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Florian Paul und die Kapelle der letzten Hoffnung: Dazwischen (Review)

Artist:

Florian Paul und die Kapelle der letzten Hoffnung

Florian Paul und die Kapelle der letzten Hoffnung: Dazwischen
Album:

Dazwischen

Medium: CD
Stil:

Folk, Pop, Singer/Songwriter mit deutschen Texten

Label: Millaphone Records/Broken Silence
Spieldauer: 41:19
Erschienen: 31.05.2019
Website: [Link]

Sie sind tatsächlich eine echte Hoffnung für die so banale Abziehbildchen-Pop-mit-deutschen-Texten-Musik-Szene, die uns im Radio immer wieder weiszumachen versucht, als müsse jeder deutsche Musiker nach einem Bourani, Tawil, Poisel, Oerding, abgehalfterten Schauspielgrößen, die zu singen versuchen (Anna Loos und Ehegatte Jan Josef Liefers oder Matthias Schweighöfer), oder dem schrecklichen Glasperlenspiel klingen, das zwar nichts mit Hesse, dafür aber mit einem Scheinintellekt zu tun hat, der mehr Peinlich- als Nachdenklichkeit hervorbringt.
Jetzt aber gibt es einen echten musikalischen Silberstreif am deutschsprachigen Musiker-Horizont, auf dem auch schon so großartige Musiker wie GUNDERMANN, DIE ZÖLLNER, WENZEL und die PENSION VOLKMANN (Allesamt übrigens Ossis!) oder Ausnahmeliedermacher wie REINHARD MEY, LUDWIG HIRSCH oder KONSTATIN WECKER ihre Regenbogenfarben hinterließen.

FLORIAN PAUL UND DIE KAPELLE DER LETZTEN HOFFNUNG sind mit „Dazwischen“ ab sofort (hoffentlich nicht die letzten) Hoffnungsträger, dass Intellekt und eingängige Melodien, anspruchsvolle Texte und Mut zu allen möglichen Musik-Lücken von Kabarett-Musik bis Deutschrock und anspruchsvoller Liedermacherei auch in der deutschsprachigen Musik funktionieren können. Vorausgesetzt man gibt musikalischem und poetischem Niveau den Vorrang vor massenkompatibler Austauschbarkeit. Genau hierzwischen verortet sich „Dazwischen“ und damit setzt sich der junge 23-jährige (!!!) Florian zwischen alle Stühle, die irgendwelche Musikexperten so fein und völlig kippelfrei zurechtgerückt haben. Scheiß auf Superstars, die ein Bohlen sucht oder eine Stimme aus Deutschland, nach der Musiker suchen, die selber nicht richtig singen können und beispielsweise ANNETT LOUISAN heißen. Dabei haben doch andere Könner wie KETTCAR und ANNENMAYKANTEREIT, an die FLORIAN PAUL mit seiner hoffnungsvollen Kapelle immer mal wieder erinnert, längst den Beweis dafür erbracht, dass auch anspruchsvolle deutsche Musik genügend Aufmerksamkeit erreichen kann. Man muss ihr nur eine Chance geben. Eine Chance, die sich FLORIAN PAUL UND DIE KAPELLE DER LETZTEN HOFFNUNG nach diesem hoffnungsvollen Debüt allemal verdient hat.

Es ist schon verrückt, wenn einem bei dem jungen Burschen, dem viele sofort unterstellen würden, dass er noch grün hinter den Musikohren ist, bei seiner rauen, tresen- und zigarettengezeichneten Stimme, den tiefgründigen Texten über Liebeskummer und Weltenbummlersehnsucht, Dasein und Fortsein, Optimismus und Traurigkeit sogar ein TOM WAITS in den Sinn kommt, der jazzig wahrscheinlich auch einen Song wie „Bella Maria“ über Kulissen, Fassaden und Verlogenheit in ähnlicher Weise zum Besten geben würde oder natürlich der viel zu früh verstorbene GERHARD GUNDERMANN, der garantiert ganz ähnlich wie dieser Junge aus dem Ruhrpott ein „Alles wie immer“ als sein ganz spezielles „Wunderlied“ und zugleich traurige Bestandsaufnahme in den blauen Musikhimmel zementiert: „Hier redet keiner mehr von Freiheit und von Klassenkampf […] Alles wie immer, das meiste egal […] Es gibt noch immer Bier und Gras – nur keine Lieder mehr […] Manches geblieben – anderes nicht.“

Mit „Der Zirkus“ oder „Die blaue Katze“ gelingt Florian sogar ein ganz besonderes Meisterstück, denn er versetzt uns in eine Atmosphäre, als wären wir im Brecht-Weill-Musical der „Dreigroschenoper“ des Jahres 1928 getreu dem Motto: „Die Bettler betteln, die Diebe stehlen, die Huren huren. Ein Moritatensänger singt eine Moritat.“ Nur ist es diesmal nicht die von Mackie Messer, sondern die von einem Mädchen, das keinen Blick für denjenigen übrig hat, der sie still und innig liebt sowie ein blaue Katze, die trotz aller Narben im Fell ihren Liebesrausch ausschläft und davon träumt, wie alles begann.

Es ist wirklich kaum zu glauben, was alles in den kurzweiligen 41 Musikminuten von „Dazwischen“ geschieht, die dann viel zu früh bei so viel musikalischer Faszination mit der Ohrwurm-Ballade und dem Album seinen Titel gebenden Dazwischen enden.

Wer nach diesem Album nicht gerührt und zutiefst beeindruckt ist, der ist entweder mit Taubheit geschlagen oder ein Dieter-Bohlen-Hör(ig)er.
Alle Anderen aber, die noch immer daran glauben, dass die Hoffnung zuletzt stirbt, denen wird klar, dass deren Tod auf dem deutschen Musikmarkt mindestens noch so lange wie es dort FLORIAN PAUL UND DIE KAPELLE DER LETZTEN HOFFNUNG gibt, warten muss.

FAZIT: Ein neuer Name, ein neuer Stern am deutschsprachigen Musiker-Himmel, der heller leuchtet als alles, was uns in den letzten Jahren die deutsche Radiolandschaft niederträchtig als erfolgsträchtig zu verkaufen versucht, ist FLORIAN PAUL UND DIE KAPELLE DER LETZTEN HOFFNUNG. Wenn GUNDERMANN tot und bereits verfilmt ist, dann ist ein FLORIAN PAUL mit seiner Kapelle der lebendige Beweis dafür, dass richtig gute deutschsprachige Musik mit ausgezeichneten Texten noch immer lebt. Man muss sie nur entdecken und darf nicht nur vor Grabsteinen seine Tränen vergießen und einer Zeit hinterhertrauern, die angeblich nie wieder kommt. FLORIAN PAUL UND DIE KAPELLE DER LETZTEN HOFFNUNG sind und sollten die neue Zukunft „Made in Germany“ sein.

Thoralf Koß - Chefredakteur (Info) (Review 483x gelesen, veröffentlicht am )

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Tracklist:
  • Aber trotzdem
  • Die blaue Katze
  • Briefe
  • Manchmal fürcht‘ ich mich
  • Die Nacht
  • Der Zirkus
  • Alles wie immer
  • Der Teufel
  • Bella Maria
  • Dazwischen

Besetzung:

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