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Oh Hiroshima: And The Dead Tree Gives No Shelter (Review)
| Artist: | Oh Hiroshima |
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| Album: | And The Dead Tree Gives No Shelter |
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| Medium: | CD/LP/Download | |
| Stil: | Progressive- und Post-Rock |
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| Label: | Pelagic Records | |
| Spieldauer: | 46:44 | |
| Erschienen: | 30.03.2026 | |
| Website: | [Link] |
Was für ein Album-Titel: der weckt Schrecken und Entsetzen gleichermaßen wie Trauer und Verzweiflung!
Im Grunde gilt das auch für den Bandnamen, wenn man sich zurück bis ins Jahr 1945 denkt.
Also: Es ist Zeit „für die toten Bäume, die keinen Schutz mehr spenden können“ des schwedischen Prog-Post-Rock-Duos OH HIROSHIMA.
Allerdings: der Albumtitel ist nicht auf dem Mist von OH HIROSHIMA gewachsen, sondern wurde einer Zeile aus dem melodramatischem Gedicht „The Waste Land“ von T.S. ELIOT entnommen.
Das Bild aber hinter dieser Zeile passt einfach ideal zur Musik von OH HIROSHIMA, die sich wie ein Pendel zwischen CRIPPLED BLACK PHOENIX oder MOGWAI und GOD IS AN ASTRONAUT bewegt, ohne übertrieben in eine Richtung auszuschlagen, sondern im Endeffekt geschickt seine eigenen Bahnen zu ziehen.
Der tote Baum als das Zerstörerische, nicht aber das Schutzbietende, als er noch am Leben war. Wir sind die Zerstörer, die zu spät erkennen, was wir zerstört haben und uns damit selber zerstören, weil der überlebensnotwendige Schutz fehlt.
Genau auf diesen dystopischen wie apokalyptischen Moment arbeitet das Album hin, bis es sich im „Tree Of Life“ mithilfe einer Geigenpassage noch einmal aufzubäumen versucht, um dann aber doch im „Broken Sunlight“ dem endgültigen Untergang entgegenzuschlittern: „The fragments that shored / My ruins lie torn“.
Alles immer klar und deutlich gesungen. Hier bleiben die Schreie aus – und das ist eine ganz spezielle Stärke hinter OH HIROSHIMA. Denn wenn die Musik mitunter postrockend wütet und ihre Klangwände errichtet, stemmt sich der Gesang klar dagegen, so als wolle er aufklären, dass das alles irgendwie wohl doch gemeistert werden muss. Und dass trotz aller schrecklichen Visionen, die das schwedische Duo selber zu „And The Dead Tree Gives No Shelter“ entwirft: „Wir leben in einer Zeit, in der es zunehmend schwerfällt, sich eine positive Zukunft vorzustellen. Das hinterlässt bei vielen von uns ein tiefes Gefühl der Hoffnungslosigkeit, das wiederum Zynismus und Apathie nährt. In diesem Zustand ist es leicht, sich von der Welt abzuschotten und jeden Versuch einer sinnvollen Auseinandersetzung mit unserer Umwelt aufzugeben. So entsteht ein Teufelskreis, weil wir keine Möglichkeit mehr sehen, uns vor unserer anfänglichen Verzweiflung über den Zustand der Dinge zu schützen. Doch diese Lieder wollen auch etwas Sinnvolles und Hoffnungsvolles zeigen. Es ist eine Form der Idealisierung, die nicht auf Naivität, sondern auf Realismus beruht. Denn wir brauchen Ideale, um die Kraft zu schöpfen, die schutzlosen, toten Bäume unseres Lebens hinter uns zu lassen.“
Stellenweise wirkt in den lauten und härteren wie bombastischen Momenten der Sound etwas übersteuert, was vielleicht beabsichtigt ist, um dem zerstörerischen Aspekt noch eine gewisse Übersteigerung zu verleihen. Der klang-affine Hörer wird davon weniger begeistert sein, da die fetten Momente so etwas schwammig wirken und sich die klaren Höhen hinter den fetten Bässen verlieren.
Oder hat da der tote Baum bereits seine verdorrten Zweige über die klaren Klangwelten fallen lassen, um am Ende zu zeigen, wie's (auch um unsere musikalische) Zukunft bestellt ist, wenn wir so weitermachen?
FAZIT: Dieses Album ist eine wortwörtliche, zerstörerische Naturgewalt, die selbst vor der eigenen Kreation nicht haltmacht. „And The Dead Tree Gives No Shelter“ des schwedischen Post-Prog-Duos OH HIROSHIMA setzt auf düstere und bombastische Sounds, aber auch auf Streicher und Bläser sowie klaren Gesang, der sich der Zerstörung, die von der Musik vorangetrieben zu werden scheint, verzweifelt entgegenstemmt. Ein Tripp zwischen purer Urgewalt und dem Löwenzahn, der sich durch die letzte Ritze direkt neben dem toten Baum zwängt und viel Hoffnung verbreitet.
- 1-3 Punkte: Grottenschlecht - Finger weg
- 4-6 Punkte: Streckenweise anhörbar, Kaufempfehlung nur für eingefleischte Fans
- 7-9 Punkte: Einige Lichtblicke, eher überdurchschnittlich, das gewisse Etwas fehlt
- 10-12 Punkte: Wirklich gutes Album, es gibt keine großen Kritikpunkte
- 13-14 Punkte: Einmalig gutes Album mit Zeug zum Klassiker, ragt deutlich aus der Masse
- 15 Punkte: Absolutes Meisterwerk - so was gibt´s höchstens einmal im Jahr
- Servant Of All
- Meridian
- Angelos
- Skeleton Key
- Tree Of Life
- Broken Sunlight
- Ivory Town
- Exit Cloud
- Bass - Jakob Hemström, Antoni Yammin
- Gesang - Jakob Hemström, Joakim Liebgott, Ellen Vingren
- Gitarre - Jakob Hemström, Jarl Füringsten
- Keys - Jarl Füringsten, Kristian Karlsson
- Schlagzeug - Oskar Nilsson
- Sonstige - Anders Hemström (Trompete), Arvid Ageborg (Posaune), Hanna Ekström (Geige), Ellen Hemström (Cello), Samuel Muntlin (Saxophon)
- Myriad (2022) - 12/15 Punkten
- And The Dead Tree Gives No Shelter (2026) - 11/15 Punkten
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