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Wacken Open Air 2011 - Freitag - Wacken - 05.08.2011

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Der Wecker klingelt und wirft mich unbarmherzig aus Schlaf und Zelt, schließlich spielen um 12 Uhr schon ENSIFERUM, die ich auf keinen Fall verpassen will und vorher ist noch Treffpunkt mit Andy zur Aufteilung der Berichte und einem kleinen Schwatz unter Kollegen. Also schnell ein Schnitzel auf den Grill und wieder aufs Gelände.
 
EnsiferumENSIFERUM kämpfen die erste Hälfte des Konzerts mit sehr wechselhaftem Sound, was den Gesamteindruck dann doch etwas trübt. Wach sind die Herren aber allemal und lassen die Köpfe kreisen, was das Zeug hält. Unbeeindruckt der frühen Stunde und dem leichten Regen in der Nacht lassen die Finnen keinen Zweifel daran, wie viel Spaß sie an ihrem Auftritt haben. Durchgängig sehr saubere Leistung, der einzige Wermutstropfen ist, dass weder "Wanderer" noch "Lai Lai Hei" gespielt wird. (SD)

Morbid AngelAls zweite Band auf der Black Stage sind am Freitag MORBID ANGEL an der Reihe. Die legendären amerikanischen Death Metaller haben vor kurzem ihr neuntes Album "Illud Divinum Insanus" veröffentlicht und während der kurzen Stippvisite des Berichterstatters vor der Bühne werden davon hintereinander "Existo Vulgoré", "Nevermore" und "I Am Morbid" gezockt. Während der Show fliegt übrigens ein Flugzeug über das Gelände, das ein Banner hinter sich herschleppt, auf dem tatsächlich "I Am Morbid" aufgedruckt ist. Da hat jemand keine Kosten und Mühen gescheut, um für einen passenden Rahmen zu sorgen. Um die neuen Songs herum hat man hauptsächlich Klassiker aus der ersten David-Vincent-Ära gestreut, so dass besonders die langjährigen Fans auf ihre Kosten kommen. Von der Black Stage zieht der Rezensent dann weiter zur großen Händlermeile, muss sich beim Wiedereingang ins Infield an der Party Stage allerdings anhören, wie VAN CANTO sich an "Fear Of The Dark" vergreifen. Was dem Kollegen wiederum mehr Freude bereitet... (ASZ)

Van CantoNach einer kurzen Verschnaufpause geht es dann weiter zur Party Stage, dort schicken sich VAN CANTO an, den geneigten Zuschauern ihren A-Capella-Metal näher zu bringen. Mit einer Setlist voller Klassiker (siehe unten) gelingt das auch sehr gut. Aber auch die Eigenkompositionen kommen gut an. Ich selbst habe VAN CANTO letztes Jahr auf dem Summer Breeze verpasst und nach diesem Auftritt bereue ich das noch mehr: die Abstimmung der Sänger aufeinander ist beeindruckend, das Zusammen-Singen passt immer. Außerdem zeigen sich alle stets in Bewegung und dynamisch und das macht einfach Spaß beim Zusehen. (SD)

Setlist VAN CANTO:
Lost Forever
Wishmaster
One To Ten
Rebellion
Primo Victoria
To Sing A Metal Song
The Bard’s Song
Water, Fire, Heaven, Earth
The Mission/Master Of Puppets
Kings Of Metal
Fear Of The Dark

SodomAuf der Black Stage gibt sich mit Tom Angelripper ein Urgestein des deutschen Thrash Metals die Ehre. Am Vortag noch als ONKEL TOM im Zelt, steht er nun mit SODOM auf der Bühne. Vom Winde verweht ist zunächst allerdings der Sound und man hat Schwierigkeiten, "In War And Pieces" zu identifizieren. Die Soundprobleme sind aber schnell im Griff und so freut man sich auf eine Stunde Klassiker des Ruhrpott-Metals. Schade nur, dass SODOM da offenbar nicht so schrecklich viel Bock drauf haben, denn die Setlist ist mit vielen Songs neueren Datums gefüllt, weshalb an diesem Nachmittag nicht die rechte Partystimmung aufkommen will. "Outbreak Of Evil" und "The Saw Is The Law" kommen natürlich bestens an, danach dauert es aber vier Songs, bis der nächste wirkliche Hit mit "Agent Orange" folgt, das uralte "Blasphemer" folgt auf dem Fuße. Natürlich sind auch "I Am The War", "M-16" oder "Feigned Death Throes" keine schlechten Songs, doch bei einer Festivalshow am Nachmittag will das Volk eben andere Nummern hören. So wie "Remember The Fallen", das als vorletzte Nummer gespielt wird, bevor ein Medley aus "Stalinorgel", "Knarrenheinz" und "Bombenhagel" den Abschluss macht. Da hatte man sich deutlich mehr von versprochen. (ASZ)

