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Carla Bley: Joyful Noise (Live in Hamburg 1984) (Review)
| Artist: | Carla Bley |
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| Album: | Joyful Noise (Live in Hamburg 1984) |
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| Medium: | Do-CD | |
| Stil: | Jazz, Rock, Soul |
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| Label: | Moosicus/MIG music | |
| Spieldauer: | 116:50 | |
| Erschienen: | 24.04.2026 | |
| Website: | [Link] |
„In jedem Takt steckt ein Augenzwinkern, das Konzert ist voller Fantasie und Originalität, Freigeist und Humor.“ [bestens passende Presse-Info von MIG music zu „Joyful Noise (Live in Hamburg 1984)“]
Mal wieder echtes Glück gehabt, wird jetzt jeder Freund dieser legendären US-amerikanische Jazzmusikerin, Pianistin, Komponistin, Arrangeurin und Bandleaderin CARLA BLEY (1936–2023) denken.
Denn wie es zu diesen Aufnahmen kam, die es im Grunde ohne den Enthusiasmus von wem auch immer, sich durch Musik-Archive nach besonderen Entdeckungen zu wühlen, wäre diese Doppel-CD „Joyful Noise (Live in Hamburg 1984)“ wohl für immer und ewig in der Versenkung eines Keller-Archivs verschwunden geblieben.
Natürlich kommt in solchen Momenten immer wieder auch das größte deutsche 'Entdecker'-Label MIG music ins Spiel, unter deren Federführung dieses Jazz-Live-Überraschungs-Ei nun als Doppel-CD 42 Jahre später Zugang in die heimischen Musikanlagen aller Jazz-Freunde findet.
Wer nach dem Hören dieses vom Klang und der Musik her großartigen Konzerts sein Glück kaum glauben kann, der höre nur auf die Worte von Steve Swallow, der Hintergründiges zu dem Konzert aufklärt. Und er muss es ja wissen, denn schließlich stand er als Bassist neben CARLA BLEY und ihrer insgesamt zehnköpfigen Band an einem Frühlingstag des Jahres 1984 mit auf der Hamburger Bühne: „Dies ist eine großartige Live-Aufnahme. Michael Naura, der sich seit vielen Jahren beim NDR für den Jazz einsetzte, war ein toller Gastgeber. Er gab uns das Gefühl, dass wir hier willkommen waren und uns wohlfühlen sollten. Die Band hat gebrannt, sie feierte nicht nach, sondern während des Konzerts – aber, wie Gil Evans sagte, war es eine Party, bei der wir alle ein Ziel vor Augen hatten. Es ist ein Segen, dass diese Aufnahmen eines wirklich Aufsehen erregenden und außergewöhnlichen Auftritts unversehrt in einem Regal tief im Keller des NDR-Archivs überlebt haben! Und sie sind zudem ein unwiderlegbarer Beweis für die Kraft und Menschlichkeit in der Musik von CARLA BLEY!”
Im Rahmen des NDR-Jazzworkshops war CARLA BLEY geladen – genau zu einer Zeit, während der sie sich einerseits in einem echten Jazz-Zenit bewegte, jedoch andererseits gerade mit ihrem letzten Album „Heavy Hearts“ ihre besondere Freude für unbeschwertere und dunklere Töne mit einem Hang zum R'n'B & Soul sowie eingängigere Melodien gefunden hatte. Selbstverständlich erklangen viele der Stücke dieses Albums in deutlich längeren Versionen auch auf dem Hamburger Konzert.
Mit viel Sinn für Humor beginnt CARLA BLEY – im offensichtlichen TINA TURNER-Look – mit ihrer Ansage und den ersten musikalischen 'Spielereien' ihr Hamburger Konzert – und dem ganz großen 'La Paloma'. Natürlich hat sie damit sofort alle Hamburger auf ihrer Seite. Welch grandiose Idee!
Ein Hans Albers wäre garantiert ebenso begeistert gewesen wie seine Hamburger Landsleute, nachdem die humorvolle CARLA BLEY ihren bunten Jazz-Reigen gerade mit dieser legendären Hamburger Melodie aus „Die große Freiheit Nr. 7“ des Jahres 1944 eröffnete.
Und nach diesen zehn Eröffnungsminuten sind sie und ihre Big Band nicht mehr zu bremsen.
Fette Big-Band-Arrangements treffen auf viel Humor und riesige Spielliebe samt gleichermaßen fettem Gebläse sowie improvisatorische Musikerleidenschaft, bei der CARLA BLEY die Musik-Strippen jedoch fest in ihren Pianistinnen-Händen hält und die 12 Jazz-Blues-Soul-Rock-Live-Stücke zu ganz großem Konzert-Kino werden lässt.
