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Alice Cooper: Paranormal (Review)

Artist:

Alice Cooper

Alice Cooper: Paranormal
Album:

Paranormal

Medium: Do-LP/Do-CD
Stil:

Etwas in die Jahre gekommener Schock- und Horror-Rock

Label: EAR Music/Edel
Spieldauer: 67:25
Erschienen: 28.07.2017
Website: [Link]

Was für schöne, bedrohliche und gruselige Beinamen ALICE COOPER in seiner nunmehr fast fünfzigjährigen Musiker-Geschichte gesammelt hat: „King Of Shock Rock“, „Horror-Papst“, „Meister des gepflegten Grusel-Rock“ und wie viele Tode er schon auf der Bühne durch das Fallbeil, die Giftspritze, den Strick oder das Schwert starb. Das Alles war, ist und bleibt einem in Erinnerung, wenn man den Namen ALICE COOPER nur hört, der live als gespaltene Persönlichkeit das personifizierte Böse in Form eines verkleideten, maskierten, auf Tod geschminkten Musikers darstellt und auslebt. So real, dass dieser Wahnsinn nicht nur sein Bühnen-, sondern auch sein privates Leben dominierte. Doch diese Zeiten snd längst vorbei – zumindest die drogen- und alkoholgeschwängerten. Statt Whyisky und Dope gibt‘s jetzt Diät-Cola und für die gespaltene Persönlichkeit gab‘s jede Menge Therapien („Als ich noch Alkohol trank und Drogen nahm – damals in den späten 60ern und frühen 70ern – habe ich das Monster Alice erschaffen, bis mich mein Therapeut auf den richtigen Weg brachte, indem er feststellte: ‚Alice ist nicht das Problem. Sie sind es!‘“ - aus der Sächsischen Zeitung vom 26. Juli 2017), aber auf der Bühne laufen noch immer ganz ähnliche Exzesse ab, mit einem Alice, der genauso clean ist wie der Cooper dahinter!
Doch hier kommt die große Frage: „Wie wohl wirkt sich solch eine persönliche Entwicklung auf die musikalische von ALICE COOPER aus, der nach sechs Jahren urplötzlich mit diesem Studio-Album aus seiner Gruft wieder auftaucht?“
Gut! Fast sehr gut! Und einen bedeutenden Anteil trägt daran auch Produzent BOB EZRIN, der gerade erst DEEP PURPLE mit „inFinite“ zu einem meisterhaften Spätwerk verhalf. Auch „Paranormal“ wäre garantiert nicht so geworden ohne den Ezrin-Einfluss: „Bob Ezrin und ich wollten aus dem Gerüst ausbrechen. Ich habe vorgeschlagen, dass wir 20 verschiedene Ideen aus 20 verschiedenen Orten sammeln, unseren Dreh daraus machen und dann nehmen, was am besten klingt.“

Und dann gibt es auch noch einen echten Überraschungsgast als Stammmusiker auf dem Album – und der sitzt hinter dem Schlagzeug und heißt Larry Mullen Jr., besser bekannt als drummendes Band-Mitglied von U2! Auch ZZ TOP-Gitarrist Billy Gibbons und DEEP PURPLE-Bassist Roger Glover wirken auf einzelnen Songs mit, die allesamt „Paranormal“ sind, sich dem Normalen also verweigern: „Man könnte sagen, dass meine ganze Karriere so verlief. Ich habe geguckt, was normal ist und trat dann einen Schritt zur Seite“, stellt ALICE COOPER, der im Nicht-Bühnen-Leben Vincent Damon Furnier heißt, über 40 Jahre verheiratet und seit 35 Jahren nüchtern (ohne Drogen und Alkohol) ist sowie jeden Sonntag als gläubiger Christ in die Kirche geht, täglich betet und einen Ehrendoktor-Titel von der christlich-liberalen Grand Canyon University, die er immer fleißig finanziell unterstützte, besitzt.