KholdEs gibt genau einen Grund, mir mal KHOLD live anzusehen: Drummer Sarke, der ja im KHOLDschen Winterschlaf mit SARKE zwei hervorragende Black-Metal-Alben abgeliefert hat: KHOLD entern in Corpse-Paint die Bühne, die Bemalung von Sänger und Gitarrist Gard ist von den Cover-Fotos der Band bekannt und auch musikalisch ist alles schnell im grünen Bereich. Der eher langsame und depressive Black Metal ist trotz Eingängigkeit keine Massenware und recht eigenständig. Gelegentlich hört man deutlich heraus, dass Sarke im Spiel ist, eine gewisse Ähnlichkeit zu Melodien und Songwriting von SARKE ist nicht ganz von der Hand zu weisen, besonders das schleppende, langsame Drumming mit plötzlichen kurzen Blast-Beat-Ausbrüchen ist bei beiden Bands fester Bestandteil der Musik, wobei KHOLD aber weniger bösartig klingen. Leider sind KHOLD ja nur sehr selten live zu bewundern, in einem kleinen Club dürfte deren Wirkung aber noch um einiges stärker sein. (Dr. O.)

As I Lay DyingFreitag ist definitiv mein konzertreichster Tag, nach einer kurzen Zwischenmahlzeit geht es direkt weiter zu AS I LAY DYING. Und gleich vorneweg: Die haben einen RICHTIG guten Tag. Und das, obwohl sie nach eigener Angabe ausschließlich für das Konzert auf Wacken über den großen Teich gekommen sind. Munter und spielfreudig betreten sie die Bühne und geben allerlei Möglichkeiten zur körperlichen Ertüchtigung. Der Plan, auf eine völlig vernebelte Bühne zu kommen wird zwar vom Wind zunichte gemacht, das kann aber die Stimmung nicht vermiesen. Und wenn es jemandem im Moshpit tatsächlich zu kalt werden sollte, wird mit Pyros zusätzlich eingeheizt. Eine einwandfrei ausgewogene Setlist, topfitte Musiker und große Beteiligung lassen die Stunde wie im Flug vorbeigehen. (SD)

Setlist AS I LAY DYING
Within Destruction
Sound Of Truth
Upside Down Kingdom
Through Struggle
An Ocean Between Us
Anodyne Sea
Condemned
Parallels
Seperation/ Nothing Left
Forever
Confined
94 Hours

NegatorDer erste Besuch vor der W.E.T. Stage ist den Hamburger Black Metallern NEGATOR zu verdanken. Die betreten im einheitlichen Outfit die Bühne, auf den schwarzen Leibchen prangt das Bandlogo, das ebenfalls als Backdrop zu sehen ist. Corpsepaint wird keines aufgefahren, das hat die Band aber auch nicht nötig, zumal Sänger Nachtgarm (der inzwischen auch in den Diensten von DARK FUNERAL steht) eine wirklich überaus aggressive Ausstrahlung hat. Zum selbsternannten Panzer Metal passt das wiederum ausgezeichnet und so überrollt man das Publikum mit den Songs ihrer drei Alben. Mit brutaler Lautstärke und ziemlich tighter Performance sind "Dignity Of War" und "Panzer Metal" die Highlights des Auftritts, den Fans wird zudem ein neuer Song geboten. Insgesamt eine gute, ganzheitliche Show, mit der NEGATOR sich sicherlich auch neue Freunde gemacht haben.

