Musikreviews.de bei Facebook Musikreviews.de bei Twitter

Partner

Statistiken

Obelyskkh: The Ultimate Grace Of God (Review)

Artist:

Obelyskkh

Obelyskkh: The Ultimate Grace Of God
Album:

The Ultimate Grace Of God

Medium: Download/LP+CD
Stil:

Psychedelic- und Doom-Metal, Sludge

Label: Exile On Mainstream Records
Spieldauer: 50:24 / CD – 71:13
Erschienen: 27.01.2023
Website: [Link]

Satte 5 Jahre ließen sich die deutschen Psyche-Doom-Metallisten OBELYSKKH Zeit, um mit ihrem 5. Album (War die Parallele beabsichtigt? Und müssen wir dann etwa sechs Jahre auf eine Fortsetzung warten?) die finster geprägte Metall-Szene zu beglücken, die gerne auch ganz weit offen für psychedelische Experimente ist.
Schon das Cover, das irgendwie wie Mutter Theresa als Inkarnation des Bösen aussieht und noch dazu farblich großartig gestaltet ist, versteht zu beeindrucken und neugierig zu machen. Noch mehr aber beeindruckt die Musik, welche sich hinter diesem Cover befindet.

Was mit einem zarten Kinder-Chor beginnt soll als Apokalypse enden – so dürfte man das Motto hinter dem aktuellen fünften Album von OBELYSKKH bezeichnen.

Und noch eins: „Gottes ultimative Gnade“ wird der deutschen Psychedelic-Doom-Sludge-Metal-Band nach „The Ultimate Grace Of God“ garantiert nicht gewährt werden…
...außer man bezieht sich auf den von ihnen besungenen Gott mit dem Hundekopf.

Dass all die aggressive martialische Finsternis unbedingt auf Vinyl gebannt werden muss, wird hierbei schon fast zur Selbstverständlichkeit. Doch hatten OBELYSKKH für ihr Gottes-Album deutlich mehr (richtig gutes) Material als es die Kapazitäten einer Vinyl-Scheibe hergeben, weswegen der Käufer des Albums das große Glück hat, in dieser auch eine CD, die es ausschließlich nur in Verbindung mit der LP gibt, mit zwei zusätzlichen Titeln zu finden, die es auf eine satte zusätzliche Laufzeit von über 20 Minuten bringen.

Auch pumpt bei den Frankendoomern das Doom-Riffing wie gewohnt hinein bis in die finstersten Abgründe, dafür aber werden die psychedelischen Elemente ein wenig auf Kosten der metallischen zurückgefahren, um deutlich mehr Druck als beim Vorgänger aufzubauen. Das hat durchaus etwas Hymnisches, auch weil der Gesang wie gewohnt stark 'verhallt' wird und die Texte dadurch kaum zu verstehen sind. Der Sound allerdings lässt genug Spielraum, um sich seinen eigenen Bilder beim Hören hinzugeben, egal ob man dabei die schwarze Mutter oder den hundeköpfigen Gott besucht.

Aber es gibt auch einen Pferdefuß, auf dem dieses Album etwas zu sehr humpelt – die Produktion und der Sound fallen insgesamt zu dumpf aus, klare Höhen fehlen, wodurch auch keine spannenden Stereo-Effekte zustande kommen, welche bei dem Abwechslungsreichtum hinter „The Ultimate Grace Of God“ einfach ein echtes Sahnehäubchen gewesen wären, das so mit zu viel dunklem Schokoladenguss überschüttet wird, selbst wenn der Gesang mitunter zwischen den Kanälen, besonders beim knapp zehnminutigen Titeltrack hin und herwandert. Doch wenn dann die akustische Gitarre auftaucht, ist es eben schade, dass diese nicht in klareren Höhen schwebt. Eigentlich ein großartiger Moment, dem man seinen Moll-Sound ein wenig hätte nehmen sollen. So bleibt aber der Sound sehr rau und mitunter ein wenig zu verwaschen.

Der Hintergrund dieses Albums ist zudem sehr interessant und man kann ihn auch auf der farbig belabelten CD entdecken. In einem runtergekommenen Viertel von Antwerpen befindet sich wo auch immer ein seltsam altertümlich anmutender Friseursalon, über dessen Schaufenster die Worte prangen, welche dem neuen OBELYSKKH-Album seinen Titel verleihen. Entdeckt wurde der Laden schon vor fünf Jahren, doch die Idee zügig umzusetzen, erwies sich als schwierig, denn einerseits stieg der zweite Gitarrist der Band aus und andererseits macht die Pandemie allen Ambitionen vorerst einen fetten Strich durch die Rechnung. Dafür aber sammelten OBELYSKKH für ihr Album viele Inspirationen ihrer alten Helden wie KARP oder JESUS LIZARD und MELVINS. Diese Einflüsse schlagen sich unüberhörbar auf „The Ultimate Grace Of God“ nieder. Also auch jede Menge Noise und Sludge lassen grüßen.