Einige werden das Album, welches aus zwei CD‘s besteht, wovon die zweite zwei Studio-Aufnahmen in der Original-Besetzung der ALICE COOPER BAND (1968 – 1974, natürlich ohne den 1997 verstorbenen Glen Buxton!) und sechs Live-Aufnahmen aus dem Jahr 2016 enthält, vielleicht als etwas zu glatt empfinden.
Andere aber, wie der Kritiker dieser Zeilen, sagen sich begeistert: „Mensch, der Cooper hat‘s mit seinen 69 Lenzen noch echt drauf und macht nicht auf jungen Schock-Rocker, sondern auf gealterten Rock-Schocker und das passt sehr gut zu ihm und zu ‚Paranormal‘. Außerdem besinnt er sich wieder ganz klar auf seine 70er-Jahre-Ära und hat einen angenehmen Hang zum Hymnischem, ohne das hart Rockende zu vernachlässigen!“. Und als wäre das nicht schon beeindruckend und bemerkenswert genug, entscheidet sich ALICE COOPER auch noch dafür, mit „Paranormal“ sein erstes Konzept-Album zu veröffentlichen, in dem er „zwölf gute Episoden von The Twilight Zone erzählt, in der jede ihre eigene, verdrehte Geschichte offenbart.“ Kleine Grusel-Geschichten eben, die sich um geheiligtes Weihwasser genauso drehen wie um Ratten, ganz private Zusammenbrüche, ein Band, die einen Pakt mit dem Teufel abschließt, einen Albtraum über die Zerstörung der Welt, der plötzlich wahr wird oder Radiosender, die einen nicht nur verblöden, sondern durch ihren Stumpfsinn sogar in eine Abhängigkeit treiben und natürlich immer wieder alles Paranormale!
Selbst die Freunde psychedelischer Klangwelten kommen bei ALICE COOPER diesmal auf ihre Kosten, müssen dafür aber bis zum Ende des Albums und den bereits besagten Anti-Radio-Titel „The Sound Of A“ warten, der sogar ein paar früh-floydianische Sounds entfaltet. Ein großartiges Finale!

Einen dicken Minuspunkt muss man allerdings, trotz aller gelungener Siebziger-Lastigkeit und des richtig guten Sounds sowie der spannenden Texte und des griffigen Konzepts, aber doch vergeben, denn im Zeitalter digitaler Tonträger, aber auch wiederbelebten Vinyls ist es einfach nicht in Ordnung, eine dicke Doppel-CD im ganz besonderen (fetten) Digipak herauszubringen, von denen jede CD gerade mal etwas über eine halbe Stunde Spielzeit aufweist. Das hätte auch locker auf eine CD gepasst und am Ende wäre noch für einen Longtrack Platz geblieben. So gesehen der unangenehme Schock eines richtig guten Schock-Rocker-Albums.

FAZIT: Nach sechs Jahren meldet sich ALICE COOPER mit einem überzeugenden „Paranormal“en Schock-Rock-Konzeptalbum auf zwei CD‘s, das zeitlich aber auch ohne Weiteres auf eine gepasst hätte, zurück. Und 69 Jahre hin oder her, dieser ALICE COOPER hat‘s noch immer absolut drauf, vielleicht gerade weil er im Gegensatz zu vielen seiner Rocker-Kollegen es tatsächlich geschafft hat, 35 Jahre abstinent zu leben und Diät-Cola zu trinken. „Paranormal“ klingt allerdings nicht die Bohne nach Diät-Cola, sondern nach voller Horror-Rock-Dröhnung.

Thoralf Koß - Chefredakteur (Info) (Review 1905x gelesen, veröffentlicht am )

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Tracklist:
  • CD 1 (34:12):
  • Paranormal
  • Dead Flies
  • Fireball
  • Paranoiac Personality
  • Fallen In Love
  • Dynamite Road
  • Private Public Breakdown
  • Holy Water
  • Rats
  • The Sound Of A
  • CD 2 (33:13):
  • = Two New Songs written and performed by The Original ALICE COOPER BAND =
  • Genuine American Girl
  • You And All Of Your Friends
  • = Live In Columbus (OH), May 6, 2016 =
  • No More Mr. Nice Guy
  • Under My Wheels
  • Billion Dollar Babies
  • Feed My Frankenstein
  • Only Women Bleed
  • School‘s Out

Besetzung:

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