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Interview mit Masterplan (12.06.2010)

Masterplan
Die Rückkehr des norwegischen Supersängers Jørn Lande zu MASTERPLAN kam unerwartet, wurde in der Szene aber freudig aufgenommen. Zwar gelang der Band mit dem neuen Frontmann Mike DiMeo auch ein gutes Album, aber die Idealbesetzung sieht eben doch Lande vor. Kurz vor Veröffentlichung des neuen Albums "Time To Be King" unterhielt ich mich lange und ausführlich mit Bandchef Roland Grapow über die Rückkehr seines Freundes in die Band und alle wichtigen Details zur Platte. Überraschenderweise erzählte Roland auch viele sehr persönliche Dinge, aber lest selbst…

Hallo Roland. Wie geht’s nach einem langen Tag voller Interviews, schon k.o. oder geht es noch?

Ich hab so zehn oder zwölf Interviews gemacht, aber es geht noch.Tut aber schon ein bisschen weh und ich muss auch gleich noch mein Handy aufladen.

Gut, dann schauen wir mal, dass wir es schnell hinter uns kriegen. Zunächst mal die unvermeidliche Frage, die du heute wohl schon öfter beantworten musstest. Wie kam es zum Wiedereinstieg von Jørn Lande und von wem ging da die Initiative aus?

Die Initiative kam von mir. Die Tour zur "MK II" mit Mike DiMeo hat mich jetzt nicht so umgehauen und ich war danach ein bisschen frustriert und hab das alles mit MASTERPLAN ein bisschen schleifen lassen. Ich hab mich dann auch sieben Monate nicht mehr bei den anderen gemeldet und DiMeo fragte dann nach ein paar Monaten nach: "Was ist los, gehen wir nochmal auf Tour?" Und ich so: "Nööö." Ich hab mich dann erstmal auf meine Studioarbeit hier konzentriert. Ich wohne ja in der Slowakei und habe dann halt tschechische und slowakische Metalbands aufgenommen, mich aufs Mixen und Produzieren konzentriert. Dann hat Mike gesagt "Ok, wenn da nichts kommt, muss ich mir wohl eine neue Band suchen". Ich hab ihm dann erklärt, dass ich nicht so motiviert bin und auch unterschwellig, dass ich nicht so wirklich happy  bin. Er ist dann selber ausgestiegen und kurz danach habe ich dann Jørn kontaktiert und wir haben uns dann beim Masters Of Rock-Festival, wo er mit AVANTASIA gespielt hatte, getroffen. Wir haben dann da zwei Abende abgehangen und philosophiert und haben alle Musiker und Roadies gesehen. Es hat dann aber noch ein paar Monate gedauert, bis er wirklich "ja" gesagt hat. Das war ein hartes Stück Arbeit.

Er ist ja damals wegen musikalischer Differenzen ausgestiegen. Sind die denn inzwischen weitestgehend ausgeräumt?

Ja, die sind total ausgeräumt und waren auch nur Kleinigkeiten, die zur Eskalation geführt hatten. Eigentlich war das völliger Blödsinn. Man kann das ein bisschen mit einem Paar vergleichen, das sich am Anfang total lieb hat. Dann kommt aber eine Phase, wo man anfängt, anzuecken und sich richtig kennenzulernen und zu sehen, wie weit man gehen kann. So hab ich das im Nachhinien empfunden. Es ging dann in die Richtung "Wer ist hier der Chef" und "Ich will dies, ich will das", wirklich nur Kleinigkeiten. Drastische Änderungen in unserem Stil waren da jetzt auch nicht nötig. Es gab viele Gespräche und man hat das Gefühl, dass man sich vertrauen kann und dass man sich von früher halt noch sehr gut kennt. Man macht jetzt nicht mehr die gleichen Fehler, sondern versucht, geile Musik zu machen, ohne Grenzen.

MasterplanDu hast also keine Angst oder Sorge, dass Jørn seine Meinung spontan ändern könnte und dann nach ein oder zwei Alben wieder aussteigt?

Das kann immer mal passieren, da lege ich nie für irgendjemanden die Hand ins Feuer. Das kann ja auch bei mir passieren, wer weiß, was ich in drei, vier Jahren mache. Momentan sehe ich sehr viel positive Energie, auch von ihm aus. Er findet das Album geil und ist auch stolz drauf, weil er super viel Input hatte. Er hat ein paar eigene Songs mit drauf und hat die Texte alle geschrieben. Es war super Teamwork, Axel, Jørn und ich haben zu dritt gut zusammen gearbeitet und das war auch wichtig.

Demnach war das Songwriting für "Time To Be King" noch nicht so weit fortgeschritten, als Jørn wieder eingestiegen ist?


