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Frank Zappa: ZAPPAtite – Frank Zappa's Tastiest Tracks – die Doppel-LP (Review)

Artist:

Frank Zappa

Frank Zappa: ZAPPAtite – Frank Zappa's Tastiest Tracks – die Doppel-LP
Album:

ZAPPAtite – Frank Zappa's Tastiest Tracks – die Doppel-LP

Medium: Do-LP
Stil:

Die schmackhaftesten Songs von Zappa

Label: Zappa Records/Universal Music Enterprises
Spieldauer: 76:38
Erschienen: 17.07.2026
Website: [Link]

„Für mich ist eine Zigarette die Nahrung. Ich lebe mein Leben rauchend und dieses 'schwarze Wasser' trinkend.“ (Frank Zappa – Zitat auf dem LP-Einleger zur Doppel-LP „ZAPPAtite – FRANK ZAPPA's Tastiest Tracks“)

Es ist angerichtet!
Was?
Na das geheime 'Hit'-Album des großen Maestros zwischen Genie und Wahnsinn, der alles konnte und wollte, nur eins nicht war, wirklich dauerhaft zufrieden sein.
Er wilderte kettenrauchend durch die Musik-Geschichte und fügte dieser eine unendliche Zahl zusätzlicher Kapitel hinzu. Dass er auch als Gourmet unterwegs war, ist doch tatsächlich neu. Noch dazu, wenn er gleich auf zwei schwarz-gerillten Tellern 18 wohlschmeckende Song-Gerichte präsentiert, an denen man sich doch tatsächlich nicht die Zähne ausbeißt oder die Ohren danach bluten, selbst wenn dabei auch Titten und Bier ins Spiel kommen.
Schmackhaft ist das alles, was uns hier im Rahmen eines Vier-Gänge-Menüs von Oberkellner FRANK ZAPPA erstmals auf den schwarzen Tellern als „ZAPPAtite – FRANK ZAPPA's Tastiest Tracks“ präsentiert wird, selbst wenn es lautstark beispielsweise mit dem ältesten Song aus dem Jahr 1966, „Trouble Every Day“, jeden Tag Ärger verspricht.


Bisher durfte man diesen kulinarischen Ohrenschmaus jedenfalls nur von einem kleinen silbernen Teller genießen, was natürlich allen nostalgisch veranlagten Genießern niemals ausreichte und tatsächlich doch ziemlich den Geschmack vermiesen konnte. Darum ist der nunmehr als offizielle Nummer 106 geführte Silberling endlich auch als doppelschwarze Klangdelikatesse erhältlich – und entspricht auch gestalterisch 1 zu 1 dem CD-Booklet.
Warum ist man da eigentlich nicht schon viel früher draufgekommen?
Denn schließlich liegt diese CD-Veröffentlichung genau 10 Jahre zurück. Nun gut, daher darf diese Vinyl-Doppel-LP, die genauso wie das Booklet der CD – nur eben richtig schön groß und handlich – als Gatefoldcover gestaltet ist, sein zehnjähriges Jubiläum feiern.


Und hier ein ganz heißer Tipp für all diejenigen, welche den FRANK ZAPPA kennenlernen wollen, der auch schon seit 1966 („Trouble Every Day“ von „Freak Out!“) echt eingängige Songs bis hinein ins Jahr 1987 („Strictly Genteel“ von „London Symphony Orchestra Vol. 2“) – also sechs Jahre vor seinem Tod – schrieb: Jeder Einsteiger ins ZAPPA-Universum hat auf dieser Doppel-LP alle Möglichkeiten dazu. Ein echtes Erstbegegnungs-Album für diejenigen, die sich mit den komplexeren oder klassischen oder jazzigen Seiten des Maestros etwas schwer tun.


Als Speisekarte angelegt, bringt uns der ZAPPA-Trust nunmehr dessen (ein)gängigste Songs zu Gehör. Vier Gänge, pro LP-Seite einer. Passt doch bestens. Songmäßig keine Abweichung hierbei von der CD-Version, was auch Schwachsinn wäre, da man sonst besagte Speisekarte nicht nach dem bereits vor zehn Jahren festgelegten System durchziehen könnte.
Doch auch hier gilt – wie so oft im ZAPPA-Falle – ein fettes: „Denkste!“
Bereits die „Appetizers“ werden um „Peaches En Regalia“ erweitert, wobei dieser Song-'Entzug' aus den „Entrées“ wohl der LP-Laufzeit geschuldet ist. Doch egal, denn danach geht’s mit besagten „Entrées“ und dem lustig auf die BEATLES getrimmten „Tell Me You Love Me“ auf der LP-B-Seite weiter, die allerdings bei der CD-Variante deutlich umfangreicher sind, weswegen es darauf nur drei Gänge gibt. Für die Doppel-LP wurde deshalb die LP-C-Seite um „Second Course“ als Gang 3 erweitert, in dem alle restlichen „Entrée“-Songs der CD-Version unterkommen, mit „Cosmik Debris“ beginnend und den besagten „Titties & Beer“ endend.


