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Wacken Open Air 2007 - Teil 2 - Wacken - 03.08.2007

Freitag (03.08.2007):

Wacken Open Air 2007Es hat auch Vorteile, wenn man so weit vom Gelände entfernt campen muss. Nicht nur, dass man es sich zweimal überlegt, bevor man einen Abstecher zum Zelt macht und dadurch wesentlich mehr Zeit vor den Bühnen verbringt (okay, bei vielen ist es aus demselben Grund genau andersrum...), die Wahrscheinlichkeit, dass es im Umkreis der Schlafstätte etwas gesitteter und geruhsamer zugeht, ist ebenfalls größer. So ging es für Wacken-Verhältnisse recht ausgeschlafen zur Mittagszeit Richtung True Metal Stage, die um 12:00 Uhr von AMORPHIS entjungfert werden sollte. Noch bevor die ersten Töne erklangen, zeigte sich jedoch unmittelbar rechts vor der Bühne, welche Gefahr mit der "Bodendämmung" einherging: Das Stroh hatte Feuer gefangen, aus welchem Grunde auch immer, und die Feuerwehr musste anrücken. Die hatte die Angelegenheit zwar schnell im Griff, aber alleine durch die starke Rauchentwicklung war an einen pünktlichen Konzertbeginn nicht mehr zu denken. Wacken Open Air 2007AMORPHIS fielen also vorerst flach und auch der gesamte Zeitplan kam etwas durcheinander. Daher ging es erstmal nebenan auf der Black Stage mit NAPALM DEATH weiter. Anfangs noch mit Soundschwankungen und bei zu geringer Lautstärke, ging Front-Schreihals und Zappelphillipp Barney Greenway sofort mit dem Opener "Sink Fast, Let Go" vom letztjährigen Album "Smear Campaign" ab wie Schmitzkatze. Alleine schon durch dessen unbändiges Auftreten - zur Ruhe kam er eigentlich immer nur kurz für seine gewohnt gesellschaftskritischen Ansagen - zogen die zum Quartett geschrumpften Grindcore-Urväter aus Birmingham das Interesse der Fans auf sich. Da viele der eigenen Anhänger es durch den verfrühten Beginn wohl nicht rechtzeitig geschafft hatten, waren die Reaktionen des Publikums anfangs noch verhalten, zumindest wenn man bedenkt, wie es bei Napalm-Gigs in der Regel zur Sache geht, aber im Laufe der Zeit und angetrieben durch Wutklumpen wie "Unchallenged Hate", "Suffer the Children", dem geschichtsträchtigen "Scum" oder "Breed to Breathe" wurde auch das Volk vor der Bühne immer munterer, so dass man neben diversen bangenden Köpfen auch noch ´nen feinen Circlepit bewundern konnte, bevor eine schweißtreibende Show mit dem unverzichtbaren "Nazi Punks Fuck Off" ein rühmliches Ende nahm. (LS)

Wacken Open Air 2007Da das erste Geschehen auf der True Metal Stage noch weiter auf sich warten ließ, ging es dann im Stechschritt rüber zur Party Stage, um die Norweger COMMUNIC, die von Karrierebeginn an mit ihrem Power Metal im NEVERMORE-Stil rasant durchgestartet sind, auf deren Live-Qualitäten zu testen. Was den musikalischen Aspekt angeht, kann das Trio nach dem Intro gleich mit "Communication: Sublime" begeistern und soll danach auch über den gesamten Auftritt technisch voll überzeugen. Dies blieb zwar leider die einzige Nummer vom gefeierten Debüt, aber auch die anderen überlangen, teilweise komplexen Songs des Nachfolgers wie "Frozen Asleep In The Park", "Under A Luminous Sky" oder der Titelsong "Waves Of Visual Decay" werden von dem zu dieser Uhrzeit zahlenmäßig schon sehr beachtlich angetretenen Bangervolk bestens aufgenommen. Übermäßig viel Action gibt es auf der Bühne zwar nicht zu sehen, aber das ist bei einem Trio mit gitarrespielendem Sänger auch eher selten der Fall und Frontmann Oddleif Stensland ist sowieso mehr der freundlich zurückhaltende Typ. Dafür ist die Band aber bestens aufeinander eingespielt und präsentiert sich zudem im sehr guten, druckvollen Sound (der jedoch ruhig etwas lauter hätte sein können, aber dies gilt eigentlich für das gesamte Festival). Zum Abschluss geht mit dem besten Song des Sets "Fooled By The Serpent" noch mal ordentlich die Post ab und trotz der etwas überraschenden Songauswahl, dürfte es kein Fan der Band bereut haben, rechtzeitig aus dem Zelt gerobbt zu sein. (LS)

