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Sieges Even: Paramount (Review)

Artist:

Sieges Even

Sieges Even: Paramount
Album:

Paramount

Medium: CD
Stil:

Melodic Rock / Prog

Label: Inside Out/SPV
Spieldauer: 61:47
Erschienen: 2007
Website: [Link]

So “Paramount” sie auch sein möchten: SIEGES EVEN spielen heuer weder den hektischen Technothrash der Anfangstage, noch die impressionistische Variante der frühen Neunziger, sondern ergehen sich in höherklassigem, weitgehend überraschungsarmem melodischen Metal bis Rock. Die Musikalität ist nach wie vor vorzüglich, die Einzigartigkeit dahin – von Intensität und Metalfeeling ganz zu schweigen.

Schlimm muss das natürlich nicht sein, doch dem Anspruch, eben noch die Langhaarigen zu bedienen, werden SIEGES EVEN gar nicht mehr gerecht. Harte Klampfen machen noch keinen Metal, zumal mit Arno Menses auch die Krankheit Einzug erhalten hat, während der Gesangspassagen die Dynamik herunterzufahren, weil die Stimme im Mittelpunkt stehen, beziehungsweise ihre mangelnde Tragfähigkeit inmitten harter Sounds versteckt werden soll.

Einige Worte zu den Klängen: die gelegentlichen Keyboards sind verzichtbar und entbehren der Mühe, andere als Preset-Klänge zur Aufnahme programmiert zu haben. Die „Ploings“ auf der Snaredrum im Intro zu „Bridge To The Divine“ haben Vauxdvihl schon vor fünf Jahren genauso auf ihre Drums gelegt („Church Recordings“-EP), und die gelegentlich hintergründigen Lo-Fi-Drumloops waren bereits bei erstmaligem Auftauchen auf Postrock-Platten abgeschmackt. Schließlich ärgert Meisterbasser Oliver noch mit einem ebenfalls unveränderten Phasereffekt im achten Track...ja, es sind Kleinigkeiten...

...die sich mit den erstaunlich vorhersehbaren Arrangements verbinden, welche bereits der Opener mit sich bringt. Die Rhythmusarbeit verzückt nach wie vor, und an Detailreichtum haben SIEGES EVEN nicht zurückgesteckt. Das Saubermannimage von“The Art Of Navigating ByThe Stars“ findet definitiv seine Fortsetzung, womit sich der alte Fan abfinden muss. Menses steht im Fokus, und er veredelt die Tracks überwiegend mit eingängigen Gesangshooks. „Tidal“ ist in dieser Hinsicht mächtig; nur „Duende“ ist aus Gitarristensicht noch fleischiger und macht eine seltene Ausnahme von der Braten-und-bei-Stimmeinsatz-sanft-köcheln-lassen-Regel. Im äußerst aufgeräumten, glatten Klangbild könnte der Fronter sich doch gut gegen einen etwaigen Instrumentalsturm behaupten, doch die Musiker möchten nicht. „Eyes Wide Open“ ist gar balladesk und wäre einst kommerziell ausschlachtbar gewesen. Die Fabel von „Christ the redeemer, icon of mankind“ im sich anschließenden Stück macht die Gesetztheit der Herren offenbar, die wohl auch das Verfallen ins bürgerlich-Religiöse mit einschließt. Sicherlich nicht peinlich, doch diese Art von Midlife-Metal für mit beiden Beinen am Ort Verankerte gefällt mir persönlich weniger als die unverbindlichere Variante, die SIEGES EVEN vor zehn bis 15 Jahren noch spielten. Das hier wird bald als neuer Klassikrock angesehen werden – das Alter der Hörenden wie Erschaffer kann man der Musik entnehmen und schränkt diese einst grenzenlose Truppe leider etwas ein.

SIEGES EVEN haben ihren Weg gefunden, der nunmehr gerader verläuft. Damit haben sie mehr mit Sachen a la Alias Eye zu tun als mit der alten Innovatorengarde im nationalen wie weltweiten Metal. Wenn sie mit Rhapsody und Blind Guardian auf den Bühnen stehen, zeigen sie sich zweifellos als Mucker von Format; die Unaufrichtigkeit der offensichtlich mangelhaften Identifikation mit deren Musik gehört dann eben auch zum „Erwachsensein“. SIEGES EVEN spielen schlicht behäbigen Melodic Rock mit progressiven Elementen, der permanent berühren und gleichzeitig zeigen möchte, wie weise man doch geworden ist. Dazu gehören dann auch Martin-Luther-King-Reden als Zitatsamples und sinnfreies „Ba-Ba“, das Yes´ Jon Anderson in den 70s besser stand, weil die Musik andauernd für sich einnahm und keine Kompromisse einging – diese hier schon, und sie rinnt unspektakulär daher.

FAZIT: SIEGES EVEN 2007 empfehlen sich als Anspruchs-AOR mit prätentiösen Lyrics und hoher Musikalität, die sie nur wieder etwas von der Kette lassen müssten, damit man die Gruppe nicht in einem Atemzug mit der Weichzeichner-Gilde nennen kann, die auch niveauwollen Durchschnitt am Band produziert. Ausnahmestellung ade.

Andreas Schiffmann (Info) (Review 3316x gelesen, veröffentlicht am )

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Wertung: 9 von 15 Punkten [?]
9 Punkte
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Tracklist:
  • When Alpha And Omega Collide
  • Tidal
  • Eyes Wide Open
  • Iconic
  • Where Our Shadows Sleep
  • Duende
  • Bridge To The Divine
  • Leftovers
  • Mounting Castles In The Blood Red Sky
  • Paramount

Besetzung:

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