Allerdings hätte wohl ein ZAPPA höchstpersönlich solche Speisekarte niemals selber zusammengestellt, was ironischerweise aus dem LP-Einleger, der ihn auf der einen Seite mit ganzseitigem Bild beim Kaffeetrinken plus Zitat und auf der anderen mit der Zuordnung aller ausgewählten Songs plus Jahr des Entstehens und das dazugehörige LP-Cover darstellt. Denn seine hier zitierten Worte sprechen eine eindeutig andere Sprache: „To me, a cigarette is food. I live my life smoking these things, and drinking the 'black water' in this cup here.“ („Für mich ist eine Zigarette die Nahrung. Ich lebe mein Leben rauchend und dieses 'schwarze Wasser' trinkend.“) Für dieses Lebenseinstellung musste er leider 1993 endgültig eine hohe Rechnung zahlen, als er seiner Prostata-Krebserkrankung kein Paroli mehr bieten konnte. So verlor die Musikwelt ein weiteres Musik-Genie vielleicht auch wegen der Überdosierung von Nikotin und Kaffee – den Hauptmahlzeiten für einen FRANK ZAPPA, die eben nicht aus Vorspeise, ersten und zweiten Hauptgang sowie Nachtisch bestanden.


Dagegen werden - ob Raucher oder Nichtraucher, exzessiver oder zurückhaltender Kaffeetrinker – die Songs all denen schmecken, die mit den exzessiven ZAPPA-Seiten, denen häufig ein ausuferndes Konzept innewohnte, bisher nicht sonderlich viel anfangen können. Die aber mehr auf den Mainstream und Radiotauglicheres oder gar Hitverdächtiges stehen. Sie dürfen nunmehr ohrwurmig ausgewählt dieses (ge)schmackvolle Doppel-Album genießen. Obwohl dieses Sammelsurium nie ins 'wahre', verkopfte und auf klassisch ausufernde Kompositionen setzende ZAPPA-Universum passte, aber trotzdem diesbezüglich so einiges dabei herauskam, das selbst bei seinem 'größten Hit' extrem schockierte, weil er seinen Bobby Brown als notgeiles, selbstverliebtes Arschloch durch die Stadt schickte und dabei spitzbübisch und verschmitzt genoss, dass gerade dieses extrem 'ferkelige' „Bobby Brown Goes Down“ die Hitparaden stürmte, weil da wohl irgendwelche Schlafmützen nicht genauer auf den bissig satirischen Text gehört hatten, der eiskalt und zynisch mit dem amerikanischen Traum sowie den Eliteschülern, die daraus hervorgingen, abrechnete, indem eine Sadomaso-veranlagte Hardcore-Feministin den gut erzogenen Bobby aus seinem vorgezeichneten American-way-of-life wirft. In diesem Sinne: „Oh God, I am the American dream, / With a spindle up my backside that makes me scream. / I'll do anything to get ahead.“ („Oh Gott, ich bin der amerikanische Traum, / mit einer Spindel so tief im Hintern / dass ich schreien muss. Mir ist einfach alles recht, um voranzukommen.“)


Insgesamt wurden bei dieser Zusammenstellung 14 ZAPPA-Alben und ein MOTHERS OF INVENTION-Album („Freak Out!“ aus dem Jahr 1966) berücksichtigt.

Selten hat man einen ZAPPA so entspannt wie auf dem LP-Cover gesehen, klappt man dieses allerdings auf, sieht man das 'wahre Gesicht' des verrückt geworden zu scheinenden Schreihalses, der uns das andere Ich, welches unter der Oberfläche des Frontcovers schlummert, präsentiert. Herrlich. Genauso herrlich wie diese 'Best Of', die eindeutig keine 'Best Of' ist, sondern einfach die Sammlung musikalischer Genialität zwischen 'Geht gut ins Ohr' („Bobby Brown Goes Down“ oder „Dancing Fool“ und „Joe's Garage“ sowie „Valley Girl“ und das herrliche Instrumental „Sofa No. 1“) bis 'Welch Irrsinn steckt denn hinter dieser Aufnahme?' („Peaches En Regalia“ oder „Titties & Beer“ und „G-Spot Tornado“) sowie 'Ist das Klassik, oder was?' („Strictly Genteel“).


