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Höyry-Kone: Huono Parturi - 1997 (Review)

Artist:

Höyry-Kone

Höyry-Kone: Huono Parturi - 1997
Album:

Huono Parturi - 1997

Medium: CD
Stil:

Avantgarde Progressive Jazz-Rock

Label: Nordic Notes / Beste! Unterhaltung
Spieldauer: 48:54
Erschienen: 14.02.2014
Website: [Link]

Es war einmal ein „böser Barbier“ (fin. „Huono Parturi“), heutzutage also Frisör, der nichts Gutes im Schilde führte. Denn statt seinen Kunden die Haare zu schneiden, rasierte er ihnen Glatzen und las dann auf ihrer blanken Kopfhaut wie in einer Kristallkugel, um den frisch geschorenen Glatzköpfigen eine schreckliche Zukunft vorherzusagen, die nur noch ganz kurze Zeit in Anspruch nehmen würde. Langsam wühlte er dabei schon in seinen Kitteltaschen nach dem großen, ausklappbaren Rasiermesser, während dazu laut und deutlich aus den Musik-Boxen seines Frisör-Geschäfts HÖYRY-KONE erklangen. Kein schöner Tod, aber ein musikalisch unvergesslicher! So vollbrachte der böse Barbier aus seiner Sicht viele gute Taten, denn was konnte es Schöneres am Ende eines Lebens geben, als: „HÖYRY-KONE zu hören und dann zu sterben“?

Zumindest sollte diese barbier- oder doch besser barbarische (?) Weisheit für jeden Lang- oder Kurzhaarigen genauso wie für jeden Glatzkopf gelten, der noch an der richtigen Stelle über zwei gesunde Ohren verfügt, die sich gerne komplexem, experimentellem, avantgardistischem Prog- & Jazz-Rock öffnen und sich gerne mal von KING CRIMSON, VAN DER GRAAF GENERATOR oder deren schwedischen Entsprechung namens ANEKDOTEN durchblasen lassen. So ist es noch nicht einmal eine Überraschung, dass auf zwei Songs von „Huono Parturi“ der ANEKDOTEN-Drummer PETER NORDINS wie wild auf die Felle eindrischt.

Doch setzen wir einfach unser elfteiliges musikalisches Grusel-Märchen fort, das mit „Beata Viscera“ wie die Einladung zu einem Kirchengang des heiligen Schönklangs beginnt. Wer den Song hört, glaubt, sich in ein sakrales Kirchenmusikstück verirrt zu haben. Klassisch geschulter Gesang und eine finstere Orgel umrahmen die einzige Fremdkomposition des Albums. PEROTINUS ist ein mittelalterlicher Kirchenkomponist, der dieses ruhige und zugleich erhebende, aber auch irgendwie beängstigend wirkende Stück komponiert hat, das als ideale Untermalung für die Verfilmung von Umberto Ecos „Der Name der Rose“ durchgehen könnte. Und während wir sechs Minuten lang eingelullt werden, schwant uns noch nicht, dass mit dem nächsten Stück regelrecht teuflisch der Herr vertrieben wird, indem man uns im Sinne von KING CRIMSON, die sich mit den dem Wahnsinn verfallenen APOCALIPTICA ein Stelldichein geben, spüren lässt, dass uns hier die totale Apokalypse samt ihrer apokalyprischen Reiter erwartet, während hinter unserem Rücken der böse Barbier seine Messer und Scheren wetzt, um nunmehr den Teufel mit dem Beelzebub zu vergraulen. Bis zum bitteren Ende dieses musikalischen Exorzismus' werden wir nun mit treibendem Schlagzeug, sägenden Gitarren, ungewöhnlichen Gesängen und den brutalst vorstellbaren Streicher-Einlagen von Cello und Violine sowie Flöten, die jede Ratte vertreiben könnten, malträtiert. Doch so verrückt diese Zeilen auch klingen mögen: Wir werden diese irre Mixtur aus Jazz-Rock, Prog, Klassik und Oper lieben!

Das ist progressiv rockender Sado-Maso, der bis zur Selbstkasteiung geht. Und am Ende ist es eine Befreiung, wenn sich der Barbier mit seinem nunmehr aufgeklappten, überdimensionalen Rasiermesser unserem Gesicht nähert. Unsere Ohren haben wir schon längst verloren – an HÖYRY-KONE!

FAZIT: Wenn einem die Worte fehlen, um Musik zu beschreiben, die unbeschreiblich ist, sich aber irgendwo zwischen experimentellen Prog, Jazz, Klassik und Streichorchester bewegt, dann kann es sich nur um die Musik der FINN CRIMSON handeln, die ihrem aus dem Finnischen übersetzten Namen DAMPFMASCHINE alle Ehre machen!

Thoralf Koß - Chefredakteur (Info) (Review 2492x gelesen, veröffentlicht am )

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Wertung: 13 von 15 Punkten [?]
13 Punkte
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Tracklist:
  • Beata Viscera
  • Terva-Antti Ku Häihin Lähti
  • Karhunkaato
  • Lumisaha
  • Baksteri
  • Huono Parturi
  • Ullakon Lelut
  • Tottele
  • Kala
  • Laahustaja
  • Laina-Ajalla

Besetzung:

Alle Reviews dieser Band:

Interviews:
  • keine Interviews
Kommentare
Thomas
gepostet am: 03.03.2014

User-Wertung:
13 Punkte

Skinheads? Nö; da muss sich der Frisör ein anderes Opfer suchen
Musik: Da hat Thoralf zu Recht hier und an anderer Stelle mächtig Promotion betrieben
Thoralf Koß [musikreviews.de]
gepostet am: 03.03.2014

Also Promotion ist nicht ganz der richtige Begriff, Thomas. Ich habe mich nur unglaublich darüber gefreut, dass diese längst vergriffenen Alben dieser finnischen Band so überraschend tatsächlich von einem deutschen Label wieder vertrieben werden. Für mich unfassbar und zugleich der Beweis, dass sich qualitativ hervorragende Musik auch noch mal nach 15 Jahren durchsetzen kann! Große Klasse!
(-1 bedeutet, ich gebe keine Wertung ab)
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