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Statistiken

NOFX: Double Album (Review)

Artist:

NOFX

NOFX: Double Album
Album:

Double Album

Medium: CD/LP/Download
Stil:

Melodycore, Skatepunk

Label: Fat Wreck/Edel
Spieldauer: 27:18
Erschienen: 21.04.2023
Website: [Link]

Zu den spannendsten Themen in Interviews mit Musikern gehört, wie sie selber im Rückblick ihr Gesamtwerk beurteilen. Das „Album Ranking“ der Schöpfer stimmt meistens nicht mit dem Kanon überein, auf den sich Fans und Kritiker über die Jahrzehnte geeinigt haben. So auch bei Fat Mike von NOFX, der im Rahmen unseres letzten Gespräch das allgemein als Ultra-Klassiker seiner Band gewertete „Punk In Drublic“ noch nicht einmal unter den Top 10 des umfangreichen Œuvres sieht. Zu seinen Albumfavoriten gehören hingegen „Self-Titled“ von 2012, „Wolves In Wolves' Clothing“ von 2006 und der Vorgänger dieser Platte hier, das 2021 erschienene „Single Album“.

Das „Double Album“ heißt zwar einzeln so, komplettiert aber beide Werke zu einem Doppelalbum, ganz ähnlich wie es einst Guns'n'Roses mit ihren zweifachen Illusionen machten. Kollege Andreas Schiffmann hat Recht, wenn er auf dieser Seite schrieb, dass „Single Album“ eine ziemlich zähe Angelegenheit war, besonders wegen dessen ungewöhnlich langen und für NOFX-Verhältnisse getragenen Songs, die zwar bedeutsam und außergewöhnlich sind, aber kaum in eine Playlist geraten, die man sich für Männerabende einrichtet, an denen sich Mittvierziger mit Kinnbart wieder wie Zwanzig fühlen wollen. „Double Album“ schlägt mit wenigen Ausnahmen musikalisch wieder vetrautere Wege ein, holzt harmonisch mit Bleifuß durch, technisch brillant in die Rille gerotzt, die erst drei Monate nach der CD in diesem April erscheint.

Während das überaus griffige „Punk Rock Cliche“, das Mike ursprünglich als Ghostwriter für Blink 182 geschrieben hatte, eher allgemeine Sätze findet, handelt es sich bei den meisten Songs um eine Sammlung von Kurzgeschichten im Punkrock-Format. Fat Mike ist ein echter Storyteller, ein Mann der Sprache, der sowohl Bock auf szenisches Erzählen hat als auch auf Wortspiele wie ein verkappter Hiphopper. „Alcopollack“ porträtiert den langjährigen Tourmanager der Band. „Three Against Me“ erzählt die Geschichte eines jungen Mannes, den seine Familie verstößt, bloß, weil er queer ist. Ein Stück, das seinen Ursprung in Mikes Musical „Home Street Home“ über echte Straßenkids von L.A. hat. Über sich selbst berichtet Mike, zu dessen irritierend entwaffnender Ehrlichkeit sich auch in meiner Kolumne hier auf der Seite einiges finden lässt, ebenfalls wieder unzensiert.
Etwas ratlos steht man im Jahre 2023 vor einem Song wie „Is It Too Soon If Time Is Relative?“, in dem Mike boshaft den 2018 verstorbenen Physiker Stephen W. Hawking durch den Kakao zieht, der ob seiner ALS bekanntlich nur noch den Kopf bewegen konnte und über einen Sprachcomputer kommunizierte. Gern wäre er wie er, plärrt Mike, dann „könnte ich Cheeseburger durch den Strohhalm trinken“ und „meine Hand wie eine Hummerklaue aussehen lassen“. Ferner sei der Mann faul gewesen, so dass er nur „eine kurze Geschichte der Zeit“ verfasste, was immerhin ein solider Gag ist. Ansonsten denkt man sich, dass es zwar eine ehrenvolle Aufgabe des Punkrock wäre, satirisch zu entlarven, wieviel manipulative Machtpolitik eigentlich hinter der heutigen Political Correctness steckt, es aber albern und spätestpubertär ist, nach vierzig Jahren Karriere immer noch bloß um der Unkorrektheit willen boshaft zu sein.

FAZIT: Im langjährigen Schaffen von NOFX ordnet sich dieses Spätwerk allenfalls im oberen Mittelfeld ein und verpasst, fußballerisch gesprochen, den Einzug in das internationale Geschäft. Es bietet mehr Drive und Schnodder als sein bewusst depressiver Vorgänger, erreicht jedoch in keinem Song die zeitlosen Ohrwurmqualitäten ihrer unvergesslichen Songs.

Oliver Uschmann - Freier Mitarbeiter (Info) (Review 3218x gelesen, veröffentlicht am )

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Wertung: 9 von 15 Punkten [?]
9 Punkte
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Tracklist:
  • Darby Crashing Your Party
  • My Favorite Enemy
  • Don't Count On Me
  • Johanna Constant Teen
  • Punk Rock Cliche
  • Fuck Day Six
  • Is It Too Soon If Time Is Relative
  • Alcopollack
  • Three Against Me
  • Gone With The Heroined

Besetzung:

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Interviews:
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