MELLENCAMP auf dessen Vorgängeralbum "Strictly A One-Eyed Jack" (2022) eindrucksvoll unterstützte.

"The Boss" ist selbstverständlich der unangefochtene König des Heartland Rock (oder auch des Classic Rock an sich, wie sich derzeit wieder auf Springsteens triumphaler Welttournee besichtigen lässt). Für jenen seit Mitte der 1970er Jahre entstandenen volksnahen Singer-Songwriter-Stil stehen direkt dahinter auch Tom Petty, John Fogerty, Bob Seger – und JOHN MELLENCAMP. Von dessen juvenilen AOR-Pop-Anfängen mit dem bald abgelegten "Cougar"-Alias und dem Debüt von 1979 bis zu den neueren, an Woody Guthrie oder Pete Seeger gemahnenden Folk- und Roots-Rock-Stücken: Es war ein weiter, spannender Karriere-Weg - aber, wie nun auch das 25. Studioalbum "Orpheus Descending“ wieder beweist, ein lohnender.

Dass Mellencamps Stimme mit dem Alter immer rauer und raspeliger geworden ist, erhöht eher noch ihre Wirkung im Zusammenhang mit der ähnlich knorrigen, rustikalen Musik und manchen zornigen Texten. Im erwähnten Auftaktsong "Hey God" etwa geht es um die grassierende, irrsinnige Waffengewalt in den USA. Im darauf folgenden Track "The Eyes Of Portland" empört sich der Sänger über die Obdachlosigkeit in seiner Heimat: "All of these homeless/where do they come from/in this land of plenty/where nothing gets done". Und in "The So-Called Free", das die Skepsis des Singer-Songwriters über die amerikanische Realität mit ihren „false prophecies“ schon im Titel trägt, wird ebenfalls kräftig ausgeteilt.

Nun gut, besonders innovativ sind diese Lieder nicht arrangiert und produziert - es ist eher der ruppige Charme eines Old-School-Rock, auf den JOHN MELLENCAMP hier setzt. Aber eine solche Ausrichtung passt halt auch besser zu den desillusionierten Lyrics als jede irgendwie modernisierte Form von Folk oder gar Pop. Zumal sich mit der Ballade "Understated Reverence" mittendrin ein wunderschön zarter Ruhepol zwischen all diesen nach herbem Whisky und Zigarillo-Rauch schmeckenden Songs findet. "Perfect World" (mit feiner Mundharmonika) nimmt die besinnlichere Stimmung gegen Ende des Albums nochmal auf.

JOHN MELLENCAMP bezeichnet das von ihm selbst produzierte "Orpheus Descending" als "eine der persönlichsten Veröffentlichungen" seiner Laufbahn. Es wäre nur verdient, wenn diese warmherzige Platte beim Erfolg von "Other People’s Stuff" (Platz 7 in den US-Albumcharts 2018) anknüpfen könnte. Zumal es den Amerikanern sehr gut täte, genau auf Mellencamps warnende und anklagende Songtexte zu hören - in einem Land, das vor der Entscheidung steht, ob ein inzwischen völlig enthemmter Trump der Demokratie dort endgültig den Garaus machen darf.

FAZIT: Als hoch erfahrener Musiker der Extraklasse muss JOHN MELLENCAMP nichts mehr beweisen. In die Rock & Roll Hall of Fame wurde er bereits 2008 aufgenommen, zehn Jahre später auch in die Songwriters Hall of Fame. Er gewann einen Grammy (bei 14 Nominierungen), den John Steinbeck Award, den Woody Guthrie Award und den Lifetime Achievement Award der Americana Music Association. Mit dem erdigen Roots-Rock von "Orpheus Descending" setzt der Amerikaner nun sein Werk in der Tradition sozialkritischer Folk-Liedermacher fort - es klingt rundum ehrlich und authentisch.

Werner Herpell (Info) (Review 1829x gelesen, veröffentlicht am )

Unser Wertungssystem:
  • 1-3 Punkte: Grottenschlecht - Finger weg
  • 4-6 Punkte: Streckenweise anhörbar, Kaufempfehlung nur für eingefleischte Fans
  • 7-9 Punkte: Einige Lichtblicke, eher überdurchschnittlich, das gewisse Etwas fehlt
  • 10-12 Punkte: Wirklich gutes Album, es gibt keine großen Kritikpunkte
  • 13-14 Punkte: Einmalig gutes Album mit Zeug zum Klassiker, ragt deutlich aus der Masse
  • 15 Punkte: Absolutes Meisterwerk - so was gibt´s höchstens einmal im Jahr
[Schliessen]
Wertung: 11 von 15 Punkten [?]
11 Punkte
Kommentar schreiben
Tracklist:
  • Hey God
  • The Eyes Of Portland
  • The So-Called Free
  • The Kindness Of Lovers
  • Amen
  • Orpheus Descending
  • Unterstated Reverence
  • One More Trick
  • Lightning And Luck
  • Perfect World
  • Backbone

Besetzung:

Alle Reviews dieser Band:

Interviews:
  • keine Interviews
(-1 bedeutet, ich gebe keine Wertung ab)
Benachrichtige mich per Mail bei weiteren Kommentaren zu diesem Album.
Deine Mailadresse
(optional)

Hinweis: Diese Adresse wird nur für Benachrichtigungen bei neuen Kommentaren zu diesem Album benutzt. Sie wird nicht an Dritte weitergegeben und nicht veröffentlicht. Dieser Service ist jederzeit abbestellbar.

Captcha-Frage Was legt ein Huhn?

Grob persönlich beleidigende Kommentare werden gelöscht!