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Karl Richter: The Complete Teldec & Ducretet-Thomson Recordings - 18-CD-Box“ (Review)

Artist:

Karl Richter

Karl Richter: The Complete Teldec & Ducretet-Thomson Recordings - 18-CD-Box“
Album:

The Complete Teldec & Ducretet-Thomson Recordings - 18-CD-Box“

Medium: 18-CD-Box
Stil:

Klassik

Label: Warner Classics
Spieldauer: 1207:13 = 20 Stunden, 7 Minuten und 13 Sekunden
Erschienen: 09.10.2026
Website: [Link]

„Wer von KARL RICHTER (1926-1981) spricht, spricht fast immer auch von Johann Sebastian Bach. Es ist eine jener Verbindungen, die sich im Laufe eines Lebens so festigen, dass sie nachträglich selbstverständlich erscheinen. Dabei war Richter weit mehr als nur ein Bach-Interpret.“ (Die ersten drei Sätze im 32-seitigen dreisprachigen Booklet der 18-CD-Box „The Complete Teldec & Ducretet-Thomson Recordings“)

Während JOHANN SEBASTIAN BACH ein Klassiker ist, ist ein KARL RICHTER (der auf den Tag genau heute Geburtstag hat) als deutscher Dirigent, Organist, Cembalist und Chorleiter eine nicht unumstrittene Legende des 20. Nachkriegsjahrhunderts, der seine allergrößte Leidenschaft für Orgeln und Kompositionen schon im Kindesalter in den 1930er-Jahren an der Silbermann-Orgel im Freiberger Dom von Sachsen entwickelte und entfaltete, während er seine Chor-Leidenschaft parallel dazu als Mitglied des berühmten Dresdner Kreuzchores ausbaute. Hier wurde der Grundstein für seinen – auch nach seinem Tod mit nur 54 Jahren (an Herzversagen in einem Münchner Hotel) im Jahr 1981 – weltübergreifenden Ruf als der wohl bedeutendste Bach-Interpret des 20. Jahrhunderts gelegt. So erinnert auch eine Gedenktafel an der evangelischen Markuskirche in München an ihn als Gründer des Bach-Chores und -Orchesters, die er bis zu seinem Tode über 30 Jahre lang leitete, sowie an sein bedeutungsvolles musikhistorisches Schaffen für die bayrische Regenten- und Hauptstadtstadt.


Zu einen seiner großen Fans zählte auch JOHN F. KENNEDY, für den Richter genau zwei Jahre nach Kennedys Ermordung am 22. November 1956 in der New Yorker Philharmonic Hall das offizielle Kennedy-Gedächtnis-Konzert gab, zugleich leitete er mit der Kraft der weltumfassenden Musik-Völkerverständigung in Zeiten des Kalten Krieges 1968 in Leningrad und Moskau wichtige Aufführungen von J.S. Bach, während seine Interpretation des 2. Brandenburgischen Konzerts den musikalischen Teil der Schallplatte 'Voyager Golden Record' (die ersten Datenplatten mit Bild- und Audio-Informationen, die an den interstellaren Raumsonden 'Voyager 1' und 'Voyager 2' mit der tatsächlichen Absicht angebracht worden sind, Botschaften an eventuelle Außerirdische weiterzuleiten, um über die Lebensformen auf der Erde, die dann vielleicht gar nicht mehr existiert, zu informieren.) füllt. Ja, sogar intelligente, außerirdische Lebensformen werden ihre wohl erste Musikbegegnung der menschlichen Spezies über KARL RICHTER genießen dürfen. KARL RICHTER wird so zu einem welt- und (all)zeitübergreifenden Musiker, der die Klassik aus der Vergangenheit in die Gegenwart und eine völlig unklare Zukunft weiterverbreitet.

Mit solch einer Vita und Bedeutung wird es anno 2026 mal wieder allerhöchste Zeit, nach vielen bereits existierenden Richter-Veröffentlichungen für „The Complete Teldec & Ducretet-Thomson Recordings“ eine sage und schreibe 18-CD's umfassende Box, in der einige noch nie auf CD veröffentlichte Aufnahmen enthalten sind und damit tatsächlich den kompletten Katalog der Teldec & Ducretet-Thomson Recordings vervollständigen.


