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The Pearlfishers: Making Tapes For Girls (Review)

Artist:

The Pearlfishers

The Pearlfishers: Making Tapes For Girls
Album:

Making Tapes For Girls

Medium: CD/LP/Download
Stil:

Pop, Singer-Songwriter, Sixties-Pop, Seventies-Pop, Sophisticated-Pop, Barock-Pop, Westcoast-Pop

Label: Marina Records
Spieldauer: 42:18
Erschienen: 24.05.2024
Website: [Link]

Ob die "Generation Spotify" mit diesem Albumtitel etwas anfangen kann? Klar, es gibt auch auf den Streaming-Plattformen jede Menge selbstgebastelte Playlists, aber das ist nicht wirklich vergleichbar (weil eher unpersönlich). Man muss also wohl schon ein bisschen älter sein, um jenes "Mixtape"-Phänomen noch aus eigener Erfahrung zu kennen, das David Scott zum Aufhänger der neuesten (und womöglich wieder einmal allerschönsten) Studioplatte seiner Band THE PEARLFISHERS gemacht hat.


Zu einer famosen Melodie voller unaufdringlicher, geschmackssicherer Sophisticated-Pop-Zitate erzählt uns der Singer-Songwriter aus der Nähe von Glasgow im Opener und Titelsong "Making Tapes For Girls" von "a world of country, folk, and the blues". Und davon, was es bedeutet, mit selbst zusammengestellter Musik auf einer 60-Minuten-Cassette einem anderen (nicht notwendigerweise romantisch angehimmelten) Menschen eine Botschaft zu übermitteln. "I didn't know how to say the right things/So I left it to Joni and Paul/Life held no clues for life/But those songs held them all...", singt Scott mit warmer, auf Anhieb sympathischer Stimme.

Lieblingslieder von McCartney und Mitchell als Spiegel der eigenen Persönlichkeit, darum geht's also. "When we were learning about the world by Making Tapes For Girls", lautet der letzte Satz dieses wunderbaren Liedes. Damit macht Scott zugleich klar, dass er hier nicht eine altersmäßig unangemessene, peinliche Ranschmeiße an junge Mädchen bejubelt. "Als ich den Titel 'Making Tapes For Girls' fand, war ich als fast 60-jähriger Mann ein bisschen besorgt...", räumt er im "Musikreviews"-Interview im Glasgower Kult-Plattenladen Monorail ein. "Der Song handelt nicht aktuell von 'Do you wanna be my girlfriend?'. Es ist ein Song, der sich damit beschäftigt, wie man Beziehungen erlernt." 


Melancholisch und nostalgisch, aber nie kitschig oder gar schmierig. Typisch David Scott, typisch THE PEARLFISHERS. Songperlen von solch hoher Qualität gibt es gleich mehrfach auf jedem Album dieses seit 1997 vom Hamburger Liebhaber-Label Marina betreuten Bandprojekts. Dass "Making Tapes For Girls" mit zwölf neuen Liedern nun als achter Marina-Longplayer (neben diversen Singles und EP's) von Scott & Co. erscheinen konnte, ist allerdings eine (mehr als willkommene) dicke Überraschung. 

Denn eigentlich hatte die kleine Plattenfirma vor fünf Jahren mit dem vermeintlich letzten PEARLFISHERS-Großwerk "Love & Other Hopeless Things" sowie der Label-Compilation "Goosebumps" Adieu gesagt. Viele Fans von ambitionierter, smarter Indiepop-Musik vorwiegend englischer und schottischer Herkunft waren traurig. Im Interview beschreibt Scott - ein unfassbar freundlicher, bescheidener, in sich ruhender Musiker - das Zustandekommen von "Making Tapes For Girls" daher auch sehr dankbar. Und das Ergebnis gibt den Comeback-Bemühungen aller Beteiligten von Band und Label wahrlich Recht. 

Wieder schwelgen THE PEARLFISHERS in den prächtigsten Harmonien und üppigsten Arrangements. Die Songs pendeln zwischen Wehmut und Euphorie, erinnern an die Beatles, die Beach Boys und Burt Bacharach (die drei großen B's des Sixties-Pop sind Scott heilig), an den Seventies-Westcoast-Wohlklang von Jimmy Webb oder Harry Nilsson, ebenso an Achtziger-Jahre-Popgenies wie Paddy McAloon (Prefab Sprout) oder Green Gartside (Scritti Politti).