Wacken Open Air 2007Mittlerweile sind auch AMORPHIS auf den größeren Brettern nebenan in ihren verspäteten Set gestartet. Die Songauswahl der Finnen ist zwar vom Feinsten und auch die Band zeigt sich sehr agil - allen voran der neue Frontmann Tomi Joutsen, der nicht nur einen erstklassigen Job abliefert und dabei beeindruckend fließend zwischen cleanem Gesang und den Growls wechselt, sondern auch jede Textpause nutzt, um seine Rastamähne heftig zu schwingen - aber ihre oft melancholische Musik lebt halt zu einem großen Teil von ihrer Atmosphäre und die ist bei hellem Tageslicht und ohne wirksame Lightshow eben nur bedingt rüberzubringen. Da zudem auch bei ihnen der Sound zu leise und recht wechselhaft rüberkommt, können sie den hohen Qualitätsstandard und das Feeling, das sie gerade mit dem letzten Album "Eclipse" vermitteln konnten, nicht so recht auf die Bühne übertragen. An der musikalischen Umsetzung liegt dies allerdings nicht, was auch die Fans in den vorderen Reihen so sehen, die von Beginn an gut mitgehen und sich nach dem Einstieg mit aktuellen Songs wie "Leaves Scar", "House of Sleep" und „The Smoke“ und dem eindringlichen Hit "Alone" vom "Am Universum"-Album noch an Klassikern der Marke "Against Widows", "My Kantele", "In The Beginning" und dem ganz alten "Sign From The North Side" erfreuen dürfen. Einen weiteren Sprung in alte Death Metal-Zeiten macht der Sechser mit "Black Winter Day", mit dem man beim Pulk zum Abschluss noch mal mächtig punkten kann. Ein gelungener Auftritt, auch wenn man danach das Gefühl hat, die Band hätte unter anderen Umständen noch einiges mehr rausholen können. (AB/LS) Wacken Open Air 2007

Noch mehr Andrang vor, aber auch auf der Bühne herrscht danach bei den achtköpfigen THERION, für die bezüglich der Atmosphäre das gleiche gilt, wie zuvor bei AMORPHIS (auch...ähem...was die Lautstärke betrifft - und nein: es liegt nicht an meinem vermeintlichen Tinnitus, dass ich hier ständig am meckern bin). Dennoch gelingt es den Schweden, die als erste Band des Tages für eine volle Stunde ran dürfen, das Konzept, Metal mit theatralischer bzw. operesker Musik (mancher mag es Symphonic Metal nennen) zu verbinden, das die ehemaligen Death Metaller nun schon seit einigen Jahren (in etwa seit dem "Theli"-Album) unter der Anleitung von Mastermind Christofer Johnsson verfolgen, angemessen auch in der Live-Version umzusetzen. Den besonderen musikalischen Reiz der heutigen THERION macht dabei bekanntlich die breite Sangeskraft aus, vorgetragen aus zwei weiblichen und zwei männlichen Kehlen. Zu meiner persönlichen Enttäuschung hat Multi-Sänger Mats Levén kürzlich ja die weitere Zusammenarbeit mit THERION aufgekündigt, nachdem er auf dem letzten Album "Gothic Kabbalah" noch zu hören war, dennoch wollte er seinen Abschied eigentlich erst nach dem diesjährigen W:O:A nehmen. An seiner Stelle steht aber bereits jetzt Tomas Vikström (Ex-CANDLEMASS) auf der Bühne, der seinen charismatischen Vorgänger durch eine tadellose und sehr aktive Leistung fast vergessen machen kann und gemeinsam mit Snowy Shaw (DREAM EVIL, Ex-MERCYFUL FATE u.a.), der für die aggressiveren Gesangslinien zuständig ist, den Wacken Open Air 2007maskulinen Gegenpart zu den beiden Klassik-Grazien Katarina Lilja und Lori Lewis darstellt. Gerade durch die Tonlagen der sympathisch auftretenden Damen ist die Musik sicherlich nicht jedermanns Sache, aber die Gesangsvorstellung ist insgesamt schon sehr beeindruckend und auch die Instrumentalisten, die bei Songs wie dem dramatischen "Wine Of Aluqah" oder dem orientalisch angehauchten "Seven Secrets of the Sphinx" nicht selten im Vordergrund stehen, wissen sich vor dem entsprechenden Bühnendeko in Art einer Kirchenkulisse gut in Szene zu setzen. Mit "To Mega Therion" und "Cults of the Shadow" von "Theli" beenden weitere Bandklassiker letztlich eine abwechslungsreiche Show, der nicht nur ich mehr als erwartet abgewinnen konnte. (AB/LS)

