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Orphan Hate: Blinded by Illusions (Review)

Artist:

Orphan Hate

Orphan Hate: Blinded by Illusions
Album:

Blinded by Illusions

Medium: CD
Stil:

Death / Thrash Metal

Label: Plainsong Records
Spieldauer: 55:03
Erschienen: 09.05.2008
Website: [Link]

Schon wieder eine Band mit einer weiblichen Sängerin. Nachdem NIGHTWISH mindestens 20 mal kopiert worden ist, hat man darauf doch eigentlich keine Lust mehr. Während ich mich genervt frage, warum so viele Musiker so scharf darauf sind, dass ihre Band immer und immer wieder auf eine Frontfrau reduziert wird, lege ich „Blinded by Illusions“ in den CD-Player.

Doch wenn man ORPHAN HATE vorschnell für ihre Sängerin verurteilt, begeht man einen Fehler. Bereits nach dem zweiten Hören des Albums hatte ich Ohrwürmer von den Liedern „Walk Straight“ und „Circus“, so dass ich das Bedürfnis hatte, die Platte direkt wieder und wieder zu hören. Eigentlich hätte man es wissen können: Das Genre zeigt bereits, dass man eher Vergleiche zu ARCH ENEMY ziehen sollte. Doch auch hier sind die 5 Berliner zumindest beim Gesang ein gutes Stück innovativer. Sina Niklas, die gesangstechnisch brillante Frontrau, die alle Songtexte selbst schrieb und dabei auch viele Erlebnisse der Bandgeschichte verarbeitet hat, beweist auf dem Album „Blinded by Illusions“, dass sie mehr als nur primitives Growlen und Shouten an den Tag legen kann. Neben diesen härteren Stellen, sind gerade in den Refrains immer wieder klar und wahnsinnig melodisch gesungene Parts zu finden. Diese sind aber keineswegs so verjodelt, wie man das aus dem „Gothic-Metal“ gewohnt ist, sondern durchaus souverän in einer natürlichen Tonlage. Warum konnten andere Metalbands so etwas bisher nicht produzieren?

ORPHAN HATE, die in der Berliner Death- und Threash-Metal Szene schon seit geraumer Zeit als Geheimtipp gehandelt werden, sollten bloß nicht wie andere Metalbands mit Frontfrau auf diese reduziert werden. Natürlich ist der ungewohnte gesangliche Mix eins der Hauptmarkenzeichen, doch auch der Rest der Band macht einen verdammt genialen Job. Insbesondere der Übergang von aggressiven und eingängigen Riffs in Kombination mit Growlen, zum klaren Gesang, der mit einer verspielten, schon fast solotauglichen Gitarre hinterlegt wird, überzeugt einfach. Die Umsetzung dieser phänomenalen Technik lassen es mir, jedes Mal wenn ich den ersten Teil des Übergangs und damit die Einleitung zum Refrain der Titel „Circus“ oder „Homeless“ höre, kalt den Rücken runterlaufen. Hierbei kommt einfach nur der Wunsch nach einem ordentlichen Livekonzert mit Moshpit auf.

Rhythmisch merkt man deutlich den Einfluss von DISTURBED, auch wenn die Breaks nicht ganz so abgehackt eingesetzt werden. Auch IN FLAMES und ARCH ENEMY Fans werden bei ORPHAN HATE sicherlich ihren Spaß haben. Doch auch hier ist es kein primitives Nachmachen zu finden. Vielmehr steckt ein hohes Maß an eigener Kreativität und geschicktes Zusammenstellen der Merkmale der oben genannten Bands in den Songs. Besonders hervorzuheben, sind dabei die unzählig vielen kleinen Spielereien der Leadgitarre, die ORPHAN HATE in jedem Song umsetzen. Die Songwriter Marcus und Alex hatten die geniale Idee, die Melodie von Gesang und Rhythmusgitarre kommen zu lassen. Die vermeidliche, verspielte „Leadgitarre“ wird dabei im Hintergrund eingesetzt, um soloähnliche Passagen zu zocken.

Der Trick mit der „Leadgitarre“ und das außergewöhnliche Gesangsspektrum von Sina verleihen ORPHAN HATE schon bei ihrem Debutalbum einen eigenen Stil. Somit hat man bei allen Liedern des Albums, außer dem akustischen „Étude N°”, einen hohen Wiedererkennungswert. Dennoch langweilt man sich nicht durch permanent gleich klingende Musik. „This Child“ ist ein anderes Beispiel für die Vielfalt der Band. Zu Beginn des Titels hat man, obwohl man die Berliner zweifelsohne erkennt, fast das Gefühl Nu Metal zu hören. Der Letzte Song des Albums „Fragance“ ist als Ballade und Outro geschrieben. In dem zu 70% mit unverzerrten Gitarren gespielten Titel unterstreicht die Band, dass in ihr nicht nur Aggressionen und Potential zum Knüppeln steckt, sondern auch Fingerspitzengefühl für ruhigere und musikalisch anspruchsvolle Lieder. Ich kann und will das Review nicht beenden, ohne den Knaller „24/7 Liar“ zu erwähnen. Bei diesem ist nicht nur das komplette Stimmspektrum von Sina zu hören, sondern ein brutal geiles erstes Gitarrensolo, welches diesmal umgekehrt von ein paar Growls im Hintergrund unterstützt wird. Nachdem das Lied weiter fortgeschritten ist, kommt aber noch ein zweites, geileres mit richtig viel Spannung aufgebautes Solo. Hierbei hört man zu erst nur ein bisschen Schlagzeug mit Bass, hinzukommt die Rhythmusgitarre mit abgehackten Riffs, im nächsten Schritt setzt die Leadgitarre mit unterstützendem Gefrickel ein, dieses geht dann zum Schluss in ein ekstatisches Solo über. Einfach nur genial!

FAZIT: Mit „Blinded by Illusions“ beweisen ORPHAN HATE eindrücklich, dass sie in der Berliner Metalszene zurecht der Geheimtipp WAREN. Diesen Status müssen sie nun wohl aufgeben. Das Album überzeugt, durch die fetzig klingenden Sounds der brillanten Songwriter Marcus und Alex. Besonders hervorzuheben sind die kleinen Spielereien der Gitarristen und das phänomenale Spektrum an Gesangstechniken von Sina, die „Blinded by Illusions“ somit den eigenen Charakter geben, den so viele Alben von Newcomern nicht vorweisen können. Insbesondere freue ich mich schon auf den Moment einen ORPHAN HATE Song in meiner Lieblingsdisco zu hören oder aber die Band bei Ihrer CD-Realese Party am 16.5.2008 im Cassiopeia. mit Unterstützung von DRONE in Berlin zu sehen.

René Pickhardt

Gast-Rezensent (Info) (Review 4135x gelesen, veröffentlicht am )

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Tracklist:
  • Walk Straight
  • 24/7 Liar
  • Circus
  • King's Misery
  • No Matter What...
  • Evil A
  • Homeless
  • This Child
  • Étude N°
  • Passion
  • The Spine [I've Never Had]
  • Nothing's What It Seems
  • Pull Out Some Hope
  • Fragrance

Besetzung:

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