Ebenfalls einheitlich gekleidet sind HEAVEN SHALL BURN, allerdings in roten Hemden. Am frühen Abend zockt die wichtigste deutsche Metalcore-Band eine Show, die sich gewaschen hat. Die eh schon hohe Energie, die die Songs verbreiten, wird durch die brachiale Lautstärke nochmals potenziert, hier ist ein Gehörschutz absolute Pflicht. Empfehlenswert sind ebenfalls Knie- und Ellbogenschützer, denn natürlich toben die Pits beim gesamten Auftritt der Thüringer. Besonders schön anzusehen sind die Circle Pits rund um die Boxentürme. Zu Songs wie "Voice Of The Voiceless", "The Omen", "Forlorn Skies" oder "Combat" brüllt sich Sänger Marcus Bischoff die Seele aus dem Leib, während seine Mitmusiker mit Agilität über die Bühne springen und ihre Köpfe schütteln.Heaven Shall Burn HEAVEN SHALL BURN haben sich längst im Metal etabliert, das wird überdeutlich. In der Mitte des Sets ist mit "Endzeit" der vielleicht größte Hit platziert und die markante Zeile "we are the final resistance" wird aus tausenden Kehlen mitgebrüllt. "Whatever It May Take", "I Was I Am I Shall Be" und "Return To Sanity" halten die Stimmung mühelos am Siedepunkt, doch HEAVEN SHALL BURN setzen mit der coolsten Aktion des ganzen Festivals nochmals einen drauf. Denn sie haben ein paar hundert T-Shirts mitgebracht, die sie an die Mädels und Frauen verschenken, die zur Bühne gecrowdsurft kommen. Dass sich zu den Klängen des EDGE OF SANITY-Covers "Black Tears" allerdings innerhalb von Sekunden dermaßen viele Damen auf den Weg nach vorne machen, hat wohl keiner erwartet. Ruckzuck sind die Shirts dann auch vergriffen und die Security hat arge Mühen, die anfliegenden Massen in den Griff zu bekommen. Man darf erwarten, dass die Band für diese Aktion später beim Veranstalter zum Rapport antreten muss. Trotzdem eine geile Sache. (ASZ)

Nun, machen wir es kurz: Rob Halford ist eine Enttäuschung. Aber nur für diejenigen, die darauf warten, dass er mit beinahe 60 Jahren seinen hohen Gesang nicht fehlerfrei über die Bühne bringen würde. Für alle anderen zeigt sich der Metal God von seiner besten Seite und führt sympathisch durch 40 Jahre Metal-Geschichte, die JUDAS PRIEST zweifellos mit geprägt haben. Beinahe erwartungsgemäß ziehen JUDAS PRIEST auf ihrer Abschiedstour alle Register für eine große Metal-Show. Vom pausenlos wechselnden Outfit Halfords über das sich diskret entwickelnde Bühnenbild  bis hin zu den Trademarks der Band, wie dem Harley-Auftritt zu "Hell Bent For Leather", wird alles aufgefahren, was sie für den Fan zu Göttern und für den Feind  zu theatralischen divaoiden Posern macht. Judas PriestWie dem auch sei, die Hit-Dichte der Show ist beeindruckend. Im Gegensatz zu OZZY OSBOURNE und MOTÖRHEAD, die ihr Programm mit einigen Hängern füllen, gibt es hier nur 1A-British-Steel, dazu auch nach zig Jahren absolut rostfrei und voller Energie und Spaß im Vortrag. Auch mit K.K. Downing-Ersatz Richie Faulkner, der witzigerweise im Erscheinungsjahr von "British Steel" geboren wurde, gibt es spielerisch nichts zu bemängeln, der Mann ist voll in die Band integriert und souverän, Glenn Tipton grinst sich während der Show überwiegend einen ab und die Rhythmusfraktion mit Scott Travis und Ian Hill ist tight und drückend. Man mag nun geteilter Meinung darüber sein, ob  Ripper Owens der bessere Sänger als Rob Halford ist, was aber feststeht, ist, dass Halford JUDAS PRIEST ist, mit seinem Outfit, seiner hier recht hallbeladenen Stimme und seinem sympathischen Stage-Acting. Wenn der Mann den Joan Baez-Klassiker "Diamonds And Rust" anstimmt, läuft mir immer noch ein Schauer den Rücken runter und wenn er mit einem Lächeln die hohen Passagen von "Victims Of Changes" meistert, ist es ein Tritt in den Arsch derjenigen, die nur darauf gewartet haben, dass er es eben nicht mehr kann. Die ganzen Schlaumeier und Kritiker möchte ich mal mit 60 Jahren auf dem Buckel hören, aber die meisten von ihnen werden da schon mit Plautze vor der Glotze hängen und lamentieren, dass früher alles besser war. War es aber nicht und deshalb sind JUDAS PRIEST auf ihrer Abschiedstour eine Macht und mit Würde gealtert, was man über stimmlich indiskutable Hampelmänner wie OZZY leider nicht sagen kann. Amen. (Dr. O)

