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Lùisa: Call Me The Witch (Review)

Artist:

Lùisa

Lùisa: Call Me The Witch
Album:

Call Me The Witch

Medium: CD/LP/Download
Stil:

Singer/Songwriter, Indie-Pop

Label: recordJET
Spieldauer: 33:59
Erschienen: 10.04.2026
Website: [Link]

Als die Hamburger Musikerin LÙISA 2021 ihr drittes Album "New Woman" veröffentlichte, schien sie ihren Weg im Musikbusiness gefunden zu haben. Mit dem von TOBIAS SIEBERT produzierten Album hatte sie einen eigenständigen, variantenreichen Alt-Pop-Sound entwickelt und überzeugte auf der lyrischen Seite mit einer positiv gestimmten Empowerment Note - eigentlich genau das Richtige also, um als Songwriterin im heutigen Musikdschungel ein Publikum finden zu können.


Freilich: Die "Powers That Be" betrachteten die Sache von der Marketing-Seite und wollten mehr: LÙISA sollte sich für das nächste Album einem angesagten, internationalen Pop-Produzenten anvertrauen, der ihren Song gefälliger und massentauglicher machen sollte und ihre Stimme solle besser weniger rau klingen als bis dahin. Logisch, dass sich so etwas eine Frau mit Rückgrat und Selbstachtung nicht gefallen lässt und so ging LÙISA ihren eigenen Weg, um das nun vorliegende, vierte Album "Call Me The Witch" konsequent nach ihren Vorstellungen realisieren zu können.


So richtete sie sich ein kleines Studio in einer hölzernen Garage ein, brachte sich Produktion, Studio- und Tontechnik bei, spielte ihre neuen Songs zusammen mit ihren Musikern MAX QUENTMEIER und LASSE WEINBRANDT ein und produzierte das Ganze selbst. Nur den Mix und das Mastering überließ sie dann dem Grammy-prämierten Spezialisten JOE JOAQUIN, was notwendig und sinnvoll war, da LÙISA in Personalunion als Frontfrau, Vokalistin, Gitarristin, Arrangeurin, Produzentin und Tontechnikerin schon genug zu tun hatte und unbedingt ein ergänzendes Korrektiv wollte, um ihren Vorstellungen den letzten Schliff geben zu können.

Schließlich ging sie dann noch den letzten, entscheidenden Schritt und veröffentlicht das Album ohne Label über den RecordJet-Service, der übliche Label- und Bertriebsfunktionen zwar auch anbietet - allerdings ohne Einfluss auf die künstlerische Gestaltung zu nehmen. Insofern ist "Call Me The Witch" erneut als ein Empowerment-Statement zu sehen - mehr noch aber als Befreiungsschlag aus den Fängen des doch sehr patriarchalisch geprägten Musikbusiness, dessen Strukturen LÙISA mit diesem Album den Kampf ansagt.


Am deutlichsten wird LÙISA diesbezüglich in "Magical Female Rage". Hier beschreibt sie zunächst die Situation, in der sie von männlichen Musikprofessionals zur künstlerischen Selbstaufgabe aufgefordert wurde - nutzt das dann allerdings als selbstbewusste Kampfansage an das System. Aus diesem Sentiment rührt auch der Titel des Albums "Call Me The Witch" her, denn die Hexe, als die sich LÙISA im Titeltrack präsentiert, ist eher eine Art musikalischer Jeanne D'Arc als etwa die im Pfefferkuchenhaus lebende Kannibalin aus der Märchenwelt.


Musikalisch setzt "Call Me The Witch" in etwa da an, wo LÙISA mit "New Woman" noch nicht fertig geworden war und marschiert munter in Richtung Powerpop. Allerdings geht es dabei nicht um die Akkord-orientierte, rockige Variante, die üblicherweise von Jungs-Bands präferiert wurde - und schon gar nicht geht es darum, aktuell angesagte, hippe Trends und Moden aufzugreifen. Was hier mit 'Powerpop' gemeint ist, sind etwa munter orchestrierte, druckvolle Nummern wie "My Love Is Easy", "Call Me The Witch", "Stay The Night" oder "Summer In The Woods" oder das bereits angebrochene "Magical Female Rage", bei denen sich LÙISA an klassischen Vorbildern orientiert, die wie sie selbst auch die analoge Aufnahmetechnik bevorzugten. So lassen sich dann Spuren etwa von FLEETWOOD MAC, KATE BUSH, MICHAEL JACKSON oder WAR ON DRUGS im Soundmix entdecken - nicht als Zitate, sondern in Form einer bestimmten Ästhetik. Insbesondere KATE BUSH sieht LÙISA hier als Vorbild, denn diese Künstlerin war immer eine Wegbereiterin für das, was LÙISA und ihre gleichgesinnten Kolleginnen heutzutage verwirklichen.


Es gibt aber noch eine andere Sorte von Songs auf dem Album: Die Tracks "My Mind Is A Time Machine", "Trust", "Pace" und das abschließende "The Magic Is Everything“ wurden von LÙISA von vorneherein nicht als mögliche Singles, sondern als Album-Tracks konzipiert. Diese Nummern kommen im Vergleich weniger poppig, deutlich düsterer und in Form schleppender Balladen mit nachdenklichem Charakter daher. Hier geht es dann weniger um kämpferisches Empowerment, sondern um Innehalten, Reflexion, Selbstfindung, Zweifel und Akzeptanz. Obwohl auf der technischen Seite in Bezug auf die kunstvoll gestaffelten Gesangsharmonien bei den Up-Tempo Nummern vielleicht mehr passiert, bringt sich LÙISA als Sängerin bei diesen Songs auf eine weitaus emotionalere, verletzliche Art ein als bei den 'Single-Tracks'.

FAZIT: Mit ihrem vierten Album "Call Me The Witch" wagt die Hamburger Musikerin LÙISA den Weg in die vollständige künstlerische Unabhängigkeit und agiert - ohne Labelvertrag - sowohl als Songwriterin, Musikerin, Arrangeurin, Sängerin und Produzentin. Das zahlte sich musikalisch insofern aus, als dass sie hier zum ersten Mal keinerlei Kompromisse einzugehen brauchte und all ihre musikalischen Visionen auf vielfältige und abwechslungsreiche Weise verwirklichen konnte. Mehr LÙISA geht derzeit wirklich nicht.

Ullrich Maurer (Info) (Review 83x gelesen, veröffentlicht am )

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Wertung: 12 von 15 Punkten [?]
12 Punkte
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Tracklist:
  • My Love Is Easy
  • Call Me The Witch
  • Stay The Night
  • My MInd Os A Time Machine
  • Trust
  • Summer In The Woods
  • Magical Female Rage
  • Pace
  • The Magic Is Everything

Besetzung:

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