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Bauer, Garn & Dyke: Sturmfrei (Review)
| Artist: | Bauer, Garn & Dyke |
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| Album: | Sturmfrei |
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| Medium: | CD | |
| Stil: | Deutschsprachiger Blues-Rock |
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| Label: | Sireena Records | |
| Spieldauer: | 41:03 | |
| Erschienen: | 20.01.2026 | |
| Website: | [Link] |
„Als BAUER, GARN & DYKE Ende der Siebziger mal wieder den Chicago Club in Hamburg nass machten, gaben sich nicht ganz zufällig Konzert-Impressario Fritz Rau und Udo Lindenberg die Ehre. […] Nach dem großartigen Debüt 'Sturmfrei' erscheint das noch großartigere 'Himmel, Arsch & Zwirn'. […] Es kommt einfach kein weiteres Album mehr. Wir haben gewartet bis weit in die Achtziger hinein und mussten uns die beiden Alben noch einmal kaufen, weil die Nadel irgendwann die Musik rausgekratzt hatte.“ (Frank Schäfer im Inneren des dreiflügeligen Digipak zu „Sturmfrei“)
Wer bitte entfaltet so verrückte Ideen, über Laubfrösche oder Haltestellen einen Blues zu schreiben, der noch dazu deutschsprachig daherkommt und am Ende mit der notgeilen Erkenntnis „Ich hab Lust, Baby“ endet?
Der Insider und Spätsiebziger-Musikhörer aus Wessi-Land (in Ossi-Land hörte man Diestelmann, Engerling und Kerth) hat garantiert die Antwort sofort parat, während die Mauerkinder des Ostens damals noch mit anderen Problemen konfrontiert waren. So war das eben, im Osten ging zwar die Sonne auf und der Mauerflüchtling mit Schuss in den Rücken unter, während im Westen so etwa jeder wusste, dass der „Laubfrosch Blues“ genauso wie der „Haltestellen Blues“ das Debüt-Album „Sturmfrei“ von BAUER, GARN & DYKE zierte und man linksradikale Baader-Meinhof-Phantasien hegte, obwohl im Osten des gespaltenen Landes der linke Irrsinn in seiner ganzen diktatorischen Gewalt und Unerbittlichkeit gegen jeden seiner Kritiker erbarmungslos zuschlug. Dieses viel zu schnelle Vergessen scheint uns bis heute noch zum Verhängnis werden zu können, wenn Gewalt im Antifa-Interesse doch tatsächlich als etwas Gutes verherrlicht wird und ein hammerschwingender Irrer mit offensichtlichen Miniglöckchen zwischen den Beinen als gedachte Jungfrau mit dem Hammer auf alle Köpfe einschlägt, die nur einen kleinen Blick nach rechts wagen.
Und da die Entstehung von BAUER, GARN & DYKE im freien Teil Deutschlands ähnlich unterhaltsam wie die ungewöhnlich ironischen Deutsch-Rock-Blues-Songs sind, lassen wir hierzu Urgestein Hannes Bauer zu Wort kommen: „1978 gründete ich die legendäre Band. Das war ganz einfach: Roy Dyke, unseren Trommler, traf ich im Supermarkt beim Haferflocken-Kaufen und Tom Garn, unseren Bassisten, fand ich in einer Fachzeitschrift unter ''Musugru' (Musiker sucht Gruppe).“
Das sollte zu den ersten musikalischen Atemzügen von BAUER, GARN & DYKE erst einmal reichen, denn das Entscheidende ist natürlich der nicht unbedingt unfreiwillig komische Deutsch-Blues, den das Trio dann auf ihrem ersten Album „Sturmfrei“ als ihr „selbstausgedachtes Lieblingskind auf die Welt“ brachte.
Und, na ja, die Texte waren eben unbluesig auf Deutsch und bewegten sich irgendwo zwischen belanglos und freiwillig genauso wie unfreiwillig komisch, wofür bereits der Album-Opener „Laubfrosch Blues“ aussagekräftiges Beispiel ist.