Schon die Songtitel sagen einiges aus über David Scott als großen Pop-Romantiker ("Kisses On The Window", "Hold Out For A Mystic", "When The Sun Comes Back To The West Coast"), aber auch über seinen augenzwinkernd-selbstironischen Humor ("Put The Baby In The Milk", "We're Gonna Make A Hit Record, Boy"). Mehrere Tracks haben mit seiner Enkelin zu tun, über deren Namen Scott anrührend sinniert ("The Word Evangeline") und deren Wortschöpfung sogar einen Songtitel hervorbrachte ("Yellow & The Lovehearts"). Auch der zarte Album-Closer "Sweet Jenny Bluebelle" ist dem Kind gewidmet. 

Wie bereits angedeutet: Man muss schon ziemlich versteinert sein, um von diesen famosen Melodien und umarmenden Lyrics nicht verzaubert zu werden.

Erstaunlich ist bei PEARLFISHERS-Platten immer wieder aufs Neue, wie opulent sich das alles anhört, obwohl dem Musikhochschullehrer Scott ja keine Riesenbudgets zur Verfügung stehen (das mit dem "Hit Record" hat bisher trotz exzellenter Alben nicht geklappt). Er kann sich aber auf eine Kern-Band verlassen, die ihm auf seinen Wegen seit langem folgt - etwa Co-Produzent Johnny Smillie, Jamie Gash am Schlagzeug, Dee Bahl am Bass, die Background-Sänger Stuart Kidd und Rebecca Wallace, außerdem die stets gleichen Streicher und Bläser.


"Eine ziemlich große musikalische Familie" nennt Scott diese PEARLFISHERS-Vertrauten - wobei Glasgow mit Bands/Projekten wie Teenage Fanclub, BMX Bandits, Friends Again, Love & Money, The Bluebells, The Bathers oder Starless seit über 40 Jahren ohnehin ein äußerst fruchtbares Indiepop-Biotop bietet. Außerdem: "Es gibt eine Menge guter Studios auch in Glasgow", sagt der 59-Jährige Sänger, Songwriter, Multiinstrumentalist und Produzent. "Für dieses Album habe ich in einem kleinen Studio namens La Chunky aufgenommen, mit tollen analogen Vintage-Geräten. Die Streicher habe ich an einem Ort namens Chem 19 eingespielt, damit es richtig groß klingt. Einiges habe ich auch zu Hause aufgenommen, und einiges an der Universität in Ayr an der Westküste Schottlands."

"Making Tapes For Girls" ist ein so herrliches Album, dass man wieder einmal über die Gerechtigkeit im Pop grübelt, also: Warum ist Musik wie die von THE PEARLFISHERS nicht viel bekannter und erfolgreicher?
"Ich habe schon vor vielen Jahren aufgehört, darüber nachzudenken", winkt David Scott im Interview ab. "Ich habe ein Publikum für meine Musik, die Leute lieben sie. Ja, ich würde gerne weitere 50 000 Platten verkaufen. Das ist mir aber eben nicht gelungen. Doch ich weiß, dass meine Musik einen Einfluss auf die Leute hat."

Daher geht es dem obersten Perlenfischer wohl auch künftig mit jeder weiteren Platte vor allem darum, seine eigenen Qualitätsstandards zu erfüllen. Denn: "Das Altern bringt viele Dinge mit sich, eines davon ist: Wir werden nicht ewig hier sein", sagt Scott. "Und ein Teil davon wiederum ist, dass wir das Beste daraus machen müssen. Das kann oder sollte ein Songwriting durchdringen." Ein denkwürdiger Schlusssatz. Wer "Making Tapes For Girls" von THE PEARLFISHERS mit all seiner noblen Pop-Eleganz in Ruhe hört, wird ihn mit Sicherheit verstehen.


FAZIT: Eigentlich schienen THE PEARLFISHERS schon Pop-Geschichte zu sein. Doch Überraschung - jetzt kehrt das schottische Bandprojekt um den großen Melodienerfinder und Arrangeur David Scott glorreich zurück. Auf "Making Tapes For Girls", das wie die sieben Vorgänger seit 1997 beim tollen Hamburger Sophisticated-Pop-Label Marina erscheint, zieht Scott in zwölf hochmelodischen, opulenten Songs wieder mal alle Register. Ein Prachtstück von Comeback-Album.

Werner Herpell (Info) (Review 629x gelesen, veröffentlicht am )

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Wertung: 13 von 15 Punkten [?]
13 Punkte
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Tracklist:
  • Making Tapes For Girls
  • Kisses On The Window
  • Hold Out For A Mystic
  • Put The Baby In The Milk
  • Until I Knew Happy
  • The Word Evangeline
  • We're Gonna Make A Hit Record, Boy
  • Yellow & The Lovehearts
  • The Wild Lives
  • Protect The Heart That's Beating
  • When The Sun Comes Back To The West Coast
  • Sweet Jenny Bluebelle

Besetzung:

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Interviews:
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