Setlist Therion:
The Rise of Sodom and Gomorrah
Schwarzalbenheim
Blood of Kingu
Seven Secrets of the Sphinx
Wine of Aluqah
Son of the Staves of Time
Muspelheim
Tuna 1613
Lemuria
Ginnungagap
To Mega Therion
Cults of the Shadows

Wacken Open Air 2007Die Wahl zwischen einer von vornherein halbgar wirkenden Reunion der Death Metal-Mitbegründer POSSESSED und einer bzw. der Band der Stunde fiel danach nicht sonderlich schwer und jeder, der dabei war, wird das vorweg genommene Fazit bestätigen können, dass VOLBEAT am Samstag Nachmittag auf der Party Stage einen der geilsten Gigs des Festivals hingelegt haben. Es dürfte eigentlich egal sein, welche Spielart man im Bereich der harten Rockmusik üblicherweise bevorzugt, der eigenwilligen Mischung des energiegeladenen Quartetts aus Danzig, Elvis und Life Of Agony kann man sich nur schwer entziehen. Sofort mit dem Beginn "The Human Instrument" merkt man der Truppe um den schwerstens tätowierten Sänger Michael Poulsen an, dass sie heiß ist, dort oben zu stehen und zu zocken und das gierige Volk lässt sich nur zu gerne von ihrer Spielfreude anstecken und feiert eine schweißtreibende Metal `N´ Roll-Party. Egal, welche Songs man von der Setlist nimmt, ob nun aktuelle Reißer wie "Radio Girl",""Devil Or The Blue Cat Song" und die Johnny Cash-Huldigung "Sad Man´s Tongue" oder ältere Nummern wie "Caroline Leaving" oder das Pogo fordernde "Pool Of Booze, Booze Booza": diese Band hat einfach nur Hits. Nach dem Schlusspunkt "The Garden´s Tale" sind dann auch alle Anwesenden glücklich und sich einig: VOLBEAT sind bereits jetzt reif für die Hauptbühne. Einfach nur der Hammer! Eine weiterer Beleg für die momentane Beliebtheit der Dänen, die durch den Auftritt noch mal kräftig angeheizt wurde, zeigt sich folgerichtig dann direkt danach am T-Shirt-Stand, wo es auf die Frage nach einem VOLBEAT-Shirt nur noch ein mitleidiges "Ausverkauft" zu ernten gab. (LS) Wacken Open Air 2007Wenn wir schon beim Thema sind: Der Merchandise-Stand nimmt auf dem Areal zwar eine recht große Fläche ein, aber die Verkaufsstrategie dort ließ doch noch so einige Lücken im System erkennen. So war das offizielle Festival-Merchandise teilweise doch schon arg früh ausverkauft und konnte nur unzureichend nachgeliefert werden. Und wenn man dann tatsächlich mal ein Objekt der Begierde fest ins Auge gefasst hatte, galt es, zum Teil erhebliche Wartezeiten einzuplanen, da das Personal am Stand schlichtweg unterbesetzt war. Ich selber habe wiederholt meine Einkaufsversuche nach längerem Anstehen abgebrochen, da ich sonst die ein oder andere Band verpasst hätte. Ärgerliche Zeitverschwendung! Was inzwischen beim Bierausschank nahezu reibungslos funktioniert - dort ist man mit ein wenig "Weitblick" jederzeit in der Lage, dem Durst schnellstens Einhalt zu gebieten - sollte doch eigentlich auch dort möglich sein. Verwunderlich übrigens auch, dass nicht alle Künstler die Möglichkeit wahrgenommen haben, ihre Ware an Mann und Frau zu bringen. Ich schätze mal, dass bestenfalls von der Hälfte der auftretenden Bands Tourshirts angeboten wurden. Das verstehe, wer will. An der Preispolitik dürfte es zumindest nicht gelegen haben, diese schien flexibel und lag auch bei der Ware mit dem "Schädel" im fairen und üblichen Rahmen.

