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Maiiah & The Angels Of Libra: Maiiah & The Angels Of Libra (Review)

Artist:

Maiiah & The Angels Of Libra

Maiiah & The Angels Of Libra: Maiiah & The Angels Of Libra
Album:

Maiiah & The Angels Of Libra

Medium: CD/LP/Download
Stil:

Funk, Soul

Label: Waterfall Records
Spieldauer: 39:33
Erschienen: 20.10.2023
Website: [Link]

Vielleicht sollte man bei diesem Album nicht mit der 'Hauptperson' beginnen – also der Soul-Sängerin MAIIAH – sondern mit den sie kongenial begleitenden Musikern namens ANGELS OF LIBRA. Denn die durften wir unter unserer Seite bereits explizit als Begleiter des faszinierenden NATHAN JOHNSTON auf dessen letztem Album erwähnen, das am Ende auch der ihn begleitenden Engel wegen fast die volle Punktzahl abräumten.

Nun sind die Hamburger Soul-Funk-Musikgiganten also mit der Soul-Sängerin MAIIAH unterwegs, während die lange in Düsseldorf lebende Sängerin mit Wurzeln auf dem Balkan sich glücklich schätzen kann, von diesen Soul-Funk-Engeln unter ihre musikalischen Flügel genommen zu werden.

Denn die Musik wie der Sound und die auf 60er/70er-Jahre getrimmten Stereo-Effekte verbreiten dermaßen Feuer und ein SANTANA- sowie CHICAGO-Flair, dass einem Hören und Sehen vergeht!

Kein Wunder, dass gleich ihre erste Single-Auskopplung „Obey“ sogar bei radio1, dem immerhin in puncto Musik wie auch Moderation anspruchsvollsten Radio-Sender Deutschlands, auf den man sich wenigstens bei seiner Musikwahl noch halbwegs verlassen kann, läuft.

Oder dieses „Please Come Home“, das speziell durch die Orgel ein spannendes DOORS-Feeling verpasst bekommt und einen in einer Vergangenheit schwelgen lässt, die man einfach nicht vergessen kann, weil sie tatsächlich aus musikalischer Sicht deutlich spannender war als unsere so weichgespülte Musik-Gegenwart, in der viel zu oft mithilfe der Technik die echte Leidenschaft und das Können authentischer Musiker ersetzt wird. So authentisch eben wie im besten Falle MAIIAH & THE ANGELS OF LIBRA auch heutzutage klingen können.

„Kava“ wiederum setzt auf flotte SANTANA plus TONY ESPOSITO-'Kalimba di Luna'-Rhythmen und verblüfft tatsächlich mit einem Swing, der einem regelrecht die Beine wegzieht und nicht nur zum Tanz auffordert, sondern dazu treibt.

„Turn The Page“ beendet dann die LP-A-Seite als lupenreines, deutlich an SANTANA erinnerndes Instrumental, bei dem allerdings auch einem Saxophon und einer Trompete jede Menge Spielräume freigeschaufelt werden. Und auch dass bei den vielen großartigen Orgelmomenten, die das Album wie einen roten Faden durchziehen, immer wieder Erinnerungen an BOOKER T & THE M.G.'s, denen ein Instrumental zu Ehren grüner Zwiebeln zu Weltruhm und einem nicht kleinzukriegenden Evergreen verhalf, ist entweder Absicht oder einfach nur eine schöne unbeabsichtigte Zufälligkeit.

„No, No, No (I'm So Broke)“, ein gesellschaftliche Missstände anprangernderer Song über den tristen Alltag – im Job wie in der Freizeit – während man sich nur noch wie in einem Hamsterrad fühlt, wobei man selber spürt, dass es einem absolut nicht gut tut, aber es einfach am Mut zur Veränderung fehlt, eröffnet dann flott die B-Seite der auch von ihrer Gestaltung her sich deutlich an die Motown-Zeiten haltende LP.