Jede der 18 in eine Kartonage verpackten CD's enthält ein anderes, hochwertiges Schwarz-Weiß-Foto von KARL RICHTER. Weitere Fotos und einen umfangreichen Begleittext in englischer, deutscher und französischer Sprache findet man zudem in dem zur Box dazugehörigen 32-seitigen Booklet.
Übrigens wird dem genauen Betrachter auffallen, dass Richter auf allen Fotos immer sehr ernst und konzentriert dreinblickt – mit einer Ausnahme: auf CD 12 (mit der „Kunst der Fuge“ von Bach und dem Spiel KARL RICHTERs am Cembalo) ist ein Lächeln, bzw. der Versuch eines Lächelns, zu entdecken.
Ansonsten gilt: so gewissenhaft und ernst wie die Musik, die KARL RICHTER in dieser Box feilbietet, sind auch seine zwar unterschiedlichen, aber doch sehr ähnlichen Gesichtsausdrücke. Gleiches gilt auch für sein große Dirigentenpose auf Seite 24 des Booklets.

Der ernste Blick des Mannes, der die Stücke nicht nur dirigiert, sondern selber auf vielen Orgel und Cembalo spielt, hat – wenn man von der durchaus nicht unumstrittenen Wirkung Richters ausgeht – noch weitere Gründe, auf die im Text des Booklets explizit eingegangen wird. Angeblich hätte Richter Bach stellenweise 'romantisieren' und ihm daher seiner angemessenen Ernsthaftigkeit berauben wollen. Unfassbare sowie unhaltbare Behauptungen, wenn man die ersten 13 CD's mit allen Bach-Stücken gehört hat. Wenn ein gefühlvolles Dirigieren und Spielen sich angeblich negativ auf die musikalische Interpretation eines Musikstückes auswirken soll, dann kann das eigentlich nur ein akribischer Theoretiker, der Musik nur mit Wissenschaft, aber nicht mit wirklichen Gefühlen (wofür die Musik eigentlich da ist) in Verbindung bringt, behaupten. KARL RICHTER jedenfalls ist unüberhörbar ein Gefühlsmenschen, der trotzdem alle Theorie bis hin zur Perfektion beherrscht, diese jedoch von den etwaigen Stimmungen abhängig zelebriert.


Selbst seine eigenen Instrumentalvorträge entzogen sich strengen Kategorisierungen und waren offen für alles, was möglich schien, wie man auf Seite 18 des Booklets erfährt: „Auch als Organist entzog er sich einfachen Kategorien. Er spielte historische Instrumente ebenso wie moderne Konzertorgeln. Die Silbermann-Orgel in Freiberg faszinierte ihn, aber ebenso die große Steinmeyer-Orgel seiner Münchner Kirche, ein Instrument aus dem Jahr 1936 mit ausgesprochen moderner Klangausrichtung; oder auch Karl Joseph Riepps Dreifaltigkeitsorgel (1766) in Ottobeuren, die rein französisch inspiriert war. Am Cembalo blieb er seinem imposanten Neupert-Bach-Modell aus den 1950er-Jahren treu, das klanglich und technisch weit von den Instrumenten der Bach-Zeit entfernt und eher für große Konzertsäle als für kleine Kirchen oder intime Salons bestimmt war. So ging es Richter weniger um 'Authentizität' als um musikalische und klangliche Kraft.“


Bereits hier öffneten sich gewisse Streitpunkte, denn die kraftvollen und dynamischen Darbietungen der h-Moll-Messe oder der Passionen sowie des Weihnachtsoratoriums und der Kantaten mit wuchtigen Chor- und Orchester-Darbietungen, faszinierten die Einen, während Andere dies als überladen empfanden. Schön, dass Kunst eben Ausdruck des eigenen Empfindens und Geschmacks ist – und dafür niemals eine allgemeingültige, theoretisch fundierte oder gar zur Wissenschaft erhobene Regel in Anwendung kommen kann.

