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LYLIT: Her (Review)

Artist:

LYLIT

LYLIT: Her
Album:

Her

Medium: CD/LP/Download
Stil:

Singer/Songwriter, Kook- und Chamber-Pop

Label: Syrona Records
Spieldauer: 41:43
Erschienen: 30.01.2026
Website: [Link]

Die österreichische Musikerin EVA KLAMPFER ist eine Frau mit vielen Gesichtern. Bereits im Alter von 5 Jahren begann sie Klavier zu spielen und sich musikalisch zu bilden. Ihre musikalische Laufbahn basiert dabei auf einem Studium als klassische Pianistin und Jazzsängerin. Den Einstieg ins Business startete EVA KLAMPFER als Sängerin von PAROV STELAR. Ein Treffen mit dem ehemaligen Motown-CEO KEDAR MASSENBURG, der sie in NYC als LYLIT unter Vertrag nahm, führte dann im Jahr 2009 dazu, dass ihre Karriere als Recording Artist in Bewegung kam.

Parallel zu dieser Entwicklung arbeitete sie mit dem Gitarristen MATTHIAS LÖSCHER als LYLIT LÖSCHER DUO zusammen, war als Sängerin in der Salzburger Allstar-Band SK INVITATIONAL und zusätzlich bei den WIENER SYMPHONIKERN tätig. Diese Vielzahl an Aufgaben führten zu einer Pause, weswegen LYLIT als Solo-Künstlerin erst 2018 mit der EP „Aurora“ wieder in Erscheinung trat, dem ein Jahr später das Debüt-Album „Inward Onward“ folgte.

Dass es wiederum 5 Jahre dauerte, bis ihr zweites LYLIT-Album „Her“ realisiert werden konnte, liegt daran, dass EVA KLAMPFER auch als Filmkomponistin, Dozentin für Jazz- und Pop-Gesang, Session- und Tourmusikerin und nicht zuletzt als Auftrags-Songwriterin für andere Künstler wie z.B. CONCHITA WURST arbeitete – und obendrein eine Babypause einschob.


All diese Erfahrung konnte EVA KLAMPFER dann für ihr neues Album-Projekt „Her“ einbringen – entschied sich aber dezidiert, mit diesem Werk dann einen radikalen Reset zu wagen. Anders als etwa noch das Debüt-Album „Inward Onward“, ist „Her“ keine Fingerübung in Sachen stilistischer Vielfältigkeit und klanglicher Experimente mit philosophischem Anspruch geworden, sondern ein radikal auf den musikalischen und emotionalen Kern reduziertes Statement in Sachen Reflexion, Selbstfindung und vor allen Dingen Empowerment.

Ohne sich dabei auf einen bestimmten musikalischen Stil festzulegen, legt LYLIT als Performerin ihre innersten Gedanken in einem akustischen Setting offen und arbeitet dabei alleine mit Stimme, Klavier, einem Streicher-Ensemble und Harmonie-Sängerinnen. Auf elektrische und elektronische Elemente und konventionelle Band-Arrangements – wie sie auf bisherigen LYLIT-Produktionen noch zu finden waren – wurde bewusst weitestgehend verzichtet. Stattdessen wurde das Material (wie LYLIT berichtet) oft in einem Take live im Studio eingespielt.

Während sich LYLIT als Texterin, Poetin und Philosophin in die tiefsten Abgründe ihrer Seele vorwagt und ihre Sorgen, Nöte und Zweifel zum Ausdruck bringt, findet sie auf der musikalischen Seite jeweils zu erstaunlich vielseitigen musikalischen Lösungen. Das liegt daran, dass LYLIT auf Anraten ihres Coaches zunächst die Texte schrieb und darauf basierend dann die Musik entwickelte, was in Kombination mit den live eingespielten Tracks zu einem ungefiltertem Ansatz führte.


