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Wintergarden: Wintergarden (1979) & The Land Of Milk And Honey (1980) (Review)

Artist:

Wintergarden

Wintergarden: Wintergarden (1979) & The Land Of Milk And Honey (1980)
Album:

Wintergarden (1979) & The Land Of Milk And Honey (1980)

Medium: Do-CD
Stil:

Melodic Rock, Kraut, Psyche, AOR, Westcoast-Pop

Label: MIG music
Spieldauer: 113:41
Erschienen: 24.04.2026
Website: [Link]

Na?! Kennt irgendjemand noch WINTERGARDEN?
Nein!
Die Jungs sind ein klassischer Fall von 'Längst vergessen'!
Wenn es da nicht MIG music gäbe, dann würde das garantiert auch so bleiben. Doch zum Glück gibt’s dieses Raritäten-Entdecker-Label ja – und daher auch wieder diese längst vergessenen Aufnahmen – und das sogar mit zusätzlichen Bonus-Stücken!

Also ein kurzer Blick mitten hinein in die Musik-Geschichte, die umfangreich zugleich in dem 12-seitigen Booklet zur Doppel-CD „Wintergarden (1979) & The Land Of Milk And Honey (1980)“ (geschrieben von WINTERGARDEN-Sänger Walter Seyffer) nachgelesen werden kann – und die unmittelbar mit den ebenfalls längst vergessenen, aber trotzdem umso spannenderen NINE DAY'S WONDER (zu denen ihr besagter Sänger und Booklet-Schreiber übrigens damals noch unmissverständlich feststellte: „ZAPPA ist der Papa!“) zusammenhängt.
Die beiden verbliebenen NDW (Ein lustige Abkürzung, oder?) Mitglieder Walter Seyffer und Bernd Unger ließen nunmehr also als Duo die seltsam neu klingenden Sound-Blüten – frisch aus Amerika importiert, wie es schien – in ihrem WINTERGARDEN erblühen.


Allerdings waren WINTERGARDEN zu dem Zeitpunkt der NINE DAY'S WONDER-Auflösung längst nicht mehr ZAPPA-Kinder, sondern wurden aus musikalischer Orientierungssicht anscheinend von den EAGLES adoptiert, wobei die Produktion ihrer beiden Alben – die damals noch auf dem legendären 70er-Jahre-Harvest-Label veröffentlicht wurden – von bestechender Klangqualität waren.

Nun ja. Im Grunde ein Fakt, der für viele bis heute nicht nachvollziehbar war. Sie sind tatsächlich - trotzdem sie aus den NINE DAYS WONDER hervorgingen - komplett nach zwei Alben untergegangen und mit Nichtbeachtung gestraft. Das ist sogar durchaus verständlich, weil die Unterschiede zwischen den NINE DAYS WONDER und WINTERGARDEN einfach riesig waren – und sicher bei vielen Musikfreunden der Spätsiebziger alle Erwartungen enttäuschten. Denn der Krautrock war bei WINTERGARDEN offensichtlich Geschichte, dafür gab's hitorientierte Ami-Sounds mit sehr kommerziell klingendem Hintergrund. Ideal geeignet für die 80er-Rock/Pop-Jahre voller Wellenbewegungen, aber trotzdem auch auf handgemachte Qualität setzend, wenn beispielsweise im besten Stil von URIAH HEEP der grandiose 10 Minuten lange „Swan Song“ (der wie ein floydianisches Geschwisterchen von „Echoes“ beginnt) erklang. Ein echtes Highlight der kurzen WINTERGARDEN-Karriere!


Auf jeden Fall darf es als kleine Sensation gelten, „Wintergarden“ aus dem Jahr 1979 und „The Land Of Milk And Honey“ des Jahres 1980 nach über 46 Jahren erstmals statt auf den großen, gerillten Schwarzlingen auf den digitalisierten Silberlingen in Ohrenschein nehmen zu dürfen. Mit so viel Abstand ist es durchaus angebracht, sich diesbezüglich sein eigenes Bild machen zu können. Auf jeden Fall gibt’s mit „Wintergarden (1979) & The Land Of Milk And Honey (1980)“ ein echtes klangtechnisches, aber durchaus auch musikalisches Erlebnis. Speziell für alle Freunde der harmonischen, deutlich amerikanisch geprägten US-Westcoast-Pop-Musik, die sich im Hotel California besonders wohl fühlten und auf die musikalischen Adlerflügel setzten, die in den Spätsiebzigern für gehörigen Hit-Wind sorgten und im Falle von WINTERGARDEN auf das viel gepriesene Land von Milch und Honig setzten.