Was bleibt da noch zu sagen?
Der Humor bis hin zum Zynismus und die Musik von FRANK ZAPPA fehlen einem!
Tag für Tag, seitdem er diese verfickte Erde viel zu früh vor 33 Jahren verlassen und das 'Schwarze Wasser' samt seiner Glimmstängel einfach dauerhaft verbannt hat oder diese (aus seiner Sicht) Delikatessen in himmlischen Gefilden genießt und den schüchternen Engelchen unters Röckchen schaut und dabei die weißen Wolken graupafft.
Also: Hoffentlich hat er seine Kaffeetasse und die qualmenden Sargnägel nicht vergessen.
Unvergesslich bleibt er auf jeden Fall – und dafür sorgen heutzutage besonders auch all die remasterten Neuveröffentlichungen seiner Meisterwerke oder gänzlich neue unzählige Veröffentlichungen, die en masse noch in seinen Archiven schlummern und nach und nach vom Pappa-ZAPPA-Trust gehoben werden.


FAZIT: Es ist also die schmackhafteste Song-Zusammenstellung von ZAPPA-Stücken, die sich da in Form einer Speisekarte auf „ZAPPAtite – FRANK ZAPPA's Tastiest Tracks – die Doppel-LP“ tummeln und einen Zeitrahmen von 21 Jahren (1966 „Freak Out!“ bis 1987 „London Symphony Orchestra 2“) umreißen. Dass der erste 'Appetizer' gleich mit „I Am The Slime“ durchstartet, ist schon ZAPPA-Humor pur und der setzt sich mit einer Unmenge von unerhört begeisternden Schweinereien fort... Nach zehn Jahren erstmals auf eine soundtechnisch bestens klingende Doppel-LP (im Gatefoldcover mit LP-Einleger, auf dem alle Alben, die bei dieser Zusammenstellung berücksichtigt wurden, abgebildet sind) gebannt, nachdem zuvor 2016 genau dieses Album mit den eingängigsten Nummern für alle ZAPPA-Feinschmecker ausschließlich auf einem winzigen Silberling digital verewigt wurde, der im Grunde zehn Jahre lang lauthals nach diesem, seinem großen schwarzen Klang-Bruder schrie und endlich erhört wurde. Ohne irgendwelche chronologische Reihung hüpft hier die Auswahl durch insgesamt 15 Alben, bei den sogar „Over-nite Sensation“ (1973), „Apostrophe“ (1974), „Sheik Yerbouti“ (1979) und „Joe's Garage“ (1979) mit zwei Auskopplungen berücksichtigt werden. Definitiv ein faszinierendes Einstiegsalbum für alle, die FRANK ZAPPA von seiner eingängigeren und 'schmackhafteren' Seite kennenlernen wollen – und für alle ZAPPA-Fans, die im Grunde vorrangig auf Vinyl setzen (und das ist der größte Teil), unverzichtbar.

Thoralf Koß - Chefredakteur (Info) (Review 56x gelesen, veröffentlicht am )

Unser Wertungssystem:
  • 1-3 Punkte: Grottenschlecht - Finger weg
  • 4-6 Punkte: Streckenweise anhörbar, Kaufempfehlung nur für eingefleischte Fans
  • 7-9 Punkte: Einige Lichtblicke, eher überdurchschnittlich, das gewisse Etwas fehlt
  • 10-12 Punkte: Wirklich gutes Album, es gibt keine großen Kritikpunkte
  • 13-14 Punkte: Einmalig gutes Album mit Zeug zum Klassiker, ragt deutlich aus der Masse
  • 15 Punkte: Absolutes Meisterwerk - so was gibt´s höchstens einmal im Jahr
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Tracklist:
  • Seite A = Appetizers = (19:46):
  • I'm The Slime (3:35)
  • Dirty Love (2:58)
  • Dancing Fool (3:43)
  • Trouble Every Day (5:50)
  • Peaches En Regalia (3:38)
  • Seite B = Entrées = (20:44):
  • Tell Me You Love Me (2:33)
  • Bobby Brown Goes Down (2:49)
  • You Are What You Is (4:23)
  • Valley Girl (4:50)
  • Joe's Garage (6:09)
  • Seite C = Second Course = (17:45):
  • Cosmik Debris (4:14)
  • Sofa No. 1 (2:39)
  • Don't Eat The Yellow Snow – Single Version (3:35)
  • Titties & Beer (7:17)
  • Seite D = Dessert = (18:23):
  • G-Spot Tornado (3:17)
  • Cocaine Decisions (3:53)
  • Zoot Allures (4:16)
  • Strictly Genteel (6:57)

Besetzung:

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