Das Album beginnt mit dem klagend/kontemplativen Song „As Long As I Resist“, der als eine Art Beichte das Gesamtthema markiert.
Bereits mit dem zweiten, für LYLIT besonders schwierigen Track „My Body“ – in dem es um die Reklamation des eigenen Körpers geht – überrascht sie mit einer erstaunlich konventionellen Struktur, die aber im Kook-Pop-Setting in einem mitreißenden Refrain mündet, den LYLIT als wütenden Befreiungsschlag auslegt.
In dem als Solo-Ballade realisierten „I Am More“ spekuliert sie über das in ihr steckende Potential, während sie bereits im mit minimal-musikalischen Mitteln inszenierten „Forward“ den Weg nach vorne als Maß der Dinge markiert. „Forward“ ist dabei übrigens einer der wenigen Tracks, bei denen rhythmische Akzente eine akzentuierende Rolle spielen (hier etwa markiert durch einen Metronom-Sound).

Die beiden streng klassisch ausgerichteten, instrumentalen Preluden „I“ und „II“ dienen hierbei als Zwischentitel, welche die verschiedenen Kapitel des Albums voneinander abgrenzen. Denn nach der ersten Prelude nennt LYLIT mit Kook-Pop-Drive in „Call The Things By Your Name“ eben die Dinge beim Namen und droht im nachfolgenden avantgardistisch aufgebohrten „Crush“ alles zu zerquetschen, was sich ihr in den Weg stellt – und erlaubt hier sogar einem Drummer, der Sache Nachdruck zu verleihen.


Im folgenden „Let It Bleed“ schneidet sich die Musikerin metaphorisch ins eigene Fleisch – wohl um zum zu schauen, was sie dabei empfindet. In emotionaler Hinsicht ist der schwelgerische Chamber-Pop-Song „Let Go“ vielleicht am effektivsten – nicht zuletzt, weil LYLIT als Erzählerin mit resignativer Note zu dem Schluss kommt, bestimmte Gedanken und Empfindungen fahren zu lassen.

Nach einer weiteren Prelude findet sie schließlich zu der Erkenntnis, dass es sich mit Zweifeln und Selbstverachtung wohl nicht gut leben lässt. Das finale „Her“ – kein klassischer Song, sondern eher eine Meditation zu impressionistischer Klangmalerei – ist allerdings kein Selbstporträt, sondern eine lebensbejahende Ode an eine sich offenbarende personifizierte Freude – etwas also, dem sich LYLIT als Protagonistin zuvor verschlossen hatte, womit sie einen Weg zur Katharsis aufzeigt. Auf diese Art beendet LYLIT „Her“ mit einer positiven Note, nicht zuletzt auch, weil sie als junge Mutter eine gewisse Verantwortung trägt, bei der sie sich eine überwiegend negative Perspektive einfach nicht mehr leisten kann.




FAZIT: Das zweite Album „Her“ der österreichischen Künstlerin LYLIT überrascht durch seinen radikalen, auf Reduktion ausgelegten musikalischen Ansatz, mit dem sich LYLIT zwar bezüglich der Instrumentierung und der Arrangements Einschränkungen auferlegte, aber in performerischer, stilistischer und kompositorischer Hinsicht alle Möglichkeiten nutzte, das Album zu einer abwechslungsreichen, emotional berührenden und immens vielseitigen Songsammlung zu formen.

Ullrich Maurer (Info) (Review 34x gelesen, veröffentlicht am )

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Wertung: 13 von 15 Punkten [?]
13 Punkte
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Tracklist:
  • As Long As I Resist
  • My Body
  • I Am More
  • Forward
  • Prelude I
  • Call The Things By Your Name
  • Crush
  • Let It Bleed
  • Let Go
  • Prelude II
  • I Can’t Do This
  • Her

Besetzung:

Alle Reviews dieser Band:

  • Her (2026) - 13/15 Punkten
Interviews:
  • keine Interviews
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