„I Wanna Go“ beginnt wie eine Schlangenbeschwörung, dem die Cover-Version „I'm A Good Woman“ (im Original von BARBARA LYNN) folgt, welche eine Liebeskummer-Geschichte von MAIIAH zum Hintergrund hat, denn der leider schon verstorbene DJ und Label-Inhaber Henry Storch schickte ihr zum Trost, um über ihren schweren Liebeskummer hinwegzukommen, genau diesen Song, der nun schon live – und ebenso auf diesem Album – zum Standardrepertoire gehört. Bei so einem Text kein Wunder: „'Cause I'm a good woman / I'm gonna leave you / I'm a good woman“.
Übrigens wurde genau dieser Song während einer gemeinsamen Tour mit besagtem NATHAN JOHNSTON in den Nekegg Studios im niedersächsischen Rastede aufgenommen, weswegen er hier auch gleich Gitarre spielt und im Hintergrund mitsingt.

In „Maiiah & The Angels Of Libra“ lebt der Geist des wahren Soul der Motown- und Stax-Zeiten, bei dem sogar eine Vielzahl der Instrumente bereits aus den 1950er-Jahren stammen, sodass dieses Album dermaßen authentisch wirkt, dass man eine Wette verlieren würde, wenn man die Behauptung aufstellt, dass solche Musik einfach nicht aus dem Jahr 2023 stammen kann. Sie ist tatsächlich Gegenwart – und das weckt Hoffnung! Zumindest bei einem so alten Sack wie dem Kritiker, der sich beispielsweise in seiner eingemauerten DDR bei einem STEVIE WONDER immer wieder fragte, ob dieser blinde Musiker tatsächlich von dieser Welt stammt und wenn ja, warum man zwischen ihm (dem Kritiker) und ihm (dem faszinierenden Musiker) so unüberwindbare Mauern errichtet hat.

Welch Glück, dass diese Zeiten auf wundersame Weise tatsächlich vorbei sind und nur noch die Unendlichkeit zählt, die als wunderschöne balladeske Vertonung mit hymnischen Höhenflügen das Album von MAIIAH & THE ANGELS OF LIBRA abschließt.

FAZIT: Viel Liebe für die analogen Retro-Soul-, R&B- sowie Funk-Sounds der Sechziger- und Siebziger-Jahre der Motown- und Stax-Ära durchwehen den musikalischen Geist hinter der mit einer perfekten 'Soulröhre' ausgestatteten MAIIAH & THE ANGELS OF LIBRA sowie ihrem gleichnamigen Album und entführen einen sofort in die Vergangenheit, in der man genau solche Musik noch per Dauerrotation in den verschiedenen Radiostationen hörte. Hier sind SANTANA oder CHICAGO nie weit – und durchaus traurig erinnert man sich dieser Vergangenheit voller musikalischer Seele, während man heutzutage sein Radio einfach nur noch aus lässt, um nicht von all dem Scheiß belästigt zu werden, den man uns als gute Musik zu verkaufen versucht. Wer wirklich dauerhaft und gerne richtig gute Musik hören will, der lege einfach „Maiiah & The Angels Of Libra“ auf seinen Plattenteller und genieße diese Musik-Reise in die Vergangenheit.

Thoralf Koß - Chefredakteur (Info) (Review 1735x gelesen, veröffentlicht am )

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Wertung: 13 von 15 Punkten [?]
13 Punkte
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Tracklist:
  • Seite A (19:51):
  • Can't Get Over Loving You (4:47)
  • Obey (4:50)
  • Please Come Home (2:23)
  • Kava (3:25)
  • Turn The Page! (4:26)
  • Seite B (19:42):
  • No, No, No (I'm So Broke) (4:02)
  • Plenty Of Life (4:55)
  • I Wanna Go (3:34)
  • I'm A Good Woman (2:26)
  • Infinity (4:45)

Besetzung:

  • Bass - David Nesselhauf
  • Gesang - Marija Samardzic
  • Gitarre - Dennis Rux, Legbo
  • Keys - Chris Haertel, Carsten Meyer, Svenja Pfeifer
  • Schlagzeug - Lucas Kochbeck
  • Sonstige - Friedrich Paravicini (Streicher, Celestre, Ondes Martenot, Vibraphon), Kimo Eiserbeck (Saxophone, Flöte), Hans-Christian Stephan, Jan Schepmann (Trompete, Flügelhorn), Mark Norton (Saxophone, Flöte, Harfe, Percussion, Klatschen ), Dennis Rux (Percussion, Klatschen), The Librettes (Hintergrundgesang), Dennis Rux (Tape Loops), André Wittmann (Vibraphon), Sarife Alfonso, Jean Cortis, Gosia Jasinska (Harmoniegesang), Joél David Guzmán (Klatschen)

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