Nee, das war nur ein bisschen, ein paar Songs waren schon von Axel angefangen, aber erst in einer rohen Phase und noch nicht ausgearbeitet. Jørn hatte zwei Melodien und Songs mitgebracht, die er nicht für seine Solosachen nehmen wollte. Das war dieser Queen-Song, den wir geamcht haben und der zweite ist "Never Walk Alone". Der Rest ist komplett neu, wir hatten nur drei oder vier angefangene.

Es waren also keine musikalischen Kompromisse nötig, als Jørn dann wieder mit im Boot war?


Nö, überhaupt nicht. Wir haben wie gesagt viele Gespräche gehabt und haben wahrscheinlich dadurch schon automatisch die kleinen Eckdaten, die wir früher hatten wie schnelle Doublebass und Helloween-Melodien im Gesang gar nicht mehr, Jørn macht ja eh die Vocalmelodien. Er wollte einfach nicht zu schnelle Songs haben, die zu sehr Richtung Melodic Speed Metal gehen, er steht gar nicht auf diesen German Metal. Der Opener "Fiddle Of Time" ist zwar auch eine Doublebass-Nummer, aber das ist so das Tempo, in dem er sich wohl fühlt.

Wobei die Midtempo-Nummern ja eh schon immer eine Stärke von euch waren…


Genau. Ich denke auch, dass uns das besser zu Gesicht steht, als wenn man versucht, da so ein paar HELLOWEEN-Elemente einzubauen, nur weil man damals in der Band war.

Wie würdest du denn dein Verhältnis zu Jørn beschreiben? Seid ihr Freunde, Kollegen, Geschäftspartner, wie würdest du das ausdrücken?

Eigentlich alles. Das läuft auf einer Ebene, wo man sagt, dass wir gleichberechtigte… naja, Geschäftspartner vielleicht nicht ganz in dem Sinne, weil ich der Motor bin, der alles regelt und macht und tut. Aber ich respektiere ihn als gleichberechtigt und zum Teil kriegt er dann auch die Hälfte. Als Freund ist das eine andere Sache, da muss ich auch trennen. Als Freund ist mir gerade dieses Album besonders ans Herz gewachsen. Ich hatte Probleme hier mit meiner Beziehung in der Slowakei, mit meiner Ex-Freundin. Das war letztes Jahr im August, als er gerade hier war zum Texte schreiben und da hat er hautnah mitbekommen, was hier abging. Er hat dann versucht zu helfen und hat Gespräche mit ihr, also meiner Ex und mit mir geführt und dann auch versucht, zu verbinden. Es war superklasse zu sehen, dass er das nicht nur als Job ansieht, sondern ein Freund ist. Wenn man in Norwegen in seine Wohnung kommt, nimmt seine Frau einen direkt in den Arm… das ist schon eine herzliche Geschichte, das ist mehr als nur Arbeitskollegen sein.

Schön zu hören. Wie sieht du im Nachhinein die Zusammenarbeit mit Mike DiMeo? Du hast ja gerade schon erwähnt, dass du mit der Tour nicht so zufrieden warst.

Ja, stimmt, hauptäschlich war ich mit der Tour nicht zufrieden. Mit dem Album haben wir das Beste rausgeholt, was wir konnten in dieser Konstellation. Das Problem ist einfach, dass der Ansatz ein anderer war. Ich höre das Album immer noch gerne und ich mag auch seine Stimme, aber im Prinzip, wenn ich den Vergleich zu Jørn habe, ist das schon eine andere Geschichte. Für mich klingt das mehr wie ein Soloalbum, wo man vielleicht eher Roland Grapow mit Mike DiMeo hätte draufschreiben sollen. Es gab ja schon immer Alben, wo dann jemand anders singt, bei DEEP PURPLE zum Beispiel oder bei ACCEPT. Die hatten ja früher schon mal einen amerikanischen Sänger und jetzt auch wieder. Da hat man immer gesagt Udo und Udo und das ist ein andere. Der andere ist vielleicht genauso geil, auf eine andere Art, aber die Leute sind halt etwas anderes gewohnt. Udo ist extremer und deshalb finden die Leute das geiler und Jørn ist eben auch extremer und da gibt es dann halt nichts besseres.

Wobei Jørn ja auch wirklich einer der ganz Großen seines Fachs ist. Euer Debütalbum gilt ja immer noch bei vielen Leuten als euer bestes. Setzt dich der Gedanke unter Druck, wenn du Songs schreibst oder kannst du sowas komplett ausblenden?

