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Kadavar: Abra Kadavar (Review)

Artist:

Kadavar

Kadavar: Abra Kadavar
Album:

Abra Kadavar

Medium: CD
Stil:

Hardrock

Label: Nuclear Blast / Universal
Spieldauer: 41:17
Erschienen: 12.04.2013
Website: [Link]

Es hat etwas von einem schäbigen Gimmick, dass das Label KADAVAR als Zeitreisende vermarktet, die den Sound von einst authentisch aufleben lassen, denn das tun diverse perfekt aufgezogene Tribut-Veranstaltungen mit Bezug auf alte Rock-Heroen ebenfalls, während sie wie Gala-Bands durch die Lande ziehen und sich teuer die fremden Federn bezahlen lassen. Ernsthaftes Künstlertum ist folglich etwas anderes, und ob diese Berliner gegenwartsbezogene, also auch über den Trend hinaus zukunftsträchtige Musik machen - davon kann ihr zweites Album gewiss eher Zeugnis ablegen als ihre mit der Tür ins Haus gefallenen frühen Aufnahmen. "Abra KADAVAR" (gähn ...) wurde wie gewohnt live eingespielt, und wer glaubt, Nuclear Blast hätten der Band einen aktuelleren Sound spendiert, der irrt. Die Songs klingen recht höhenlastig, aber nicht unangenehm, die Band tighter als auf ihrem Einstand.

Das eröffnende "Come Back Life" verwandelt sich vom Uptempo-Hauruck dank eines smarten Tempowechsel kurzzeitig in einen Garagen-Stampfer der Marke Jack White, das folgende Doppel aus "Doomsday Machine" sowie "Eye Of The Storm" (rein instrumental) poltert eher geradlinig wie BLUE CHEER einher, und "Dust" ist den verspielten BLACK SABBATH zu ihrer Hochphase der Stimmführung wegen wohl am nächsten. Eigentlich entziehen sich KADAVAR mit diesen Stücken jedoch etwaigen Doom- oder gar Stoner-Bezügen weiter. Einzig das PENTAGRAM-Gedächtnis "Fire" lässt sich in diesem Nimbus verorten, doch die Combo orientiert sich strukturell und klanglich vielmehr an der Garagen-Ära und den Bands aus der zweiten bis dritten Reihe, nicht an den Rädelsführern des sogenannten Classic Rock.

"Black Snake" ist hingegen ein eher dröger Call-and-Response-Blues im Unisono aus Gesang und Gitarre, doch davon abgesehen fällt die Lead- und Solo-Freudigkeit von Frontmann Lupus angenehm auf. Muss er singen, nimmt er sich natürlich ein wenig zurück. Seine Texte zeigen überraschenden Wortwitz mit - was sonst? - Vergangenheitsbewusstsein ("Hello darkness my old friend, I won't talk to you again"), scheinen aber zuvorderst Makulatur zu sein und passenderweise archaische oder allgemeingültige Themen zu bemühen. "Liquid Dream" klingt mit Farfisa-Orgel nach härteren 13TH FLOOR ELEVATORS, und auch das fuzzige "Rhythm For Endless Minds" (mit "Planet Caravan"-Gesangseffekt) geht in eine psychedelische Richtung. Dass das ebenfalls gesangslose und trippige Titelstück am Ende ähnlich groovt wie "Sabbra Cadabra" oder "Supernaut", ist sicherlich nur Zufall, das Fehlen eines nudeligen Longtracks ein großes Plus dieser durchweg guten Scheibe. LP-Freaks bekommen noch "The Man I Shot" als Bonustrack.