Wacken Open Air 2007Zurück zur Musik: Den Auftritt von GRAVE DIGGER kann man wahlweise als souverän oder auch als gut wie immer bezeichnen. Vielleicht habe ich Chris Boltendahl und Co. in den letzten Jahren auch nur zu häufig gesehen, um ihren Gig an diesem Tag angemessen zu würdigen. Dass die Veteranen des Teutonen Metal bei einem Set, der nach Dudelsack-Intro mit dem Titelsong vom aktuellen Album "Liberty Or Death" gut und erwartungsgemäß begann und neben einem anderen Neuling wie "Silent Revolution" ansonsten mit diversen Krachern quer durch die umfangreiche Discographie der Marke "Excalibur", "Rebellion", "Scotland United", "The Last Supper", "Knights Of The Cross" sowie einem meiner persönlichen Highlights "Morgane Le Fay" bestückt war, bei den zahlreich angetretenen Fans nicht viel falsch machen konnten, versteht sich aber eh von selbst. Das kleine Manko des Auftritts erwies sich erst, während man sich im Laufe der Show langsam nach hinten absetzte, um rechtzeitig vor der nächsten Bühne zu stehen. War man an den Soundtürmen vorbei, ging der Hörspaß durch den schwammigen und dünnen Sound nämlich doch ziemlich stark verloren, so dass dem kultigen Abschluss namens "Heavy Metal Breakdown" dann zumindest aus der Entfernung doch einiges an Durchschlagskraft fehlte. (LS) Wacken Open Air 2007

 

Meine etwas mangelnde Konzentration während des GRAVE DIGGER-Gigs lag hauptsächlich an der Vorfreude auf das danach anstehende Programm, verbunden mit der Befürchtung, erneut vor einem überfüllten Zelt zu stehen - schließlich sollte auf der W.E.T.

Stage ein kultiger SABBAT begangen werden (leider zeitgleich mit TURBONEGRO und FALCONER, die sicherlich auch einen Besuch wert gewesen wären). Und wenn sich die Legende aus Nottingham nach langjähriger Abstinenz endlich wieder die Ehre gibt (offiziell leider erstmal nur für einige Shows), sollte eigentlich jeder pflichtbewusste Thrash-Maniac in Ehrfurcht vor der Bühne antreten. Anfangs noch mit einigen Lücken, füllte sich das Zelt dann auch recht zügig und das begeisterte Bangervolk feierte den Fünfer von Beginn an nach allen Regeln der Kunst und bis hin zum wilden Moshpit bei "Hosanna In Excelsis" gnadenlos ab. Und das auch völlig zurecht, denn an der Show der Engländer stimmte inklusive bestechendem Sound an diesem Nachmittag einfach alles. Die Band um Sympathikus Martin Walkyier, der mit seiner wie früher erhabenen Haltung (häufig mit einer Hand hinterm Rücken) am Bühnenrand und seinem stechenden Blick wie von jeher wie der Catweezle des Metal wirkt (auch wenn er im Vergleich zu späten SKYCLAD-Zeiten wieder einiges an Gewicht zugelegt hat), kann bei der Songauswahl aber auch schon mal gar nichts verkehrt machen, besteht ihre übersichtliche Diskographie doch ausschließlich aus Klassikern, zu denen sich das abtickende Publikum teilweise erstaunlich textsicher zeigt. Zur Stimmungsförderung tragen Wacken Open Air 2007natürlich auch wieder die deutschen Ansagen des Sängers bei, der neben Fragen wie "Seid ihr gut drauf und besoffen?" auch sonst einiges zu sagen hat und etwa die Ansage zu "Behind The Crooked Cross" zu einem erfreulichen Statement gegen Rassismus nutzt. Genaueres Augenmerk galt es auch auf den schon lange zum gefragten Produzenten (EXODUS, NEVERMORE und massig mehr) aufgestiegenen Andy Sneap zu legen, der es trotz grimmigen Blicks sichtlich genießt, statt an Knöpfen und Reglern mit seiner Flying V auch mal wieder an vordersten Front zu stehen. Nach dem heftig umjubelten "For Those Who Died", auch bekannt als Coverversion von CRADLE OF FILTH, und der vertonten Kirchenkritik namens "The Church Bizarre" war die Dreiviertelstunde große Thrashkunst dann auch viel zu schnell vorbei und hinterließ zumindest bei mir die Wunschvorstellung, auch SKYCLAD mal wieder in Wacken zu sehen - in der richtigen Besetzung, versteht sich...(LS)