Diese Frau hat eine Art, der man sofort verfällt – so wie in einer Familie, bei der man weiß: 'Mutti hat alles im Griff' und sorgt mit viel Sinn und Humor sowie riesigem Können dafür, dass alles – wirklich alles – optimal läuft und tatsächlich alle, die mit dabei sind, große Freude daran haben.
Und dann erklärt sie einem tatsächlich auch noch (zu Beginn der CD 2) in brüchigem Deutsch und mit vorsichtig erotischer Anspielung, was sich hinter „Venus Fly Trap“ verbirgt – die „Venus-Fliegenfalle“.
Für jedes Stück nimmt sich die Band viel Zeit – größtenteils zwischen 10 und 15 Minuten, wobei sie sich ein echtes Highlight für das recht rockige Ende aufspart. „Battleship“ über die Sinnlosigkeit kriegerischer Auseinandersetzungen, bei denen es am Ende nur tote Kämpfer gibt (Frau Bley erzählt vor dem Stück ausgiebig über den Hintergrund dieses Kriegsschiffes und seiner Besatzung). Als Zugabe werden die Hamburger mit dem ruhigen, fast hymnischen „Copyright Royalities“ verabschiedet, bei der neben den Bläsern auch Bleys Orgelspiel begeistert. Es klingt fast traurig, so als wäre es mehr als schade, dass dieses feine Konzert an der Waterkant, in der die „Große Freiheit Nr. 7“ beheimatet ist, nun schon zu Ende ist.
Ansonsten gilt die alt(bekannt)e Regel: Wer mit Jazz wenig anfangen kann, der wird auch „Joyful Noise (Live in Hamburg 1984)“ unbeachtet linksliegen lassen. Wer allerdings offen für ein richtig starkes Live-Konzert ist, das mit Big Band und Bläsern sowie viel Humor und einer vor drei Jahren verstorbenen, in ihrem Leben reich prämierten Jazz-Legende ein wenig Jazz-Geschichte schreibt, auch weil es den Hamburgern ihr ganz spezielles 'La Paloma' zum Besten gibt, der wird getreu dem Albumtitel viel Freude an dieser Klangkulisse des Jazz haben.
FAZIT: Guter Jazz mit viel Seele und CARLA BLEY sind eine untrennbare Einheit – bzw. waren es live bis zu ihrem Tod im Jahr 2023. Nachdem tief in den NDR-Archiven gegraben und „Joyful Noise (Live in Hamburg 1984)“ ans Licht geholt wurde, gibt es hierfür den nächsten beachtlichen Live-Beweis, den mithilfe von MIG music nun jeder Jazz-Freund sein Eigen nennen darf. Im dreiflügeligen Digipak samt achtseitigem Booklet gibt es das komplette Konzert auf zwei CDs zu hören, deren Klang noch dazu absolut bestechend ist, was sicher in puncto Abmischung bei einer zehnköpfigen Big Band mit mehreren Bläsern eine echte Herausforderung war, auch weil das prägnante Bley-Orgelspiel sich immer wieder seine Spielräume sucht. Ein weiteres Goldstück für alle Freunde des modernen Jazz und für die von CARLA BLEY sowieso!
- 1-3 Punkte: Grottenschlecht - Finger weg
- 4-6 Punkte: Streckenweise anhörbar, Kaufempfehlung nur für eingefleischte Fans
- 7-9 Punkte: Einige Lichtblicke, eher überdurchschnittlich, das gewisse Etwas fehlt
- 10-12 Punkte: Wirklich gutes Album, es gibt keine großen Kritikpunkte
- 13-14 Punkte: Einmalig gutes Album mit Zeug zum Klassiker, ragt deutlich aus der Masse
- 15 Punkte: Absolutes Meisterwerk - so was gibt´s höchstens einmal im Jahr
- CD 1 (49:16):
- La Paloma
- Talking Hearts
- Joyful Noise
- The Lord Is Listenin' To Ya, Hallelujah!
- Light Or Dark
- Misterioso
- CD 2 (67:34):
- Venus Fly Trap
- Nu Derection
- Ending It
- Starting Again / Ups And Downs
- Battleship
- Copyright Royalities
- Bass - Steve Swallow
- Keys - Carla Bley, Ted Saunders
- Schlagzeug - Victor Lewis
- Sonstige - Michael Mantler (Trompete), Gary Valente (Posaune), Vincent Chancey (Waldhorn), Bob Stewart (Tuba), Steve Slagle (Saxophone, Flöte), Tony Dagradi (Tenorsaxophon, Klarinette), Carla Bley (Glockenspiel)
Interviews:
-
keine Interviews
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