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Eric Bibb: One Mississippi (Review)
| Artist: | Eric Bibb |
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| Album: | One Mississippi |
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| Medium: | CD | |
| Stil: | Blues Rock, Folk, Singer/Songwriter, Americana |
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| Label: | Repute Records | |
| Spieldauer: | 47:42 | |
| Erschienen: | 30.01.2026 | |
| Website: | [Link] |
„Diese neue Sammlung von Geschichten aus der jüngeren amerikanischen Vergangenheit und der angespannten globalen Gegenwart ist ein Aufruf zu Frieden, Gerechtigkeit und Einheit in einer gespaltenen Welt! Tausend Dank an die fantastischen Sänger, Musiker und alle, die hinter den Kulissen mitgewirkt haben, um diese Geschichte zu erzählen.“ (Eric Bibb)
Als ERIC BIBB im Jahr 2021 mit „Dear America“ seinen durchaus kritischen Lobgesang auf Amerika anstimmte, da geschah dies auf Basis der herrlichen Musik, welche in diesem Land maßgeblich (übrigens lange Zeit auch bei uns ohne jeglichen bösen Hintergedanken noch als sog. 'Negermusik' bezeichnet) geprägt wurde – dem Blues, der tief verwurzelt mit den armen schwarzen Amerikanern war und der heute noch über die 'Route 66' rollt. Einer der jüngsten und zugleich glaubwürdigsten Vertreter dieser Musik ist der 74-jährige ERIC BIBB, der dieses Mal nicht über den Highway rollt, sondern sich dem Fluss des und den Landschaften von Mississippi hingibt.
So gesehen schlägt Bibb, der einen immer wieder an den legendären JOHN LEE HOOKER erinnert, nunmehr nicht seine Blues-Wurzeln in den staubigen Boden, aus dem sie erwuchsen, sondern wirft den Anker direkt vom Hausboot längst vergangener Zeiten inmitten des fast viertausend Kilometer langen Stroms der Vereinigten Staaten, der durch den gleichnamigen Bundesstaat fließt.
Dass diese Bootsreise erlebnisreich, aber auch sehr blues-nostalgisch werden wird, verrät bereits der der Albumtitel „One Mississippi“, der zugleich wiederum eine Blues-Hommage an den Fluss und das Land, durch das er fließt, wird.
Natürlich beschreibt Bibb bereits im Titelsong genau die Atmosphäre und das Land, in dem er lebte (derzeit befindet sich sein Wohnsitz in Schweden), wo er die gesamte Kultur erlebt und zugleich ein Teil dieser ist. Viel Autobiographisches und Historisches fließt dabei in seine Musik ein. Er kritisiert zudem die digitale Moderne, in der die Zwischenmenschlichkeit völlig abhanden kommt.
Natürlichkeit ist angesagt, wobei besonders Bibbs Slidegitarre und sein unverkennbarer Blues-Gesang, begleitet an der akustischen Gitarre, maßgeblich zum Tragen kommen. Nunmehr sind es schon über 30 Alben, die er veröffentlichte – und dies ist eins seiner ruhigsten und irgendwie besten. Wohl auch, weil er einerseits ganz tief verwurzelt und andererseits ohne Berührungsängste vor deutlich groovenden Momenten klingt, die mit Melodien spielen, welche sich sofort als echte Ohrwürmer erweisen, wie beispielsweise „This One Don't“. Ein echte DIRE STRAITS-Atmosphäre gibt’s inklusive!
Hinzu kommt der hervorragende Klang der CD, welcher einerseits authentisch die typische 70er-Jahre-Stereo-Trennung mit der voluminösen vollen Soundvielfalt der Moderne kombiniert.
Gezielt wählte ERIC BIBB als eine der ersten Album-Auskopplungen „This One Don't“ aus, da diese die grundsätzlich bluesige wie funkige Ausrichtung hinter „One Mississippi“ vorgibt. So begründet Bibb diese Wahl mit folgenden Worten: „Der Song entstand nach einem fantastischen Auftritt beim Blues Fever Festival in Wien, wo ich vor einem supercoolen Publikum spielte, das total auf Blues steht. Zum Glück konnten wir diese Leute auch im Video dabei haben. Dank meines genialen Produzenten Glen Scott und der großartigen Musiker, die mitgewirkt haben, ist dieser Track einer der funkigsten, die ich je aufgenommen habe. Wie Alice Walker schon sagte: ‚Harte Zeiten erfordern ausgelassenes Tanzen.‘“
Oder der titelgebende Album-Opener, zu dem Bibb feststellt: „So sehr ich es liebe, neue Lieder zu schreiben und aufzunehmen, so sehr genieße ich es auch, großartige Lieder anderer Songwriter zu entdecken und zu covern. Der Titelsong 'One Mississippi' wurde von meiner Schulfreundin Janis Ian zusammen mit Fred Koller geschrieben.“
„New Window“ wiederum ist ein hoffnungsvoller Song im Interesse der kantschen Aufklärung, dass man ein Fenster manchmal erst einwerfen muss (Wir Deutschen wollen es natürlich nach Kant nur aufstoßen!), um eine neue und harmonischere Sichtweise auf die Welt zu entdecken. Wunderschöne, aber auch traurige Erinnerungen an den kürzlich verstorbenen CHRIS REA werden wach. Genau diese hätten Rea bei solchem Thema und solcher Musik sicher stolz gestimmt.