Setlist Sabbat:
A Cautionary Tale
Hosanna In Excelsis
The Clerical Conspiracy
Behind The Crooked Cross
Do Dark Horses Dream Of Nightmares?
For Those Who Died
The Church Bizarre


Wacken Open Air 2007Am Freitag Abend war es dann soweit: Der BLIND GUARDIAN-Auftritt stand als absolutes Pflichtprogramm an. Vor der True Metal Stage war es wie erwartet rappelvoll und die allgemeine Vorfreude auf das kommende Power-Metal Feuerwerk war deutlich zu spüren. Unter lauten "Hansi"-Rufen stürmten Hansi Kürsch und seine Kollegen dann endlich die Bühne und brachten mit "Into The Storm" die Menge gleich zum kochen. Gewohnt souverän spulten die Krefelder ihr Programm runter. Neben Klassikern wie "Born In A Mourning Hall", "Valhalla" und "Imaginations From The Other Side" wurden auch einige Songs des neuen Albums mit eingeflochten und vom Publikum abgefeiert. Den Fans machte der Gig so viel Spaß wie der Band und als mitgröhlender, textsicherer Headbanger musste man sich wie 2002 mit den unsäglichen Mengen an Crowdsurfern herumplagen. Andre Olbrich überzeugte in gewohnter Manier mit präzisen Leads und wie üblich kamen einem Hansis Songansagen irgendwie bekannt vor. Als dann schließlich die Akustikgitarre rausgeholt wurde, durften die Fans sich mit dem "Bard´s Song" noch einmal die Seele aus dem Leib singen - bei 70.000 Leuten schon eine beeindruckende Athmosphäre. Mit "Mirror Mirror" endete schlussendlich eine gewohnt gute BLIND GUARDIAN-Show, an dem es nichts zu bemängeln gab. Daumen hoch! (CB)

Setlist Blind Guardian:
War Of Wrath
Into The Storm
Born In A Mourning Hall
Nightfall
The Script For My Requiem
Fly
Valhalla
Otherland
Welcome To Dying
Traveller In Time
The Bard´s Song
Bright Eyes
Time Stands Still
Imaginations From The Other Side
Punishment Divine
Lord Of The Rings
This Will Never End

Wacken Open Air 2007Während sich die Massen vor die BLIND GUARDIAN-Bühne drängen, von denen ich mir diesmal auch durch das eher enttäuschende letzte Album kaum Überraschungen erwartete, stand mir der Sinn danach, das insgesamt doch eher heftige Programm mit einigen erdigen Klängen aufzulockern. Da kamen die Newcomer von THE ANSWER gerade recht, schließlich haben die Nordiren mit ihrem Debüt "Rise" eines der heißesten Classic Rock-Alben seit WOLFMOTHER abgeliefert. Coole Nummern wie das eröffnende "Come Follow Me", "Never Too Late" oder das durch die Singleauskopplung wohl bekannteste "Under The Sky" sind feinster Seventies-Hardrock im Stilbereich zwischen WHITESNAKE, TESLA und LED ZEPPELIN. Passend dazu erinnert Sänger Cormac Neeson sowohl vom Outfit, wie auch von der Performance her an eine Mischung aus Robert Plant und Lee Dorrian von CATHEDRAL, während der wild aufspielende Klampfer Paul Mahon zumindest vom Stage-Acting her des öfteren den Zakk Wylde gibt. Die junge Truppe hat ebenfalls den Blues im Blut, sowie Feuer im Hintern und ihr Auftritt, gespickt mit einigen feinen Soli auf der Slide Guitar oder auch mal ´ner Mundharmonika-Einlage, ist verdammt kurzweilig und hätte noch einiges mehr an Aufmerksamkeit vom Wackenvolk verdient. Erst gegen Ende der Show füllt sich das bisher halbvolle Zelt merklich und selbst von den wohl durch die nachfolgenden Black Metaller von BELPHEGOR angezogenen Schwarzkitteln werden die schweißtreibenden Klänge wohlwollend aufgenommen. So setzt das Quartett von der Insel also einen weiteren Glanzpunkt des diesjährigen W:O:A und entlässt einem mit der Gewissheit in die Wacken-Nacht, dass von THE ANSWER zukünftig noch einiges zu erwarten ist. (LS)

