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Idle Heirs: Life is Violence (Review)

Artist:

Idle Heirs

Idle Heirs: Life is Violence
Album:

Life is Violence

Medium: CD/LP/Download
Stil:

Post Metal und mehr

Label: Relapse Records
Spieldauer: 50:48
Erschienen: 11.04.2025
Website: [Link]

„Rather than the conditions being right for a musical reprise, the conditions had to be all wrong, leaving only one way forward.“ Das Zwei-Mann-Projekt IDLE HEIRS, eine aus Kansas stammende Kollaboration des ehemaligen COALESCE-Sängers Sean Ingram mit Musiker und Producer Josh Barber, lässt keinen Zweifel daran aufkommen, dass das Material auf deren Debüt-Album „Life is Violence“ nicht nur dem Titel nach aus einer Krise geboren ist. Die acht Tracks setzen nämlich eine derart rohe emotionale Energie frei, wie man es selten in dieser Intensität zu Gehör bekommt.

Man sollte sich daher von den einleitenden, noch recht handzahm erklingenden Arpeggios des Openers „Loose Tooth“ nicht täuschen lassen. Wie im Eröffnungsstück sind die ruhigen Momente vielfach nur dazu da, um im Laufe des Liedes die knallharte Post-Metal-Breitseite und auf diese Weise den großen Punch in die Zähne des Hörers vorzubereiten.

Überhaupt ist die bisweilen verhaltene Instrumentierung das Mittel der Wahl, spannungsgeladene Arrangements zu kreieren. Wenn die Laut/Leise-Dynamik als Regel den Song beherrscht, muss die epische Melodie am Anfang von „Rare Bird“ – im Hintergrund mischt sich die Akustikgitarre ein – bis zum Einsatz der brutalen Vocals, die ein bisschen an Greg Puciato (THE DILLINGER ESCAPE PLAN) erinnern, zunächst zurücktreten. Gerade Sean Ingrams kehliges Gebrüll markiert ein ausdrucksstarkes Highlight, grundsätzlich, sodass die Einschätzung naheliegt: man nutzt die Stärken des Sängers gekonnt aus.

Die Musik auf diesem herausragenden Einstand sorgt für Begeisterung, weil sie zu einem intensiven Hassbatzen geformt wurde, der mit jeder Note durch Mark und Bein geht, und vielfältig genug erscheint, dass man in ihr auf Entdeckungsreise gehen kann. So gemahnt „Jaded Mountain“ mit seinen tonnenschweren Riffs und dem Black-Metal-kompatiblen Schluss an die amerikanischen Doom/Sludge-Meister von MORNE, während im nachfolgenden „Lemonade Strands“ die harten Gitarrenwände einmal mehr von einem filigranen, ambientartigen Post-Rock-Teppich aufgehübscht werden.

Die langsame Entfaltung von „Dim Shepherd“ rechtfertigt die Neun-Minuten-Marke, welche nur noch vom zweiten Longtrack „Dead Ringer“ gerissen wird. Besonders der „Dunkle Hirte“ spielt dabei Friedhofstöne im besten Sinne und gerät dadurch wundervoll trauertragend. Daneben macht ihn sein Kompositionsprinzip zur perfekten Musizierkunst: das Crescendo gipfelt schließlich in einem mitreißenden emotionalen Ausbruch, der die Himmel aufreißt und kaum mehr steigerungsfähig scheint, bis er dann endlich im zweiten Durchlauf von herrlicher Solo-Gitarre komplettiert wird.

So schroff wie die Headbang-Offenbarung „Pillow Talk“ schon losgeht, wirkt es nur konsequent, dass diese im Finale einen brachialen Moshdown vollführt, der Deathcore-Jünger gewiss heiter frohlocken macht. Wohingegen das Ausmaß musikalischer Härte dort ans Maximum getrieben wird, beschränkt sich das Schlusswort „Momma“ auf gleichförmig tönende Akustikgitarren, hinter denen allenfalls subtil die Piano-Tropfen perlen. Das zeugt von sehr gutem Geschmack. Wie sonst sollte ein Album enden, dass nichts außer Brachland hinterlässt?

FAZIT: IDLE HEIRS verbinden auf ihrem Erstling „Life is Violence“ abwechslungsreiches Songwriting mit einer markerschütternden, durchschlagskräftigen Interpretation dessen, was man seit den Neunzigern „Post Metal“ genannt hat. Und werden durch ihre eigenen musikalischen Duftmarken dieser nichtssagenden Bezeichnung dennoch wenig gerecht. Insgesamt hätte ein solch reifes Album schon letztes Jahr deutlich mehr Aufmerksamkeit verdient!

Tim Rahrbach (Info) (Review 59x gelesen, veröffentlicht am )

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Wertung: 13 von 15 Punkten [?]
13 Punkte
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Tracklist:
  • Loose Tooth (4:56)
  • Rare Bird (6:43)
  • Jaded Mountain (4:12)
  • Lemonade Stands (7:03)
  • Dim Shepherd (8:59)
  • Pillow Talk (4:26)
  • Dead Ringer (9:39)
  • Momma (4:47)

Besetzung:

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