Genau das – nennen wir es mal 'Improvisatorische' – ist die absolute Stärke eines KARL RICHTER, der 'Jazzer' der Bach-Klassik, der am besten in eigenen Worten seine Innovation bis hin zur Improvisation (ebenfalls im Booklet zu entdecken) auf den Punkt bringt: „Wenn man aufs Podium geht und ein Stück anfängt zu dirigieren oder zu spielen: Jedes Mal ist es eine andere Situation. Man ist in anderen Stimmungen. Man hat mit jedem Werk, das man spielt oder dirigiert, täglich neue Ideen. Schlimm ist es, wenn die Ideen einem nicht mehr kommen, wenn man nicht mehr inspiriert ist, denn das ist das Schlimme, wenn man ein Werk mit Routine, mit schnöder Routine spielt, weil es gespielt werden muss, und keine Einfälle, keine Eingebung mehr dazu hat.“


Nun also darf man dank der „The Complete Teldec & Ducretet-Thomson Recordings – 18-CD-Box“ über 20 Stunden lang all den Einfällen und Eingebungen von KARL RICHTER im Umgang mit Werken von JOHANN-SEBASTIAN BACH, WOLFGANG AMADEUS MOZART, CARL PHILIPP EMANUEL BACH, CHRISTOPH WILLIBALD GLUCK, JOSEPH HAYDN und JOHANN CHRISTIAN BACH folgen, wobei einige CD's die Zeitkapazitäten bis zum Anschlag füllen, wenn es beispielsweise gleich die erste CD mit den Aufnahmen von Johann Sebastian Bach auf sage und schreibe 86 Minuten und 23 Sekunden (Die bisher 'längste' CD, die mir als Kritiker je unter die Hände kam!) bringt, die dann sogar noch mit dem Weihnachtsoratorium der CD 11 mit 86 Minuten und 47 Sekunden getoppt wird.

So gesehen ist nicht nur aus musikalischer und klassischer, sondern auch aus zeitlicher Sicht diese Box eine absolute Top-Empfehlung, welche ebenso als echter Geheimtipp gelten darf.


FAZIT: Der deutsche Dirigent, Chorleiter, Organist und Cembalist KARL RICHTER (1926–1981) gilt bis heute als einer der bedeutendsten (und umstrittensten) Johann-Sebastian-Bach-Interpreten der Nachkriegszeit. „The Complete Teldec & Ducretet-Thomson Recordings - 18-CD-Box“ vereint mit sage und schreibe über 20 Stunden Laufzeit Richters gesamtes für Telefunken-Decca (Teldec) und Ducretet-Thomson – heute Teil des Katalogs von Warner Classics – eingespieltes Vermächtnis in hervorragender Klangqualität. Die Aufnahmen spiegeln Richters Wirken als Cembalist, Organist und Dirigent wider und dokumentieren einen Musiker und Dirigenten, dessen Repertoire weit über Bach hinausreichte und zusätzlich in dieser 18-CD-Box – neben JOHANN-SEBASTIAN BACH – auch WOLFGANG AMADEUS MOZART sowie CARL PHILIPP EMANUEL BACH, CHRISTOPH WILLIBALD GLUCK, JOSEPH HAYDN und JOHANN CHRISTIAN BACH umfasst. Mehrere Aufnahmen erscheinen hier das erste Mal auf CD, was die Box für alle Sammler besonders wertvoll macht.

Thoralf Koß - Chefredakteur (Info) (Review 51x gelesen, veröffentlicht am )

