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Olive Jones: For Mary (Review)

Artist:

Olive Jones

Olive Jones: For Mary
Album:

For Mary

Medium: CD/LP/Download
Stil:

Singer/Songwriter, Soul- & Jazz-Pop, R'n'B, Blues

Label: Nettwerk
Spieldauer: 46:14
Erschienen: 13.03.2026
Website: [Link]

For Mary“ ist das Debüt-Album einer Künstlerin, die sich lange auf ihre Solo-Karriere vorbeireitet hat und das – vermutlich aus diesem Grunde – eine bemerkenswerte poetische Weisheit und musikalische Reife vermittelt, die Erstlingswerken ja nicht immer innewohnt.
OLIVE JONES wuchs im ländlichen Dorset auf und wandte sich – mangels echter Alternativen – schon früh dem klassischen Jazz und Soul zu, den ihre Eltern favorisierten. So listet sie bis heute BILLIE HOLIDAY, NINA SIMONE, ELLA FITZGERALD und MILES DAVIS als Inspirationsquellen auf, was sich (zumindest indirekt) auch auf dem nun vorliegenden Album bemerkbar macht.


Das bloße Anhören von Musik reichte OLIVE JONES allerdings nicht als Grundlage für ihre eigene Laufbahn. Im Alter von 7 begann sie Saxophon zu spielen und nachdem ihr Vater ihr auch noch eine Gitarre geschenkt hatte, begann sie mit 12 erste eigene Songs zu schreiben. Nach einem Umzug nach Leeds schloss sie sich einem „Electronic-Soul“ Quartett an – bevor sie sich dazu entschied, es dann als Solo-Künstlerin zu versuchen.

Als OLIVE JONES gerade damit beginnen wollte, im Studio an eigenem Material zu arbeiten, wurde sie von der Band BOMBAY BICYCLE CLUB gebeten, diese auf einer Tour durch das UK, Europa und die USA zu begleiten. Diese Zeit nutzte sie, um ihre Qualitäten als Performerin und Instrumentalistin zu perfektionieren, während sie parallel weiter an eigenem Material arbeitete.


Diese gründliche Vorbereitung führte dazu, dass sich OLIVE JONES auf dem Album „For Mary“ nicht einfach nur als beeindruckende Vokalistin präsentiert, sondern auch als brillante Songwriterin und versierte Gitarristin, die mit ihrem variantenreichen Spiel den Songs einen ganz besonderen Kick verleiht.
Und um welche Art von Songs geht es hier?
Nun, grundsätzlich ist die Musikerin eine Vertreterin der britischen Neo-Soul-Renaissance, deren zur Zeit prominenteste Vertreterin ihre Kollegin OLIVA DEAN ist. Freilich genügt es Jones nicht, sich auf ihre Fähigkeiten als Interpretin zu verlassen und sich in einem songwriterisch eher unkonkreten Umfeld an Genre-Klischees abzuarbeiten.


Zwar hat auch OLIVE JONES eine Reihe von Songs im Angebot, bei denen tatsächlich der Gesang im Vordergrund steht, reichert diese aber mit einer ganzen Reihe von Killer-Tracks an, die in diesem Zusammenhang nicht unbedingt zu erwarten gewesen wären. Beispielsweise überrascht gleich der Opener „Mary“ mit einer melodischen und harmonischen Tiefe, welche an die Arbeiten klassischer Vorbilder wie CAROLE KING erinnern, wobei Jones bereits hier ihre Souveränität als Gitarristin markiert und elegant zwischen jazziger Rhythmus- und psychedelischer Solo-Arbeit hin und her wechselt.


Noch deutlicher wird dieser Aspekt bei dem auch als Single-Track ausgekoppelten, bluesigen Dancefloor-Burner „Kingdom“, der ganz um die sexy Gitarrenarbeit der Künstlerin aufgebaut ist. Die Ballade „Colour On The Wall“ ist überraschend als Folksong ausgeführt, während der Closer „Blossom Tides“ tatsächlich als klassischer Nightclub-Jazz-Song daherkommt.
Der Soulpop-Aspekt des Albums kommt dann vielleicht am Besten bei der Downtempo-Gospel-Ballade „Talk About Love“ zur Geltung, die sich im Refrain und in der Bridge zu orchestraler Grandezza aufbäumt. Und sogar in diesem Track fällt erneut ihre erdige Gitarrenarbeit angenehm auf. Die musikalischen Beliebigkeiten, die viele von OLIVE JONES' 'Soul Sisters' auszeichnen, lässt diese jedenfalls auf ihre Weise weit hinter sich.


Ein weiterer Aspekt, der dieses Album aus der Masse von vergleichbaren Veröffentlichungen heraushebt, ist der lyrische Gehalt von OLIVE JONES' Kompositionen. Anstatt sich alleine an den genretypischen Herzschmerz-Themen abzuarbeiten, streut sie Tracks mit einem gewissen sozialen und/oder politischem Anliegen ein. Die titelgebende „Mary“ ist zum Beispiel ein Komposit aus mehreren real existierenden Personen mit mentalen Problemen, denen Jones songwriterisch zu Hilfe eilt.
„A Woman's Heart“ ist ihre Hommage an die Frauen aus ihrem Leben, denen sie jene Freiheiten zu verdanken hat, die sie heute genießen kann.
Mit „Blossom Tides“ erinnert sie an ihren verstorbenen Onkel und das grrovige „Kingdom“ ist eine zynische Anklage gegen den Brexit, mit dem sich ihrer Meinung nach England selbst in den Fuß geschossen habe. In „Colours On The Wall“ macht sie hingegen darauf aufmerksam, dass wir dabei sind, unsere eigenen unerfüllten Hoffnungen auf die nächste Generation zu übertragen, weil wir selbst dazu nicht in der Lage waren. Eine solche lyrische und inhaltliche Tiefe jenseits eines persönlichen und emotionalen Erlebens erwartet man eigentlich nicht auf dem Soul-Pop-Sektor – und gerade deswegen ist „For Mary“ so einzigartig.




FAZIT: Kurz gesagt ist „For Mary“ aufgrund der musikalischen und songwriterischen Expertise OLIVIA JONES' ein Soul-Pop-Album, das man sich gerne aufgrund des Songmaterials und der dargebotenen stilistischen Vielfalt kauft – und nicht, weil hier eine gesanglich versierte Vokalistin ohne eigene Identität ein Genre-Klischee nach dem anderen perfekt abhakt. Das soll nicht heißen, dass OLIVIA JONES nicht auch als Sängerin brilliert – denn das tut sie ohne Frage - nur gelingt ihr das in ihren großartigen Songs ganz ohne Klischees und Manierismen.

Ullrich Maurer (Info) (Review 39x gelesen, veröffentlicht am )

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Wertung: 13 von 15 Punkten [?]
13 Punkte
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Tracklist:
  • Mary
  • A Woman's Heart
  • All In My Head
  • Planes
  • Only You
  • Kingdom
  • End Of Time
  • Summer Rain
  • Colour On The Wall
  • Talk About Love
  • Mary Come Home
  • Blossom Tides

Besetzung:

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