TriptykonAus meinem ersten Mal mit CRADLE OF FILTH wird leider nichts, denn die Briten haben die Show in Wacken abgesagt. Als Ersatz wurden TRIPTYKON, die CELTIC FROST-Nachfolgeband von Thomas Gabriel Fischer, engagiert. Von einem wertigen Ersatz kann aber nicht die Rede sein, zumindest wenn man die Zuschauermenge vor der Black Stage als Maßstab nimmt, denn es ist alles andere als voll. Überaus stimmig ist dagegen das Bühnenbild mit Feuerschalen und hauptsächlich weißer Lichtshow. Immer wieder beeindruckend ist auch, wie Bassistin Vanja Slajh mit stoisch bösem Blick und rhythmisch wiegendem Oberkörper ihr tief hängendes Instrument bearbeitet. Der CELTIC FROST-Klassiker "Procreation (Of The Wicked)" leitet das Set ein, es folgt das lange und intensive "Goetia". Dabei stellt man aber auch fest, dass die zähe, drückende Musik trotz eines Topsounds nur bedingt tauglich für ein Festival wie das Wacken Open Air ist, denn feiern kann man zu solchen Songs sicher nicht. Weshalb für den Schreiber dieser Zeilen nach "Circle Of The Tyrants" auch erstmal eine Pause angesagt ist, denn die Nacht soll noch lang werden.

SlimeUm kurz nach ein Uhr ist es dann Zeit für eine Legende - und zwar eine Deutschpunklegende. Auf der W.E.T. Stage stehen die Hamburger Altpunks von SLIME. In 2010 feierte man 30-jährigen Geburtstag und deshalb gibt man sich ein Stelldichein in Wacken. Neben Sänger Dirk sind von damals auch noch die Gitarristen Michael Mayer imd Christian Mevs dabei, so dass man hier durchaus von einer authentischen Rückkehr sprechen kann. Das Zelt ist trotz später Stunde gerammelt voll und ein großer Teil der Zuschauer ist ziemlich textsicher, was zumindest dafür spricht, dass man in der Jugend auch mal eine Deutschpunk-Phase hatte - so auch ich. Trotzdem ist es letztlich doch mehr die Nostalgie, die für Freude an diesem Auftritt sorgt, denn Songs wie "ACAB", "Ich war dabei" oder "Deutschland muss sterben" singt man dann doch nicht mehr mit voller Überzeugung mit. Das ausschließlich aus Klassikern bestehende Set hält mit dem Titeltrack, "Gewalt", "Brüllen, zertrümmern und weg" natürlich "Der Tod ist ein Meister aus Deutschland" erfreulich viele Songs des wohl besten SLIME-Albums "Schweineherbst" von 1994 vor und so ist es letztlich doch nochmal schön, die Band mal auf der Bühne gesehen zu haben. (ASZ)

Zwischen JUDAS PRIEST und APOCALYPTICA gönnen wir uns dann doch noch eine kleine Pause auf dem Zeltplatz. Letztere starten sehr langsam und melodisch, lassen dann aber "Battery" auf das gerammelt volle Gelände niederregnen. Gerade das erste Viertel des Konzerts ist für "ungeübte" Ohren sicher etwas gewöhnungsbedürftig, da die Songs recht komplex arrangiert sind und ohne Gesang auskommen. Bemerkenswert ist die Bewegungsfreude, insbesondere wenn die Herren ihre Cellos über den Köpfen über die Bühne tragen, dabei headbangen und teilweise nebenher noch darauf spielen. Und trotzdem kann man der Band ein einwandfreies Zusammenspiel attestieren. (SD)

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Andreas Schulz (Info)

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