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Michael Weston King: Nothing Can Hurt Me Anymore (Review)

Artist:

Michael Weston King

Michael Weston King: Nothing Can Hurt Me Anymore
Album:

Nothing Can Hurt Me Anymore

Medium: CD/LP/Download
Stil:

Singer/Songwriter, Folk

Label: Continental Song City
Spieldauer: 49:49
Erschienen: 03.04.2026
Website: [Link]

Der englische Songwriter MICHAEL WESTON KING war 2024 gerade damit beschäftigt, zusammen mit seiner Frau LOU DAGLEISH in ihrer Wahlheimat Wales ein neues Album des gemeinsamen Projektes MY DARLING CLEMENTINE vorzubereiten, als im Sommer des Jahres das Messerattentat in Kings Geburtsort Southport geschah, bei dem drei kleine Mädchen von einem islamistischen Extremisten ermordet wurden. Eines der drei Mädchen war seine Enkeltochter BEBE KING.

Die Arbeiten an dem MY DARLING CLEMENTINE Album fühlten sich danach nicht mehr richtig an und MICHAEL WESTON KING und seine Ehefrau beschlossen, sich eine Auszeit von dem Projekt zu nehmen, um - jeder für sich - zu versuchen, mit der Situation irgendwie umgehen zu können. Für King bedeutete das, dass er zunächst ein paar Songs zu dem Thema und dessen Folgen schrieb (bzw. schreiben musste), über die er diesen Schicksalsschlag dann künstlerisch verarbeiten konnte. Diese bildeten letztlich die Basis für sein neues Solo-Album "Nothing Can Hurt Me Anymore", welches so nie geplant war, letztlich aber in kathartischer Hinsicht sogar notwendig wurde.


Als gewieftem Musikus war es MICHAEL WESTON KING aber klar, dass er die Zuhörer nicht mit diesem schweren Thema 'erschlagen' konnte und er nicht selbst in musikalischer Schwermut versinken wollte. Daher wendete er einige Kunstgriffen an, die ihn als versierten Veteranen seiner Zunft auszeichneten. Zunächst beschloss er, einige Songs hinzuzufügen, die sich mit anderen Themen als dem Southport-Attentat und dessen Folgen beschäftigten. In den Tracks "A Field Of Our Own" und "Grow Old With Me" wird etwa die geänderte Sicht auf das gemeinsame Leben im Alter und mit "When I Grow Old" das Alter selbst zum Thema gemacht.


Auch stöberte MICHAEL WESTON KING im Archiv und fand dort ältere Tracks, die bislang aus formalen Gründen nicht den Weg auf Albenprojekte gefunden hatten. Das swingende Soul-Pop-Duett "Just A Girl In The Summertime" (auf dem JACKIE MORAN als Gesangspartnerin zur Verfügung stand) fand er beispielsweise auf einem alten Tape, welches er digitalisierte und für die LP überarbeitete. Den Song "A Mother's Pride" schrieb er einige Zeit zuvor für seine verstorbene Mutter, der er nach eigener Aussage seine musikalische Prägung über deren Sammlung von 45er-Singles zu wesentlichen Teilen verdanke: „Ihr Held war Cliff Richard", erklärt er und setzte ihr mit diesem musikalischen Familien-Porträt auf diese Weise ein künstlerisches Denkmal.

Bemerkenswert ist besonders die musikalische Umsetzung, die letztlich dazu führte, dass sein Album zu den reichhaltigsten und abwechslungsreichen Arbeiten zählt. So gibt es nur wenige Tracks mit einer eher bittersüßen Note - wie an den an seinen verstorbenen Freund TOWNES VAN ZANDT erinnernden Titeltrack "Nothing Can Hurt Me Anymore", den er als Moll-Blues anlegte, die emotionale Brit-Pop-Hymne "Die Of Shame" oder die anrührende, abschließende Akustik-Ballade "Sally Sparkle", die von Bebes 'Künstlernamen' inspiriert wurde, den seine Enkelin für ihre Shows auf der Schaukel im Garten verwendete.


Die anderen Songs des Albums kommen hingegen eher als aufmunternde, klassische Britpop-, Beat- oder Americana-Nummern daher. Der Opener des Albums "The Golden Hour" ist etwa eine unumwundene musikalische Hommage an BRUCE SPRINGSTEEN (genau gesagt an dessen Song "For You" von der ersten LP "Greetings From Asbury Park"). "La Bamba In The Rain" erscheint musikalisch im Gewand einer leichtfüßigen britischen Country-Nummer und "A Mother's Pride" feiert den Spirit, den seine Mutter durch das Leben trug, mit einem munteren Pub-Rock-Sound.


Im Studio unterstützen ließ sich MICHAEL WESTON KING bei diesem Projekt von einer Riege hochkarätiger britischer Session-Musiker, was dann den organischen Band-Sound und die vergleichsweise überraschend opulenten Arrangements erklärt. Als Gäste sind der Co-Produzent COLIN ELLIOT (der auch als Bassist fungierte), Trompeter MATT HOLLAND aus VAN MORRISONs Band sowie der alte Kumpel JEB LOY NICHOLS, der König der Gelassenheit, der sozusagen um die Ecke wohnt und ihn gesanglich bei einigen Tracks unterstützte, mit dabei.

MICHAEL WESTON KING muss sich sowieso längst nichts mehr beweisen und kann aus einer Position der kreativen Unabhängigkeit agieren - dabei insbesondere auch stilistisch machen und lassen, was ihm beliebt. Gerade diese musikalische Unabhängigkeit zahlt sich bei diesem Album aus, denn sie ermöglichte es ihm, mit "Nothing Can Hurt Me Anymore" ein Werk zu erschaffen, das trotz der enormen emotionalen Schwere zwar durchaus berührend, aber keineswegs schwermütig oder depressiv angelegt ist, sondern auf der musikalischen Seite sogar sehr vielseitig, kurzweilig und unterhaltsam erscheint.


FAZIT: Mit dem Album "Nothing Can Hurt Me Anymore" legt MICHAEL WESTON KING - unbeabsichtigt - das persönlichste und wichtigste Werk seiner gesamten Karriere vor. Dabei findet er auf der inhaltlichen, moralischen, emotionalen und sogar musikalischen Ebene genau die richtige Balance zwischen persönlicher Betroffenheit und Trauerbewältigung und einer kämpferisch/trotzigen Haltung, bei der sowohl die Erinnerung an bessere Zeiten, wie auch die Hoffnung, dass es solche wieder geben könnte, im Zentrum seiner Betrachtungen stehen.

PS: Auch MICHAEL WESTON KINGs Ehefrau LOU DALGLEISH wird in Kürze ein eigenes Solo-Album auflegen, auf dem sie sich mit dem Thema auseinandersetzt. Erst danach ist dann an ein neues Album des MY DARLING CLEMENTINE-Projektes zu denken.

Ullrich Maurer (Info) (Review 39x gelesen, veröffentlicht am )

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Wertung: 12 von 15 Punkten [?]
12 Punkte
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Tracklist:
  • The Golden Hour
  • Nothing Can Hurt Me Anymore
  • Die Of Shame
  • A Field Of Our Own
  • Grow Old With Me
  • Just A Girl In The Summertime
  • La Bamba In The Rain
  • When I Grow Old
  • A Mother's Pride
  • Into The West
  • Sally Sparkles

Besetzung:

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