Unser Wertungssystem:
  • 1-3 Punkte: Grottenschlecht - Finger weg
  • 4-6 Punkte: Streckenweise anhörbar, Kaufempfehlung nur für eingefleischte Fans
  • 7-9 Punkte: Einige Lichtblicke, eher überdurchschnittlich, das gewisse Etwas fehlt
  • 10-12 Punkte: Wirklich gutes Album, es gibt keine großen Kritikpunkte
  • 13-14 Punkte: Einmalig gutes Album mit Zeug zum Klassiker, ragt deutlich aus der Masse
  • 15 Punkte: Absolutes Meisterwerk - so was gibt´s höchstens einmal im Jahr
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Tracklist:
  • = CD 1 – 13 JOHANN SEBASTIAN BACH = (827:29):
  • CD 1 (86:23):
  • 1-3 Concerto in D minor for harpsichord, strings and basso continuo
  • 4-6 Concerto in C major for two harpsichords, strings and basso continuo
  • 1-3 Concerto in C major for three harpsichords, strings and basso continuo
  • 1-3 Concerto in A minor for four harpsichords
  • 13-14 Brandenburg Concerto No. 3 in G major
  • CD 2 (75:01):
  • 1-4 Brandenburg Concerto No. 1 in F major
  • 5-7 Brandenburg Concerto No. 2 in F major
  • 8-10 Brandenburg Concerto No. 4 in G major
  • 11-13 Brandenburg Concerto No. 5 in D major
  • CD 3 (74:57):
  • 1-3 Brandenburg Concerto No. 6 in B-flat major
  • 4-35 Goldberg Variations
  • 36-41 Patita No. 1 in B-flat major
  • CD 4 (80:12):
  • 1-6 Partita No. 2 in C minor
  • 7-13 Partita No. 3 in A minor
  • 14-20 Partita No. 4 in D major
  • 21-27 Partita No. 5 in G major
  • 28-34 Partita No. 6 in E minor
  • CD 5 (65:24):
  • 1-3 Toccata, Adagio and Fugue in C major
  • 4-5 Toccata and Fugue in F major
  • 6-7 Toccata and Fugue „Dorian“
  • 8-20 Partite diverse sopra „Sei gegrüsset, Jesu gütig“
  • CD 6 (81:03):
  • 1-3 Fantasia in G major
  • 4-6 Trio Sonata No. 6 in G major
  • 7-9 Trio Sonata No. 3 in D minor
  • 10-13 Pastorella in F major
  • 14-16 Sonata for flute and harpsichord in B minor
  • 17-19 Sonata for flute and harpsichord in E-flat major
  • CD 7 (71:41):
  • 1-5 Cantata „Lobe den Herren, den mächtigen König der Ehren“
  • 8-12 Cantata „Wachet auf, ruft uns die Stimme“
  • 13-20 Cantata „Gott, der Herr, ist Sonn' und Schild“
  • CD 8 (71:12):
  • 1-7 Cantata „Weinen, Klagen, Sogen, Zagen“
  • 8-12 Cantata „Ich weiss, dass mein Erlöser lebt“
  • 13-20 Cantata „Christ lag in Todes Banden“
  • CD 9 (61:08):
  • 1-7 Cantata „Halt im Gedächtnis Jesu Christ“
  • 8-13 Cantata „Es ist euch gut, dass ich hingehe“
  • 14-18 Cantata „Herr Jesu Christ, wah'r Mensch und Gott“
  • CD 10 (82:49):
  • 1-33 Weihnachtsoratorium
  • CD 11 (86:47):
  • 1-32 Weihnachtsoratorium
  • CD 12 (44:35):
  • 1-12 Die Kunst der Fuge
  • CD 13 (46:17):
  • 1-10 Die Kunst der Fuge
  • = CD 14 – 15 GEORG FRIEDRICH HÄNDEL = (157:02):
  • CD 14 (76:36):
  • 1-4 Organ Concerto in G minor
  • 5-8 Organ Concerto in B-flat major
  • 9-12 Organ Concerto in G minor
  • 13-16 Organ Concerto in F major
  • 17-20 Organ Concerto in F major
  • 21-23 Organ Concerto in B-flat major
  • CD 15 (80:26):
  • 1-4 Organ Concerto in B-flat major
  • 5-8 Organ Concerto in A major
  • 9-12 Organ Concerto in B-flat major
  • 13-16 Organ Concerto in D minor
  • 17-20 Organ Concerto in G minor
  • 21-23 Organ Concerto in B-flat major
  • = CD 16 CARL PHILIPP EMANUEL BACH / CHRISTOPH WILLIBALD GLUCK / JOSEPH HAYDN / JOHANN CHRISTIAN BACH = (64:16):
  • CD 16 (64:16):
  • CARL PHILIPP EMANUEL BACH
  • 1-3 Symphony in D major
  • 4-6 Sonata in G minor for flute and harpsichord
  • CHRISTOPH WILLIBALD GLUCK
  • 7 Orpheus and Eurydice
  • JOSEPH HAYDN
  • 8-10 Concerto in D major for flute and string orchestra
  • JOHANN CHRISTIAN BACH
  • 11-13 Symphony in B-flat major
  • = CD 17 – 18 WOLFGANG AMADEUS MOZART = (158:26):
  • CD 17 (81:16):
  • 1-3 Concerto for flute, harp and orchestra in C major
  • 4-6 Concerto for flute and orchestra No. 2 in D major
  • 7 Andante for flute and orchestra in C major
  • 8-10 Concerto for flute and orchestra No. 2 in G major
  • CD 18 (77:10):
  • 1-4 Symphony No. 29 in A major
  • 5-18 Requiem

Besetzung:

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