Naja, was heißt ausblenden… das Thema geht mir schon ein bisschen auf den Sack. Was wir da damals gemacht, war ein Statement, das kann man vielleicht auch nie wieder erreichen. Das ist so ähnlich wie bei Keeper 1 und 2 bei HELLOWEEN. Man hatte da richtig Feuer im Arsch und hat das im Songwriting rübergebracht, das passte halt alles. Die Produktion stimmte und auch die Konstellation, dass Jørn noch gant frisch war und ein paar Melodien gesungen hat, die ich geschrieben hatte und meine Texte übernommen hat, das war vielleicht auch eine Mischung, die die Fans als wichtig sehen, aber Jørn dann nicht so. Für mich ist es nicht mehr wichtig, darüber nachzudenken, was man machen könnte, um das zu toppen, das würde dann nur eine Kopie sein. Wir haben das Album damals als frischen, neuen Start gemacht, so wie wir jetzt auch dieses Album gemacht haben.

Wobei ich zu den Leuten gehöre, die auch das "Aeronautics"-Album klasse finden, gerade auch weil es sich vom Debüt unterschieden hat und keine Kopie war.

Ich weiß auch nicht, warum die Leute immer das gleiche Album hören müssen oder wollen. Für mich hat jedes Album, das MASTERPLAN bis jetzt gemacht haben, auch das mit DeMeo, eine gewisse Stärke, wo man sich immer ein paar geile Songs rauspicken kann. Man muss doch nicht immer nur das erste sehen. Das war eine andere Zeit, wir haben andere Erfahrungen, wir haben andere Gefühle beim Schreiben. Wir haben jetzt Teamwork gemacht, was beim ersten Album anders war, das waren nur Uli und ich und Jørn kam viel später. Wir waren da nur zu dritt, Uli hat Schlagzeug gespielt, Gitarre und Keyboard hab ich gemacht. Bei zwei drei Songs hat Janne Warman mitgemacht und Bass hab ich auch selbst gespielt. Das war noch keine Band in dem Sinne, sondern ein zusammengewürfelter Haufen. Für mich ist es wichtiger, dass es jetzt eine Band ist und dass z.B. der Bassist, der bei uns spielt, der Jan, auch eben nur da spielt. Das ist eine andere Konstellation und das ist für mich etwas wertvolles, zu hören, dass die anderen ihren Input haben und ihre Berechtigung als Mitmusiker.

MasterplanWo siehst du denn die Unterschiede zwischen dem neuen Album und den Vorgängern und wie würdest du eure musikalische Entwicklung, die ja immer da ist, beschreiben?

Dieses Album ist erwachsener. Ich weiß nicht, ob das altersabhängig ist oder die Reife, die wir auch durch die Gespräche haben oder dass wir einfach relaxter sind. Wir haben keinen Druck in dem Sinne, Standards halten zu müssen oder so. Was soll uns denn passieren? Wir haben zwar mit "MK II" ein bisschen Boden verloren, aber wir können kein schlechteres Album machen, weil eh alle Jørns Stimme hören wollen, die werden schon glücklich sein, dass er überhaupt singt, egal wie scheiße der Song ist. (da muss er selber lachen). Das ist aber schon die halbe Wahrheit, wenn man so will. Und das hat uns auch wieder Selbstbewusstsein gegeben. Das Gefühl, das wir in der Band haben, dass wir glücklich sind, dass die Songs geil sind, ist ein Gefühl, mit dem man auch relativ viele Leute erreicht, weil fünf Leute nicht so verkehrt liegen können.

Kommen wir mal zu den Songs auf "Time To Be King" zu sprechen. Im Titeltrack gibt es recht hartes und unerwartet modernes Riffing. Kann in die Richtung in Zukunft mehr von euch erwarten?


Da müsste ich jetzt lügen, das ist mir nämlich jetzt nicht so bewusst. Ich bin grundsätzlich sehr offen in alle Richtungen und mag auch moderen Gitarren. Das ist jetzt nicht so in meinem Blut drin, aber ich höre das gern. Wenn ich da Bock drauf hab, mach ich dann auch hier und da so einen Part.  

"Lonely Winds Of War" hat eine ungewöhnliche Gesangslinie, die etwas Mittelalterliches hat. Kam die von Jørn?

Ja, die Idee kam hauptsächlich von ihm. Da muss ich zugeben, dass ich den Namen vergessen habe, aber der Song ist angelehnt an einer russischen Komposition von einem klassischen Künstler, der schon lange tot ist. Dieser Song wurde auch schon mal gecovert als Rap-Version, den hat Jørn uns vorgesungen, weil er die Melodie so geil fand und ob wir da nicht mal eine MASTERPLAN-Version raus machen könnten. Ein paar Leute haben den Song auch erkannt und da machen wir auch keinen Hehl draus.

