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Sylvan: Presets (Review)

Artist:

Sylvan

Sylvan: Presets
Album:

Presets

Medium: CD
Stil:

Rock, Art Pop, Prog

Label: Point Music
Spieldauer: 62:28
Erschienen: 2007
Website: [Link]

Lange Zeit hat es gedauert, bis die Hamburger Band SYLVAN richtig auf sich aufmerksam machen konnte. Was im Jahre 1991 als Schülerband begann (damals noch unter dem Namen „Chamäleon“), erfuhr zunächst nur in eingeweihten Genrekreisen Anerkennung – erst 2006 schien den Nordlichtern mit „Posthumous Silence“ ein Befreiungsschlag gelungen zu sein. On- und Offlinemagazine zeigten sich mit positiven Bewertungen nicht geizig, das Album erschloss sich einen größeren Höhrerkreis. Das schwermütige Konzept über einen Vater, der in den Tagebuchaufzeichnungen seiner selbstentleibten Tochter nach Gründen für ihr Handeln sucht, versprüht nicht grad Hitqualitäten fürs deutsche Schunkelradio, doch Prog und Rockfans schenkten dem Album allzu gern ihre Aufmerksamkeit. Manchen Kritikern stießen lediglich die etwas ausufernden Atmosphäre-Spielereien und die damit verbundene Langatmigkeit auf – ein „Manko“, das auf „Presets“ drastisch und radikal ausgemerzt wurde.

SYLVANS neues Werk ist parallel zu den Aufnahmen von „Posthumous Silence“ entstanden und konzentriert sich fast ausschließlich auf kürzere, eingängigere Nummern. Der Begriff „Radiotauglichkeit“ spukt im Hinterkopf herum, mag aber nicht über die Lippen kommen. Haben SYLVAN also ihren bekannten Stil aufgegeben? Mitnichten – denn vom ursprünglichen Neoprog wurden die eingängigen Refrains und die großzügigen Keyboardarrangements übernommen. Die Anzahl der Instrumentalparts und Breaks wurde aber drastisch reduziert, was „Presets“ auch sogenannten „normalen“ Musikfans eine leichtere Einfuhr bescheren dürfte.

Der Einstieg ist gelungen: „One Step Beyond“ ist der erste Höhepunkt des Albums. Atmosphärische Keys hinterlegen dezent die entspannt pulsenden Bassläufe, der Gesang ist noch zurückhaltend, beinahe melodiearm – doch der Refrain spült mit einer derartig lockeren Eingängigkeit durch die Ohren, daß man sich fragt, warum SYLVAN nicht schon lange zweigleisig fahren: Für die alten Fans werden weitere Neoprog Konzeptalbum zusammengezaubert und für die Geldbörse müssen einfach ein paar Radiohits produziert werden – im Ernst, die Hamburger beweisen ein fantastisches Händchen für Ohrwürmer und wunderschöne Melodien, die 99% der üblichen Tatverdächtigen des Mainstream Pops locker ausstechen.

Weiterer großer Pluspunkt ist die variable und höchst sympathische Stimme von Marco Glühmann, der stets mit Herzblut und emotionaler Ambitioniertheit zu Werke geht und den Songs auf diese Weise zusätzliche Tiefe verleiht. Die eine oder andere Gänsehaut nicht ausgeschlossen.

„For One Day“ startet mit locker geknüpftem Rhythmusteppich und stimmigen Streichern. Auf drei Minuten und 50 Sekunden wird hier (Art) Pop im Besten Sinne geboten. Wer ausschließlich nach Blut oder atonaler Komplexität lechzt, bekommt selbstverständlich das Grausen bei all den luftigen Widerhakenmelodien… wer aber schon mit RAIN FOR A DAY, dem Nebenprojekt von Drummer Matthias Harder, etwas anfangen konnte, wird die nötige Toleranz für Musik abseits von maximalen Rhythmuswechseln pro Minute aufbringen, um „Presets“ eine Menge abgewinnen zu können (RAIN FOR A DAY Sängerin Miriam Schell hat übrigens auch den Hintergrundgesang zum Titeltrack beigesteuert).

Das Album ist in „side A“ und „side B“ unterteilt. Dominierte auf der ersten Hälfte noch symphonisch luftiger Ohrwurm Art Pop im orange- und warmleuchtenden Emotionsspektrum, so wird ab „Cold Suns“ die Eingängkeit ein klein wenig zurückgeschraubt und leicht progressiven Strukturen und den Instrumenten wieder mehr Raum zur Entfaltung geboten. Doch einzig der überlange Titeltrack wartet mit einer vertrackten und härteren „Frickel“ Passage auf – und genau bei diesem Song klingen SYLVAN auch wieder so, wie ihre Anhänger sie noch in Erinnerung haben.

FAZIT: Ein prall gefüllter Sack voller eingängigen Liedgutes vorwiegend im Gewande symphonischer Art Pop Melancholie, lockerleicht und luftig arrangiert. Nach der ersten Hälfte beginnt „Presets“ ein wenig zu schwächeln – was auch an der erlahmenden Aufmerksamkeit des Hörers liegen mag, der irgendwann doch genug hat von braver Ohrwürmeligkeit und flauschigen Keyboardteppichen. Nichtsdestotrotz ein gelungener Versuch, die Progwurzeln (vorübergehend) in den Hintergrund zu stellen und sich der unmittelbaren Eingängigkeit zu widmen.

Nils Herzog (Info) (Review 2914x gelesen, veröffentlicht am )

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Wertung: 10 von 15 Punkten [?]
10 Punkte
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Tracklist:
  • One Step Beyond
  • Signed Away
  • For One Day
  • Former Life
  • On The Verge Of Tears
  • When The Leaves Fall Down
  • Words From Another Day
  • Cold Suns
  • Hypnotized
  • Heal
  • Transitory Times
  • Presets

Besetzung:

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