Aber dass auch bei „Lock'n Loll“ über eine Japantournee locker gleich für einen Moment mal die purpelsche „Woman From Tokyo“-Melodie schamlos geklaut wird und dann sogar bluesig in „Ich hau ab“ gejodelt wird, macht die drei Blueser im Grunde nur sympathisch, da sie uns ganz offensichtlich wissen lassen: Nehmt uns nicht so ernst, sondern fahrt einfach nur genauso wie wir auf geilen Blues, egal in welcher Sprache, ab!
Doch Nachtigall (nicht Laubfrosch), ick hör' bei dieser Neuveröffentlichung auch schon wieder d'e woken Verbots- und Moral-Apostel trapsen, wenn BAUER, GARN & DYKE den „Sibirien Bär“ auf die Reise schicken, der seine russische Freiheitssehnsucht im Westen auszuleben versucht und dabei auf das genaue Gegenteil dessen trifft, wonach er sich sehnt. Oh ja, wie hieß es damals noch so schön in der DDR: „Von der Sowjetunion lernen, heißt siegen lernen!“
In diesem Falle ist das die Wessi-Variante der humorvollen wie nachdenklichen Art. Zum Glück bläst dann der pazifistische „Guitar Man“ all diese dunklen Gedanken als flotter Gitarrero mit zerrissenem Hemd und geplatzter Hose fort.
Leider war damals das Klangbild der LP-Aufnahme noch nicht erste Sahne. Darum dachte sich wohl das 'Sireena Label': Dann hauen wir die beiden Alben des deutschen Blues-Trios („Himmel, Arsch & Zwirn“ heißt das zweite, 1982 erschienene Album) über 40 Jahre später mit einem echt passablen Sound erneut raus.
Eine gute Idee. Denn irgendwie sorgen die beiden Alben auch heute noch für eine nostalgische (Blues-)Erinnerung, der man gerne folgt. Vielleicht auch darum, weil damals an all den digitalen Wahnsinn, dem wir heutzutage fast unterliegen (müssen), noch gar nicht zu denken und Musik aller Couleur echte Handarbeit war.
Lauthals tönt darum Sireena bei diesen beiden Neuveröffentlichungen von: „Zwei Klassiker!“
Das lassen wir hier einfach mal so stehen. Denn nunmehr darf sich jeder endlich wieder sein eigenes Bild von den zwei längst vergriffenen Alben machen.
FAZIT: Es war das erste von insgesamt nur zwei Alben des deutschsprachigen Blues-Power-Trios BAUER, GARN & DYKE, die in den Siebzigern besonders durch das dynamische Gitarrenspiel von Hans Bauer (der im Hamburger Kiez den musikalischen Spitznamen 'Feuerbauer' trug), welches sogar Udo Lindenberg schwer beeindruckte und Bauer eine Tür zu Lindenbergs Panik Orchester öffnete, beeindruckten. Wer glaubt, dass Blues Rock mit deutschen (oftmals ironischen) Texten nicht funktioniert, der kennt BAUER, GARN & DYKE nur noch nicht, die mit „Sturmfrei“ vor 47 Jahren viel Aufsehen in Deutschland erregten und denen das Sireena-Label mit diesem von Marlon Klein neu gemasterten Album eine besondere, völlig gerechtfertigte Ehre erweist.
- 1-3 Punkte: Grottenschlecht - Finger weg
- 4-6 Punkte: Streckenweise anhörbar, Kaufempfehlung nur für eingefleischte Fans
- 7-9 Punkte: Einige Lichtblicke, eher überdurchschnittlich, das gewisse Etwas fehlt
- 10-12 Punkte: Wirklich gutes Album, es gibt keine großen Kritikpunkte
- 13-14 Punkte: Einmalig gutes Album mit Zeug zum Klassiker, ragt deutlich aus der Masse
- 15 Punkte: Absolutes Meisterwerk - so was gibt´s höchstens einmal im Jahr
- Laubfrosch Blues
- Sturmfrei
- Lock'n Loll
- Ich hau ab
- Sibirien Bär
- Guitar Man
- Da ha ick Bock druff
- Haltestellen Blues
- Billie
- Ich hab Lust, Baby
- Bass - Tom Garn
- Gesang - Hannes Bauer
- Gitarre - Hannes Bauer
- Schlagzeug - Roy Dyke
- Sturmfrei (2026)
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