Du sagtest, dass Jørn die Texte geschrieben hat. Warum heißt denn dieser eine Song "Blue Europa" und nicht "Blue Europe", wie man es eher erwarten würde.


Ja, überleg mal und versuch mal, das so zu singen. Das haben wir ihn natürlich auch gefragt: "Warum singst Du jetzt Eurrooopaaa?". Ich finde das ganz witzig, weil es so ein bisschen altdeutsch oder lateinisch klingt mit dem harten "r" darin. Wir konnten das aber nicht anders rüberbringen, weil "Europe" einfach nicht gut geklungen hätte.

Welche Songs sind denn musikalisch und textlich deine Favoriten auf "Time To Be King"?

"Blue Europa" ist vom Text her einer meiner liebsten, von der Musik her so der zweit- oder drittliebste. Ich finde "Fiddle Of Time" auch sehr geil, aber der Titelsong ist schon meine liebste Nummer. Zu "The Dark Road" und "The Black One" hat Jørn die Texte geschrieben und die handeln von der Situation mit meiner Ex-Freundin, das hat er schön verarbeitet.

Den Mix und das Mastering habt ihr in fremde Hände gegeben. Das hättest du doch eigentlich auch selbst machen können, oder?

Hatte ich ja auch bei der Single gemacht. Ich hatte aber dann auch ein bisschen das Bedürfnis gehabt und hab da auch mit AFM drüber gesprochen, da noch mal drüber mixen zu lassen. Der Mix war dann eigentlich nur ein Remix, ich hatte das vorgemixt und da wurde dann nur Finetuning gemacht. Das ganze lief dann auch in vier, fünf Tagen ab, was normalerweise zehn, zwölf Tage dauert.

Ist der Albumtitel eigentlich als eine Art Kampfansage zu verstehen? Und wenn ja, an wen?

Das ist nur ein Statement, dass wir selbstbewusst zurück kommen, keine Kampfansage, dass wir jetzt die Kings sein wollen. Ein bisschen Provokation ist es schon, aber das meine ich mit selbstbewusst.

Mal ganz ehrlich: bist du mit dem Albumcover eigentlich zufrieden?

Die Idee fand ich eigentlich ganz geil. Ich finde es jetzt nicht schlecht, aber es gibt natürlich ein paar Leute, die meinten, dass es metal-mäßiger sein müsste, weil es ein bisschen wie ein Queen-Cover aussieht. Was ein bisschen besser hätte rüberkommen müssen sind die Löcher in der Krone, weil die eigentlich die Augen von einem Totenkopf sein sollen und das haben die meisten nicht erkannt, man hätte die Löcher vielleicht ein bisschen dunkler machen sollen, dann hätte man das deutlicher gesehen.

Du hast gerade schon mal die Single angesprochen. Wer hatte denn die Idee dazu, eine Single zu veröffentlichen, die keine Kaufanreize wie unveröffentlichte Tracks bietet?

Hmm. Das war schon eine Idee vom Label, im Prinzip stimmt das aber. Da ist für mich auch kein großer Kaufanreiz. Für mich ist eine Single aber nicht als superwichtig an. Für mich ist es mehr ein Anreiz, dass die Fans einen guten Appetizer bekommen, so als Vorspeise zum Album. Ich glaube auch nicht, dass das Ding ein großer Erfolg ist. Ich hab auch viele Statements von Fans gehört, dass sie die Single eh nirgends kaufen können, weil sie nirgends im Laden steht, die großen wie Saturn und so wollen sowas auch gar nicht im Sortiment haben.

Habt ihr schon Tourpläne oder stehen Festivals an?


Festivals machen wir diese Jahr nicht, weil das mit dem Release des Albums zu spät kam, das ist ein bisschen doof gelaufen, wir haben aber Tourpläne für den Herbst.

Gibt es Wunschbands für eine gemeinsame Tour?

Das wird wohl ein Package mit einer AFM-Band, BRAINSTORM waren da schon mal im Gespräch. Mal sehen, was Jørn davon hält.

Ok, zum Ende hin mal noch ein paar Fragen, die nicht direkt auf euch bezogen sind. In der Online-Ausgabe des Stern gab es eine Kritik zum AVANTASIA-Album und da stand, das Metal zuverlässig Millionenumsätze macht und eines der krisenresistenten Musikgenres ist. Wie denkst du als Musiker über eine solche Aussage?

Das ist völliger Blödsinn. Wer macht denn schon Millionenumsätze? METALLICA und AC/DC vielleicht, aber AVANTASIA sicher auch nicht.