Im Booklet wird dann auch vom WINTERGARDEN-Sänger aufgeklärt, wie es zu dem seltsamen Namen mit biologischem Hintergrund, der im Grunde ein theatralischer war, kam: „Im Mai 1977 stand ich in meinem Zimmer des New Yorker 'Taft'-Hotels und schaute aus dem Fenster auf die gegenüberliegenden Gebäude. In glitzernden weißen Neon-Buchstaben stand auf einem der Gebäude WINTERGARDEN THEATER NYC. Und da man den Namen im Deutschen wie Englischen gut versteht, fand ich das echt passend. Schließlich waren wir eine Band aus Deutschland, die englische Songs schrieb.“


In einem Song wie „Face To Face“ scheint genau dieser Impuls dann auch zum Ausdruck zu kommen. Passend auf jeden Fall – und keinesfalls schlecht. Eigentlich eine übersehene Hit-Nummer, die wohl mit ihren fast sieben Minuten Laufzeit einfach zu lang geraten war.

Und dann kam unerbittlich die Neue Deutsche Welle und überrollte die ehemaligen NDW- und späteren WINTERGARDEN-Musiker total. Ironie der (Musik-)Geschichte, die plötzlich ziemlich blöd dastanden, während andere einen aus „Blauen Augen“ direkt vom „Goldenen Reiter“ entgegenblickten und im „Ich will Spaß“-Modus zur weltbewegenden Feststellung „Da Da Da – ich lieb dich nicht, du liebst mich nicht“ kamen.
Zwar war das kein „Skandal im Sperrbezirk“, aber eine musiktechnische Katastrophe für WINTERGARDEN, die mit ihrer Musik einfach nicht mehr in das neudeutschgewellte Bild der frühen 1980er-Jahre passten.
Zum Glück ist diese Zeit im Grunde längst vorbei und entpuppte sich als eine zwar spannende, aber nicht wirklich lang nachwirkende Modeerscheinung, sodass es wieder an der Zeit ist, anno 2026 die beiden wichtigen ersten WINTERGARDEN-Alben hervorzuholen und fein neu zu veröffentlichen – und dabei zu hoffen, dass sie in ihrer EAGLES-Ausrichtung nicht zum GEIER STURZFLUG werden und ein wenig das deutsche „Bruttosozialprodukt“ steigern. Schön wär's!

Nunmehr wird also aus den zwei raren LP-Sammlerstücken „Wintergarden“ und „The Land Of Milk And Honey“ dieser CD-Doppeldecker im dreiflügeligen Digipak (plus 12-seitigem Booklet), soundtechnisch fein als 2026er-Mix aufgearbeitet und vollgepackt mit insgesamt sieben Boni.


FAZIT: Hervorgegangen aus NINE DAY'S WONDER formierte sich in den Spätsiebzigern WINTERGARDEN, allerdings nicht mit dem krautrockigen Ansatz ihrer Vorgänger, sondern einer deutlichen Hinwendung zum Ami-Pop mit immer noch etwas Rock-Appeal, aber viel Gefühl, so als wollten sie gemeinsam mit den EAGLES ins Hotel California einziehen. Dieser Ansatz ging insgesamt (trotz Big Deal beim Harvest-Label) ziemlich in die Hose, da sich unbeobachtet die kunterbunten Musik-Schlüpfer der Neuen Deutschen Welle verselbstständigten und nicht mehr auf Lasso, Cowboyhut und Westernstiefel dem Sonnenuntergang an der Westküste entgegenreiten wollten. So waren WINTERGARDEN nach zwei Alben vergessen, die allerdings aus heutiger Sicht durchaus als beachtlich einzuordnen sind. Glücklicherweise sieht dies das MIG-music-Label ganz ähnlich und veröffentlicht „Wintergarden (1979) & The Land Of Milk And Honey (1980)“ tatsächlich erstmals nach 45 Jahren auf zwei Silberlingen, angereichert mit vielen Boni, in einem feinen dreiflügeligen Digipak und einem 12-seitigen Booklet mit der WINTERGARDEN-Geschichte aus Sicht ihres Sängers Walter Seyffer erzählt. Ein bestens klingender Leckerbissen für alle Sammler und Freunde der Musik rund um die EAGLES oder eben auch derjenigen, die wissen wollen, wie es nach dem krautrockigen Ende der NINE DAY'S WONDER weiterging.

Thoralf Koß - Chefredakteur (Info) (Review 58x gelesen, veröffentlicht am )

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Tracklist:
  • CD 1 – Wintergarden (1979) (55:20):
  • Judy's Blue Monday Cafe
  • Up And Down The Road
  • Blame It On These Endless Nights
  • The Lady On The One Pound Note
  • Josephine
  • Khaki Eyes
  • The Way We Were
  • = Bonus Tracks =
  • Panorama City
  • Mayday
  • Real Happiness
  • Blame It On These Endless Nights
  • CD 2 – The Land Of Milk And Honey (1980) (58:21):
  • Anything Left To Share
  • Au Pair Girl
  • Gun That Motor Boy
  • Swan Song
  • The Land Of Milk & Honey
  • Sweet Rollin' Train
  • Face To Face
  • And Your Bird Can Sing
  • The Land Of Milk & Honey Part II
  • = Bonus Tracks (Demo recordings from the album „III“ 1981) =
  • Fear Of Future
  • Before I Wrote It Down
  • Long Goodbye

Besetzung:

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