FAZIT: KADAVAR sind nicht die einzigen, die "echt wie damals" klingen, momentan aber diejenigen mit dem medienwirksamsten Auftreten. Falls sie sich auch über den Retro-Boom hinweg behaupten könnten, wäre dies angesichts ihrer ausnahmslos überzeugenden Musik nicht das Schlechteste. Dennoch fehlt ihnen subjektiv betrachtet irgendwie die zeitgenössische Relevanz, wenn man als Hörer nicht viel von Eskapismus in alte Zeiten hält ... Worin besteht die Aussage? "Seht her, so war das" zu sagen, nur weil die Gegenwartsmusik ach so schlecht sei, ist diesem Rezensenten zu wenig. [Album bei Amazon kaufen]

Andreas Schiffmann (Info) (Review 5357x gelesen, veröffentlicht am )

Unser Wertungssystem:
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  • 10-12 Punkte: Wirklich gutes Album, es gibt keine großen Kritikpunkte
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Wertung: 10 von 15 Punkten [?]
10 Punkte
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Tracklist:
  • Come Back Life
  • Doomsday Machine
  • Eye Of The Storm
  • Black Snake
  • Dust
  • Fire
  • Liquid Dream
  • Rhythm For Endless Minds
  • Abra Kadavar

Besetzung:

Alle Reviews dieser Band:

Interviews:
  • keine Interviews
Kommentare
The Real Dr. Music
gepostet am: 07.05.2013

User-Wertung:
13 Punkte

Höhenlastig? Vielleicht mal paar gute Lautsprecher kaufen? Beim Sound wurde viel Wert auf heavyrockige Vintage-Qualität gelegt und genau die wurde auch erreicht. Wer jemals wie ich in den 60er und 70er Jahren Gitarre gespielt hat, kennt diese Sounds noch genau.
Andreas Schiffmann
gepostet am: 07.05.2013

heavyrockige Vintage-Qualität oder High-End-Klangmodern ist egal. Entweder es klingt gut oder nicht - aber niedrig aufgelöste MP3s zur Rezension sind nicht repräsentativ, das gebe ich zu, aber die Schuld trägt in diesem Fall das Label. Wer nicht in den Sechzigern und Siebzigern Gitarre gespielt hat, ist natürlich ein Idiot, klar.
crackster
gepostet am: 16.05.2013

Die Jungs muss man Live gesehen haben. Denn auf der Bühne sind sie eine Offenbarung, egal aus welcher Zeit man kommt. Wer danach noch so eine verhaltene Plattenkritik schreibt hat nen Furz quer sitzen. 15 Punkte für Kadavar. Und keinen weniger.
wasumba
gepostet am: 20.05.2013

User-Wertung:
12 Punkte

Vielleicht mal wieder eine LP kaufen und zuhören und nicht eine MP3-Soße downloaden und dann meinen eine Rezi schreiben zu können, die sich auch über Klang auslässt! Kann die musikalische Einschätzung in etwa nachvollziehen, die klangliche garnicht! Super Sound! Was bitte ist denn High-End-Klangmodern? Junge, Junge.....
Rollmops65
gepostet am: 11.09.2013

User-Wertung:
3 Punkte

Keine Ahnung, wer so was noch braucht - da höre ich doch lieber die Originale! Was für ein Hype um "uralte" Songs!
Purpler
gepostet am: 12.09.2013

User-Wertung:
15 Punkte

Bin kein "Ewig-Gestriger", aber der heutigen Musik fehlt einfach die Seele. Und dieses Album hat Seele, verdammt noch mal. Einfach nur Mucke!!
Habe Bass gespielt, aber aufgrund fehlender Mitmusiker aufgehört...
The Real Dr. Music
gepostet am: 12.09.2013

Ach Du heilige Frankensteinscheisse! Ich habe meine Band aufgelöst, weil ich in meinem Kaff keinen g'scheiten Bassisten gefunden habe. Wie wär's mit uns beiden?
ich
gepostet am: 28.02.2014

User-Wertung:
14 Punkte

Ich weiß nicht seit wann eye of the storm rein instrumental sein soll. Das zeugt wie genau sich dieser kunstkritiker mit dem album befasst hat. Wie kann man nur irgendwie ernst genommen werden, wenn schnell mit fachwörtern gespickte zeilen hingetippt werden und eine aktuelle band mit alten bands verglichen wird. Es würde helfen sich ein 6 minütiges lied ganz anzuhören, und nicht einfach nach einer minute zu behaupten ein song wãre rein instrumental. Also bescheidener (grob persönliche beleidigende kommemtare werden gelöscht) fast-food musikkritiker, ich hoffe du konntest das jetzt innerhalb einer minute lesen.
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