MasterplanDie sind ja auch recht schnell wieder aus den Top 10 rausgefallen, nachdem sie auf der #2 waren.

Was sind denn schon Charts heutzutage? Da ist man ja schon mit 10- oder 20.000 Alben in den Top 10, das sind aber keine Summen, von denen man leben kann. Die Leute haben immer noch dieses Klischeedenken… man bekommt ja schon für 25.000 verkaufte Alben eine Goldauszeichnung, früher lag das bei 500.000. Ich hatte heute auch ein Interview mit dem griechischen Rock Hard und da wurde gefragt, wie hoch mein höchster Scheck war und von welchem Album ich am besten leben könnte. Ich kann von keinem Album leben. Die Leute denken immer noch, dass man richtig Kohle mit den Alben macht. Die Idee, warum Bands Alben ist die: man bekommt einen Vorschuss vom Label. Von diesem Vorschuss kannst du ein Studio finanzieren und die Musiker bezahlen und wenn du alles hart kalkulierst, hast du vielleicht noch 5.000 bis 10.000 € über. Und davon sollst du überleben. Dann überleg mal, warum viele Bands Projekte nebenbei haben – weil es dann nochmal einen Scheck gibt. Nur von dieser ganzen Arbeit zusammen kannst du dann leben. Oder du hast Musiker in der Band, die nebenbei noch einen Job haben. Das ist die Realität.

Heutztage reden viele Musiker offener über das Thema und sagen oft, dass die Musik eigentlich nur bezahltes Hobby ist und man nebenher noch arbeiten gehen muss. Vor 15 Jahren hat man noch nicht so offen darüber gesprochen, oder?

Nein, da gibt es Riesenunterschiede. Ich mache inzwischen mehr Geld, weil ich auch produziere und kann davon super überleben mit MASTERPLAN als Grundstein. Wir haben von den ersten beiden Alben alle gut von leben können, also Uli und Jørn. Beim dritten wurde es schon knapp, weil man ja auch alle zwei, drei Jahre was abliefern muss. Jetzt sind es schon drei Jahre und ich lebe seit anderthalb Jahren nicht mehr von MASTERPLAN und muss diese anderen Jobs machen, damit ich überleben kann, aber das läuft ganz gut. Wenn ich überlege, was wir bei HELLOWEEN an Kohle hatten, da wurden zehn Leute über zwei Jahre lang versorgt, da sind ganz andere Summen geflossen an Vorschüssen und Tantiemen. Mittlerweile ist es so, bzw. bei der "MK II" war es so, dass wir so viel verkauft haben wie GAMMA RAY und HELLOWEEN, aber da hat keine Band in Deutschland mehr als 10.000 Alben verkauft, das ist wirklich schrecklich. Das erste MASTERPLAN-Album hat sich in Deutschland 35- oder 40.000 mal verkauft, weltweit haben wir an die 100.000 verkauft, das sind echt Traumzahlen aus heutiger Sicht. Viele Bands sagen, dass sie nur noch Alben machen, damit sie touren können. Wenn man bei den Touren dann ein gewisses Level hat, kann man sagen, dass man davon leben kann, dann lohnen sich die Ticketverkäufe, wenn du mindestens 500 Leute hast und die Festivals lohnen sich auch. Wenn man das alles zusammenrechnet, mit dem Merchandise oben drauf, dann kannst du davon leben.

Letzte Frage: ein paar Worte noch von dir zum nahenden Ende der SCORPIONS?


Das war ein richtiger Schock, als ich das gehört hab, denn ich bin Riesen-SCORPIONS-Fan. Ich hab jetzt nicht jedes Album der letzten Jahre, aber das war meine Jugend, mit den SCORPIONS verbinde ich einfach die deutsche Rockszene. Ich war früher Fan von DEEP PURPLE und URIAH HEEP, aber für mich war DIE deutsche Band dann SCORPIONS mit Uli Jon Roth. Ich hatte auch eine zeitlang eine gute Kommunikation mit Rudolf Schenker und war auch bei ihm zuhause und er hat mich auch vor ein paar Jahren mit meiner Ex-Frau zu seinem Geburtstag eingeladen und da war ich superstolz drauf. Ich wollte einmal im Leben mit MASTERPLAN die SCORPIONS supporten und jetzt sehe ich dass es EDGUY machen und bin echt superneidisch und denke "Kacke, letzte Tour, jetzt hab ich keine Chance mehr".

Aber die touren ja noch bis 2012…

Ok, vielleicht habe ich ja dann doch noch eine Chance, vielleicht sollte ich da mal eine SMS schreiben…
Andreas Schulz (Info)
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