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Angus & Julia Stone: Karaoke Bar (Review)

Artist:

Angus & Julia Stone

Angus & Julia Stone: Karaoke Bar
Album:

Karaoke Bar

Medium: CD/LP
Stil:

Indie-Folk, Singer/Songwriter, Alternative Pop

Label: Angus & Julia Stone/Virgin Music
Spieldauer: 35:22
Erschienen: 04.09.2026
Website: [Link]

Wer mag eigentlich Karaoke-Bars?
Ob es da wirklich viele aus dem Umfeld von ANGUS & JULIA STONE, die seit nunmehr zwei Jahrzehnten ihre Anhänger mit feinen Indie-Folk-Pop-Epen verzaubern, gibt?
Der Kritiker, der diese Zeilen gerade verfasst, gehört jedenfalls nicht zu dieser Kategorie – vielmehr kann er solche musikalische Bespaßung nicht ausstehen.
Vielleicht liegt es auch daran, dass sich im Hinterkopf noch immer der faszinierende Song „Big Jet Plane“ – der sogar 2010 als Single des Jahres mit dem ARIA Award prämiert wurde – festgesetzt hat.


Trotzdem gibt’s keine Vorurteile denjenigen gegenüber, die das völlig anders sehen und vielleicht sogar voller Inbrunst zur Belustigung ihrer Zuhörer selber zum Mikro greifen.
Jedenfalls erscheint es im Falle von ANGUS & JULIA STONE, die bisher mit wundervoller, oft poetischer Folk-Orientierung ihre musikalischen Eigengewächse zum Besten gaben und für Begeisterung sorgten, fragwürdig, auf einen wahrhaft nicht vorurteilsfreien Album-Titel wie „Karaoke Bar“ zu setzen.
Und wirklich Gutes verheißt er auf den ersten Blick ebenfalls nicht.
Nun ja, man kann nicht wissen.
Nach gut 35 Minuten aber weiß man es...

Der bekannt-beliebte Singer/Songwriter-Folk-Pop des Geschwisterduos weicht (leider) auf „Karaoke Bar“ sehr deutlich auf elektronisch getrimmte Moderne aus, die wohl tatsächlich – denken wir uns einfach mal den Gesang weg – in Karaoke-Bars gut geeignet wäre. Oder auch in den elektro-poppigen 80er-Jahren der Disco-Zeit.


Man muss sich erst einmal nach dem ersten Hördurchgang erholen, wenn man seine Erwartungen auf „Karaoke Bar“ anhand der sechs Vorgänger-Alben orientiert.

Bereits der erste, dem Album seinen Titel verleihende Song beeindruckt durch elektronische und Streicher-Rhythmen sowie wunderschönen Satz- und Solo-Gesang des Geschwisterpaares. Auf diesem Niveau könnte es gerne weiter gehen, denn dieses eröffnende Oeuvre hinterlässt tatsächlich Wirkung. Auf die Dauer aber geht es in dieser Qualität leider nicht weiter.

Schon „Monroe“ mit seinen programmierten, blechernen, soulig angehauchten Rhythmen und dem verfremdeten Gesang der beiden sowie einem Saxophon, das eine gewisse 30er-Jahre-Stimmung sowie einen recht coolen Groove verbreitet, 'entfremdet' einen deutlich von den gewohnten, folkig geprägten ANGUS & JULIA STONE-Klangwelten, die sich dann in den Dub-Bässen der „Celestial Bodies“ immer mehr verlieren.


Das Album klingt tatsächlich regelrecht fremd.
Nun ja, größtenteils wurde es vom australischen Geschwisterpaar auch in der Fremde aufgenommen, wie im Sinne des Titelsongs beispielsweise auf der griechischen Insel Hydra. Aber auch in Frankreich und ihrem Heimatland entstanden weitere Aufnahmen. So gesehen ein buntes Potpourri, bei dem mitunter die Wärme der Sounds durch zu viele Electronics runtergekühlt wird und der Gesang der Beiden unnatürlich wirkt.
Muss man sich an diesen Stimmungswechsel von ANGUS & JULIA STONE etwa auf Dauer gewöhnen?
Hoffentlich nicht!
Denn spätestens mit den extrem verfremdeten Vocoder-Stimmen auf „Brightest Place“ wünscht man sich die vokale Natürlichkeit der beiden so wunderbaren Sänger, die sich mit ihren natürlichen männlichen und weiblichen Stimmen seit über 20 Jahren ergänzen, zurück. Doch die bleibt auf „Karaoke Bar“ außen vor. Ja, so ist das eben in solchen Bars. Da gibt’s gewohnte Musik, doch fremde Stimmen, die oft um Längen von den Originalen entfernt sind, trällern darauf ihre vokalen Ideen.


Schade, dass genau dieser Eindruck beim Hören von „Karaoke Bar“ entsteht, wozu ANGUS & JULIA STONE selber feststellen: „Es war eine magische Zeit auf einer der eigenwilligsten und schönsten Inseln, die wir je besucht haben. Ein Abend in einer Karaoke-Bar kann so viel Gutes bereithalten... Genau davon handelt dieser Song. Jeder hat dort die Chance, gehört zu werden. Und oft ist es sogar noch mehr als das: ein Moment echter Verbundenheit. Wir sind zusammen, singen mit einem Raum voller Fremder und all die Dinge, die uns normalerweise trennen, fallen einfach von uns ab.“

Unter diesem Aspekt scheint das gesamte Album angelegt.
Nur fragt man sich nach den gut 35 Musik-Minuten (auch unter zeitlichem Aspekt ist das Album nicht gerade eine Meisterleistung) ernsthaft: Möchte ich wirklich 'andere' Stimmen hören – oder eben die typischen Stimmen von ANGUS & JULIA STONE?
Wer sich auf die typische Seite schlägt, der wird von „Karaoke Bar“ in puncto Gesang, vieler Rhythmen und selbst der textlichen Tiefe sowie der CD-Gestaltung (mit zwar 24-seitigem Booklet, aber viel zu kleinen, kaum leserlichen Texten) ziemlich enttäuscht sein.


FAZIT: Dieser „Karaoke Bar“-Hang von ANGUS & JULIA STONE hin zu elektronischen und verfremdeten Rhythmen, die selbst vor dem sonst so angenehm harmonisierendem, natürlichen sowie folk-geerdeten Gesang des Geschwisterpaares nicht haltmachen, bleibt hoffentlich eine gewagte Ausnahme, die man in Zeiten der 'elektrifizierten' Veränderungen mitzugehen versucht, dabei aber spürt, eben doch auf dem falschen Weg zu sein. Hoher weiblicher und tiefer männlicher Gesang sind die bisher eigentlichen Markenzeichen hinter ANGUS & JULIA STONE, welche sie im Grunde mit all den elektronischen Verfremdungen auf „Karaoke Bar“ über Bord werfen. Wem diese moderne Ausrichtung gefällt, der darf mit „Karaoke Bar“ von ANGUS & JULIA STONE glücklich werden. Wer auf die gute, bereits 20 Jahre andauernde Vergangenheit des Geschwisterpaares setzt, wird wohl seine Enttäuschung über dieses Album kaum verbergen können.

Thoralf Koß - Chefredakteur (Info) (Review 34x gelesen, veröffentlicht am )

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Wertung: 7 von 15 Punkten [?]
7 Punkte
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Tracklist:
  • Karaoke Bar
  • Monroe
  • Celestial Bodies
  • The Start
  • Strangely Strangely
  • Brightest Place
  • Take Me Back to Japan
  • Cowgirls Lover Boi
  • The Cherry Farm
  • Mexico City

Besetzung:

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