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Andrés Coll Cosmic Trio: Ride To Heaven (Review)

Artist:

Andrés Coll Cosmic Trio

Andrés Coll Cosmic Trio: Ride To Heaven
Album:

Ride To Heaven

Medium: CD/LP/Download
Stil:

Weltmusik, Jazz, Avant Groove

Label: KJAZZ! Music
Spieldauer: 43:42
Erschienen: 17.04.2026
Website: [Link]

„Schon als Kind hörte ich im Auto meines Vaters Musik von Santana und ähnlichen Künstlern. Ich hatte die Idee, eine Gruppe zu gründen, um gemeinsam Musik zu machen und Spaß zu haben. Allerdings wusste ich nicht, welches Instrument ich spielen könnte. Damals spielte ich Perkussion (Schlagzeug, Handtrommeln und klassische Schlaginstrumente) sowie Vibraphon und Marimba im Jugend-Jazz-Ensemble der Musikschule. Heute ist für mich die Verbindung von Avantgarde und Folkmusik ist der Schlüssel, um Menschen zu öffnen, sie vom Bekannten zu befreien und sie ins Unbekannte zu führen.“ (Andrés Coll unter seiner Homepage)


Möge sich das Trio rund um ANDRÉS COLL noch so kosmisch oder gar abgehoben nennen, trotzdem ist das ANDRÉS COLL COSMIC TRIO mehr als erdverbunden und natürlich, ohne einen Hang für elektronische Musik der kosmischen Pioniere, sondern vielmehr einer Leidenschaft für weltmusikalische und schlagende Rhythmen, bei denen besonders Tablas, Marimbas und Geigen eine außergewöhnliche Rolle spielen.

So jedenfalls reiten die drei schlagkräftigen Musiker Richtung Himmel – ganz ohne Kosmonautenanzug und Rakete, dafür eher auf dem magischen Teppich, wenn man einen unmittelbaren Bezug zur Musik hinter „Ride To Heaven“ herstellen will.


Doch dann, ja dann, schlägt „Ride To Heaven“ tatsächlich doch als kosmische Musik-Eroberung ein. Denn man möge es glauben oder nicht: Diese Klangreise führt tatsächlich trotz ihrer weltmusikalisch-jazzigen Natürlichkeit, die bewusst auf eine Balance aus Körper und Geist, indische oder polnische Folklore und Flamenco-Einflüsse setzt, mitten hinein in kosmische Dimensionen. Und die sind nicht etwa nur abstrakt, sondern absolut konkret, wie man es auf dem Begleitschreiben zum Album nachlesen kann: „Ride To Heaven“ wurde – ohne Flachs und Krümel oder Aufschneiderei – tatsächlich von der NASA ausgewählt, um unter deren Federführung wortwörtlich auf den Mond geschossen zu werden. Die Musik des ANDRÉS COLL COSMIC TRIO begleitet daher die Reise der Artemis-II-Mission zum Mond. Der wohl verrückteste und jazzigste Soundtrack einer Reise zum Mond, wenn man's so sehen will.
Aber auch am Hafen ist die Musik bestens geeignet – spätestens wenn „The Docks“ mit einer gewissen ZAPPA-Note beginnt.


Und ehrlich: Diese doch ungewöhnliche Jazz-Musik, welche das Trio selber als 'Avant Groove' bezeichnet, hat sich diese Mission zum Mond redlich verdient. Coll selber bemerkt hierzu: „Wir grooven hart, aber brechen den Groove, wenn es nötig ist, um Raum und Stille zuzulassen.“ Genauso stellt man sich doch auch eine Reise zum Mond vor.
Nur dass dieses Mal als Antrieb dabei nicht auf digitale Klangerzeuger sondern auf elektrische Marimbas und andere Schlaginstrumente sowie Geige und Piano gesetzt wird.


Der 2000 auf Ibiza geborene Vibraphonist ANDRÉS COLL besitzt ein sehr ausgeprägtes musikalisches Gespür, das in seiner virtuosen Spielweise von Anfang an zum Ausdruck kommt. Schon als Kind spielte er in einer lokalen Folkloregruppe und erschloss sich die tiefen und vielfältigen Wurzeln der Musik seiner Heimat, die er immer mehr erweitere – von der Urmusik, über Folklore, Bach, Bartók, zeitgenössische Musik, modernen Jazz und freier Improvisation.
Musikalische Grenzen?
Im Falle von ANDRÉS COLL Pustekuchen!


Immerhin reicht sein Musikverständnis – wie wir ja nunmehr wissen – bis hin zum Mond, egal, ob da nun der Mann oder die Alien lauern. Beide Art(genoss)en werden es nicht leicht mit dieser Musik haben. Aber sollten sie auf freigeistige Musik stehen, dann werden sie definitiv viel Freude an „Ride To Heaven“ haben!
Denn – um im Text der Homepage zu bleiben – hier kommt die Verbindung von Folk und Tradition einer „anarchistisch anmutenden Musikgruppe, in der die Mitglieder die Ideen anderer respektieren und mit ihnen experimentieren, wo jeder einsteigen und seine Ideen respektvoll einbringen kann“ zum Tragen. Dies Macht der Improvisation entfaltet sich mit viel Abwechslungsreichtum über die avantgardistisch groovende Dreiviertelstunde und hinterlässt gerade durch den extrem hohen Marimba-Faktor einen tiefen wie lautstarken Eindruck.


FAZIT: Wenn Andrés Coll aus Ibiza über sich und seine Musik spricht, dann ahnt man im besten Sinne, welche Klangwelten sich dem aufgeschlossen Hörer auf der LP (inklusive LP-großem Foto-Einleger) „Ride To Heaven“ des ANDRÉS COLL COSMIC TRIOs eröffnen: „Als ich mit dem Komponieren dieser Stücke begann, kamen mir die Melodien, Harmonien und Rhythmen vertraut vor. Sie entstammten der Volksmusik, einer ursprünglichen, universellen Musik, die von den natürlichen Grenzen der Insel bewahrt worden war. Es war, als würde ich etwas enthüllen, das schon immer da gewesen war. Deshalb ist die Musik meines Projekts authentisch und wird auch von den Menschen so empfunden. Sie ist nicht aufgesetzt, sondern kommt von innen. Sie ist zugleich volkstümlich und avantgardistisch.“ Dank der NASA fliegt diese Musik (Ungelogen!) jetzt tatsächlich mit zum Mond! Kein Wunder, denn dieser 'Avant Groove' leuchtet zwischen Weltmusik und Jazz trotz aller Natürlichkeit in echt kosmischer Dimension. So gesehen höllisch gute himmlische Musik, die sogar bis zum Mond fliegt und uns auf angenehme Weise beweist, dass die Leute bei der NASA nicht nur von Raketenantrieben sondern auch beeindruckender Musik eine ganze Menge Ahnung haben!

Thoralf Koß - Chefredakteur (Info) (Review 23x gelesen, veröffentlicht am )

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Wertung: 14 von 15 Punkten [?]
14 Punkte
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Tracklist:
  • Seite A (21:55):
  • Good Morning (4:42)
  • Debussy Dances (5:07)
  • The Docks (5:18)
  • Acceptance Steps (4:21)
  • Repicada (2:27)
  • Seite B (21:47):
  • Call Of The Faun (4:56)
  • Fly Low, Fly High (4:44)
  • Keep The Hope (6:08)
  • Ride To Heaven (5:59)

Besetzung:

  • Keys - Andrés Coll
  • Schlagzeug - Ramón Lopez
  • Sonstige - Andrés Coll (Electric Marimba, Castanets), Mateusz Smoczynski (Geigen)

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