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Crystal Palace: Still There (Review)

Artist:

Crystal Palace

Crystal Palace: Still There
Album:

Still There

Medium: CD
Stil:

Progressive Rock mit Konzept

Label: Progressive Promotion Records
Spieldauer: 74:46
Erschienen: 21.05.2022
Website: [Link]

„Did you see no other path?
Living life behind a mask?
Many questions still abound
By memories lost on the ground“

(Text, den man entdeckt, wenn man das Booklet dem Digipak von „Still There“ entnimmt.)

Sieht so die pure Verzweiflung aus, wie sie uns aus leeren Augen (Sieht man mal von der Schrift „Still There“ darüber ab.) vom aktuellen CRYSTAL PALACE-Album entgegenstarrt?

CRTYSTAL PALACE, die deutsche Prog-Größe, welche man von ihrer Wirkung und ihren Konzepten her gerne auch mit ihren deutschen Landsleuten SYLVAN oder RPWL (International kommen einem zudem MARILLION und PORCUPINE TREE in den Sinn) in Verbindung bringen darf, lieben offensichtlich recht verschachtelte Konzepte, die sie in ihrer ganzen Spannung und Unterschiedlichkeit dann musikalisch ähnlich aufregend umsetzen. Ihr aktuelles Beispiel hierfür ist das Konzept-Album „Still There“, welches uns in 75 Minuten die wahre, sehr tragische Geschichte um ein junges englisches Mädchen in Berlin näherbringt, die ihr Glück in der deutschen Hauptstadt suchte, aber am Ende nur den Tod fand.

Sangen und erzählten CRYSTAL PALACE in ihrem vorherigen Album noch von einem sich in permanenten Selbstzweifeln, Albträumen und Ängsten verstrickten Zeitgenossen, der seine einzige Möglichkeit im totalen Rückzug aus der Öffentlichkeit sah, so bleiben die Berliner Progger weiterhin der dunklen Seite progressiver Rockmusik verpflichtet und leben diese intensiv auf „Still There“ mit großem Können und einer ganzen Menge Pathos aus, wodurch sie stärker als je zuvor an MARILLION und speziell deren ähnlich geartetes Meisterwerk „Brave“ erinnern, in dem es bekanntermaßen um eine ebenfalls wahre Geschichte ging, bei dem ein junges Mädchen orientierungslos auf der Severn-Brücke aufgegriffen wurde und man mithilfe der Öffentlichkeit verzweifelt versuchte, ihre Identität zu klären.

Die Geschichte hinter „Still There“ geht noch weiter und ist endgültig. Denn nicht nur die Lyrics sind in dem 20-seitigen Booklet nachzulesen, sondern auch die komplette Story, welche sich hinter diesem sehr bewegenden und zugleich sich finster zusammenspitzenden Album bewegt, das sich wie ein klassisches Dramendreieck aufbaut und die tragische Handlung textlich wie musikalisch – einem finster anmutenden Soundtrack ähnlich – auf die Spitze treibt, indem besagtes Mädchen auf dem Höhepunkt sich verzweifelt an ihre Mutter wendet, sehr gut sprech-gesanglich umgesetzt durch Gast-Sängerin ROXY FURCHT, und sie vor vollendete Tatsachen stellt: „I'm gonna make it / And no one can take it away // The end of all anger / The end of the darkness / I saw something / That reached into the sky // Im not afraid...“

Zuvor hatte das aus England stammende und ihr Glück in Berlin suchende Mädchen im Süden Berlins kryptische Zeichen in eine Mauer geritzt. Dann bestieg sie einen Aussichtsturm und schaute von dort auf Berlin hinab. Diese Besuche des Aussichtsturms wiederholten sich – bis sie, von der bis dahin niemand eine Notiz nahm, bei einem der Besuche durch ein Fenster auf die Plattform des Turms stieg und sich, beobachtet von Schaulustigen, in die Tiefe stürzte. Zuvor hatte sie die 126 Stufen bis zur Spitze erklommen…
Und genau hier beginnt auch das Album „Still There“: „126 reasons to escape from here / 126 reasons to not look back / 126 reasons to find this place // 126 steps still to go“.

Viel Melodramatik, die mit 'weinenden' Gitarrenklängen oder dunklen Keyboards und tiefen Bass-Motiven vertont wird, während Sänger Yenz dazu in den unterschiedlichsten Stimmlagen dem Leidensweg des Mädchens bis zu den letzten 126 Stufen folgt und am Ende erschüttert am Ort des Geschehens steht, mit einer Frage im Kopf, die ihn offensichtlich quält und dem Album zugleich ein extrem trauriges Ende setzt, indem es mit dem zweiteiligen „Still There“ endet, das von einer akustischen Gitarre und dunklen Keyboardflächen bestimmt ist, über denen im ersten Teil die nachdenkliche Stimme des Sängers liegt, der darüber nachdenkt, ob man diesen Suizid nicht hätte irgendwie verhindern können.
Ein starkes Bild, das er dabei aufbaut, denn er besteigt den Aussichtsturm, in dem die Selbstmörderin ebenfalls, wie man später entdeckte, etwas hinterließ – diesmal ein Datum mit den Worten … Still There – an die Wand geschrieben hatte und endet selber mit den Worten: „I feel her pain / I climb these stairs / I read her words / And breathe the air // I close the window / I'm Still There … / Time to move on ...“

Dann endet das Album mit einem Instrumental, während sich eine akustische Gitarre, wie das Licht im Dunklen, über die finstere Keyboardfläche legt und alles langsam und traurig verhallt und davonschwebt, genauso wie das besungene Mädchen, welches nicht mehr zu retten war.

FAZIT: Ein emotionales Prog-Album mit traurigem Konzept – überzeugend umgesetzt von CRYSTAL PALACE. Für „Still There“ sollte man sich Zeit nehmen und dabei der Text-Story sowie der wahren, am Ende des Booklets zusammengefassten Geschichte ganz genau folgen. Ein echtes Erlebnis, das einen von der Geschichte her runterdrückt, musikalisch aber in progressive Höhenflüge aus traurigen Klängen und die „Brave“-Zeiten von MARILLION versetzt. Ganz großes Kristallpalast-Kino, bei dem man gerne auch die Zellstofftaschentücher zücken darf – gerade wenn man weiß, dass sich hinter dem Konzept von „Still There“ keine Fiktion, sondern eine wahre Geschichte verbirgt.

Thoralf Koß - Chefredakteur (Info) (Review 3204x gelesen, veröffentlicht am )

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Tracklist:
  • 126 Steps
  • Leaving This Land
  • A Plan You Can't Resist
  • Winter's End On Water
  • Dear Mother
  • * The Empty Wall
  • ** The Long Goodbye
  • Planned Obsolescence
  • Prange Popsicle Sky
  • Shadows
  • A Scream From The Wall
  • These Stairs
  • The Unquiet Window
  • * Moving On Moving On
  • ** Keep My Words
  • Still There
  • * Memories On The Ground
  • ** From Here To Nowhere

Besetzung:

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