Musikreviews.de bei Facebook Musikreviews.de bei Twitter

Partner

Statistiken

The Cranberries: Live At The London Astoria II, 1994 (Review)

Artist:

The Cranberries

The Cranberries: Live At The London Astoria II, 1994
Album:

Live At The London Astoria II, 1994

Medium: CD/Download/Do-LP
Stil:

Indie- und Alternative-Rock

Label: Island/UMe
Spieldauer: 49:56
Erschienen: 18.09.2026
Website: [Link]

Wir schreiben das Jahr 1994.
Das Jahr, in dem die irische Indie- und Alternative-Rock-Band THE CRANBERRIES bereits ihren 5. Geburtstag und ihr erstes 1993er-Album mit dem sperrigen, bedrückenden Titel „Everybody Else Is Doing It, So Why Can’t We?“ feiert – und klar macht, dass sie trotz resignierender Albumbotschaft tatsächlich all das hinbekommen, was andere ebenfalls im Musiksektor erfolgreich anstellen. So wird aus der Frage ihres Debüts eine eindeutige Antwort: Ihr könnt es und braucht nicht (mehr) an euch zu zweifeln!

Besagtes Jahr 1994 hatte gerade erst begonnen, da wurde THE CRANBERRIES die Ehre zuteil, im London Astoria II – einem legendären Veranstaltungsort für Konzerte und Clubnächte, der 2009 geschlossen und abgerissen wurde – auftreten zu dürfen. Im Grunde eine Art Ritterschlag für alle Bands, besonders wenn sie zu diesem Zeitpunkt noch keinen außergewöhnlichen Bekanntheitsgrad besaßen – und ein klarer Schritt in Richtung Weltruhm.
„Live At The London Astoria II, 1994“ lässt alle Freunde und Fans der Band endlich – nach 32 Jahren – an diesem Konzertereignis auf Doppel-Vinyl teilhaben. Ein Ereignis, das eine irische Band präsentiert, die noch auf der Suche nach dem ganz großen Durchbruch ist und dabei völlig unpoliert, manchmal gar etwas unbeholfen, zwischen Vollkommenheit und Unvollkommenheit schwankt.
Warum nur musste man so lange auf „Live At The London Astoria II, 1994“ warten?


Die Antwort hierzu ist recht einfach: Bis vor kurzem galten diese Aufnahmen als verschollen – waren ein Geheimnis, das bisher nicht gelüftet werden konnte. Nun hat dies ein Ende...

Gitarrist Noel Hogan stellt zu dem Konzert klar, in welcher Situation sich die Band damals befand und welche Gefühle sie dabei bewegten: „Nach unserer Rückkehr aus den USA im Astoria aufzutreten, war ein echtes Highlight. Wir hatten schon ein paar Jahre zuvor angefangen, in kleinen Clubs in London zu spielen, daher fühlte es sich für uns wie ein riesiges Konzert an, als Headliner ins Astoria zurückzukehren. So viele bekannte Gesichter zu sehen, welche die Band über die Jahre hinweg unterstützt hatten, machte den Abend zu etwas ganz Besonderem. Es war eine aufregende Zeit für die Band.“

All das und sehr viel mehr ist auf dem LP-Einleger im umfangreichen Text von Stuart Clark nachzulesen, der sich im Gatefoldcover der Doppel-LP – auf der jede Menge bisher unveröffentlichte Fotos vom Konzert oder aus dem Backstage-Bereich zur Veranschaulichung der Konzert-Atmosphäre beitragen – befindet.


„Everybody Else Is Doing It, So Why Can’t We?“
Nun also konnten THE CRANBERRIES – und hatten noch nicht den Grund zum Streiten gefunden, der ihr kommendes, schon in den musikalischen Startlöchern stehendes Album heraufbeschwor. Wie schön, wenn solcher grundlose Streit, kurz darauf millionenfach verkauft, tatsächlich zum Weltruhm verhilft. Da gibt’s tatsächlich „No Need To Argue“ (Kein Grund zum Streiten) mehr.

Daher waren zu diesem Zeitpunk selbst die Zombies bei der irischen Indie-Rock-Band noch nicht offiziell aus ihren Gräbern des bürgerkriegerischen Nordirlandkonfliktes gekrochen. Zumindest wenn's um die Studio-Album-Präsentation gehen sollte, welche im gleichen Jahr des Konzertes als Single und Album-Song etwas später erscheint. Danach aber würde sich – gerade dieses Titels und des besagten zweiten, im Oktober veröffentlichten Albums „No Need To Argue“ wegen – für THE CRANBERRIES alles ändern. Denn in Deutschland und Österreich erstürmt das Album die Hitparaden-Spitze, nachdem dies in England bereits ihr Debüt „Everybody Else Is Doing It, So Why Can’t We?“ getan hatte, mit dem die 'Moosbeeren' gerade auf Tour waren. Des Erfolges in Großbritannien wegen führte sie dieser auch nach London ins Astoria, wo sie bereits kurz nach Jahreswechsel am 14. Januar 1994 ihr Können präsentierten und dabei auf ein nach und nach immer euphorischer werdendes Publikum trafen.