Wacken Open Air 2007Nachdem DIMMU BORGIR seit 2001 nicht mehr das Festival heimgesucht hatten, senkte sich eine Stunde vor Mitternacht Dunkelheit über die Black Stage. Zum bombastischen Intro der aktuellen Scheibe "In Sorte Diaboli" betraten die Norweger von den Massen gefeiert die Bühne und gingen mit "Progenies Of The Great Apocalypse" von Anfang an keine Kompromisse ein. Ein überragender Sound, gekoppelt mit perfekter Abstimmung und einem Höchstmaß an Atmosphäre brachten das Wackener Publikum zum brodeln. Positiv war auch die Zusammenstellung der Setlist; mit Krachern wie "The Insight And The Carthasis", "Kings Of The Carnival Creation" und den abgefeierten Zugaben "Spellbound" und "Mourning Palace" wurde kein wichtiger Punkt der Bandgeschichte ausgelassen. Aller Kommerz- und Untruenessvorwürfen zum Trotz überzeugte das Sextett einfach durch gute Musik, technische Perfektion und der Fähigkeit, den Funken aufs Publikum überspringen zu lassen. Ein 1A-Gig, der keine Wünsche offen lies und auch Nichtfans gefallen haben dürfte. (BO/CB)

Setlist Dimmu Borgir:
Intro
Progenies Of The Great Apocalypse
Vredesbyrd
Cataclysm Children
Kings Of The Carnival Creation
Sorgens Kammer Part II
Indoctrination
A Succubus in Rapture
The Serpentine Offering
In Sorte Diaboli
The Insight And The Carthasis
Spellbound
Mourning Palace
Outro

Am späten Abend galt es sich dann mit einer der schwierigsten Entscheidungen diesen Wackenjahres abzuplagen und nur schweren Herzens (und durch die Gewissheit, die Band dieses Jahr noch auf ihrer Clubtour sehen zu können) entschließe ich mich, nach dem ersten Song von ICED EARTH ("Burning Times") erneut das Zelt aufzusuchen, wo mit FASTWAY zu später Stunde noch ein paar alte Recken eine Wiederkehr feiern. Mir ist nicht ganz klar, ob Ex-MOTÖRHEAD Fast Eddie Clark seine alte Band nach 15 Jahren nur für ein paar Shows wiederbelebt hat oder ob darüber hinaus noch weiteres geplant ist, von einer Reunion kann man auf jeden Fall kaum sprechen, schließlich ist der Gitarrist das einzige Ur-Mitglied, während der Rest vom Team erst seit kurzem mit ihm auf der Bühne steht. Und nach einigen Auftritten zu Beginn des Jahres hat er wie schon so oft in der Geschichte der Band seine Mitspieler bereits auch schon wieder ausgetauscht. So bedient den Bass mittlerweile der ehemalige MAMA´S BOYS-Mann John McManus und John Harv Harbinson von STORMZONE hat nach seinem kurzen Gastspiel das Mikro an den ehemaligen LITTLE ANGELS-Sänger Toby Jepson weitergereicht. Trotz dieser mangelnden Konstanz spielt die Band vor den leider nur dürftig gefüllten Reihen überraschend tight und abgestimmt auf und auch die Stimme des blonden Lockenkopfs passt perfekt zum Stil des britischen Quartetts. Auch von seinem jugendlichen Charme hat dieser seit den erfolgreichen Tagen mit seiner früheren Band kaum etwas eingebüßt und so gibt er einen guten Gegensatz zum routiniert agierenden Klampfer, der mit verschmitztem Lächeln den ruhenden Pool auf der Bühne darstellt. Die bekanntesten Songs der Band stammen zweifellos vom Soundtrack zum Horrortrash-Movie "Ragman" (mit Ozzy und Gene Simmons), aber der dortige "metallischere" Stil passt heutzutage wohl nicht mehr zur Ausrichtung der Band und so wartet man auf die Songs vom "Trick Or Treat"-Album leider vergeblich. Macht aber nichts, dafür darf man sich an gradlinigen Rockern wie "All Fired Up", "Steal The Show" und einem Groover wie "Misunderstood" ebenso erfreuen, wie an diversen kraftvoll-bluesigen Hardrock-Nummern wie "Say What You Will" und "Feel Me Touch Me", bei dem der Frontmann das Volk nochmal zur gemeinsamen Klatscheinlage motivieren kann. Denn auch wenn man vielen der Anwesenden die fortgeschrittene Uhrzeit deutlich anmerkt, verlässt niemand vorzeitig das Zelt, dafür ist die Spielfreude der Band viel zu ansteckend. Zur Belohnung belebt der rasante Schlusspunkt "Easy Living" nochmal die müden Knochen und lässt einem mit der Zufriedenheit zurück, auch als Zuschauer hier alles richtig gemacht zu haben.(LS)