Fetter, tiefschwarzer Soul verbreitet sich auf „Change“ oder „Didn't I Keep Runnin'“, in dem es um einen Schwarzen geht, der vor der Sklaverei zu fliehen versucht.
Demgegenüber prangert ERIC BIBB im Stile von „Des Kaisers neue Kleider“ in „No Clothes On“ die eitlen, selbstverliebte Machthaber (Wer kennt die nicht – in Deutschland auch ein Lied für den 'Ich bin der Größte'-Merz, der noch nicht einmal weiß, wie lange der 2. Weltkrieg dauerte!) an, die glauben Geschichte zu schreiben, diese aber selber ignorieren oder – noch schlimmer – im besten Sinne des orwellschen 'Miniwahr'-Wahrheitsministeriums umzudeuten versuchen, damit ihnen ihre Unfähigkeit und Selbstverliebtheit als historische Meisterleistung ausgelegt wird.
In „Crossroads Marilyn Monroe“ taucht überraschend ein E-Gitarren-Solo auf, wobei die extrem erschütternde und wahre Geschichte einer Frau erzählt wird, die bewusst vor Gericht log, um auf diese Weise im Jahr 1955 den zwei rassistischen Meuchel-Mördern (einer der Beiden war ihr Mann) von Emmett Till, einem 14-jährigen schwarzen Jungen, zur Freiheit zu verhelfen, wobei Bibb in der letzten Strophe darauf verweist, dass die von ihm besungene Frau erst 50 Jahre später ihre Lüge gestand, sich dadurch aber von diesem schrecklichen Geheimnis zugunsten der Wahrheit befreien konnte. Hier handelt es sich ganz offensichtlich wohl um Carolyn Bryant.
„Show Your Love“ wartet mit Streichern auf und beschwört im Grunde den Zusammenhalt der Menschen herauf, die auf Liebe statt Hass setzen, sodass die letzte akustische wie bedrückend „One Mississippi“-Blues-Ballade „We Got To Find A Way“ diesen humanistischen Grundsatz zum großen Finale werden lässt.
Eine Aufforderung an sich und die Hörer: 'Findet euren mitmenschlichen Weg!'
Also: Begeben wir uns einfach auf die Suche, wobei uns „One Mississippi“ ein sehr guter musikalischer Wegweiser Richtung 'Route 66' ist...
FAZIT: Zwar kann ERIC BIBB schon auf drei Grammy-Nominierungen verweisen, aber einen davon zu erringen, gelang ihm (aus unerklärlichen Gründen) bisher noch nicht. Mit „One Mississippi“ sollte es zur nächsten Nominierung und im Grunde auch endlich einer Grammy-Eroberung reichen. Denn mit seiner oft ruhigen wie natürlichen, aber auch groovenden Mixtur aus klassischem Blues, folkigem Soul, frechem Funk und authentischem Americana in Kombination mit zeitkritischen Texten (viele Balladen, sehr intim und persönlich) sowie großartigem Sound stellt „One Mississippi“ so in etwa alles in den Schatten, was sich derzeit im breit gefächerten Americana-Umfeld bewegt. Oder um es mit den eigenen Worten eines ERIC BIBB auszudrücken: „Dieses Album ist eine lebendige Darstellung meiner musikalischen und persönlichen Entwicklung.“ Ein Album voller Reife und Verspieltheit, Natürlichkeit und ein klein wenig auch bluesiger Altersweisheit!
- 1-3 Punkte: Grottenschlecht - Finger weg
- 4-6 Punkte: Streckenweise anhörbar, Kaufempfehlung nur für eingefleischte Fans
- 7-9 Punkte: Einige Lichtblicke, eher überdurchschnittlich, das gewisse Etwas fehlt
- 10-12 Punkte: Wirklich gutes Album, es gibt keine großen Kritikpunkte
- 13-14 Punkte: Einmalig gutes Album mit Zeug zum Klassiker, ragt deutlich aus der Masse
- 15 Punkte: Absolutes Meisterwerk - so was gibt´s höchstens einmal im Jahr
- One Mississippi
- Muddy Waters
- This One Don't
- Didn't I Keep Runnin'
- Go Down Ol' Hannah
- It's A Good Life
- No Clothes On
- Crossroads Marilyn Monroe
- New Window
- If You're Free
- Change
- Waiting On The Sun
- Show Your Love
- We Got To Find A Way
- Bass - Glen Scott
- Gesang - Eric Bibb
- Gitarre - Eric Bibb, Glen Scott, Robbie McIntosh, Staffan Astner
- Keys - Glen Scott
- Schlagzeug - Glen Scott
- Sonstige - Esbjörn Hazelius, Zosha Warpeha (Geigen), Paul Jones, Greger Andersson (Mundharmonika), Sven Lindvall (Tuba), Sara Bergkvist Scott, Shaneeka Simon (Harmoniegesang, Klatschen)
- Live à FIP (2009)
- Deeper In The Well (2012) - 12/15 Punkten
- Jericho Road (2013) - 9/15 Punkten
- Dear America (2021) - 12/15 Punkten
- One Mississippi (2026) - 13/15 Punkten
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