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Moonrise: No Rewind (Review)
| Artist: | Moonrise |
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| Album: | No Rewind |
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| Medium: | CD/Download | |
| Stil: | Progressive Rock |
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| Label: | Lynx Music/Just For Kicks | |
| Spieldauer: | 52:06 | |
| Erschienen: | 01.05.2026 | |
| Website: | [Link] |
Auf „No Rewind“ machen die Prog-Polen MOONRISE von Anfang an keinen Hehl daraus, wohin ihre floydianische Reise geht: Gitarren, die Mr. Gilmour selbst eingespielt haben könnte, akustische und elektronische Tasteninstrumente in hoher Zahl, eine Sängerin, welche atmosphärisch einer Frau Bush und ein Sänger, der auch bei Mikes Mechanikern von Mr. Rutherford gute Chancen hätte, treten, wenn der progressive Mond aufsteigt, an die Nachtordnung. Die spannende Mixtur macht's eben bei MOONRISE aus.
Gerade weil in den reichhaltigen, dem Bandnamen entsprechenden dunkleren, Harmonien und den oftmals hymnischeren Momenten so viel entspanntere Stimmungen auf immer wieder ansteigende Spannung trifft, ist „No Rewind“ zugleich auch des warmen und voluminösen Klangbildes wegen für jeden neoprogressiv orientierten Prog-Freund, dem Ruhigeres sowie Harmonischeres vor ausgelassenerer Experimentiererei kommt, ein beeindruckendes und durchaus einprägsames Erlebnis. Besonders der Einsatz des starken Sängers sowie der ebenso starken Sängerin haben hieran einen erheblichen Anteil.
Gesungen wird bei MOONRISE viel, das verlangt schon das breite Textkonzept hinter „No Rewind“. Und dass mit der Sängerin von HIPGNOSIS, ALBION und dem tRKproject, Anna Batko, tatsächlich der Mond im vokalen Aufwärtstrend liegt, ist unumstritten. Noch dazu ergänzt sie sich bestens mit ihrem männlichen Gegenpart Marein Staszek. So entsteht häufig der Eindruck, dass dieses Album mit seinen Themen und dieser Musik nach einer filmischen Umsetzung lechzt. Wie so oft geht es um die 'zwei Wege', welche im Album-Opener „Two Roads“ beschritten werden und die Frage symbolisieren: Sind meine Entscheidungen gut oder schlecht? Helfen sie (nur) mir oder auch Anderen? Und das Böse lauert dabei überall: „This evil / Will always hit you always / You have to risk or you will lose / You will lose“.
Die Welt, in der wir leben. All die Unsicherheiten. All die anfangs als Fortschritt begriffene, aber nun immer zerstörerisch werdende Moderne, von der man sich abwenden sollte – so wie die Familie auf dem Album-Cover auf ihrem Weg ins Ungewisse.
Der Kampf zwischen den Rechthabern und der Gerechtigkeit, den immer noch viel zu oft die machtbesessenen Rechthaber zu gewinnen scheinen und dabei Verzweiflung bei den Ehrlichen und Gut(gläubig)en zurücklassen.
Manchmal erscheinen diese fast liebevoll klingenden MOONRISE-Sounds der ruhigen Marke MARILLION oder PORCUPINE TREE oder PINK FLOYD fast zu entspannt und episch statt kämpferisch. Ein schönes Album eben, das zwar einige Probleme aufwirft, aber ausschließlich auf eine friedvolle Klärung setzt, selbst wenn man eigentlich auch mal mit knackigeren Rhythmen gehörig dazwischenhauen sollte. Beispielsweise bei „Friends Of Blood“, denn: „That's what we are / Wild as oceans, cold as ice / Out of time // The demons laugh / When we fight...“
Doch gerade dieser Song wird zur symphonischen Hymne samt Flötentönen und allem Drum und Dran. MARILLION lassen zudem grüßen (plus ein ganz großartiges E-Gitarren-Solo). Eigentlich richtig schön, aber ob's thematisch passend ist, darf dann doch angezweifelt werden.
Nachdem schon rein instrumentale, vom Klavier (und Streichern) bestimmte Melodramatik aufkam, als MOONRISE die Tür zu den „Silent Rooms“ öffnen und diese dann zu den „Friends Of Blood“ wieder mit fetter Gilmour-E-Gitarre schließen, greift der das Album abschließende Zehnminüter zusammenfassend die gesamte (ruhige bis hymnische) Stimmung des Albums auf (inklusive unüberhörbarer „Misplaced Childhood“-Momente plus Chorarrangements) und sucht auch textlich nach einem Ausweg: „All in all / An eternal game / The game that never ends“.
Damit jedenfalls endet das aktuelle MOONRISE-Album in seiner ganzen epischen Bandbreite – und hinterlässt summa summarum einen guten wie beruhigend Eindruck, so bedrückend auch der eine oder andere Text klingen mag.
FAZIT: Prog aus Polen hat längst seine eigenen musikalische Schublade, in der sich auch MOONRISE mit „No Rewind“ bestens einrichten. Floydiges und Marillioniges in harmonischer Eintracht mit nachdenklichen Texten (nachzulesen im dreiflügeligen Digipak), einer Prise Melancholie und epischer Bandbreite, wie man es gerne beschrieb, als der Prog sein eigenes 'Neo' verpasst bekam. Tatsächlich Musik für den Mondaufgang, der sich mehr und mehr an einem reich besternten Nachthimmel seinen passenden Platz, von dem er besonders intensiv leuchten kann, sucht.
- 1-3 Punkte: Grottenschlecht - Finger weg
- 4-6 Punkte: Streckenweise anhörbar, Kaufempfehlung nur für eingefleischte Fans
- 7-9 Punkte: Einige Lichtblicke, eher überdurchschnittlich, das gewisse Etwas fehlt
- 10-12 Punkte: Wirklich gutes Album, es gibt keine großen Kritikpunkte
- 13-14 Punkte: Einmalig gutes Album mit Zeug zum Klassiker, ragt deutlich aus der Masse
- 15 Punkte: Absolutes Meisterwerk - so was gibt´s höchstens einmal im Jahr
- Two Roads
- Shadows In The Dark
- Single Game
- Cheaters
- When We Played By Heart
- Silent Rooms
- Friends Of Blood
- All About You
- Bass - Kamil Konieczniak
- Gesang - Anna Batko, Marein Staszek
- Gitarre - Kamil Konieczniak, Marein Kruczek
- Keys - Kamil Konieczniak
- Schlagzeug - Kamil Konieczniak
- Sonstige - Anna Batko, Kamil Konieczniak (Harmoniegesang)
- Stopover-Life (2012) - 6/15 Punkten
- No Rewind (2026) - 11/15 Punkten
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