Wacken Open Air 2007Danach ging es dann schnellstens zurück Richtung großer Bühne, um noch dem Ende der ICED EARTH-Show beizuwohnen. Dort setzten der im langen Ledermantel gehüllte Jon Schaffer und seine Mannen gerade zur Uraufführung des brandneuen Songs "A Charge To Keep" an, ein ziemlich schleppender Midtempotrack, der zwar zum Mitsingen animiert, aber ansonsten nicht allzu viel spannendes zu bieten hat und hauptsächlich vom Gesang von Tim "Ripper" Owens lebt. An diesem scheiden sich bei ICED EARTH ja bekanntlich die Geister und es ist wirklich nicht zu verleugnen, dass die alten Matt Barlow-Songs von ihm interpretiert einiges von ihrer Aura verlieren und auch seine Bühnenpräsenz bisweilen zu Wünschen übrig lässt. Dennoch liefert er an diesem Abend eine tadellose und beeindruckende Gesangsleistung ab. Man muss natürlich mit seinen teilweise sehr hohen Screams klarkommen, aber das scheinen von den anwesenden Tausendschaften so einige zu tun, wenn man den Jubel aus den Fanreihen als Maßstab nimmt. Auf jeden Fall weiß er bei dem rasanten "My Own Savior" ebenso zu glänzen, wie auch bei der anschließend komplett gespielten "Something Wicked"-Trilogie, die man ja kürzlich erst in der Ripper-Version in EP-Format neu veröffentlicht hat. Als Zugabe gab es dann noch den namensgebenden alten Kracher "Iced Earth" vom Debüt, den sowohl Owen zum Abschluss nochmals nutzte, um seine Stimmgewalt nachdrücklich zu belegen, als auch dem reserviert wirkenden Bandchef noch mal Freiheiten für seine Solokünste bot. Die Show konnte auf jeden Fall die Spannung auf die anstehende Tour erhöhen, verbunden mit der Hoffnung, dort noch einiges mehr an alten Klassikern geboten zu bekommen. (LS) Statt sich noch zu den eigentlich fest eingeplanten Elektro-Dark-Metallern von SAMAEL durchzukämpfen, die um 02:00 Uhr noch auf der Party Stage anstanden, hieß es dann, einem langen und anstrengenden Festivaltag und der eintretenden Müdigkeit Tribut zu zollen. So ließ man sich mit den strömenden Massen auf einen beschwerlich langen Weg durch die Dunkelheit Richtung Campingplatz treiben, an dessen Ende vor dem Gang in ein nicht übermäßig warmes "Bett" noch eine morgendliche Grillrunde anstand; schließlich galt es Kraft zu tanken für den letzten, wiederum vielversprechenden Teil eines musikalischen Mammutprogramms.

Es sahen, hörten, freuten und ärgerten sich mit: Andreas Büttner (AB), Benny Obermann (BO) und Christoph Benecke (CB)

Fotos: Andreas Büttner, Lars Schuckar (LS) und mit freundlicher Genehmigung von www.metaltix.com

Zum Wacken Bericht Teil 1
Zum Wacken Bericht Teil 3

Lars Schuckar (Info)