Kaum aber war Corona halbwegs überstanden, krachten Krieg und Inflation sowie Energie- und Klima-Krise unerbittlich ins Musikkontor. Das macht verdammt wütend, denn es bremst eben alles aus, auch ein gutes Album, das wie russisches Erdgas in der Pipeline wartet, aber keiner dreht den Hahn auf. So zog die Zeit und die Wut bei OBELYSKKH ins Land – und diese Wut musste einfach raus, sodass ihr endlich veröffentlichtes Album auch jede Menge wütende Passagen enthält, in denen die Band lauthals jede Menge Noise- und Frust-Text-Brocken auskotzt, diese in den ruhigen Passagen wieder wegwischt, um gleich daraufhin den nächsten Schwall auszuspeien.

Alles in allem ein schwer erträglicher Metall-Brocken zwischen Doom, Sludge, Psyche, der dem Hörer mit seinem druckvollen, rauen Klang viel abverlangt – und dabei mit jedem Ton und jeder Minute klarmacht, dass „The Ultimate Grace Of God“ zwar keine Seligpreisung bei der katholischen Kirche ergattern, dafür aber von vielen Szene-Kennern sicher zurecht in den Himmel gehoben wird. Auch weil die Idee, das Album nur als LP in Verbindung mit einer beigefügten CD mit zwei Bonustiteln zu veröffentlich, wirklich gut und mutig ist. Weiter so!

FAZIT: „Gottes ultimative Gnade“ wird der deutschen Psychedelic-Doom-Sludge-Metal-Band nach dem noisigen „The Ultimate Grace Of God“ garantiert nicht gewährt werden… Dafür aber wird es die Szene ordentlich aufrütteln, denn die fünf Jahre, welche sich OBELYSKKH für „The Ultimate Grace Of God“ – ein Album, das es nur auf Vinyl mit beigelegter CD samt über 20 Minuten Bonusmaterial zu erstehen gibt – mitunter auch gezwungenermaßen Zeit ließen, haben sich musikalisch komplett gelohnt, selbst wenn die Produktion etwas zu rau ausgefallen ist. Nur Vorsicht, einen Besuch beim Barbier von Antwerpen, der sich ziemlich göttlich fühlt, gibt’s inklusive.

Thoralf Koß - Chefredakteur (Info) (Review 1837x gelesen, veröffentlicht am )

Unser Wertungssystem:
  • 1-3 Punkte: Grottenschlecht - Finger weg
  • 4-6 Punkte: Streckenweise anhörbar, Kaufempfehlung nur für eingefleischte Fans
  • 7-9 Punkte: Einige Lichtblicke, eher überdurchschnittlich, das gewisse Etwas fehlt
  • 10-12 Punkte: Wirklich gutes Album, es gibt keine großen Kritikpunkte
  • 13-14 Punkte: Einmalig gutes Album mit Zeug zum Klassiker, ragt deutlich aus der Masse
  • 15 Punkte: Absolutes Meisterwerk - so was gibt´s höchstens einmal im Jahr
[Schliessen]
Wertung: 11 von 15 Punkten [?]
11 Punkte
Kommentar schreiben
Tracklist:
  • Seite A (24:10):
  • Aquaveil (8:30)
  • The Ultimate Grace Of God (9:55)
  • Black Mother (5:45)
  • Seite B (26:14):
  • Dog Headed God (9:26)
  • Sat Nam [Vision] (16:48)
  • CD mit Bonustracks (71:13):
  • Aquaveil (8:30)
  • The Ultimate Grace Of God (9:55)
  • Black Mother (5:45)
  • Afterlife (14:25)
  • Universal Goddess (6:28)
  • Dog Headed God (9:26)
  • Sat Nam [Vision] (16:48)

Besetzung:

Alle Reviews dieser Band:

Interviews:
  • keine Interviews
(-1 bedeutet, ich gebe keine Wertung ab)
Benachrichtige mich per Mail bei weiteren Kommentaren zu diesem Album.
Deine Mailadresse
(optional)

Hinweis: Diese Adresse wird nur für Benachrichtigungen bei neuen Kommentaren zu diesem Album benutzt. Sie wird nicht an Dritte weitergegeben und nicht veröffentlicht. Dieser Service ist jederzeit abbestellbar.

Captcha-Frage Wieviele Monate hat das Jahr?

Grob persönlich beleidigende Kommentare werden gelöscht!