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Self Deception: ONE OF US (Review)
| Artist: | Self Deception |
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| Album: | ONE OF US |
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| Medium: | CD/LP/Download | |
| Stil: | Modern Rock, Metalcore |
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| Label: | Napalm Records | |
| Spieldauer: | 35:52 | |
| Erschienen: | 15.05.2026 | |
| Website: | [Link] |
Napalm Records „bereichern“ ihren klamaukigen Back-Katalog aus Sauf-, Piraten- und Schunkel-Liedern dieser Tage vermehrt um Beiträge aus der modernen Rock- und Metal-Szene. Die unsäglichen SPACE OF VARIATIONS sind dabei hingegen noch lange nicht die Platzhirsche im Ring der Unarten. Ihnen laufen die Schweden von SELF DECEPTION nämlich den Rang ab. Entsprechend grenzt es seinerseits an Selbsttäuschung, sich deren neuestes Machwerk „ONE OF US“ schönzureden.
Die soliden Hardcore-Referenzen des Openers und Titeltracks könnten da fast noch versöhnlich stimmen, wenn die präsentierte Härte im nachfolgenden „TIME’S UP“ nicht grandios zu Fall gebracht würde. SELF DECEPTION gerieren sich nunmehr als Crossover-Band, die Rap-Einlagen, Rock und verzerrte Vocals aus der ELECTRIC-CALLBOY-Trancecore-Hölle zusammenrührt, während die dargebotenen Lyrics derart „explicit“ daherkommen, dass Sittenwächter allenthalben Alarm schlagen müssten, hätte nicht jeder Dreijährige schonmal „fuck“ gehört.
„WAKE UP“ vertieft sodann das Bekenntnis zu Sprechgesang und elektronisch verfremdeten Vocals. Dass die Nummer entgegen ihrer Betitelung eigentlich zum Einschlafen ist, könnte man als guten Gag durchgehen lassen. Was in diesem Fall den einzelnen Song betrifft, gilt im Grunde für die ganze Platte: jede Art von Verfremdung – sie ist oft genug ein Zeichen halbgarer Performance – steht dem Sänger denkbar schlecht. Sie nimmt der Musik bisweilen die Ernsthaftigkeit. Und je länger man sich mit „ONE OF US“ beschäftigt, umso mehr verfestigt sich der Gedanke, dass die Schweden das – traurigerweise – genauso haben wollen. Wie unglaubwürdig sich angesichts dessen ein „DON’T B E L O N G“ ausnimmt, welches suggeriert, dass der Ernst des Lebens selbst den härtesten Rocker besänftigt.
„DEATH OF ME“ verbindet anschließend nervöse Beats, Nervtöter-Synth-Pop und seelenlosen Stumpfsinn, bevor die Rhythmussektion in den nächsten cheesy Skip-Kandidat „BREAK!“ Breakdowns mit der Holzhammer-Methode hineinzwingt. Der Song muss schließlich seinem Namen gerecht werden, weil das an anderer Stelle ja bereits so vorzüglich geklappt hat (Achtung, Ironie). Und auf ein Neues entsteht der Eindruck, dass hier die Verballhornung regiert. Umso mehr, wenn später die pervertierte Version eines Kinderreims und albernes Tetris-Gedudel zur Schau gestellt werden („KETAMINE COWBOY“). Gleichzeitig nimmt man sich unheimlich wichtig; die graphische Repräsentation aller Liedtitel in Majuskeln – nebenbei bemerkt, ebenso eine Verfehlung vom SPACE-OF-VARIATIONS-Langdreher – deutet darauf hin, dass diese „Kunst“ eben in großen Lettern geschrieben werden muss, noch ehe freilich sich jemand über sie ein Urteil bildet.
Derart fragwürdig wirkt auch der Rest der guten halben Stunde Musik. SELF DECEPTION lugen mit hymnischem Chorus („ENTERTAINED“) schon in die große Arena, bleiben indes am Ende des Tages lediglich eine generische Kirmes-Kapelle. Mit welchem Selbstverständnis – um nicht zu sagen: Selbstbewusstsein – die schwedische Band da auftritt, wo hier jeder Breakdown, im Album-Rausschmeißer „GODDAMN ME“ mal wieder herrlich deplatziert, auf den Boden der Tatsachen zurückführt.
FAZIT: SELF DECEPTION wollen auf „ONE OF US“ vieles sein: LINKIN-PARK-Surrogat mit dickeren Eiern, moderner Hardcore-Metal-Hybrid mit Emo-Schlagseite und am liebsten Vertreter einer neuen Form stadiontauglicher Rock-Musik. Dabei sind sie erstmal nur eines: unentschlossene, kommerzgeile Opportunisten, die in durchschnittlich drei Minuten Effekt auf Effekt schichten, um darüber hinwegzutäuschen, dass sie musikalisch nichts Bedeutendes zu sagen haben. Zugleich geht die Verquickung von prätentiösem Bullshit und fehlender Seriosität gehörig auf den Zeiger. „Are you not entertained?“ Fuck, no!
- 1-3 Punkte: Grottenschlecht - Finger weg
- 4-6 Punkte: Streckenweise anhörbar, Kaufempfehlung nur für eingefleischte Fans
- 7-9 Punkte: Einige Lichtblicke, eher überdurchschnittlich, das gewisse Etwas fehlt
- 10-12 Punkte: Wirklich gutes Album, es gibt keine großen Kritikpunkte
- 13-14 Punkte: Einmalig gutes Album mit Zeug zum Klassiker, ragt deutlich aus der Masse
- 15 Punkte: Absolutes Meisterwerk - so was gibt´s höchstens einmal im Jahr
- ONE OF US (3:12)
- TIME'S UP (3:31)
- WAKE UP (3:00)
- DON'T B E L O N G (3:23)
- DEATH OF ME (3:09)
- BREAK! (2:53)
- THE WEDDING (3:31)
- KETAMINE COWBOY (3:04)
- BLAME (3:16)
- ENTERTAINED (3:29)
- GODDAMN ME (3:24)
- Bass - Patrik Carlberg Hallgren
- Gesang - Andreas Clark
- Gitarre - Ronny Westphal
- Schlagzeug - Erik Ingels Graham
- Self Deception (2018) - 13/15 Punkten
- ONE OF US (2026) - 5/15 Punkten
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