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Kreator: Renewal (Deluxe Edition) (Review)

Artist:

Kreator

Kreator: Renewal (Deluxe Edition)
Album:

Renewal (Deluxe Edition)

Medium: CD/LP/Download
Stil:

Thrash Metal

Label: BMG / Noise
Spieldauer: 53:30
Erschienen: 23.02.2018
Website: [Link]

Nie standen KREATOR ihren kanadischen Weggefährten Voivod ideell näher als auf diesem in jeder Hinsicht (für Band und Fans) schwierigen Album: "Renewal" machte seinem Titel seinerzeit alle Ehre, denn um der Stagnation zu entgehen, suchten Mille und Co. nach neuen Impulsen und meinten, ihr Heil in gedrosseltem Tempo sowie psychedelischen Anwandlungen zu finden. Was damals weite Teile ihrer Anhängerschaft vor den Kopf stieß, hat sich über die Jahre hin hervorragend gehalten, ja ist sogar wie edler Wein zusätzlich gereift.

Gleichwohl, im Lager der Gruppe war man (auch) anderen Rauschmitteln zugetan, die sich auf ihren neuen Sound auswirkten, wie die Mitglieder heute anstandslos zugeben, doch "Renewal" despektierlich als "Drogenalbum" zu bezeichnen, wie es bis heute mancherorts geschieht, ist schlichtweg zu kurz gegriffen. Abgesehen von dem mehr oder weniger unerheblichen Lärmexperiment 'Realitätskontrolle' und 'Zero To None', das nur Durchschnitt ist, eben weil KREATOR hier auf alte "Tugenden" schielen, gibt es auf der Scheibe sehr viel anhaltend Liebenswertes und vor allem Spannendes zu hören. So klang und klingt kaum eine zweite Band, auch wenn diese Originalität bisweilen zu Lasten der Griffigkeit ging.

Dafür ist "Renewal" umso eindringlicher, gekrönt von einer völlig kaputten Lead-Stimme, die das düstere Gesamtbild abrundet. Einflüssen von Prong bis Ministry dürften zum Tragen gekommen sein, belegt durch ein Mehr an Groove und mechanische Grooves; Ventor brettert nicht mehr ausschließlich, sondern versucht sich in ungewöhnlichen Patterns, nachzuhören besonders anschaulich in 'Brainseed'. Industrial, besonders intensiv im Titelstück zu spüren, sollte zumindest ab 1992, dem Erscheinungsjahr, und bis zur übernächsten Veröffentlichung eine wichtige Rolle für Mille Petrozza spielen.

Das Highlight 'Europe After The Rain' zählt auch jetzt zu den Standards der Gruppe, Reflection' mit seinen eindringlich geflüsterten Momenten allerdings nicht Es ist der zweite noch relativ traditionelle Track dieser Pionier-Platte, ganz anders als der melodisch störrische Zähfluss von 'Karmic Wheel' oder der staunenswerte, fast post-rockige Abgang 'Depression Unrest'. Die Hardcore-Wucht von 'Winter Martyrium' schließlich - insbesondere während der Strophen - nahm den Nachfolger "Cause For Conflict" vorweg …

Die Deluxe-CD bzw.Doppel-LP bietet Hardliner bereits Bekanntes und Unbedarften gleich auf einen Schlag das Komplettpaket von KREATOR aus jener Phase - Winter Martyrium in einer hörenswerten Alternativversion, das eigentlich aufs Album gehörende, weil zwingende 'Trauma' und einen unwesentlichen Remix von 'Europe After The Rain'. Alles andere wie gehabt: Remastering (der Sound bleibt weiterhin ein "acquired taste") und dickes, informatives Booklet gehören längst zur Standardausstattung der löblichen Noise-Wiederveröffentlichungen.

FAZIT: "Renewal" ist ein in vieler Hinsicht wegweisendes Album und reflektiert die Identitätskrise des Metal zu Beginn der 90er, die viele Verirrungen und noch mehr sehr, sehr interessante Werke zu Tage förderte. Dieses hier gehört dazu, auch wenn man sich als Traditionalist zunächst in Sound und Stilrichtungen einfinden muss. Zumindest für den Verfasser dieser Zeilen waren KREATOR nie besser als in jenen wenigen Jahren ab diesem Album, auf denen sie eben nicht auf Nummer sicher gingen wie heute. "Coma Of Souls" war ihr endgültiger kommerzieller Durchbruch und die Blaupause für JEDE ihrer aktuellen Platten, "Renewal" unterdessen ein künstlerisches Manifest im Guten wie Schlechten. Bitte (wieder-)entdecken! [Album bei Amazon kaufen]

Andreas Schiffmann (Info) (Review 792x gelesen, veröffentlicht am )

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Wertung: 12 von 15 Punkten [?]
12 Punkte
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Tracklist:
  • Winter Martyrium
  • Renewal
  • Reflection
  • Brainseed
  • Karmic Wheel
  • Realitätskontrolle
  • Zero To None
  • Europe After The Rain
  • Depression Unrest
  • Winter Martyrium (Rare Version)
  • Trauma
  • Europe After The Rain (Remix)

Besetzung:

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