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Lucy Kitchen: In The Low Light (Review)

Artist:

Lucy Kitchen

Lucy Kitchen: In The Low Light
Album:

In The Low Light

Medium: CD/LP/Download
Stil:

Singer/Songwriter, Alt-Folk, Folk-Pop

Label: Make My Day Records
Spieldauer: 45:36
Erschienen: 27.02.2026
Website: [Link]

Als die englische Songwriterin LUCY KITCHEN gerade dabei war, mit ihrem zweiten Album „Sun To The Moon“ 2017 ihren Platz in der ersten Riege der britischen Folk-Szene zu festigen, schlug das Schicksal zu: Noch bevor die Pandemie 2020 die ganze Welt lahmlegte, wurde bei ihrem Ehemann, dem Pianisten und Komponisten STEPHEN MCCLEERY, Krebs im Endstadium festgestellt. An eine Fortführung der vielversprechenden Laufbahn als Songwriterin war für sie zu dieser Zeit nicht mehr zu denken. Sie pflegte ihren Mann bis zu dessen Tod im Jahre 2022 – und konnte sich erst danach allmählich wieder der Musik zuwenden. So ist es kein Wunder, dass sich ihr nun vorliegendes drittes Album inhaltlich im Wesentlichen mit der schwierigen Zeit seit dem letzten Album auseinandersetzt.

LUCY KITCHEN gehört trotzdem nicht etwa zu der Spezies von Liedermacherinnen, die ihre Kunst als Therapieform betrachten, aber es gelingt ihr, die schwierige Zeit, in der sie ihren Ehemann pflegte, in anrührenden, poetischen Episoden nachvollziehbar und authentisch einzufangen und zu verarbeiten. Insbesondere mit den Songs „Blue Light", „Chemo Song" und „The Boatman" geht sie dabei auf das Thema des Loslassens ein. Wer sich schonmal in der schwierigen Situation befand, einen geliebten Menschen beim Sterben begleiten zu müssen, wird nachvollziehen können, dass das beiderseitige Loslassen zum heikelsten Teil des Prozesses gehört. LUCY KITCHEN wählte in dem Song „The Boatman" deshalb das Bild des Fährmannes, der die Probanden über den Fluss Styx ins Reich der Toten bringt, als Sinnbild dafür, das Leben zu einem gewählten Zeitpunkt selbstbestimmt zu beenden.


Trotz des Albumtitels „In The Low Light" gibt es auf dem Album auch Songs wie „The Ways We Were" oder „Sunny Days", die sich mit den schönen Aspekten des Lebens befassen, das Frauenporträt „Olivia" oder Stücke wie „Winterking" oder eben „The Boatman", in denen LUCY KITCHEN Elemente aus Folklore und/oder Mythologie in ihr Tun einwebt. Letzteres ein Faible, das sie an die Folkmusik herangeführt hat und welches sie heutzutage nutzt, um etwa aus ihren en passant geschrieben Gedichten Songs ohne direkten Bezug zu konkreten Lebenssituationen zu erschaffen.


Das Projekt kam in Gang, als LUCY KITCHENs musikalischer Partner und Gitarrist TALI TROUW anregte, mit den Songs, welche die Songwriterin nach dem Tode ihres Mannes geschrieben hatte, ins Studio zu gehen und diese dort zusammen mit den Musikern ihrer Band auszuarbeiten. Auf dem letzten Album „Sun To The Moon" kamen zu den Folk-Elementen, die das Debüt-Album „Waking" geprägt hatten, noch Country- und Westcoast-Sounds hinzu, was damit zusammenhing, dass LUCY KITCHEN bis heute ein Fan des Americana-Genres und amerikanischer Songwriterinnen ist - beispielsweise nennt sie WAXAHATCHEE, JULIE BYRNE und natürlich JONI MITCHELL als direkte Inspirationsquellen.


Auf dem neuen Album „In The Low Light" wurden diese Elementen zugunsten einer deutlich 'britischeren' Ausrichtung der Folk- und Folkpop-Sounds wieder zurückgefahren, denn auch SANDY DENNY oder NICK DRAKE führt LUCY KITCHEN als ihre Vorbilder an. Stattdessen gibt es eher subtile psychedelische Akzente, beispielsweise in Form von Mellotron Sounds und eines Rock-Gitarren-Solos von TALI TROUW in „Winter King", einer mäandernden, nicht countryesken Steel-Gitarre in „In My Corner" oder des von der ausgebildeten Flötistin LUCY KITCHEN selbst gespielten Querflöten-Solos in dem Song „Sunny Days". Daneben tauchen zudem kammermusikalische Streicherpartien in den Tracks „The Ways We Were" und „Milk & Honey" sowie subtile Bläser-Partien in der Elegie „Blue Light" auf.

Musikalisch passiert also eine ganze Menge, was das Album auch für diejenigen interessant macht, die keine puristischen Folkies verkörpern, weil für LUCY KITCHEN erkennbare und memorable Melodien der Anker sind, um den herum sie ihre Songs aufbaut. Anders als bei vielen ihrer Folk-Kolleginnen stellt sie nicht den Inhalt über die Musik, sondern betrachtet beide Bestandteile als gleichwertig.


FAZIT: Den reinen Unterhaltungswert des Albums „In The Low Light" werten zu wollen, griffe erheblich zu kurz, denn dieses bemerkenswert einfühlsame Album behandelt schließlich einen emotional schwer belastenden Abschnitt im Leben der Songwriterin LUCY KITCHEN, wobei sie ihrer Trauer im Songformat Ausdruck verleiht. Allerdings unprätentiös, mit Anstand und Würde und ohne bewusst auf die Tränendrüse zu drücken. Dabei gelingt es LUCY KITCHEN und ihren Musikern mit einer gewissen Leichtigkeit und Verspieltheit das Thema in Szene zu setzen - zwar ohne dabei das Folk-Genre neu definieren zu wollen, aber auch ohne auf offensichtliche Klischees zurückzugreifen.

Ullrich Maurer (Info) (Review 40x gelesen, veröffentlicht am )

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Wertung: 12 von 15 Punkten [?]
12 Punkte
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Tracklist:
  • Winter King
  • In My Corner
  • The Ways We Were
  • Olivia
  • Blue Light
  • Milk & Honey
  • Sunny Days
  • Red Skies
  • Chemo Song
  • The Boat Man
  • September's Come

Besetzung:

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