Doch es sind nicht nur Lichtblicke, die das Konzert ausmachen, denn nicht immer trifft Dolores O'Riordan die richtigen Töne, erscheinen ihre Ansagen verunsichert oder dauern die Übergänge zu den Songs zu lang, weil nicht alle Instrumente sofort aufeinander abgestimmt sind – schön, dass man sich trotzdem für eine komplette Veröffentlichung auf „Live At The London Astoria II, 1994“ entschied. Historische Aufnahmen also, welche in diesem Sinne sogar besonders authentisch erscheinen.
Nur überhören kann man den einen oder anderen stimmlichen Schnitzer nicht. Manchmal entsteht der Eindruck, dass Dolores O'Riordan besonders zu Konzertbeginn noch nicht den sich immer stärker entwickelnden Mut besitzt, all ihre Kapazitäten, die sich später überdeutlich live offenbaren, auszuschöpfen. Sie möchte vielleicht alles richtig machen und besonders sauber klingen – damit erreicht sie manchmal allerdings das Gegenteil.

Andererseits verblüfft sie dann wiederum auf einigen Songs durch eine gewagte Stimmakrobatik, wenn sie sich beispielsweise in dem akustischen Stück „Empty“ voll auf ihre Stimme konzentrieren kann.


Und dann wäre da ja noch der LP-Vorbote „Zombie“.
Natürlich verwundert es nicht, dass, als O'Riordan „Zombie“ ansagt, der erste Jubel im Publikum noch verhalten ist und keine wild applaudierenden Vorschusslorbeeren für den noch unbekannten Song verteilt werden. Dafür verblüfft, dass die Sängerin mit der charismatischen Stimme „Zombie“-getrieben plötzlich den Mut zum Stimmband-Malträtieren für sich entdeckt und „Zombie“ (obwohl noch nicht als Single-Auskopplung oder Song auf der zweiten LP erschienen) in seiner ganzen Perfektion dahinschmettert. Spätestens hier zeichnet sich unzweifelhaft ab, warum gerade dieser Song zum absoluten Evergreen werden und immer in Verbindung mit THE CRANBERRIES gebracht wird. Zudem spricht mitten im Song Dolores O'Riordan den bedrückenden Hintergrund von „Zombie“ an. Und ja – nachdem „Zombie“ verklingt, flippt das Publikum regelrecht aus.

Fast auf den Tag genau 24 Jahre später verstummte am 15. Januar 2018 die Dolores-Stimme nach einer Alkoholvergiftung mit 3,3 Promille für alle Zeiten. Umso wertvoller ist es, dass man nun deren Live-Anfänge auf „Live At The London Astoria II, 1994“ in ihrer ganzen Intensität nachvollziehen darf.


FAZIT: Die bis vor kurzem noch als verschollen geltenden Live-Aufnahmen dieses frühen, 32 Jahre zurückliegenden Konzerts von THE CRANBERRIES sind tatsächlich wieder aufgetaucht und werden nun unter dem Titel „Live At The London Astoria II, 1994“ erstmals als remasterte Audio-Version veröffentlicht. Besonders spannend hieran ist die Tatsache, dass zu dem Zeitpunkt THE CRANBERRIES erst ihr Debüt-Album „Everybody Else Is Doing It, So Why Can’t We?“ veröffentlicht hatten und der große Durchbruch mit „No Need To Argue“ noch nicht eingetreten war. Trotzdem gibt es hier bereits die Erfolgssongs „Zombie“, „Linger“ und „Dreams“ zu hören – genauso wie das vorsichtige Klopfen des Weltruhmes an die ihm noch verschlossene THE CRANBERRIES-Tür.

Thoralf Koß - Chefredakteur (Info) (Review 52x gelesen, veröffentlicht am )

Unser Wertungssystem:
  • 1-3 Punkte: Grottenschlecht - Finger weg
  • 4-6 Punkte: Streckenweise anhörbar, Kaufempfehlung nur für eingefleischte Fans
  • 7-9 Punkte: Einige Lichtblicke, eher überdurchschnittlich, das gewisse Etwas fehlt
  • 10-12 Punkte: Wirklich gutes Album, es gibt keine großen Kritikpunkte
  • 13-14 Punkte: Einmalig gutes Album mit Zeug zum Klassiker, ragt deutlich aus der Masse
  • 15 Punkte: Absolutes Meisterwerk - so was gibt´s höchstens einmal im Jahr
[Schliessen]
Kommentar schreiben
Tracklist:
  • Seite A (16:35):
  • Pretty (3:08)
  • Dreaming My Dreams (3:52)
  • Linger (5:08)
  • Ridiculous Thoughts (4:27)
  • Seite B (18:14):
  • Daffodil Lament (6:27)
  • How (3:13)
  • Everything I Said (3:54)
  • Not Sorry (4:40)
  • Seite C (17:26):
  • Waltzing Back (4:02)
  • Dreams (4:29)
  • Zombie (5:28)
  • Liar (3:27)
  • Seite D (12:41):
  • So Cold In Ireland (5:13)
  • Empty (3:52)
  • Still Cant... (3:36)

Besetzung:

Alle Reviews dieser Band:

Interviews:
  • keine Interviews
(-1 bedeutet, ich gebe keine Wertung ab)
Benachrichtige mich per Mail bei weiteren Kommentaren zu diesem Album.
Deine Mailadresse
(optional)

Hinweis: Diese Adresse wird nur für Benachrichtigungen bei neuen Kommentaren zu diesem Album benutzt. Sie wird nicht an Dritte weitergegeben und nicht veröffentlicht. Dieser Service ist jederzeit abbestellbar.

Captcha-Frage Wieviele Monate hat das Jahr?

Grob persönlich beleidigende Kommentare werden gelöscht!